Schwindelerregende Höhen, spektakuläre Landschaften, pulsierende Städte und endlose Weiten – das ist Südamerika. Jedes Jahr reisen viele Abenteuerlustige hierher, um die vielfältigen Länder des Kontinents zu erleben. Ich habe mich mit einer erfahrenen Backpackerin getroffen und nehme euch mit auf eine spannende Reise von Peru bis Patagonien!

Während Rucksacktourismus in Südostasien absolut im Trend liegt und eine Individualreise durch Australien mittlerweile zum guten Ton gehört, ist Backpacking in Südamerika fast noch ein Geheimtipp. Dabei ist der Kontinent ein einziges großes Abenteuer, gespickt von Landschaften, die einem – nicht nur auf Grund der dünnen Luft in den Anden – den Atem rauben! Highlight reiht sich an Highlight, Wüste an Dschungel und urbane Metropole an unglaubliche Sternenhimmel. Anna ist mit ihrem Freund zweieinhalb Monate von Peru bis Patagonien gereist, durch Nationalparks gewandert, hat in Chile am Strand gelegen und vor einem Weltwunder Selfies mit Lamas geschossen. Ihre faszinierenden Bilder teilt sie bei Instagram. Mir hat sie außerdem verraten, wohin sie ihre Reise geführt hat und welche kleinen Tipps und Tricks jeden Backpackingtrip in Südamerika ein wenig einfacher machen.

Backpacking in Südamerika

Peru | Bolivien | Chile | Patagonien | Argentinien

Einmaliges Südamerika

Auf den Spuren der Inka in Peru

Cusco | Machu Picchu | Arequipa

Nostalgischer Charme in Cusco

Annas Reise in Südamerika beginnt in Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inkareichs. „Schon der Flug von Lima aus ist wunderschön, man fliegt über die Anden und kann die schneebedeckten Gipfel sehen.“Die Stadt selbst, deren Name auf Deutsch so viel wie „Nabel der Welt“ bedeutet, gruppiert sich in einem Talkessel um den Hauptplatz Plaza de Armas. Vor allem das Zentrum schmückt sich mit wunderschönen, barocken Bauten, die mit ihren zahllosen Verschnörkelungen ein wenig nostalgischen Charme aufkommen lassen. Zur Regenzeit kann das Wetter wechselhaft sein. „Doch davon sollte man sich auf keinen Fall aufhalten lassen“, meint Anna.  

Flug nach Cusco (1)
Foto: Anna Brockhaus

Guru-Tipp: Mit der Höhenkrankheit ist nicht zu spaßen. Wenn ihr euch nicht nur ein wenig kurzatmig fühlt, sondern auch noch Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit dazu kommen, ist es Zeit zu handeln! Kompetente Hilfe bekommt ihr meist schon an der Rezeption eures Hotels oder Hostels. 
„Sobald man das Zentrum verlässt geht es bergauf. Wenn man vorher noch nicht in Südamerika war, dann kann man einen ganz schönen Höhenschock bekommen. Die Luft ist so dünn, zwei Stufen fühlen sich an wie ein Halbmarathon.“ Kein Wunder, denn Perus touristisches Zentrum liegt auf sage und schreibe 3.416 Meter Höhe und damit rund 500 Meter höher als der Gipfel der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands. Fälle von Höhenkrankheit bei Touristen kommen daher nicht selten vor.

Cusco ist der Ausgangspunkt für zahllose Touren zum Machu Picchu und hat sich im Verlauf der Jahre den Status als touristisches Zentrum Perus erworben. „Die typischen Touri- und Andenmärkte findet man überall,“ bestätigt auch Anna. Daher ist es wenig verwunderlich, dass das Preisniveau in Cusco generell etwas höher ist, als im Rest des Landes.

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Foto: Anna Brockhaus

Must-See Machu Picchu

Wenn man in Peru ist oder eine Backpacking-Tour in Südamerika plant, dann ist der Besuch von Macchu Picchu natürlich Pflicht. „Es ist schon sehr touristisch, das stimmt. Aber wenn man vor einem der sieben Weltwunder steht, dann ist es schon überwältigend, dass die Inka es irgendwann einmal gebaut haben.“ Daher stand eine Tour zu den Inkaruinen natürlich auch auf Annas Bucketlist.

