Kein Gefühl in den Armen, niente, alles taub, für ganze 3 Stunden! Versucht ihr auch immer, euch auf diesen komischen Stuhlbänken am Flughafen auszubreiten? Bei mir sieht das ja immer so aus, als wenn ich biegsame Pinocchio-Glieder hätte und definitiv kein Schamgefühl. Stellt euch mein Schlafen am Flughafen so vor: Füße senkrecht in die Höhe, Nase zerdrückt unter der Armlehne, im Sekundentakt lautstark auf der Suche nach der gemütlichsten Position.

Wenn ihr das nicht kennt, hattet ihr entweder noch nie einen stundenlangen Transit-Aufenthalt an irgendeinem Flughafen, oder ihr gehört zu den Menschen, die überall und wie auch immer schlafen können. Seid euch meiner Abneigung bewusst, okay, wollen wir nicht gleich gemein werden, ich bin einfach nur neidisch. Vor einigen Jahren musste ich die weltschrecklichste Erfahrung machen, als ich mich auf so eine Stuhlbank gequetscht habe, und um mein Haupt etwas abzupolstern, meinen Arm in sehr ungewöhnlicher und ungesunder Stellung platzierte, und damit jeglichen Blutfluss unterdrückte. Als ich nach 2 Stunden Trauma wieder erwachte, konnte ich meinen Arm für ganze 3 Stunden nicht mehr spüren. Leute, das war echt nicht lustig, ich hab gedacht, mein Arm müsste amputiert werden.

Wie dem auch sei, über die Jahre habe ich mir als Vielflieger mit unzähligen Flughafenaufenthalten doch so einige geniale Tricks zum Schlafen am Flughafen einfallen lassen und als absolut machbar bestätigen lassen.

Tipps für das Schlafen am Flughafen

Die gemütlichen aber kostspieligen Optionen

Packliste für eine Nacht im Flughafen

Alternative Schlafmöglichkeiten: Kreativ und moralisch flexibel

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Schlafen am Flughafen – Die gemütlichen, aber kostspieligen Optionen

Eine etwas kostspielige Möglichkeit, um zwischen den Flügen etwas Schlaf zu finden, ist das Flughafenhotel. An allen internationalen Flughäfen gibt es mindestens ein Flughafenhotel, in das ihr für ein paar Stunden oder Nächte einchecken könnt. Je nachdem, wie lang euer Aufenthalt ist, lohnt es sich schon, einen guten Schlaf zu bekommen, doch die Preise sind nicht ohne. Im günstigsten Fall kommt ihr hier mit 50€ für eine Nacht bzw. einen Tag weg. Am Flughafen in London Gatwick gibt es etwa die Travelodge Gatwick Airport Central ab knapp 50€ pro Nacht. In New York müsst ihr für ein Nickerchen im Radisson Hotel JFK Airport ordentliche 150€ hinblättern. In Dubai gibt es eine ziemlich große Auswahl an Hotels, das günstigste Zimmer bekommt ihr im Holiday Inn Express Dubai Airport ab schlappen 70€.

Eine weitere Möglichkeit, wie ihr an ein bisschen Schlaf kommen könnt, sind die Flughafen-Lounges: Guckt mich jetzt nicht so an, ich fliege auch immer Economy. ;-) Wie man es sich während des Fluges auch in der Klapperklasse bequem machen kann, habe ich euch ja schon in meinem Text: „7 Tipps für den Langstreckenflug“ erklärt. Das Gemeine ist nur, dass man als Business und First Class Reisender auch während des Transits an den internationalen Flughäfen zahlreiche Vorzüge genießen kann. Kennt ihr diese stylischen Lounges am Flughafen, wo die ganzen Schlipsträger und Business-Ladies reinmarschieren? Flughafen-Lounges gibt es an jedem internationalen Airport. Ausgestattet sind sie mit gemütlichen Sesseln und Liegen, einwandfreiem Internet und leckeren Snacks. Genau der richtige Ort zum Schlummern. Auch als Economy-Reisender könnt ihr hier rein, zumindest in die unabhängigen Lounges. ABER, für die markenfremden, ebenfalls super guten Lounges gibt’s zwei Möglichkeiten:

