Wenn ihr heute innerhalb der EU in ein anderes Land reisen wollt, dann tut ihr das einfach. Außerhalb der Europäischen Union müsst ihr dann schon mal euren Pass vorzeigen. Doch es gibt auch Länder in der Welt, wo der Grenzübertritt oder schon der Aufenthalt in der Grenzzone richtig gefährlich ist.

An diesen Landesgrenzen sind keine langen Autoschlangen oder nervige Passkontrollen das Problem: Es gibt Staatsgrenzen, in deren Nähe man besser gar nicht erst kommen sollte. Ich zeige euch gefährliche Grenzen in der ganzen Welt und was sie so bedrohlich macht. Von riesigen Zäunen über Wachleute mit Schießbefehl und Sperrzonen bis hin zur ständigen Angst vor Terroranschlägen – diese Staatsgrenzen laden nicht zum Übertritt ein. Wo sie sich befinden, erfahrt ihr in meinem Artikel.

Diese gefährlichen Grenzen gibt es weltweit

USA-Mexiko | Türkei-Syrien | Südkorea-Nordkorea

GazastreifenCeuta und Melilla | Zypern

Dominikanische Republik-Haiti | Nordirland-Irland | Russland-Krim

China-Tibet | Westberlin-Ostberlin

Die Grenze zwischen USA und Mexiko

Fangen wir an mit einer Grenze, über die zuletzt oft in den Nachrichten berichtet wurde und über die immer wieder heiß diskutiert wird. Die Rede ist von der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Auf etwa 3200 Kilometern verläuft sie durch Großstädte und kilometerweite Wüste. Problematisch ist hier immer wieder die illegale Einwanderung von Mexiko in die USA, Waffen- und Drogenschmuggel – deshalb findet man überall hohe Zäune, Stahlwände und unzählige Grenzbeamte, US-Präsident Donald Trump plant einen sehr umstrittenen riesigen Ausbau der Anlagen. Der Grenzübertritt endet hier für viele Migranten aus Lateinamerika tödlich – ob durch die Hitze der Wüste oder tödliche Schüsse der Grenzpatrouille. An dieser gefährlichen Grenze haben seit 1990 tausende von Menschen ihr Leben gelassen. Wenn ihr an einem der Grenzübergänge mit dem Auto das Land wechseln wollt, müsst ihr euch auf lange Wartezeiten, unangenehme Fragen und Durchsuchungen einstellen.

Die türkisch-syrische Grenze

Die nächste unserer gefährlichen Grenzen trennt ein traumhaftes Urlaubsland von einem der aktuell gefährlichsten Orte der Welt: Die fast 900 Kilometer lange Grenze zwischen der Türkei und Syrien.

Nur zwei Meter trennen Urlaub von Bürgerkrieg.

Seit 2011 wütet in Syrien nun schon der Bürgerkrieg, die Türkei hat mittlerweile auf den Druck aus den USA und Europa reagiert: Eine drei Meter hohe und zwei Meter breite mit Stacheldraht gekrönte Mauer, die entlang der gesamten Grenze verläuft, soll die Einreise von möglichen IS Terroristen verhindern. Hier solltet ihr euch also lieber nicht aufhalten! Nur zwei Meter Luftlinie trennen euch hier im Urlaub von der Hölle auf Erden…

Die gefährliche Grenze zwischen Nord- und Südkorea

Wir bleiben in Asien – und auch bei einem aktuellen Thema. Kaum ein Land hat sich in den letzten Jahren so von der übrigen Welt abgeschottet wie Nordkorea. Dabei gibt es die Grenze zwischen Nord- und Südkorea schon viel länger: Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde das Land von den Besatzungsmächten offiziell geteilt, nach dem Korea Krieg 1953 wurde die Spaltung Koreas noch verschärft. Seitdem gibt es mitten auf der Halbinsel – auf den gesamten 248 Kilometern – eine sogenannte vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone, in der kein Militär stationiert oder bewegt werden darf. In diese Zone gibt es allerdings immer wieder Touristenfahrten, vor allem zum Dora Observatory.