Wenn man vor einem Weltwunder steht, dann ist das schon überwältigend

„Es gibt drei mögliche Wege zur Machu Picchu, den Inka Trail, welcher im Februar leider gesperrt war, einen Trail der zum Teil auf über 5.000 Meter Höhe führt und uns doch etwas zu krass war und den Inka-Jungle-Track, für den wir uns letztendlich entschieden haben.“ Für vier Tage und drei Nächte, gespickt von zahlreichen sportlichen Höhepunkten wie Mountain Biking und Rafting, ging es für Anna von Cusco aus zur Ruinenstadt Machu Picchu. „Es ist super einfach diese Touren in Cusco zu buchen, denn es gibt gefühlt tausend Anbieter, die einem alle das Gleiche zu ähnlichen Preisen anbieten.“

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Nach der letzten Übernachtung im Machu Picchu Dorf startete Annas Tag bereits sehr zeitig, denn um halb fünf öffnen die Tore zu Füßen der Inkaruinen. „Dann sollte man Pass und Ticket direkt griffbereit haben, um schnell durch den Einlass zu kommen und sich einen Machu Picchu Stempel für den Reisepass abzuholen.“ Der frühe Vogel fängt hier in der Tat den Wurm, denn wer bereits um sechs Uhr den Aufstieg geschafft hat, der kann den Sonnenaufgang über dem Weltwunder bestaunen. „Es gibt natürlich Shuttlebusse, doch das war uns zu wenig Erfahrung. Stattdessen sind wir die Stufen hinauf gelaufen. Und es hat sich absolut gelohnt!“

Annas Tipps für euren Besuch:

  • Nicht von der Jahreszeit abschrecken lassen, auch in der Regenzeit kann der Besuch wunderschön werden, solange man die richtige Kleidung einpackt.
  • Der Zug nach Machu Picchu ist leider ziemlich teuer, daher lohnt es sich die Wanderung entlang der Schienen gleich doppelt.
  • Viele Backpacker machen den gleichen Fehler und nehmen sich nur einen Tag Zeit! Sie müssen die Ruinen bereits vormittags wieder verlassen, um die letzten Busse zu bekommen. Bucht stattdessen bereits in Cusco eine weitere Nacht im Machu Picchu Dorf dazu und bleibt bis vier Uhr in Machu Picchu. Nutzt die Zeit und setzt euch auch einfach mal ein bisschen in die Sonne.
  • Bucht einen Aufstieg auf den Machu Picchu Mountain oder den Waynapicchu hinzu und bestaunt die Inkastadt von oben. Die Aussicht ist der Wahnsinn! Da die Ticket-Kontingente begrenzt sind, sollte man sich bereits frühzeitig um Tickets kümmern.
  • Macchu Picchu ist als Rundweg angelegt, man kann unterwegs also nicht einfach umkehren, sondern muss raus- und wieder reingehen. Der erneute Einlass ist jedoch nur einige Male möglich. Da auch die Toiletten vor dem Ausgang liegen, sollte der Tag gut geplant werden.
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Mit etwas Glück für Fotos zu haben: Die Lamas am Machu Picchu.  Foto: Anna Brockhaus

Falls ihr Anna so wie ich für eine echte Powerfrau haltet, die nicht nur tagelang durch die peruanische Wildnis wandert, die zahllosen Stufen zum Macchu Picchu erklimmt, einen Berg besteigt und am Ende auch noch wieder runterwandert, dann seid wenigstens ein bisschen beruhigt: „Am Ende des Tages bin ich tot ins Bett gefallen!“ 