  • Priority Pass: Viele der unabhängigen Lounge-Anbieter arbeiten mit dem britischen Priority Pass zusammen. Dieser Pass ermöglicht seinen Mitgliedern Zugang zu weltweit 700 VIP-Lounges. Eine Flatrate für jegliche Lounges liegt bei einem Jahresbeitrag von 399€. Für 249€ bekommt ihr zehn Besuche for free.
  • Am Eingang zahlen: Eine Alternative für Reisende, die sich weder an eine Fluggesellschaft, noch an ein Kreditkarteninstitut oder eine Mitgliedschaft binden wollen, und womöglich auch nicht so super häufig fliegen, bieten sich die unabhängigen Lounges an. Für einen Preis zwischen 20 und 50€ könnt ihr einfach an der Lounge auftauchen und eintreten. Hier gibt es jede Menge gemütliche Couches, auf denen ihr euch horizontal ausbreiten könnt. Im Preis inklusive sind zumeist einige Getränke und eine Mahlzeit. Duschen gibt es auch, dafür muss man aber extra bezahlen.

Schlafen im Flughafen

Wenn ihr euch kein teures Hotelzimmer mieten und darauf verzichten möchtet, euch in die Lounges einzukaufen, dann gibt es immer noch die Option der Schlafkabinen: Irgendwo zwischen Star Wars und Star Trek müssen diese Dinger wohl herkommen. Vor einer Zeit habe ich ja schon von den Schlafboxen am Helsinki Airport berichtet, so kleine Kapseln, die man mieten, sich hineinlegen und ins Land der Träume verabschieden kann. Es gibt solche Schlafkabinen bereits an einigen internationalen Flughäfen, mittendrin an den Gates. Bezahlt wird hier pro Stunde. In Helsinki zahlt ihr etwa 9€, in München zwischen 10 und 15€ und im indischen Delhi aktuell 12€ für eine Stunde Nickerchen in der Schlafbox. Die Kabinen können komplett verschlossen werden, das Handgepäck könnt ihr verstauen, und lästigen Flughafenlärm hört ihr hier drin auch nicht mehr.

#dreaming of a #summer #holiday 😊✈🌴🌞 in #HelsinkiAirport #sleep pod

Ein von Helsinki Airport (HEL) (@helsinkiairport) gepostetes Foto am 5. Jun 2015 um 4:49 Uhr

Bei Schlafmangel herrscht akute Aggressionsgefahr! Wenn ihr ebenfalls einer dieser Kandidaten seid und ruhig ein paar Euros für ein gutes Nickerchen springen lassen würdet, wisst ihr jetzt Bescheid, welche Optionen es gibt. Ein Hotel ist für ein paar Stunden, wie ich finde, doch ziemlich teuer, die Lounge dafür, dass es auch keine richtigen Betten gibt, ebenfalls. Deswegen sind vor allem diese kleinen, spacigen Schlafboxen eine sehr gute Schlafmöglichkeit am Flughafen.

Eine Nacht im Flughafen – Das sollte ins Gepäck

Glaubt mir, ich hab das über die Jahre perfektioniert. Wer günstige Flüge abstauben will, muss den ein oder anderen längeren Transit-Aufenthalt in Kauf nehmen. Alles, was über 9 Stunden ist, plane ich direkt mit einer kleinen Citytour, doch um das Bedürfnis nach einer ordentlichen Portion Schlaf kommt selbst der Härteste unter uns nicht herum. Damit ihr perfekt gewappnet seid für das alternative Schlafen am Flughafen, abseits von Hotel und Lounges, hier für euch meine Packliste:

