Ein vier-blättriges Kleeblatt finden oder eine drei-farbige Katze besitzen ist Schnee von gestern! Freudentänze auf einem Mosaik vollführen, einen Wohlstandsbauch streicheln oder ein wildes „Ferkel“ mit Münzen füttern entwickelt sich zum neuen Trend. Entdeckt skurrile Legenden rund um glückbringende Sehenswürdigkeiten.

Jeder kennt sie, viele lieben sie, andere schämen sich einfach nur und können den Hype um sie nicht verstehen. Die Rede ist von Glücksbringern, genauer gesagt: von glückbringenden Sehenswürdigkeiten. Begleitet mich auf meiner Reise von Deutschland, nach Irland, Frankreich und Italien, bis ins weit entfernte China. Aber vergesst euren Koffer nicht, denn so viel Glück könnt ihr nach unserer Reise gar nicht alleine nach Hause tragen!

Glückbringende Sehenswürdigkeiten

Liebesglück | Schelmisches Glück | Steinharte Aufgabe | Geschwollene Sprache | Tierischer Tanz | Käufliches Glück| Schwein gehabt! | Unglückliche Jungfrau | Ein Wanst voll Glück | Goldener Knabe |

Glück in der Liebe gibt es in Köln

Meine ersten zwei Sehenswürdigkeiten befinden sich gleich um die Ecke, nämlich in Deutschland. Die erste ist sicherlich vielen von euch bekannt und ich wette, dass zumindest die Verliebten unter euch schon einmal an dieser Sehenswürdigkeit gestanden oder eine Fahrt dorthin in Planung haben. Der ein oder andere wird es sicherlich schon erraten haben: die Rede ist von der Hohenzollernbrücke in Köln. Um in den Genuss des Liebesglücks zu kommen, welches die Brücke verliebten Paaren prophezeit, bedarf es etwas Vorbereitung. Ihr müsst nämlich zuvor ein Schloss gekauft haben, welches ihr mit dem Partner oder der Partnerin an der Brücke aufhängen könnt.

lockers at the Hohenzollern bridge symbolize  love forever

Idealerweise habt ihr vorher sogar noch eure Initialen oder Namen in das Schloss graviert, sodass das Glück auch weiß, zu welchem Paar es denn nun zu gehen hat. Bestens vorbereitet reist ihr nun mit der oder dem Liebsten nach Köln, hängt euer Schloss an einen freien Platz (hier ist etwas Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt) und werft den Schlüssel dann gemeinsam in den darutner liegenden Rhein. Ich hoffe nicht, dass ich einen von euch irgendwann mit einem Bolzenschneider an der Brücke stehen sehe!

 

Mölln hat Hand und Fuß

Meine Nummer Zwei der glückbringenden Sehenswürdigkeit befindet sich im schleswig-holsteinischen Mölln, Möllner, Historiker und Schelme wissen bestimmt schon, um wen es geht. Dem Rest von euch wird spätestens ein Licht aufgehen, wenn ich sage, dass Mölln auch Eulenspiegelstadt genannt wird. Am Fuße des dortigen Kirchbergs steht in Erinnerung an Till Eulenspiegel ein Brunnen, auf dem der Schalk sitzt und schelmisch schmunzelt. Bei eurem Besuch wird euch vor allem sein rechter Daumen und seine rechte Fußspitze auffallen, die beide golden schimmern. Der Legende nach soll nämlich denjenigen das Glück ereilen, der gleichzeitig Daumen und Fußspitze reibt und sich dabei auch noch etwas wünscht. Zu behaupten, dass ich etwas überfordert war, ist leicht untertrieben…

 

Küss den Frosch..Äh Stein!

Meine Reise zu den glückbringenden Sehenswürdigkeiten führt uns zunächst weiter ins Vereinigte Königreich, genauer gesagt nach Blarney. Dieses Dorf im Süden Irlands ist vor allem durch Blarney Castle bekannt, ein Schloss, dass sich in den letzten Jahren zum wahren Touristenmagneten gewandelt hat. Der Grund hierfür ist an der Außenseite des oberen Wehrgangs zu finden und hört auf den Namen Stone of Eloquence, was wörtlich übersetzt Stein der Sprachgewandtheit bedeutet. Um an euer Glück zu gelangen, müsst ihr den Stein küssen, was sich aber als riskante Angelegenheit herausstellt. Sportskanonen und Schwindelfreie haben hier leichte Vorteile.