Echtes Peru in Arequipa

Bei einer free walking Tour durch das politische und wirtschaftliche Zentrum im Süden Perus konnte Anna der Stadt näher kommen, ohne ihre Reisekasse überzustrapazieren. Arequpia leuchtet in reinweiß, es gibt zahlreiche wunderschöne Kirchen. Vor allem die Kathedrale an der Plaza de Armas, die wieder mal das Stadtzentrum markiert und typisch peruanisch beflaggt ist, sticht ins Auge. Aber auch ansonsten kam hier für Anna zum ersten Mal das Gefühl auf, wirklich in Peru angekommen zu sein: „Arequpia ist kleiner und wirkt viel untouristischer als Cusco. Der Standard der Häuser ist jedoch sehr unterschiedlich und während manche echt gepflegt sind, verfallen andere.“

Arequipa
Foto: Anna Brockhaus

Von Arequipa aus ging es weiter zum Colca Canyon für eine zweitägige Tour durch den Krater, der sogar den Grand Canyon in den Schatten stellt. Am ersten Tag der Wanderung geht es an den uralten Terrassen, die bis heute hauptsächlich von Hand und mit Hilfe von Tieren beackert werden, entlang, hinab in die Schlucht. Wer das bereits für eine echte Aufgabe hält, der wird am zweiten Tag sicher an seine Grenzen stoßen, denn dann wandert man die steilen, steinigen Serpentinenwege wieder hinauf. Daher klingt Annas Fazit zwar nüchtern, ist jedoch eine wichtige Empfehlung für alle, die mit dem Gedanken spielen sich dieses Naturwunder auch einmal selbst anzuschauen: „Wenn du das Gefühl hast nicht wieder hoch zu kommen, dann geh besser nicht runter.“ Die Tour eignet sich also nur für die Sportlichen unter euch, die beim Backpacking in Südamerika unterwegs sind.

Colca Canyon
Colca Canyon Foto: Anna Brockhaus

Bilder für die Ewigkeit: Bolivien

Titicacasee | La Paz | Uyuni

Der Titcacasee

Auf der Grenze zwischen Peru und Bolivien liegt der größte See Südamerikas. Anna hat beide Seiten besucht und tendiert ganz klar zur bolivianischen Uferseite.

Annas Tipp für Ein- und Ausreise: Ladet euch vorher eine Serie runter. Ein oder zwei Folgen schafft ihr am Grenzübergang auf jeden Fall!
Auf peruanischer Seite war alles für Touristen gemacht, die bolivianische Seite ist viel schöner!“ Bevor ihr jedoch nach Bolivien übersetzen könnt, solltet ihr ein wenig Zeit einplanen, denn die Ausreise aus Peru kann einige Zeit in Anspruch nehmen. „Die Einreise in Bolivien ging aber super schnell, ich weiß auch nicht, was die Peruaner da falsch machen…“

Backpacking in Südamerika
Foto: Anna Brockhaus

Als erste Übernachtungsmöglichkeit in Bolivien fiel Annas Wahl auf den kleinen Ort Copacabana, der in einer der Buchten am Titicacasee liegt und über eine fantastische Aussichtsplattform verfügt. Der Sonnenuntergang hat auch Anna nachhaltig beeindruckt. „Wenn der Himmel sich rosa-rot färbt und die Lichter im Dorf angehen, dazu der See, das ist schon faszinierend.“ Doch nicht nur Fotos für die Ewigkeit könnt ihr sammeln, Anna hat mir außerdem noch einen Tipp für alle Foodjunkies unter euch mitgegeben: „Am Strand des Ortes kann man super günstig und echt lecker Fisch essen.“ Klingt nach einem Plan, oder? Dann wärt ihr auch gestärkt für den nächsten Punkt auf Annas Südamerikareise: Einer Tagestour zur Isla del Sol, einer der heiligen Inseln der Inka. „Leider muss man auf der Insel des öfteren Wegegeld bezahlen. Das sind zwar immer nur ein oder zwei Euro, es läppert sich aber schon,“ verrät mir Anna. Den Ausflug auf die Isla del Sol wollte sie aber trotzdem nicht missen. Die Wege befinden sich in gutem Zustand,da macht es auch nicht so viel aus, ein Entgelt für die Nutzung zu entrichten.