  • Zwiebellook: In vielen Flughäfen ist es dank turbo Klimaanlage ziemlich kalt. Aus diesem Grund rate ich euch, immer eine lange Hose, einen Pulli und dicke Socken im Handgepäck zu haben. Ihr könnt ja ein paar nettere Klamotten dabei haben, doch zum Schlafen eignen sich Jeans und High Heels nur begrenzt. Zieht euch einfach in der Toilette um, und einer gemütlichen Liegeposition steht nichts mehr im Weg.
  • Ohropax/Schlafmaske: Es ist immer laut und immer hell. Außer, ihr seid irgendwo in Usbekistan gelandet, wo nachts der Flughafen dicht gemacht wird. Doch in den meisten Fällen kommen ein paar Ohropax und eine Schlafmaske sehr gelegen. So könnt ihr euch von der Umgebung abkapseln und den Schlafmodus beginnen.
  • Polsterung: Es geht einfach nicht, absolut nicht. Ich habe es jetzt jahrelang probiert, aber ich kann im Sitzen, selbst im Halbliegen/-sitzen absolut nicht schlafen. Ich muss in der kompletten Horizontalen liegen, sonst geht da gar nichts. Deswegen klaue ich mir, ssshhh…, im Flugzeug immer 2, manchmal sogar 3 Decken. Ein großes Kissen nehme ich bereits von Zuhause mit, weil man mit diesen kleinen, usseligen Flugzeugkissen auch nichts reißen kann. Wenn ihr Platz habt, lohnt sich auch eine Isomatte oder sogar ein Schlafsack, dann könnt ihr es euch so ziemlich überall bequem machen.
  • Nahrung: Es kann passieren, dass ihr irgendwo landet, wo nachts jegliche Cafés, Restaurants und Fast Food Shops geschlossen haben, sodass ihr nicht drumherum kommt, ein paar Sandwiches im Vorrat zu haben, sowie jede Menge Wasser.
  • Wecker: Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass ihr plötzlich 10 heiße Frauen vor euch stehen seht, seid euch gewiss, ihr träumt. Um von eurem feucht-fröhlichen Traum aber nicht zu tief eingenommen zu werden, solltet ihr immer einen Wecker dabei haben, ja, auch ein Handy reicht natürlich, sonst verpasst ihr noch euren Flug.
  • Entertainment: Gegen Langeweile oder die Gefahr, dass ihr dennoch nicht schlafen könnt, hilft im Notfall immer die Lieblingsmusik, ein gutes Buch oder eine Zeitschrift.
  • Duschsachen: An den meisten internationalen Flughäfen gibt es mittlerweile kostenlose Duschen, oder zumindest die Möglichkeit, für einen geringen Aufpreis duschen zu gehen. Am Anfang habe ich das Angebot auch nicht wahrgenommen, denn dann kommen schließlich noch Handtuch, Duschgel und Wechselkleidung zum Handgepäck hinzu. Doch mittlerweile mache ich das überall, wo ich nur kann. Weil, nennen wir das Kind beim Namen, nach so einem 10-stündigen Flug duftet man auch nicht mehr nach Rosen. Also einfach ein paar Duschutensilien einpacken und schon könnt ihr euch nach eurem Nickerchen gut auffrischen.

Schlafen am Flughafen

Alternative Schlafmöglichkeiten am Flughafen

Da es ja mit mir für wenig Geld rund um die Welt gehen soll, ist ein Flughafenhotel oder eine schicke Lounge bei längeren Transit-Aufenthalten keine wirkliche Alternative für mich. Mit ein paar Tricks und Tipps könnt ihr es euch aber auch so am Flughafen schön gemütlich machen und ein paar Schlafstunden absahnen.

