Oberschwäbische Barockstraße

Erlebt die Epoche des Barock

Prachtvolle Bauten mit den schönsten und feinsten Verzierungen, rauschende Feste, gepuderte Perücken und aufwendige Menüs – das Barockzeitalter war eine prunkvolle Zeit. Jedoch hatte diese Epoche auch düstere Seiten und allein bei dem Gedanken lässt es einen schon erschaudern. Ob Hexenverfolgung, Folterwerkzeuge oder die Gebeine von Katakombenheiligen – all das war neben dem Glanz und Prunk Thema im Zeitalter des Barock. In diese Welt der Gegensätze könnt ihr auf einer ganz besonderen Straße eintauchen: Die Oberschwäbische Barockstraße verbindet auf etwa 750 Kilometern die Regionen zwischen Donau und Bodensee. An den zahlreichen Stationen erwarten euch prunkvolle Schlösser, Klöster und Adelssitze, aber auch kulinarische Erlebnisse und Geschichten über die dunkle Seite des Barock. In diesem Jahr dreht sich alles rund um das Thema „BAROCK erschaudern“. Ich zeige euch, was ihr entlang der Oberschwäbischen Barockstraße alles erleben könnt!

Bibliothekssaal Kloster Wiblingen
Foto: Oberschwaben Tourismus/ Frank Müller

Diese Routen laden zum Erleben ein

Die Oberschwäbische Barockstraße ist eine der ältesten Kultur- und Ferienstraßen Deutschlands. 2016 feierte sie ihr 50-jähriges Bestehen. Auf vier Routen könnt ihr an zahlreichen Stationen eine Reise in das Zeitalter des Barock unternehmen und euch von barocken Sehenswürdigkeiten, feinster Kulinarik und damaligen Bräuchen in den Bann ziehen lassen. Die Routen möchte ich euch nun genauer vorstellen.

Auf der Grafik könnt ihr einen Blick auf alle vier Routen und einige der zahlreichen Orte und Sehenswürdigkeiten entlang der Oberschwäbischen Barockstraße werfen.

Oberschwäbische Barockstraße

Hauptroute: Auf der 380 km langen Hauptroute erwarten euch zahlreiche Highlights aus dem Barockzeitalter, die euch sicherlich das ein oder andere Mal die Sprache verschlagen werden. Seien es die eindrucksvollen Bibliothekssäle im Kloster Wiblingen oder Kloster Schussenried, das imposante Neue Schloss Tettnang oder die Wallfahrtskirche Steinhausen – lasst euch von den faszinierenden Bauwerken begeistern. Doch nicht nur auf atemberaubende Bauwerke könnt ihr euch freuen, es erwartet euch zum Beispiel auch einer der schönsten Marktplätze Süddeutschlands in Biberach, die bezaubernde Altstadt in Wangen und weitere malerische Orte und Plätze.

Westroute: Die Westroute führt euch vom Nord-Westen der Region Oberschwaben bis zum zauberhaften Bodensee. Auf eurem Weg kommt ihr an Sehenswürdigkeiten wie dem Kloster Heiligkreuztal, dem Neuen Schloss Meersburg oder dem Heimatmuseum in Veringenstadt vorbei, in dem ihr euch unter anderem das „Schandkleid“ der Bader-Ann anschauen könnt. Auf dieser Strecke warten ebenfalls einige charmante, kleine Städtchen auf euch, darunter die Stadt Pfullendorf, die mit barocken Schätzen und märchenhaften Fachwerkhäusern überrascht.

Ostroute: Auf der Ostroute gibt es ebenfalls so einige spannende Punkte zu entdecken. Unbedingt ansehen solltet ihr euch zum Beispiel die Barockbasilika St. Alexander und Theodor in Ottobeuren, denn die ist mit ihren 16 Altären, rund 11.000 Orgelpfeifen an den drei Orgeln und 1.200 Engeln echt beeindruckend!

Südroute: Auf der Südroute umrundet ihr fast einmal den kompletten Bodensee. Sowohl wunderschöne Aussichten als auch imposante Sehenswürdigkeiten warten auf eurem Weg. Bestaunt zum Beispiel das Barockschloss auf der Insel Mainau oder die Kirche St. Peter und Paul in Hilzingen – beide Bauwerke sind echte Hingucker!