Copacabana
Sonnenuntergang in Copacabana. Foto: Anna Brockhaus

Trendstadt La Paz

Ihr dachtet, La Paz sei Boliviens Hauptstadt? Das dachte ich auch, wurde aber eines Besseren belehrt, denn das ist Sucre viel weiter im Süden. In La Paz befindet sich lediglich der Regierungssitz – die Stadt strotzt trotzdem nur so vor Haupstadtflair.

Dazu gehören natürlich auch die Partyhostels wie das Wild Rover. „Ich kann das Wild Rover wirklich empfehlen, es ist immer etwas los, wir haben lauter Leute kennengelernt, es gibt eine Bar und die free walking Tour vom Hostel ist echt gut.“  Da freut sich doch das Backpacker Herz, oder?

Ansonsten muss man in La Paz auf jeden Fall mit der Seilbahn fahren, die erbaut wurde, um den Verkehr in der Großstadt zu entzerren. Die Mi Teleferico verkehrt in drei verschiedenen Linien, die alle farblich gekennzeichnet sind. „Eine Fahrt ist echt nicht teuer und eröffnet ganz neue Perspektiven auf die Stadt.“ Für alle mit Höhenangst hält La Paz natürlich auch noch zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten bereit.

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Foto: Anna Brockhaus

Uyuni und die Salzwüste

Nach einem Zwischenstopp in Sucre, wo Anna vor allem die vielen Kirchen in Erinnerung geblieben sind, ging es weiter nach Uyuni. Die dreitägige Tour in die Salar de Uyuni gehört zu Annas Highlights ihrer Reise und ist eine Unternehmung, für die sich insbesondere die Regenzeit empfiehlt. Denn nur dann verwandelt sich die Salzwüste in eine Landschaft aus bizarren Spiegelungen des Himmels, die einen optisch auf Wasser gehen lassen. Doch nicht nur tagsüber sorgt die Salzwüste für herrlich skurrile Fotomotive, auch bei Nacht sollte man seine Kamera griffbereit haben. „Nach Einbruch der Dunkelheit gab es den geilsten Sternenhimmel der ganzen Reise zu sehen.“ Und das muss schon etwas heißen!

Auch auf dem zweiten Teil der Tour hörte die Kamera nicht auf zu klicken. Annas liebstes Fotomotiv in der Wüste war rosagefiedert und in großen Gruppen an den Lagunen und Seen anzutreffen. Neben den Flamingos bevölkern aber auch Lamas und Alpakas die Wüste, die für Anna noch einen weiteren Reiz ausmacht: „Die Klimawechsel, die auf der ganzen Reise immer wieder vorkommen.“ Tatsächlich sind die Tage in der Wüste geprägt von gleißendem Licht, während es nachts empfindlich kalt werden kann. Damit euer Trip durch die entlegenen Landschaften Boliviens ebenso glücklich an der chilenischen Grenze enden kann wie Annas, rät sie euch zu einigen Vorsichtsmaßnahmen: „In Uyuni kann man die Wüstentouren überall buchen. Man ist jedoch mitten im Nirgendwo ganz allein mit dem Fahrer. Wenn die Agentur dann keine ordentlichen Autos oder Guides hat, kann es echt gefährlich werden.“ Darum solltet ihr euch vorher informieren, welcher Anbieter zuverlässig ist. Anna war übrigens mit Salty Desert Adventours unterwegs.

 