 

Ihr müsst euch nämlich kopfüber über die Festungsmauer beugen! Halt bieten euch dabei zwei Stangen, die ihr greifen solltet, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Wer ganz sicher gehen will, sollte einen anderen Besucher darum bitten, euch noch zusätzlich an den Knöcheln festzuhalten. Eure Mühen sollen natürlich auch belohnt werden: das Küssen des Steins soll euch zum sprachgewandten Menschen werden lassen. Gerade für Weltenbummler wie mich ideal, findet ihr nicht?

 

Das etwas andere Liebesglück in Paris

Und wenn ich gerade schon mal bei steinharten Sehenswürdigkeiten bin, geht es nun ins schöne Paris und dort auf den Friedhof Père Lachaise. Hier begebt ihr euch auf die Suche nach dem Grabmal des französischen Journalisten Victor Noir. Seiner Grabstätte hätte wohl kaum jemand Beachtung geschenkt, wäre Noir nicht durch einen Großneffen Napoleon Bonapartes erschossen worden. Den dorthin pilgernden Besuchern fiel nach kurzer Zeit schon ein prekäres Detail an der Statue auf Noirs Grabmal auf: eine klar zu erkennende Schwellung im Lendenbereich stach jedem Betrachter sofort ins Auge.

 

Klar, dass diese wohl auch eine Bedeutung haben müsse, dachten sich wohl viele und begannen energisch die Beule zu betasten und sie zu streicheln. Vor allem Frauen erhoffen sich hiervon gesteigerte Fruchtbarkeit und sexuelle Aktivität. Heutzutage wird euch wohl eher der golden schimmernde Lendenbereich als die Beule in eben diesem auffallen. Jahrelanges Berühren hat eben deutliche Spuren an Noirs Statue hinterlassen.

Ein Tanz mit dem Stier in Mailand

Überwiegend männliche Touristen werden von der nächsten, glückbringenden Sehenswürdigkeit angezogen, welche sich in der Viktor-Emanuel-Galerie in Mailand befindet. Wer seinen Blick von der wunderbaren Architektur lösen kann, sollte auf dem Boden der Galerie nach einem Mosaik Ausschau halten, welches einen weißen Stier auf blauem Grund zeigt. Verzweifelt nicht in Anbetracht der vielen Kunstwerke auf dem Boden, denn spätestens an der Traube um das Mosaik herum solltet ihr es dann eindeutig erkennen können. Habt ihr euch durchgekämpft und einen Platz in der ersten Reihe erhascht, werdet ihr Kurioses beobachten können: erwachsene Männer drehen sich einmal um ihre eigene Achse! Wichtig hierbei: ihre Absätze müssen auf den Genitalien des Stieres stehen, die aufgrund der zahlreichen Drehungen schon gar nicht mehr als solche erkannt werden können. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, warum erwachsene Männer sich vor versammelter Mannschaft zum… na, ihr wisst schon, machen. Ganz einfach: der Tanz auf den Stierhoden soll ihre Libido und ganz besonders ihre Potenz steigern. Günstiger als die kleinen, blauen Pillen ist es allemal ;)

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Foto: istock.com/gmutlu

Das Glück ist käuflich in Rom

Wir kehren Mailand den Rücken und setzen unsere Reise im wunderschönen Italien fort, denn weitere drei Sehenswürdigkeiten wollen von uns entdeckt werden. Die Bekannteste wird vor allem den Rom-Reisenden unter euch ein Begriff sein, denn der Trevi-Brunnen gehört zur „must see“-Liste eines jeden Besuchers. Wer sich von dem schönen Gesamtblick der Piazza Trevi lösen kann und sich einen Weg durch die Besucherscharen gebannt hat, sollte sich unbedingt mit dem Rücken in Richtung Brunnen stellen und ein Geldstück (bitte in der linken Hand halten!) über die Schulter in den Brunnen werfen. Treffsicheren Besuchern wird damit sicher gestellt, so besagt es zumindest die Legende, dass sie nach Rom zurückkehren werden. Ich habe mich danach mit zwei weinenden Augen von dieser wunderbaren Metropole verabschieden müssen. Ich hoffe, euch wird mehr Glück zu teil.