Barock bestaunen: Diese Bauwerke sind echte Blickfänger

Innerhalb der verschiedenen Routen warten sechs Themenwelten auf euch, die das Leben zu Barockzeiten greifbar und erlebbar machen. Zu diesen Stationen zählen die Themen Barock bestaunen, erleben, entspannen, erlauschen, genießen und erschaudern. Vier Themen, genauer gesagt zehn Stationen, möchte ich euch nun genauer vorstellen. Zuerst wollen wir „Barock bestaunen“. Bei diesem Thema geht es vor allem um die atemberaubende Architektur aus der Zeit des Barock, die uns bis heute verzaubert. Prachtvolle Residenzen, die mit verschnörkelten  Formen und aufwändigen Verzierungen geschmückt sind, geben uns einen Eindruck davon, wie prunkvoll die Barockzeit war.

 

1. Kloster Wiblingen

Das ehemalige Benediktinerkloster in Wiblingen ist definitiv eines der Highlights der Oberschwäbischen Barockstraße, denn die im 18. Jahrhundert entstandene Klosteranlage hat wahre Hingucker zu bieten, bei denen ihr wohl nicht mehr aus dem Staunen heraus kommt. Den Anfang macht der Bibliothekssaal – ein echtes Meisterwerk des Rokoko. Wahrscheinlich wisst ihr erst einmal gar nicht, wo ihr hinschauen sollt. Sowohl die schwingende Raumform als auch die Figuren und das atemberaubende Deckenfresko machen aus der Bibliothek, die zwischen 1740 und 1750 entstand, eine absolute Besonderheit. Auch die hell gestaltete Klosterkirche St. Martin ist definitiv einen Besuch wert: Die Wände und Säulen, die in Weiß nur so strahlen, stehen in auffälligem Kontrast zu dem farbenprächtigen Deckenfresko. Dazu gesellen sich goldene Ornamente, die das Gesamtbild perfektionieren.

2. Barockbasilika Ottobeuren

Die Basilika St. Alexander und Theodor ist bereits von außen ein wahrer Blickfang, vor allem wegen ihrer je 82m hohen Zwiebeltürme, die elegant in die Höhe ragen. In der im Jahr 1766 eingeweihten Basilika wisst ihr wahrscheinlich zunächst gar nicht, wo euer Blick als erstes hinwandern soll. Es bleibt euch überlassen, ob ihr euch zuerst den Stuckfiguren widmet, lieber erst das bunte Deckenfresko in der großen zentralen Kuppel der Basilika genauer unter die Lupe nehmt oder die drei klangvollen Orgeln bestaunt.

Kirchenführung: jeden Samstag zwischen Ostern und Allerheiligen um 14.15 Uhr

Die vielen liebevollen Details mischen sich auf einzigartige Art und Weise mit den verschiedensten Formen und Farben – einfach nur überwältigend! Guru Tipp: Nehmt an einer Kirchenführung teil, so könnt ihr euch von einem Mönch die Besonderheiten der Basilika genau erklären lassen.

3. Neues Schloss Meersburg

Alleine die Lage der Sehenswürdigkeit, die ich euch jetzt vorstellen möchte, ist einfach fantastisch. Das Neue Schloss Meersburg befindet sich an einem Steilhang hoch über dem Ufer des Bodensees – ein atemberaubender Panoramaausblick ist euch hier schon mal garantiert. Die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Konstanz hat aber nicht nur eine malerische Aussicht über den Bodensee zu bieten, sondern auch im Inneren des hübschen Schlosses warten einige Highlights auf euch. Bereits das hell gestaltete Treppenhaus, das den Eingangsbereich mit dem repräsentativen Hauptgeschoss verbindet, ist einfach nur beeindruckend. Vasen und Laternen gesellen sich zu Götter- und Löwenfiguren, hinzu kommt das riesige, farbenfrohe Deckengemälde, das in purem Kontrast zu den weißen Wänden und Verzierungen steht. Im zweiten Obergeschoss angekommen erwartet euch der prunkvolle Festsaal mit seinen vergoldeten Profilrahmen, großen Spiegeln, Stuckaturen und dem farbenprächtigen Deckenfresko, das nicht beeindruckender sein könnte.

4. Basilika Weingarten

Die Basilika, die ich euch noch unbedingt vorstellen möchte, befindet sich in der charmanten Stadt Weingarten.

Die Basilika ist alljährlich Schauplatz des Blutritts: Rund 3.000 Reiter und Musikkapellen ziehen mit der Heilig-Blut-Reliquie zur Basilika.