Sandboarding und Streetart in Chile

Vina del Mar | Valparaiso

Urlaubsfeeling in Vina del Mar

Nach kurzen Abstechern nach San Pedro und einem leider etwas dunstigen Tag in Santiago de Chile, wartet der nächste Höhepunkt auf ihrem Backpacking-Trip  durch Südamerika auf Anna. Vina del Mar ist als modäner Urlaubsort bekannt und tatsächlich hat auch Anna die Stadt als Hideaway vieler Einwohner Santiagos kennengelernt. Die Nähe zum Strand und die Palmen lassen echtes Urlaubsfeeling aufkommen. Einfach ein Board zu mieten und sich am Stadtstrand von Vina ins Meer zu stürzen, das war Anna dann aber doch zu einfach. Aber wie ihr euch anhand ihrer bisherigen Aktivitäten sicher vorstellen könnt – mit Sport und Bewegung darf es immer gerne etwas zu tun haben! Da kam es wie gerufen, dass die Dunas de Concon ein hervorragender Ort sind, um Sandboarden zu gehen. „Die Boards kann man bereits super günstig leihen und es macht echt super viel Spaß.“ Ganz so zimperlich sollte man aber nicht sein: „Ich bin einmal hingefallen und war komplett schwarz und voller Sand!“

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Ideal zum Sandboarden: Die Dunas de Concon. Foto: Anna Brockhaus

Wenn ihr den Sand doch lieber in seiner klassischen Bestimmung am Strand genießen wollt, dann solltet ihr einen der Abschnitte im Norden der Stadt aufsuchen, denn dort sind die Strände meist leerer, wenn nicht sogar sprichwörtlich menschenleer. Klingt alles ganz relaxt in Vina del Mar? Ist es auch, sogar am Abend: „Vina ist supersicher!“

Kunst in Valparaíso

Bekannt für Streetart und Graffitti, ist Valparaíso auf jeden Fall einen Tagesausflug wert. Hier kann man sich einfach mal nur durch die Gassen treiben lassen und die bunten Kunstwerke bestaunen, die sich überall finden lassen. Alles ist bunt, kreativ und an jeder Ecke lässt sich etwas entdecken. „In einer der zahlreichen Rooftop-Bars kann man aber auch einfach mal nur die Sonne genießen.“ Muss schließlich auch mal sein.

Zwischen zwei Ländern: Patagonien

Ushuaia & Feuerland Nationalpark | Torres del Paine | Perito Moreno | El Chaltén

Ushuaia & Feuerland Nationalpark

Ausgangspunkt für Annas Abenteuer in Patagonien ist Punta Arenas. Hier merkt sie schnell: In Patagonien ist alles etwas teurer als im Rest des Landes. Schließlich kommen auch zahlreiche Touristen in das Gebiet, in dem man immer wieder die Grenze von Argentinien nach Chile und umgekehrt übertritt. Besonders beliebt ist ein Abstecher nach Ushuaia, von wo aus man Wandertouren in den Feuerland Nationalpark unternehmen oder seine Reisedokumente mit einem Passstempel aus der südlichsten Stadt der Welt verschönern lassen kann.

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Foto: Anna Brockhaus

Für viele Backpacker ist dieser äußerste Fleck des Kontinents Punkt Nummer eins auf der Wunschliste. Anna schränkt die Vorfreude jedoch ein bisschen ein: „Ich würde nur nach Ushuaia fahren, wenn ich wirklich Zeit über hätte und auch das Geld nicht zu knapp kalkuliert ist.“ Damit spricht sie sicher einen der wunden Punkte der Region an: Die Busfahrt von Punta Arenas aus dauert gut und gerne zwölf Stunden und ist häufig ausgebucht, so dass die Spontanität ein wenig auf der Strecke bleibt. Außerdem ist der Trip in den Süden mit etwa 35 Dollar pro Person deutlich günstiger als der Rückweg, der das Doppelte kostet. „Wenn man erstmal unten ist, dann muss man ja auch schließlich irgendwie zurückkommen,“ konstatiert Anna. Der Feuerland Nationalpark ist zwar wunderschön mit seinen Fjorden, Buchten und Bergen, kann jedoch im Vergleich zum Torres del Paine nicht mithalten. Ein Zelt für eine Nacht im Nationalpark schlägt mit 25 Dollar zu Buche, die Campingplätze sind allerdings umsonst.

