Alleine das Flugzeug besteigen und die weite Welt entdecken – ohne Begleitung. Findet heraus, welche Gefühle auf euch zukommen werden, wenn ihr die Landkarte selbst in die Hand nehmt.

Viele von euch haben es vielleicht schon getan und lieben es, manch andere spielen mit dem Gedanken und sind unentschlossen, einige haben sich bereits dieses Ziel gesetzt und wiederum andere bekommen schon beim Gedanken an einen alleinigen Urlaub Schweißausbrüche und Panikattacken – alleine reisen kann Gefühle jeder Art auslösen.

Alleine reisen und die Welt erobern

Das Plus | Und das Minus

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Du wirst dich verändern

Gehen wir einmal davon aus, dass eine Veränderung etwas Positives ist. Genauso positiv wird sich diese Reise auf euch und euren Charakter auswirken. Ihr werdet Dinge erleben, die euch weder zuhause noch auf Reisen mit Freunden widerfahren werden.

  • Ich bin ehrlich – ist es eure erste Reise im Alleingang, wird das ganze am Anfang kein Zuckerschlecken sein. Aber nur, weil ihr euch in einer völlig neuen Situation befindet, die ihr unbedingt zulassen müsst. Freut euch auf die vielen Dinge, die vor euch liegen und vergesst den niesenden Sitznachbar im Flieger neben euch. Schnappt euch ein Tagebuch und schreibt vom ersten Moment an alles auf. So könnt ihr eure Gedanken sammeln und ordnen.
  • All jene, die bereits weit gereist sind und dabei ihre besten Freunde zurück gelassen haben, werden mich verstehen. Alleine aufzubrechen verursacht immer ein mulmiges Gefühl. Aber sobald ihr die erste Herausforderung (sei es, dass ihr im falschen Bus sitzt oder sogar am falschen Flughafen ausgestiegen seid – ja das gibt es) gemeistert habt, wird euch euer innerliches Ich so sehr mit Stolz ausfüllen, dass ihr die Misere, in der ihr steckt, sofort wieder vergessen werdet.
  • Ja, ihr müsst reden – mit allem und jeden: dem Taxifahrer, dem Straßenverkäufer, dem verpeilten Typen, der euch euer Hostelbett zeigt, und der verrückten Yoga-Frau, deren Matte auf eurem Rucksack liegt und die euer Frühstück segnet. Lernt offen und selbstbewusst zu sein.
  • Ihr werdet so viele neue Menschen kennen lernen, dass die vielen Namen und Adressen gar nicht mehr in euer Tagebuch reinpassen. Überall trefft ihr auf Gleichgesinnte, deren Geschichten euch noch Jahre später zum Lachen bringen werden. Und auch mit den in Hostels gelernten Trinkspielen seid ihr zuhause der Renner auf jeder Party. ;-)

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  • Ihr müsst keine Kompromisse eingehen. Ihr habt Lust auf Pizza, euer Gegenüber aber auf Asiatisch? Gibt’s nicht – nur ihr selbst zählt. (Außer natürlich, das ganze Hostel entscheidet sich dazu, nackt vom Balkon in den Pool zu springen – da müsst ihr natürlich unbedingt dabei sein)
  • Ihr könnt keinen Stadtplan lesen? Dann lernt es! Ansonsten verirrt ihr euch (was nicht unbedingt negativ sein muss) oder endet in irgendeinem Ghetto, wo man euch komisch ansieht. Wenn ihr das vermeiden wollt, dann müsst ihr auch mal ohne Navi auskommen, wenn der Akku eures Handys leer ist.
  • Daraus resultiert, dass ihr viel aufmerksamer werdet. Ihr verquatscht euch nicht und verpasst dabei alles, sondern wandert durch die Straßen und prägt euch jedes Merkmal genau ein und bekommt ein Auge für das Leben vor Ort.
  • Denken, denken, denken. „Hab ich meinen Reisepass, wo ist mein Hostel, war das meine letzte saubere Unterhose, darf man das überhaupt essen?“ Ihr werdet lernen, selbst Entscheidungen zu treffen. Das Leben wird es euch wissen lassen, wenn man das Hähnchen von nebenan besser doch nicht hätte essen dürfen.
  • Alleine reisen ist Luxus für das eigene Ich. Ihr habt Lust auf Tempel – gut, seht euch alle an! Ihr wollt doofe Souvenirs kaufen? Wunderbar, niemand wartet genervt vor dem siebzehnten Shop, den ihr immer noch toll findet. Eure Interessen stehen an erster Stelle!
  • Ihr müsst euch überwinden, euch trauen, stolz alleine aus dem Flieger steigen und die Luft der Freiheit einatmen. Jede Reise hinterlässt einen Stempel in eurem Reisepass, aber auch einen Stempel auf eurer Seele. Ihr werdet als eine andere Person zurückkommen, wenn ihr euch einmal auf dieses Abenteuer eingelassen habt.
  • Wenn ihr gemeinsam auf Reisen seid, sei es mit der besten (24 Stunden redenden) Freundin, eurem (plötzlich ängstlichem) Partner oder mit eurer (alles fotografierenden) Mama – erst auf Reisen lernt man das wahre Ich seines Gegenüber kennen. Diese Erkenntnis bleibt euch erspart.
  • Wart ihr schon mal mit einem Reisebuddy unterwegs, der extrem motzig wird, sobald er hungrig ist? Ja? Dann habt ihr schon den größten Vorteil, wenn man alleine reist. ;-)

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Nicht alles was glänzt, ist Gold

Euch überkommt bei dem Gedanken, völlig verlassen am Ende der Welt stehend, ohne eine bekannte Menschenseele, ein komisches Gefühl? Das ist selbstverständlich. Alleine reisen kann auch ab und an ungemütlich sein, so ehrlich muss ich sein.

