Es gibt sie immer wieder, die berühmten Märchen und Legenden, die sich seit Jahrzehnten unter Reisenden hartnäckig halten. Das Kürzel STS ist eines davon und soll es angeblich ermöglichen, ohne Briefmarke eine Postkarte zu verschicken. Was ist dran am Märchen der kostenlosen Briefsendungen?

Auch, wenn es heutzutage viel leichter und schneller geht, mal eben bei Instagram ein Foto aus dem Urlaub zu posten und die Lieben daheim zu grüßen, freut man sich immer, wenn doch einmal eine Postkarte im Briefkasten liegt.

Auch mich hat letztens ein Urlaubsgruß auf dem guten alten Postweg erreicht. Doch was steht denn da oben in der Ecke? Dort, wo eigentlich die Briefmarke klebt, steht nur „STS“. Natürlich will ich wissen, was es mit der mysteriösen Abkürzung auf sich hat und habe etwas recherchiert.

Ansichtskarte schreiben – writing a picture postcard 05

STS Postkarten – für arme Studenten und Soldaten

Wenn man STS als Suchbegriff bei Google eingibt, kommen die unterschiedlichsten Ergebnisse, die alle etwas anderes sagen. Einige sagen STS sei die Abkürzung für „Student to Student“ und behaupten, dass STS ein sehr altes Abkommen ist, um armen Studenten entgegen zu kommen, die sich keine Briefmarken leisten konnten.

Andere sagen, dass es ein Überbleibsel aus dem Ersten Weltkrieg sei, das für Soldaten gedacht war, um Briefe nach Hause zu schicken. Während des Krieges waren die Soldaten meist in abgelegenen Gebieten unterwegs und hatten keinen Zugang zu Postämtern. Wenn sie eine Nachricht nach Hause schicken wollten, mussten sie die Briefe Vorbeireisenden mitgeben, welche diese dann in den nächsten Postkasten werfen konnten. STS steht in diesem Falle für „Soldier to Soldiers (family)“.

In unterschiedlichen Foren schreiben immer wieder User, dass ihre Postkarten trotz fehlender Briefmarke angekommen sind. Nur vereinzelt seien keine Karten angekommen, was aber selbst dann passieren kann, wenn man die Karten ausreichend frankiert hat.

So richtig überzeugt haben mich diese Antworten nicht. Nach längerer Recherche bin ich auf ein Statement der Deutschen Post gestoßen. Laut des Pressesprechers gebe es nur eine Sendung, die wirklich kostenlos sei: die Blindensendung, welche ausschließlich für Blinde gedacht ist. Ein weltweites Abkommen der nationalen Postinstitute, dass Studenten mit dem STS Kürzel portofrei Postkarten verschicken könnten, gebe es nicht.

Aha, da haben wir es also! STS Postkarten sind wohl einfach nur eine Legende, die sich so hartnäckig gehalten hat, dass sie mittlerweile als Wahrheit angenommen wird.

Mailman Delivering Letters To Woman

Warum kommen STS Postkarten trotzdem an?

Aber wie kommt es, dass trotzdem viele Postkarten und Briefe, die einen STS-Vermerk haben, beim richtigen Empfänger ankommen? Die Antwort ist leicht: Erst einmal sind die Kosten, die Karte zu vernichten im Vergleich zur Zustellung sehr hoch. Zweitens wäre es viel zu aufwändig, den korrekten Absender zu ermitteln. Zwar behält sich die Post das Recht vor, bei einer nicht ausreichend frankierten Sendung das Porto vom Empfänger einzuziehen, doch könnt ihr euch bestimmt vorstellen, dass der Briefträger mit Sicherheit besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, als die paar Cent für das fehlende Porto einzufordern.

Es gibt also kein Gesetz, welches besagt, dass Postkarten mit STS Kürzel immer beim Empfänger ankommen. Wenn ihr trotzdem eine Postkarte, die nur durch STS versendet wurde, im Briefkasten liegen habt, dann dürft ihr euch beim nächsten Mal nett bei eurem Briefträger bedanken. :)