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Foto: Anna Brockhaus

Nationalpark Torres del Paine

In Puerto Natales angekommen, wird die Vorbereitung für einen mehrtägigen Ausflug in den Torres del Paine fast zum Kinderspiel. „Man kann einfach alles leihen, vom Zelt, über den Schlafsack bis zu Campingkocher und -geschirr. Eigentlich braucht man gar nichts mitbringen.“ Die Vorbereitungen werden zudem dadurch unterstützt, dass regelmäßig Informationsveranstaltungen abgehalten werden, bei denen Insider über die aktuelle Lage im Nationalpark, die Wettersituation, aber auch über die perfekte Packliste aufklären. Eine dieser Runden ist unter dem Namen 3 o’clock talk bekannt und findet täglich im Erratic Rock statt. „Einen Tag braucht man mindestens, um sich zu informieren, einzukaufen und alles zu packen.“ Denn im Nationalpark gibt es nur noch überteuerte Kioske für den Notfall. Darum ist es grade für Backpacker in Südamerika sinnvoll, bereits gut ausgerüstet in die Wanderung zu starten.

Jede Blase an den Füßen hat sich mehr als gelohnt

„Es gibt zwei mögliche Routen durch den Nationalpark: Den W-Track und den O-Track. Bei letzterem durchwandert man den gesamten Park und das kann ich nur empfehlen. Gut trainiert schafft man das sicher in fünf Tagen, wir haben uns aber mehr Zeit gelassen. Jede Blase an den Füßen hat sich mehr als gelohnt!“ Kein Wunder, dass der Park zu Annas absoluten Toptipps in Südamerika gehört. Ihre Wanderungen haben sie vorbei an schneebedeckten Gipfel abenteuerlicher Bergkulissen, kristallklaren Seen und beeindruckenden Gletschern geführt. Eine Traumkulisse, die so anders ist und so weit weg von Zuhause, dass man nur entweder in fatales Heimweh oder verzücktes Schwärmen geraten kann. Ratet mal, was bei Anna der Fall war.

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Die Torres del Paine. Foto: Anna Brockhaus

Namensgeber des Parks sind übrigens die Torres del Paine – drei nadelförmige Granitberge, die sich etwa in der Mitte des Parks befinden. Der Name bedeutet „Türme des blauen Himmels“ und ist auch zur Regenzeit Programm.

Annas Tipps für den Torres del Paine:

  • Essen in die Bäume hängen! Warum? Auf einigen Campingplätzen gibt es Mäuse, die sich durch die Zeltplanen und allerlei Umverpackungen bis zu den Vorräten durchfuttern.
  • Ein Wanderstock leistet vor allem während der Regenzeit mehr als gute Dienste – denn dann müssen auch schon mal Bäche durchlaufen werden.
  • Nachts wird es teilweise richtig kalt, also warm anziehen!
  • Ohne Reservierung geht gar nichts – bis zu zwei Monate im Voraus sollte die Wanderung gebucht werden

Perito Moreno Gletscher

Zugegeben, die Anreise und der Eintritt sind recht teuer. Doch, wenn ihr Annas Beweggrund hört, dann werdet ihr die 80 Dollar sicher auch gerne ausgeben. Perito Moreno ist ein Gletscher im Los Glaciares Nationalpark, der vor allem für seine gleichbleibende Masse und seine ständigen Bewegungen bekannt ist. „Und wann kommt man schließlich schon einmal so nahe an einen Gletscher?“

Durch seine Bewegungsfreudigkeit ist es nicht ungewöhnlich, dass am vorderen Ende des Gletschers ganze Spalten herausbrechen und zu Boden stürzen. Ein einmaliges Naturspektakel. „Ich habe mich hingesetzt und so lange gewartet, bis etwas abbricht. Schließlich wollte ich das unbedingt sehen. Dann fing es an zu krachen und ein riesiges Stück stürzte ins Wasser.“