Vor meinen Alternativ-Airport-Schlafmöglichkeiten solltet ihr euch aber auf Folgendes einstellen: Um den perfekten Schlafplatz zu finden, müsst ihr zuerst große Teile des Flughafens ablaufen. Scheut euch nicht davor, auch mal in anderen Terminals vorbeizuschauen, vielleicht findet sich da ja eine Oase. Achtet immer darauf, wie kalt es dort ist, wie laut und wie viele Leute herumlaufen. Fragt bloß nicht am Informationsschalter nach, weil es die meisten Flughäfen nicht gerne sehen, wenn Transitpassagiere auf dem Boden oder in den Ecken herumliegen. Falls aber mal die Security auftaucht, fragen die meistens als erstes nach dem Reisepass und Boarding Ticket. Tut einfach so, als wenn ihr unfreiwillig am Flughafen festsitzt, selbst wenn ihr 2 Tage dort verbringt.

1. Stühle & Liegen: Gehört ihr zu den Glücklichen, die auch im Sitzen schlafen können, habt ihr normalerweise keine Probleme. Irgendwo findet sich immer ein freier Sitzplatz. Ohropax rein, Schlafmaske runter und weg mit euch.

 

#sleepingatairport

Ein von 👿Ting_Yang 🐳 (@sylvia_loosingyouth) gepostetes Foto am 13. Mär 2016 um 3:57 Uhr

2. Boden: Jetzt wird’s schon etwas kniffliger. Ihr könnt euch nun mal nicht einfach irgendwo mitten auf den Boden legen. Deswegen mein Tipp: Lauft durch den Flughafen und sucht nach einer kleinen, wenig besuchten Ecke. Wenn nichts zu finden ist, könnt ihr euch auch hinter eine Stuhlreihe legen, passt nur auf, dass ihr weit genug von den Füßen anderer Menschen entfernt seid. Dann kommt eure Packliste ins Spiel. Die Decke auf dem Boden ausbreiten, Kissen positionieren, drauflegen, Handkoffer unter die Füße schieben, Rucksack an die Brust und mit Decke Nummer 2 zudecken. Ohropax und Schlafmaske sind ja schon Standard-Repertoire, dann zieht ihr nur noch eure Decke über den Kopf und schon könnt ihr euch entspannen. Es kann natürlich sein, dass ihr an manchen Flughäfen vom Personal aufgeweckt und verscheucht werdet, aber dann habt ihr es wenigstens versucht. Auch mit euren persönlichen Gegenständen müsst ihr die Situation natürlich selbst einschätzen. Ich hab bislang nur gute Erfahrung gemacht. Wenn jemand in meinen Sachen herumwühlen würde, würde ich sofort wach werden!

#dubai #airport #sleepingairport

Ein von Mikeloangel (@mikeloangel) gepostetes Foto am 15. Sep 2012 um 23:53 Uhr

3. Auto mieten: Ein bisschen was springen lassen müsst ihr für diese Option schon, aber es kann sehr viel günstiger als ein Hotel oder Schlafbox sein. An jedem internationalen Flughafen kann man sich ein Auto mieten und von dort direkt die Tour starten. Häufig kann man den Wagen auch nur für einen Tag mieten, sogar für ein paar Stunden. Deswegen mein Tipp, schaut euch die Preise vorher im Internet an. Und wenn ihr ein gutes Schnäppchen gefunden habt, mietet euch einen Wagen für einen Tag. Ich hab das in San Francisco gemacht. Richtig gut war hier, dass der Mietwagen auf einem riesigen überdachten Parkplatz stand, und ich einfach dort geblieben bin. Klärt das vorher am besten mit dem Anbieter ab, ob ihr da auch stehen bleiben dürft, ihr könnt auch in die Stadt fahren und euch auf einen kostenlosen Parkplatz stellen, doch eigentlich ist es ja verboten, im Auto zu schlafen. Frage ist nur, ob man erwischt wird.

Schlafen am Flughafen – Nie so ganz gemütlich

Das Schlafen am Flughafen ist nie so richtig bequem und toll, auch nicht mit meinen Tipps & Tricks. Versucht einfach, das Beste aus eurem Stopover zu machen und wenigstens ein bisschen Kraft zu tanken. Wenn ihr eure Zeit am Flughafen lieber anders verbringen möchtet, habe ich weitere Tipps in meinem Reisemagazin für euch!