Gefährliche Grenzen Dora Observatory
Ausblick vom Dora Observatory nach Nordkorea

Von hier aus könnt ihr durch Ferngläser einen Blick in den Norden werfen – sehen werdet ihr aber nicht viel – außer viel Land und dem unbewohnten Propaganda Village. Dafür könnt ihr aber leise Propagandabotschaften hören, die von einem Lautsprecher auf einem Laster kommen, der angeblich jeden Tag vor der Grenze auf und ab fährt. Noch unbehaglicher ist mir zu Mute geworden, als ich vor dem sogenannten dritten Angriffstunnel stand. Das ist einer von bisher vier entdeckten Tunneln, die Nordkorea unter der entmilitarisierten Zone nach Südkorea gebaut hat. Die Tunnel wurden von Südkorea natürlich zubetoniert, trotzdem ist es kein schönes Gefühl, zu wissen, dass hier innerhalb einer Stunde bis zu 30.000 Soldaten nach Südkorea gelangen könnten. Da nie offiziell ein Friedensvertrag zwischen Nord und Süd geschlossen wurde und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un als unberechenbar gilt, bewegt ihr euch hier auf einem Pulverfass.

Pulverfass Gazastreifen

Im Gazastreifen ist Krieg nicht nur möglich, sondern bittere Realität: Im Küstengebiet zwischen Israel und Ägypten liegt der aus den Nachrichten nur allzu gut bekannte Gazastreifen. Offiziell zum mehrheitlich anerkannten Staat Palästina zählend, leben hier inmitten von Sand und Dünen etwa 2 Millionen Menschen. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass das Gebiet seit 2007 unter der Kontrolle der Terrororganisation der Hamas steht, die einen islamischen Staat errichten wollen.

Der Grenzübergang zu Ägypten ist seitdem gesperrt, Israel hat eine Sperranlage um seine kompletten Grenzen gezogen, das allerdings schon seit 1994. Trotzdem bleibt das Gebiet im und rund um den Gazastreifen hoch gefährlich, es kommt immer wieder zu Anschlägen, Morden und Entführungen. Eine zentrale Rolle hierbei spielt auch ein unterirdisches Tunnelsystem, das den Gazastreifen, Ägypten und Israel verbindet und in der Hand der Hamas ist.

Gefährliche Grenzen Gazastreifen
Blick auf einige Häuser im Gazastreifen.

Ceuta und Melilla – Spanien in Afrika

Weiter geht es mit zwei spanischen Städten, die mitten in Afrika liegen. Hä, das gibt’s doch gar nicht? Doch, das gibt es! Die Küstenstadt Ceuta liegt nur etwa 20 Kilometer von der spanischen Küste entfernt auf dem afrikanischen Kontinent in Marokko. Melilla 225 Kilometer weiter westlich ebenfalls an der marokkanischen Küste. Beide sind sogenannte spanische Exklaven, gehören also zu Spanien und zur Europäischen Union. So cool sich das auch anhört – Ceuta und Melilla haben auch eine Schattenseite: Die Städte sind von meterhohen Grenzzäunen aus Stacheldraht umgeben, überall sind schwer bewaffnete Wachleute aufgestellt. Das soll die illegale Einwanderung in die EU verhindern. Trotzdem versuchen immer wieder Menschen aus ganz Afrika die Grenzen zu überwinden – oft auch mit Gewalt. Sie harren wochen- und monatelang vor den Zäunen aus, um in regelmäßigen Abständen immer wieder zu versuchen, das vermeintliche Land ihrer Träume zu erreichen. Die Grenzen in Marokko haben durch Geschosse oder den Grenzzaun mit seinem spitzen Stacheldraht schon unzählige Tote gefordert. Auf eurer nächsten Marokko Reise solltet ihr in der Nähe von Ceuta und Melilla also auf der Hut sein!

Gefährliche Grenzen
Blick auf die spanische Exklave Melilla.

Zypern – Eine geteilte Insel

Auf der beliebten Urlaubsinsel Zypern ist es zwar nicht so gefährlich wie im Gazastreifen oder an der Grenze zu Syrien, trotzdem kann einem hier schon mal der ein oder andere Schauer über den Rücken laufen. Aber was ist hier überhaupt los, wozu eine Grenze, wenn es doch offiziell die Republik Zypern gibt? Die Mittelmeerinsel ist aufgeteilt in die Republik Zypern im Süden und das von der Türkei kontrollierte Nordzypern, eine Tatsache, die aber auch nur von der Türkei anerkannt wird. Zwischen den beiden Teilen gibt es die sogenannte Grüne Linie, eine Pufferzone, die auch die Hauptstadt Nikosia teilt. Seit der türkischen Invasion 1974 ist die einst meist besuchte Stadt Zyperns, Varosia, im Osten der Insel im Zuge des Konflikts militärisches Sperrgebiet.