Die Basilika Weingarten, zwischen 1715 und 1724 erbaut, ist die größte Barockbasilika nördlich der Alpen und zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauwerken des Hochbarock an der Oberschwäbischen Barockstraße. Mit ihren Altären, den umwerfenden Deckenfresken, ihren Stuckarbeiten und dem Chorgestühl zieht sie alle Blicke auf sich. Zu den Kostbarkeiten der Basilika zählen zum einen die Gabler-Orgel mit fast 7.000 Pfeifen, die als eine der bedeutendsten Barockorgeln Deutschlands gilt, sowie die Heilig-Blut-Reliquie – mit Christi Blut vermischte Erde – die das Kloster im Jahr 1094 als Geschenk erhielt. Basilikaführungen finden von Mai bis Oktober Sonn- und Feiertags um 14.30 Uhr statt (ab 16 Personen 2€ pro Besucher).

Barock genießen: Eine kulinarische Reise

In der Barockzeit waren rauschende Feste und opulente Speisen keine Seltenheit. Auch heute noch könnt ihr euch kulinarisch verwöhnen lassen wie zu Zeiten des Barock. Entlang der Oberschwäbischen Barockstraße findet ihr so einige Gastgeber, die Gerichte aus dem Barockzeitalter stilecht nach alten Rezepten zubereiten. Ich stelle euch drei Gastgeber mal etwas genauer vor.

 

5. Fidelisbäck

Unsere erste Station ist das Fidelisbäck in Wangen, in dem seit mehr als 500 Jahren fleißig gebacken wird. Wollt ihr euch während eurer Tour auf der Oberschwäbischen Barockstraße stärken, habt ihr im Fidelisbäck die Qual der Wahl. Wie wäre es mit einem frischen Laugenhörnle oder einer knusprigen Seele – baguetteartiges Weißbrotgebäck – zum Mitnehmen? Oder macht es euch in der Gastwirtschaft gleich richtig gemütlich und lasst euch eine der Suppenkreationen oder einen warmen Leberkäs schmecken. Auch im Biergarten könnt ihr es euch gut gehen lassen.

Übrigens solltet ihr nicht nur im Fidelisbäck vorbei schauen, sondern auch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt machen. Erkundet die denkmalgeschützte Altstadt Wangens und bestaunt die historischen Gebäude, Türme, Tore und Brunnen der Stadt.

6. Brauerei und Gasthof Zur Krone

Im Herzen der Hopfenstadt Tettnang befindet sich die Tettnanger Krone, die seit 1847 von der Familie Tauscher geführt wird.

Die Tettnanger Krone war einst das Wohnhaus des letzten Montfortgrafen Anton IV.

In der Brauerei und dem Gasthof könnt ihr euch nicht nur handgemachte schwäbische Küche schmecken lassen, sondern auch das berühmte Kronen-Bier. Bereits in siebter Generation braut Geschäftsführer Fritz Tauscher seine preisgekrönten Biere – übrigens könnt ihr hier mal Bio-Bier probieren. Zur Brauerei gehört außerdem ein Gasthof mit acht Gästezimmern, darunter das Montfortzimmer, in dem ihr euch wie Graf Anton IV. fühlen könnt. Sowohl die stilechten Stofftapeten als auch das reproduzierte Deckengemälde aus einem Eckturm des Neuen Schlosses Tettnang machen das Zimmer zu einer ganz besonderen Unterkunft.

Weitere Tipps für einen Ausflug in die Hopfenstadt Tettnang: Für noch mehr kulinarische Erlebnisse solltet ihr das Hopfengut No20 besuchen. Ihr erlebt ein einmaliges Konzept aus Hopfenanbau, Brauerei, Museum, Laden und Gaststätte. Lasst es euch also nicht nur vor Ort schmecken, sondern nehmt euch direkt was mit und lernt einiges über die Welt des Hopfens. In Tettnang befindet sich zudem das imposante Neue Schloss Tettnang, das mit seinem beeindruckenden Bacchussaal, der Schloss und dem Vagantenkabinett echte Highlights zu bieten hat.

7. Konditorei Hager

In der Konditorei Hager in Bad Wurzach könnt ihr ein ganz besonderes Gebäck aus der Barockzeit probieren – die Trisinet Schnitten.

Der Name Trisinet-Schnitten deutet auf drei – also tri – im Barock sehr wertvolle Zutaten hin: Zimt, Nelken und Anis.

Bereits im 17. Jahrhundert wurden die Trisinet-Schnitten von den Klosterfrauen des Klosters Maria Rosengarten gegenüber der Konditorei hergestellt. Um 1870 gelangte das Rezept über eine Backhelferin zum Konditor Richard Geray – bis heute werden die Trisinet-Schnitten nach diesem Rezept hergestellt. Während das Gebäck zur Zeit des Barock vor allem als Stärkung für Wöchnerinnen galt, wird es heute mit Rotwein übergossen und als Konfekt zum Dessert genossen.