glückbringende Sehenswürdigkeiten

Richtig Schwein gehabt in Florenz

Wir bewegen uns nun in Richtung Norden weiter und machen im traumhaften Florenz Halt. Dort wartet Il Porcellino auf uns und unsere Münzen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das „Ferkel“ (Porcellino) als ausgewachsener Eber, was unserem Vorhaben aber keinen Abbruch tut. Auf den zweiten Blick fällt dann die leuchtend goldene Schnauze des Ebers auf, die euch schon einen guten Hinweis auf den ersten Teil des Rituals gibt. Richtig gehört! Porcellino verlangt sogar zwei Taten von euch, ehe es eine Portion Glück herausrückt. Zunächst müsst ihr, klar, die Schnauze des Tieres berühren. Eine Berührung reicht aus, aber wie ihr seht, wollten viele Besucher sicher gehen und haben deshalb an der Schnauze gerieben. Nachdem ihr sie berührt habt, müsst ihr nun auch noch eine Münze in sie legen; fällt sie heraus und damit durch ein Gitter ins Wasser (Porcellino spie mal Wasser in ein Becken) steht eurer Glückssträhne nichts mehr im Wege.

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Foto: istock.com/lexan

Julia – Oh Julia

Die letzte Etappe unserer Italienreise führt uns nach Verona. „Moment“, sagt ihr. „Verona, Shakespeare, da war doch irgendetwas?!“ Richtig! Die norditalienische Stadt ist Schauplatz von Shakespeares berühmten Drama „Romeo und Julia“ und eben dort lässt sich auch eine Skulptur des Capulet Sprösslings finden. Touristen lassen sich in ihrer Nähe zu merkwürdigen Dingen hinreißen. Jung oder alt, Mann oder Frau: alle fassen, der eine eher mit verstohlenem Blick und roten Kopf, der andere voll Begeisterung, der Statue an die rechte Brust. Glück in der Liebe versprechen sich alle von dieser Geste. Ich frage mich, ob all diese Leute auch wissen, dass sich Julia nach dem Selbstmord ihres Geliebten ebenfalls umbringt? Liebesglück sieht anders aus…Wem das an Glück nicht ausreicht oder wer der Dame nicht unbedingt an die Brust fassen möchte, dem rate ich einen Zettel mit seinen sehnlichsten Wünschen an eine der Wände hinter oder neben der Statue zu kleben.

The statue of Juliet in Verona, Italy
Foto: istock.com/ironstuff

Lachen macht Glücklich, Reiben auch!

Europa scheint nur so vor glückbringenden Sehenswürdigkeiten zu strotzen. Doch auch in Asien kann man, abseits der Maneki-neko, Glücksbringer finden. Die Reise führt uns nach China in den Lingyin-Tempel und dort zum lachenden Buddha. In einer Felsnische sitzend, steckt er euch seinen Wohlstandsbauch entgegen, der förmlich zum darüber streicheln einlädt. Wer dies tut, dem winkt Glück und Wohlstand in Hülle und Fülle.

Laughing Budda

Es ist nicht alles Gold, was glänzt in Prag

Als letzte Station steuern wir Prag an, denn dort befindet sich eine Sehenswürdigkeit, bei der nicht ganz erklärt ist, welche Wirkung ihre Berührung haben soll. Finden könnt ihr den „nackten Jungen“ in einem Innenhof der Prager Burg, in der Nähe des Spielzeugmuseums und, wie schon der Mosaikstier in Mailand, ist auch seine Skulptur häufig von einer Menschentraube umzingelt. Gerade auf junge Menschen übt der „nackte Junge“ eine nahezu magische Anziehungskraft aus. Mit lautem Gekicher, Scharmesröte im Gesicht und peinlicher Berührtheit fassen diese nämlich gerne das goldene Genital des Jungen an. Wie ihr sicherlich schon erahnen könnt, ist dieses nicht von Natur aus Gold, sondern hat erst durch das jahrelange Berühren diese Farbe angenommen.

 

Hiermit möchte ich dann auch meine Reise zu den glückbringenden Sehenswürdigkeiten beenden. Ich hoffe, ihr habt auch das ein oder andere Mal schmunzeln oder sogar lachen müssen, denn manche Legende klingt schon zu abenteuerlich, als dass man sie für bare Münze nehmen könnte. Wenn ihr an einer der Skulpturen oder Sehenswürdigkeiten vorbeikommt, schickt mir doch ruhig ein Foto und berichtet, ob das Glück seinen Weg auch zu euch gefunden hat! Ich streichle derweil selbst meinen Wohlstandsbauch, schließlich muss das Geld für meine kommenden Reisen ja irgendwoher kommen!