Ein hoher Zaun mit Wachtürmen trennt Varosia vom Rest der Insel. Die zahlreichen Hotels der Stadt, die über 30.000 Urlauber aufnehmen können, stehen leer – Varosia ist zu einer Geisterstadt geworden. Zwar könnt ihr auf Zypern die Grenze zwischen Nord und Süd relativ unkompliziert passieren, allerdings zeigt vor allem die Geisterstadt Varosia, was Konflikte zwischen zwei Ländern verursachen können. Statt lachenden Kindern und fröhlichen Urlaubern, wie sie sonst auf der Insel zu finden sind, findet man hier nur leerstehende Gebäude, Müll und Insekten. Werft doch mal einen Blick in meine Zypern Tipps, wenn ihr mehr über die Grenze der Insel erfahren möchtet.

Gefährliche Grenzen Varosia Zypern
Foto: Anton Kudelin / Shutterstock.com

Hispaniola – Eine Insel, zwei Welten

Stellt euch weiße Traumstrände, Palmen, türkisblaues Wasser und 5 Sterne Hotels mitten in der Karibik vor. Ihr musstet sofort an die Dominikanische Republik denken? Ich auch! So, und jetzt stellt euch eines der ärmsten Länder der Welt vor, hungernde Kinder und dreckige Straßen. Das alles findet ihr auf ein und demselben Eiland. Die karibische Insel Hispaniola teilen sich zwei Staaten: Die Dominikanische Republik im Westen und das krisengebeutelte Land Haiti im Osten. Wer hier als Tourist die Grenze überqueren möchte, muss nicht nur mit den Bildern des Elends der bettelnden Menschen umgehen können, sondern auch mit Korruption und einer erhöhten Kriminalität – zumindest, wenn ihr die Grenze privat überqueren möchtet. Fahrt ihr mit einem der großen Busunternehmen entgeht ihr zwar der möglichen Korruption, müsst dafür aber zwischenzeitlich euren Reisepass aus der Hand geben. Es gibt auf der Welt ganz bestimmt sicherere Orte als den an der Grenze zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik.

Irland und Nordirland – Katholiken gegen Protestanten

Auch auf der, heute bei Touristen sehr beliebten, Insel Irland war eine Staatsgrenze der Auslöser für eine grausame Zeit: An der Grenze zwischen Nordirland und Irland habt ihr zwar heute nichts mehr zu befürchten, also keine Angst bei eurem nächsten Irland Urlaub – trotzdem brodelt es hier immer noch. Während die Republik Irland – also der südliche Teil der Insel – 1922 unabhängig wurde, blieb Nordirland ein Teil des Vereinigten Königreichs. In den 60er Jahren passierte es dann: Die Katholiken in Nordirland forderten eine Wiedervereinigung mit dem Süden der Insel – die Protestanten waren strikt dagegen. Wenn ihr jetzt denkt, dass es deswegen eine Menge Demonstrationen, Reden und politische Diskussionen gab, täuscht ihr euch gewaltig: Attentate, Straßenkämpfe und viele Tote prägten diese Zeit. In Irland herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände, die sowohl auf das Konto der katholischen als auch der protestantischen extremistischen Vereinigungen gingen. Erst 1995 – also etwa 30 Jahre später – gab es einen offiziellen Friedensschluss zwischen den verfeindeten Lagern. Es gibt allerdings immer noch kleine radikale Gruppen, die diesen Friedensvertrag nicht anerkennen. Hier herrscht also immer noch ein brodelnder Konflikt, der schon über 50 Jahre anhält – und das alles nur wegen einer Grenze.

Gefährliche Grenzen Nordirland
Die Hände-über-die-Kluft-Skulptur in Londonderry in Nordirland steht für die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung.