  • Immer wieder habt ihr Bedenken und Unsicherheit kommt in euch auf, ob das wirklich die richtige Kreuzung war, ob euch diese Person vielleicht folgt oder ob ihr diesen entzündeten Mückenstich vielleicht nicht doch lieber einem Arzt zeigen sollt. In diesen Situationen müsst ihr mit euch selbst klar kommen und eine Lösung finden.
  • Ja, alleine reisen kann natürlich auch gefährlich sein. Niemand weiß wo ihr seid, keiner wird euch (akut in dem Moment) vermissen. Das muss aber nicht sein. Bedenkt einfach die wichtigsten Regeln, haltet euch an euren gesunden Menschenverstand und informiert euch ausreichend über das Land, in dem ihr seid.
  • Die, so finde ich, schwierigste Entscheidung beim Alleingang ist, dass ihr eure Erlebnisse nicht mit einem Menschen, der euch lieb ist, teilen könnt. Ihr werdet danach zuhause nur die Geschichten erzählen können, aber niemand zwinkert euch zu, wenn ihr erzählt, dass euch schon der erste Taxifahrer komplett abgezogen hat.
  • Manchmal, so voll das Hostel auch sein mag, kommt es euch ganz still vor. Wenn ihr schon lange unterwegs seid, kann es passieren, dass ihr mit Eindrücken überlaufen seid und euch einfach ein paar liebe Worte einer vertrauten Stimme fehlen.
  • Ich sag’s mal so gerade raus: Schlafsäle sind manchmal wirklich nicht der Bringer. Zehn Personen in einem tropischen Klima stinken nun mal einfach. Sind davon auch noch ein paar richtige Schnarchnasen, Partyluder, Lichtanschalter, ständige Klogeher und Chaosmonster dabei, kann es ganz schön ungemütlich werden.
  • Mögt ihr euch selbst? Also ja klar, ihr kennt euch selbst am besten. Aber kennt ihr euch vierzehn Stunden mit euch alleine? Ohne Couch und Fernseher, Telefon und Internet oder der Möglichkeit, einfach raus zu gehen, wenn ihr das erste Mal einen Langstreckenflug bezwingt, am Flughafen schlafen müsst oder ewig alleine im Bus sitzt. Ihr müsst mit euch selbst klar kommen, euch an das Gefühl gewöhnen, abends vielleicht mal alleine am Tisch zu sitzen oder die Sonne am Strand ohne Unterhaltung anderer zu genießen. Entweder man kann das, oder man ist mutig genug und geht zur Fresbee-spielenden Gruppe und fragt, ob man einfach mitmachen darf. Oder man spricht mit dem Strandverkäufer, die freuen sich immer riesig. :-)
  • Ihr seid kein mit hunderten Likes gekrönter Selfie-Kaiser? Gut, dann findet euch damit ab, dass es von euch kein ordentliches Foto vor einer Sehenswürdigkeit geben wird. Oder kauft euch einen Selfie-Stick und kennzeichnet euch als Single, wenn ihr neben all den Gruppen alleine in die an der Stange hängende Kamera lächelt. Geheimtipp: Findet die absolute Instagram-Selfie-Queen in der Masse und fragt sie, ob sie von euch ein Foto macht. ;-) Klappt immer.
  • Das Nachhausekommen ist leider immer am schwierigsten. Ihr seid geladen mit tollen Geschichten und Erlebnissen und die Daheimgebliebenen, so sehr sie auch wollen, werden euch meist nicht verstehen. Auf die Frage „Und, wie war’s“ könntet ihr mit einem fünf Stunden Monolog antworten, den aber nur die wenigsten verstehen, weil nur ihr diese Dinge erlebt habt.

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Manchmal wird euch der Gedanke überkommen, an dem ihr euch fragt, wieso ihr das eigentlich tut? Aber ihr werdet sehen, sobald ihr die ersten Kilometer alleine zurück gelegt habt, werden die positiven Dinge überwiegen. Eure Bäuche werden vor Lachen wehtun, wenn all die tollen Menschen, die ihr kennen lernt, ihre peinlichen Reise-Geschichten mit euch teilen werden. Ein Skype Telefonat wird euch mit vertrauten Stimmen über Heimweh hinweghelfen und all die vielen Sonnenuntergänge, die ihr mit einem kühlen Bier und neu gefundenen Freunden am Strand genießt, werden euch ein Leben lang in Form von schönen Erinnerungen begleiten. Also tut es – auf ins Abenteuer!