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Foto: Anna Brockhaus

Wander-Haupstadt El Chaltén

El Chaltén ist als Argentiniens Wander-Hauptstadt bekannt. Dadurch, dass die Zufahrtsstraßen mittlerweile besser ausgebaut sind, ist der Weg hierher zwar nach wie vor sehr lang, aber die stundenlange Fahrt über unzureichende Schotterpisten gehört der Vergangenheit an. Besonders die Berge Fitz Roy und Cerro Torre sind bei Wanderern und Freeridern gleichermaßen beliebt. Ich habe Anna gebeten, mir ihren Eindruck der Wanderungen zu schildern: „Beide Berge sind von der Stadt aus als Tagestouren zu wandern. Alle Strecken sind hervorragend beschildert, sodass es ganz einfach ist, sich zurecht zu finden. Außerdem sind die Wege größtenteils recht flach – vor allem der Cerro Torre ist für jeden leicht zu schaffen. Auf den Wanderwegen am Fitz Roy ist lediglich der letzte Abschnitt hinauf zum Bergsee steiler und anstrengend, lohnt sich aber absolut!“

Argentinien – Ort der Gegensätze

Salta & Jujuy-Region | Buenos Aires

Salta und die Jujuy-Region

Anreise nach Salta von Buenos Aires:

  • Mit dem Flugzeug: Flugzeit etwa 2 Stunden
  • Mit dem Bus: Fahrtzeit etwa 24 Stunden oder 2x 12 Stunden mit Zwischenstopp (z.B. in Cordoba)

Nach ihren Abenteuern in Patagonien hat es Anna zurück in den äußersten Nordwesten Argentiniens verschlagen. Grund für ihre Reise ist eine Expedition ihrer Universität, die in Salta startet und durch die Jujuy-Region führt. „Man kann sich aber auch als Tourist in Salta gut bewegen. Die Gegend ist aber überhaupt nicht mit den anderen Touristenorten in Südamerika zu vergleichen! Richtig cool sind übrigens die durch Mineralien bunt gefärbten Steine, die man hier findet.“

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Foto: Anna Brockhaus

In Jujuy konnte Anna dann richtig tief in das ländliche und abgeschiedene Leben in Argentinien eintauchen: „Es gab keine Hostels oder Restaurants, wir haben zum Teil in der Kirche geschlafen und sind stundenlang über Schotterpisten gefahren, die mitten durchs Nirgendwo führten. Ich glaube nicht, dass so etwas ohne Kontakte überhaupt möglich ist.“ Wenn ihr also Backpacking-Anfänger seid, dann schreibt diese Region besser nicht auf eure Liste – auch, wenn sie durchaus ihre Reize hat.

Buenos Aires

Annas letzter Stopp vor dem Heimflug führt sie noch einmal in Argentiniens Hauptstadt. „Ich habe eine free walking tour mitgemacht, Buenos Aires ist eine richtig geile Stadt! Auch, wenn er in jedem Reiseführer steht, den Friedhof La Recoleta muss man sehen. Quasi jeder Sarg hat hier ein eigenes Haus!“ Auch der Buchladen El Ateneo Grand Splendid in einem alten Theater und das Hipsterviertel mit all seinen Hostels und Streetart hat es Anna angetan. „Hier kann man echt gut übernachten.“ Noch mehr Infos über die Stadt habe ich euch übrigens in meinem Buenos Aires Tipps zusammengefasstDas Nachtleben, für das Argentiniens Hauptstadt bekannt ist, ist Anna diesmal leider entgangen: „Nach zweieinhalb Monaten unterwegs habe ich mich ehrlich gesagt auf Zuhause gefreut.“

Recoleta (Buenos Aires)
La Recoleta Foto: Anna Brockhaus

Einmaliges Südamerika

Seid ihr auch so überwältigt von der Vielfalt Südamerikas? Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass Backpacking in Südamerika der beste Weg ist, um dem faszinierenden Kontinent ganz nahe zu kommen. Wenn ihr schon einmal die weite Reise auf euch nehmt, dann wollt ihr ja sicher auch so viel wie möglich erfahren. Anna war in jedem Fall begeistert und auch ihr werdet mehr als einmal sprachlos sein, da bin ich mir sicher! Damit eure nächste Individualreise ein echter Volltreffer wird, habe ich in meinem Reisemagazin alle wichtigen Infos für euch gesammelt. Reinschauen lohnt sich.

Abenteuer Backpacking