Die Annexion der ukrainischen Krim

Von diesem Grenzkonflikt müsst ihr einfach gehört haben: Seit Ende November 2013 war es in der Ukraine politisch sowieso schon sehr unruhig. Anfang 2014 knallte es dann auf der Halbinsel Krim. Dort leben viele russischsprachige Bürger, auch deswegen kam es im März 2014 zu dem umstrittenen Referendum, in dem sich die Bürger für einen Anschluss an die Russische Föderation entschieden. In Folge der Abstimmung kam es zu Ausschreitungen zwischen pro-russischen Separatisten und ukrainischem Militär – tausende Menschen verloren ihr Leben, andere sind auf der Flucht aus ihrer Heimat. Zwischenzeitlich gab es eine brüchige Waffenruhe. Die Annexion der Krim durch Russland wird von den westlichen Staaten bis heute nicht anerkannt. Folge für Touristen: Die Regierung in Kiew verbietet die Einreise in die Ukraine über die Krim.

Gefährliche Grenzen Krim
Foto: Mariia Golovianko / Shutterstock.com

Unabhängigkeit für Tibet?

Auch im Reich der Mitte hat sich über die Jahre ein scheinbar unlösbarer Konflikt zusammengebraut, in dessen Mittelpunkt mal wieder eine gefährliche Grenze steht. Seit der Gründung der Volksrepublik China 1949 herrschen unüberwindbare Differenzen mit dem „Dach der Welt“ – Tibet. Nach dem Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg wollte man auch Tibet unter seine Kontrolle bringen, ein Abkommen diesbezüglich wurde auch von allen Beteiligten – darunter dem heute im Exil lebenden Dalai Lama – unterzeichnet. Das Problem? Die Tibeter sagen, dass sie mit Waffengewalt zu ihren Unterschriften gezwungen wurden. Bis heute mussten tausende von ihnen durch Zerstörung von Klöstern oder Aufenthalte in Arbeitslagern ihr Leben lassen. Anfang 2017 wurde die Militärpräsenz der Chinesen in Tibet stark verschärft, um mögliche Abspaltungsversuche seitens der Tibeter zu verhindern. Ein undurchsichtiger Grenzkonflikt, der viele unschuldige Opfer fordert.

Möchtet ihr als Touristen nach Tibet reisen, benötigt ihr eine Einreisegenehmigung, die von der Volksrepublik China ausgesprochen werden muss. Es wird nur in Verbindung mit einem Fahrer und Führer ausgestellt, was zeigt, wie sehr China selbst die Tibet-Touristen kontrollieren möchte. Eine Grenze, die also nicht leicht überschritten werden kann.

Gefährliche Grenzen, Tibet China
Foto: Nadezda Murmakova / Shutterstock.com

Rückblick: West- und Ostberlin

Bevor die ersten von euch jetzt an mir zweifeln: Ja, ich weiß, dass die Mauer 1989 gefallen ist! Trotzdem habe ich sie in meine Liste aufgenommen, um euch daran zu erinnern, dass es vor nicht allzu langer Zeit auch bei uns eine sehr gefährliche Grenze gab. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Deutschland unter den Siegermächten aufgeteilt, was 1961 im Bau der Berliner Mauer gipfelte. Die DDR im Osten und die BRD im Westen – plötzlich war Deutschland ein geteiltes Land. Bis zum 9. November 1989 hatten die Grenzbeamten der DDR einen Schießbefehl für unerlaubte Grenzübertritte. An der 167,8 Kilometer langen Mauer mussten viele Menschen ihr Leben lassen. Um mehr über dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte zu erfahren, besucht ihr die Überreste der Mauer am besten vor Ort, zum Beispiel an der East Side Gallery, am Checkpoint Charlie oder in einem der zahlreichen Museen, die an die Zeit der Trennung erinnern. Mehr Infos bekommt ihr in meinen Berlin Tipps.

Gefährliche Grenzen Berliner Mauer
Foto: Noppasin / Shutterstock.com

Zeit, um mal nachzudenken!

Unglaublich, dass es auch heutzutage noch so gefährliche Grenzübergänge zwischen Ländern gibt, oder? Vielleicht sollten wir während unserer nächsten Reise in die Niederlande oder nach Frankreich – wenn wir gemütlich im Auto sitzen, Kaffee aus unserer Thermoskanne schlürfen und die Grenze überfahren – kurz inne halten und dankbar für unsere sichere Reisefreiheit sein. Und wenn ihr doch mal in der Nähe einer der gefährlichen Grenzen seid – passt auf euch auf!

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