Wer auf der Suche nach einem Abenteuer auf vier Rädern ist, findet dieses auf 45.000 Kilometern Asphalt zwischen Alaska und dem Feuerland. Bis zu 19 Länder und so manche Klimazone durchquert ihr auf dem Weg in die Freiheit. Ein Roadtrip auf der Panamericana ist einzigartig … und gefährlich.

Wer Panamericana hört, hört gleichzeitig den Wind in den Ohren, das Geräusch des Motors, Musik aus dem Radio und spürt die Sonne im Gesicht. Wer es wagen möchte, von Alaska in den Süden Chiles und Argentiniens zu fahren, kann schon mal die Koffer packen, denn heute kommt ihr mit auf den längsten Roadtrip der Welt und durchquert zwei komplette Kontinente.

Die Panamericana

Offizielles | Organisatorisches | Verlauf | Aufgepasst | Los geht’s

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Alaska Highway

Um was geht es?

Offiziell beginnt die Panamericana erst in Texas an der Grenze Mexikos und endet in Buenos Aires in Argentinien. Inoffiziell und so wie wir diese Straße kennen, beginnt sie aber in Alaska, durchquert ganz Nordamerika und endet im Feuerland in Südamerika. Dieses System aus Schnellstraßen besteht insgesamt aus sage und schreibe 45.000 Kilometern. Nur kurz zum Vergleich: der Äquator misst „nur“ knapp über 40.000 Kilometer. Setzt ihr euch also das Ziel, die komplette Panamericana abzufahren, gleicht das einer Weltumrundung, sofern ihr alle Straßen befahrt.

Der längste Abschnitt zwischen Nord und Süd misst 27.000 km. Dass es dabei ganz schön viel zu entdecken gibt, muss vermutlich nicht erklärt werden. In diesem Artikel möchte ich euch einen kleinen Überblick geben, was möglich ist, welche Optionen ihr habt und euch vielleicht eine Inspiration geben, um euch ins Asphalt-Abenteuer zu stürzen und die beiden amerikanischen Kontinente mit dem Auto zu entdecken. Den Möglichkeiten des Roadtrips sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Die Idee, die beiden Kontinente miteinander zu verbinden, ist bereits recht alt: 1925 unterschrieben 17 Staaten den Bau des Mega-Highways in Buenos Aires und seitdem entstand nach und nach die längste Straße der Welt. Einzig der „Darién Gap“, eine Lücke im Dschungel Mittelamerikas zwingt die Reisenden einen kurzen Abschnitt mit dem Schiff zurück zu legen.

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Chile

Was müsst ihr planen?

Zeit

Zunächst ist das ganze Unterfangen eine Frage der Zeit. Wollt ihr wirklich die komplette Strecke abfahren, solltet ihr viel Zeit mitbringen, denn schließlich ist auf der Panamericana der Weg das Ziel. Während eurer Fahrt gibt es viel zu entdecken, ihr braucht Pausen, kleine Auszeiten vom Auto und wollt bestimmt Ausflüge machen. Dass dies kein normaler Urlaub ist, versteht sich von selbst. Ein Reiseportal, welches sich auf die Panamericana konzentriert, meint, dass man keinen genauen Zeitrahmen vorgeben kann, reist man aber die ganze Strecke, so kann dies schon über ein Jahr dauern. Also worauf wartet ihr? Mietvertrag und Arbeit kündigen und los geht’s! ;-)

Ok, das ist nun vielleicht nicht für jeden eine Option, das ist aber das Tolle an der Panamericana: Man kann sich ja auch einzelne Streckenabschnitte aussuchen, nur Teile befahren oder zwischen den Städten fliegen und jeweils vor Ort einen Wagen mieten – die Kreativität eures Roadtrips ist grenzenlos.

Wann soll es losgehen?

Beachtet die Klimazonen. Ihr durchquert zwei Kontinente, inklusive dem Äquator – das bedeutet, dass ihr auch auf das Wetter und die Jahreszeiten achten solltet. Startet ihr in Nordamerika empfiehlt es sich im Frühling oder Sommer los zu fahren, während andere, die im Süden beginnen, meist im September – also dem Frühling der Südhalbkugel – ihre Reise antreten.

Euer Gefährt

Tja, diese Frage müsst ihr für euch selbst beantworten. Reist ihr die komplette Panamericana entlang, empfehle ich euch ein Wohnmobil. Darin könnt ihr kochen und schlafen, wodurch ihr eine Menge Geld spart. Am besten kauft ihr euch eines vor Ort, dass ihr dann am Ende wieder verkaufen könnt oder aber natürlich ihr habt bereits eines und bringt es mit dem Schiff nach Amerika. Ihr könnt auch, je nach Budget, ein Fahrzeug mieten, wenn ihr den Stress des Kaufens umgehen wollt.

Eine andere Möglichkeit ist ein kleinerer Mietwagen, wenn ihr nur Teile der Straße befahren wollt. Falls ihr Strecken dazwischen fliegen wollt, eignet sich dies am besten, denn dann könnt ihr an eurer neuen Destination einfach einen neuen Wagen abholen. In diesem Fall könnt ihr das Fahrzeug auch der Strecke anpassen, denn manche Abschnitte sind als Offroad-Gelände ziemlich holperig – das geht nicht mit jedem Auto.

Für die echten Abenteurer unter euch gibt es noch eine Option, die wohl am sparsamsten ist: das Fahrrad. Dafür braucht ihr aber vermutlich ein bisschen länger. Und Ausdauer… und Willenskraft. Ist aber alles möglich.