Trisinet Schnitten
Trisinet Schnitten | Foto: Oberschwaben Tourismus GmbH

Barock erleben: Taucht hautnah in das Zeitalter ein

8. Kloster Schussenried

Entlang der Oberschwäbischen Barockstraße gibt es einige Stationen, an denen ihr den Barock nicht nur bestaunen, sondern erleben könnt. Eine dieser Stationen ist das Kloster Schussenried. Das 1183 gegründete Kloster entwickelte sich mit der Zeit zu einer immer größeren Klosteranlage. Höhepunkt der Neuen Klosteranlage, deren Bau Mitte des 18. Jahrhunderts geplant, aber nie richtig vollendet wurde, ist der atemberaubende Bibliothekssaal. Der Saal überrascht nicht nur mit einem großen Deckenfresko, sondern auch mit seinen zwei Geschossen mit Galerie – eine Erfindung der Barockzeit. Guru Tipp: Nutzt den Audioguide, den ihr an der Kasse erhaltet, um alle Besonderheiten der Bibliothek zu erfahren.

In der Dauerausstellung des Museums erfahrt ihr dagegen mehr über die Geschichte des Klosters. Hier gilt nicht nur sehen, sondern auch hören und anfassen. Außerdem überzeigt das Kloster Schussenried mit einem abwechslungsreichen Programm, darunter Klosterführungen, Erlebnistage, Konzerte und Vorträge.

Barock erschaudern: Die dunkle Seite des Barock

Das Barockzeitalter bestand nicht nur aus fröhlichen Festen, prunkvollen Gebäuden und üppigen Speisen, sondern hatte auch seine dunklen Seiten. Kerker, Pranger und Galgen, Hexenverfolgung, das bäuerliche Leben bestehend aus harter Arbeit und Armut sowie die Verehrung der Gebeine von Katakombenheiligen sind ebenfalls ein Teil der Geschichte des Barock. Ich stelle euch zwei der packenden Stationen auf der Route der Oberschwäbischen Barockstraße vor.

9. Hexenverfolgung – Heimatmuseum Veringenstadt

Neben prähistorischen Funden könnt ihr euch im Heimatmuseum Veringenstadt auch das „Schandkleid“ der Bader Ann anschauen, die im Jahr 1680 als letztes Opfer der Hexenverfolgung in Veringenstadt hingerichtet wurde. Das Hemd musste sie bei ihrer Verurteilung tragen. Die Besichtigung des Museums ist mit einer Führung möglich. Der Eintritt kostet 2€. Wer etwas von den Schattenseiten des Barock erfahren will, sollte also unbedingt einen Abstecher ins Heimatmuseum Veringenstadt machen.

Bader Ann Veringenstadt
Das "Hexenhemd" der Bader Ann | Foto: Oberschwaben Tourismus/ Frank Müller

10. „Heilige Leiber“ – Klosterkirche Wald

Noch heute könnt ihr in vielen Kirchen und Klöstern entlang der Oberschwäbischen Barockstraße die mit Gold, Edelsteinen und kostbaren Gewändern geschmückten Gebeine von Heiligen bestaunen. Die „Heiligen Leiber“, die aus römischen Katakomben stammen und seit Hunderten von Jahren in gläsernen Schreinen ruhen, könnt ihr beispielsweise in der Klosterkirche Wald bewundern. Diese wartet auch mit beeindruckenden Malereien und Stuckaturen auf euch.

Heiliger Leib Klosterkirche Wald
Ein "Heiliger Leib" in der Klosterkirche Wald | Foto: Oberschwaben Tourismus/ Frank Müller

Erlebt die Barockzeit hautnah!

Lernt das Barockzeitalter auf der Oberschwäbischen Barockstraße kennen und lasst euch von den imposanten Bauwerken, Bräuchen und kulinarischen Besonderheiten verzaubern. Noch mehr Barock erleben könnt ihr übrigens bei der BAROCKwoche vom 10. bis 18. August 2019. An zahlreichen Stationen warten unterschiedliche Erlebnisse auf euch, darunter Kostümführungen durch prachtvolle Barockgebäude, Musik aus dem 18. Jahrhundert und kulinarische Highlights. Ihr wollt alle Themenwelten kennenlernen? Mit einem Klick habt ihr alles zum Thema Oberschwäbische Barockstraße auf einen Blick!

Oberschwäbische Barockstraße

Beitragsbild: OTG/ Frank Müller

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