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Nächtigen

Wer nicht im Wohnmobil schlafen möchte, packt am besten ein Zelt ein, denn so könnt ihr auf eurer Reise am meisten sparen. Ihr findet Campingplätze eigentlich auf der ganzen Strecke der Panamericana bzw. könnt auch in günstige Motels einchecken, falls ihr nicht so der Outdoor-Typ seid oder die Jahreszeit zu kalt ist. Das Gute ist: Ihr habt ein Auto und seid flexibel. Das Ganze ist ein Abenteuer und hinter jeder Kreuzung wartet etwas Neues auf euch, lasst euch also überraschen.

Zwischen den Kontinenten

Die Panamericana ist eigentlich, bis auf einen kurzen Abschnitt von ca. 100 km, durchgängig befahrbar. Ihr müsst lediglich eine Fähre von Panama nach Kolumbien nehmen, die auch euer Auto ohne Probleme transportiert. Habt ihr nur ein Fahrrad, könnt ihr euch auch ein Segelboot schnappen und das wunderschöne Meer ganz stylisch überqueren.

Visum

Aufgepasst: Vergesst nicht auf Einreiseformalitäten zu achten. Informiert euch dringend vorab über mögliche Visa-Anträge, damit es bei der Einreise in die verschiedenen Länder zu keinen Problemen kommt.

Budget

Kommt es zu diesem Punkt, scheiden sich natürlich die Geister. Die einen schlafen im Zelt und kochen selbst, die anderen brauchen ein Hotel und drei warme Mahlzeiten am Tag. Manche machen teure Ausflüge, andere genießen die Natur beim Wandern. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Was ihr aber ganz bestimmt einplanen müsst, sind folgende Fixkosten:

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Peru

Von Nord nach Süd

So, jetzt müsst ihr wahrscheinlich erst den Atlas auspacken, denn beim Verlauf der Panamericana kann man schon mal ein bisschen den Überblick verlieren. Zwar ist die Richtung einfach – von oben nach unten (jetzt stellt es wahrscheinlich jedem Geografen die Haare auf) oder von unten nach oben. Ihr durchquert dabei aber zwischen 14 und 19 Länder und unzählige Städte, daher sollte man sich vor der Abreise unbedingt einen kleinen Überblick verschaffen.

Alaska & Kanada

Das Abenteuer beginnt im Norden des Kontinents und zwar in der Stadt Delta Junction und führt über den Alaska Highway durch British Columbia, wo ihr bereits die erste Landesgrenze hinter euch gelassen habt. Nachdem ihr Kanada im Westen durchquert habt, fahrt ihr über Vancouver in die Vereinigten Staaten.

USA

Ihr folgt dem Verlauf der Straße und entdeckt dabei die komplette Westküste Nordamerikas, vorbei an Seattle, San Francisco und Los Angeles. Abstecher während der Reise sind natürlich immer drin – schließlich seid ihr flexibel und könnt euch auf euren vier Rädern austoben.

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Peru

Mittelamerika

An der Grenze zu Mexiko angekommen, beginnt die historische Route der Panamericana und führt euch durch Mexico City und das Inland. Weitere Länder wie Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama stehen auf eurer Liste, bevor ihr kurzzeitig das Festland verlassen müsst.

Südamerika

Nachdem ihr von der Fähre wieder runterspringt, geht es in Cartagena in Kolumbien weiter und das echte Abenteuer kann beginnen. Durch den Regenwald geht es weiter nach Quito in Ecuador, bis über die Grenze Perus in die Hauptstadt Lima. Über einen kurzen Abstecher kann man auch noch Bolivien besuchen, bevor man die chilenische Grenze überquert. In Santiago de Chile biegen wir ab und fahren nach Buenos Aires wo, historisch und offiziell gesehen, die Panamericana endet. Wir bleiben aber on the road und düsen weiter in den Süden des Kontinents, bis ganz an die Spitze, wo wir endlich das langersehnte Feuerland erreichen.

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Offroad Abschnitte erwarten euch

Gefahren

Dass dies kein üblicher Roadtrip ist, dürfte jedem klar sein. Viele Gefahren lauern auf den Straßen – sei es in Alaska ein Bär an der Raststätte oder am Campingplatz, eisige Fahrbahnen oder eine ewige Straße ohne Aussicht auf eine Tankstelle in der amerikanischen Wüste. In Mittelamerika erwarten euch schlecht ausgebaute Straßen, ein Urwald samt seinen Wetterbedingungen und Länder, die touristisch gesehen nicht optimal erschlossen sind. Ebenso darf man nicht den südamerikanischen Verkehr vergessen: schlechte Straßenzustände kombiniert mit einheimischen Fahrverhalten, Autos ohne Licht und Pferdekarren, die hinter jeder Ecke lauern. Ein technisches Gebrechen eures Fahrzeugs kann auch immer passieren. Ein Reifen platzt und schon steht ihr vor der nächsten Herausforderung. Mal davon abgesehen, dass, wenn ihr diese Reise zu zweit plant, ihr einen Menschen 24 Stunden womöglich ein Jahr lang neben euch sitzen habt. ;-) Da muss man sich schon sehr mögen.

Motoren starten

Nichtsdestotrotz bleibt die Panamericana ein einzigartiges Abenteuer, ein Mythos, den es zu bezwingen gilt. Die längste Straße der Welt, auf der sich Möglichkeiten auftun, die jedes Globetrotter-Herz höher schlagen lassen. Auf zwei Kontinenten ist wirklich für jeden etwas dabei. Also worauf wartet ihr noch?