Unendliche Weiten, glasklare Seen, schroffe Gebirgszüge und Gletscherpanorama. Was sich wie eine Kulisse aus einem Fantasyfilm anhört, ist die südlichste Region in Südamerika: Patagonien.

Wer auf der Suche nach Strandurlaub unter Palmen ist, der wird hier leider nicht fündig. Patagonien ist ein Naturparadies für diejenigen unter euch, denen es nichts ausmacht, bei Wind und Wetter, Nebel oder Sonnenschein durch die schroffe Landschaft zu wandern. Ganz im Gegenteil – genau dafür reist ihr in diese unberührte Ecke Südamerikas.

Patagonien im Überblick

Reisefakten zu Patagonien | Nationalparks | Torres del Paine | Los Glaciares

Torres del Paine, Patagonia, Chile

Reisefakten zu Patagonien

Patagonien ist eine Region im südlichsten Zipfel Südamerikas und liegt in Argentinien und Chile. Eine genaue Grenze gibt es nicht, doch werden meist der Río Colorado (Argentinien) und der Río Bío Bío (Chile) als natürliche Begrenzung gesetzt. Manche zählen das Feuerland auch noch zu Patagonien, andere wiederum ziehen nördlich der Magellanstraße die Grenze. Während im Norden eher warmes gemäßigtes Klima herrscht, ist es im Süden eher kalt.

Das Wetter ist hier unberechenbar, mal regnet es in Strömen und keine zehn Minuten später überrascht euch strahlender Sonnenschein. Nicht umsonst sagt man, dass hier vier Jahreszeiten an einem Tag herrschen. Wenn ihr Patagonien bereisen wollt, dann solltet ihr das am besten zwischen November und Februar tun. Zwar sind im März weniger Touristen vor Ort, doch kann es passieren, dass ab März Schnee liegt und die Straßen und Wanderwege nicht mehr passierbar sind.

Um nach Patagonien zu kommen, nehmt ihr am besten einen Flug nach Buenos Aires und von dort aus geht es mit einem Fernbus in Richtung Süden. Macht euch auf lange Busreisen gefasst, 20 Stunden für eine Fahrt sind in Argentinien ganz normal.

Auto auf der Straße in Patagonien Argentinien mit Mount Fitz Roy iStock_000015375563_Large_1200

Natur ohne Ende

Patagonien ist groß, verdammt groß sogar! Insgesamt ist die Region ungefähr fünf Mal so groß wie Deutschland. Dass man bei so einer Größe gar nicht wirklich weiß, wo man am besten anfangen und aufhören soll, könnt ihr euch sicherlich vorstellen. Damit ihr einen groben Überblick über die Schönheit dieses Landteils bekommt, stelle ich euch die zwei bekanntesten Nationalparks Patagoniens vor: den Nationalpark Torres del Paine in Chile und den argentinischen Nationalpark Los Glaciares.

Cuernos del Paine and Monte Almirante Nieto

Nationalpark Torres del Paine

Der in Chile gelegene Nationalpark ist das Trekking-Paradies für alle Wanderer. Seht euch einfach nur die Bilder an, wer möchte sich hier nicht den Wind um die Nase wehen lassen? Ich verspreche euch, die Landschaft sieht wirklich so aus wie auf den Bildern! Bei euren Wanderungen werdet ihr an den schönsten Postkartenmotiven vorbei kommen und müsst euch vielleicht selbst zwei Mal kneifen, um sicher zu sein, dass ihr nicht träumt.

Der Cerro Torre („Turm-Berg“) ist ein beliebtes Ziel für alle Fans der schönsten Gipfel. Seit Jahrzehnten fasziniert die Felsenspitze mit ihren steilen und glatten Granitwänden die Bergsteiger-Gemeinschaft, die immer wieder von Menschen zu erklimmen versucht wird. Auch wenn bereits ein Bergsteiger mit seinem Leben bezahlen musste, hält das längst nicht jeden wagemutigen Kletterer ab, diesen Gipfel zu bezwingen. Wer nicht gleich mit seinem Leben bezahlen möchte, der kann die Bergregion um den Cerro Torre auch auf Wanderwegen erkunden. Die Aussichten sind mindestens genauso schön!

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Besonders bekannt ist der Torres del Paine für seinen W-Trek. Der Wanderweg in Form des Buchstaben W, den ihr in gut fünf Tagen schaffen könnt, führt euch nämlich zu den schönsten Orten des Nationalparks, die gleichzeitig die schönsten Plätze in ganz Patagonien sind. Die namensgebenden Torres del Paine, was übersetzt so viel wie „Himmelsblaue Türme“ bedeutet, ist dabei eines der Highlights. Wie Speerspitzen jagen die drei Gipfel aus dem Boden und bereiten eine atemberaubende Landschaft. Wenn ihr die Wanderwege entlang geht, werdet ihr euch mit Sicherheit selbst erwischen, wie ihr nach jeder neuen Abbiegung stehen bleibt und die Aussicht genießen wollt.

Torres del Paine mountains, Patagonia, Chile
Die Torres del Paine mountains, Patagonien, Chile

Aber verliert euch nicht zu sehr in dem Panorama, denn es wartet noch etwas Besonderes auf euch: der Glacier Grey. Schon mal einen Gletscher berührt? Nein? Na dann wird es aber höchste Zeit, dass ihr eine Kanu-Tour bucht und die leider immer seltener werdenden Naturphänomene aus nächster Nähe seht! Ein Gletscher an sich ist schon beeindruckend, doch wenn ihr auf dem Wasser seid, kleine Eisberge an euch vorbei schwimmen und ihr das Knarren und Grummeln des Gletschers unter euch hört, könnt ihr erst erahnen, wie mächtig er wirklich ist. Der Glacier Grey ist relativ unaktiv, weshalb es ungefährlich ist, vor ihm her zu paddeln. Ihr müsst nicht ständig Angst haben, dass gleich ein riesiger Eisklotz abbricht und ins Wasser knallt – das könnte doch recht unangenehm werden, passiert aber eigentlich nie.

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Auf dem ganzen W-Trek gibt es gut ausgestattete Refugios, in denen ihr abends einkehren könnt. Der große Vorteil: ihr müsst keine komplette Camping-Ausrüstung mitschleppen. Ein Refugio ähnelt einer Jugendherberge, ihr könnt zwischen Einzel- und Gruppenzimmern wählen oder auch nur ein Zelt mieten. Nochmal günstiger wird es natürlich, wenn ihr ein Zelt mitbringt und lediglich einen Stellplatz für die Nacht braucht. Zwar sind die Refugios keine Luxus-Unterkünfte, aber ich bin mir sicher, dass ihr abends nach einer anstrengenden Wanderung euch nur noch nach einer heißen Dusche sehnt und anschließend schlaft wie ein Murmeltier.

Seid ihr in der Hochsaison unterwegs, lohnt es sich, vorab ein Bett zu reservieren. Wundert euch nicht, wenn ihr im August eine E-Mail schreibt und erst Wochen später eine Antwort erhaltet, die Refugios sind zu dieser Zeit meist geschlossen. Wild campen ist in Patagonien auch möglich, doch rate ich euch davon ab. Leider kam es bereits zwei Mal zu großen Bränden, die nur verursacht wurden, weil Camper ein Lagerfeuer nicht unter Kontrolle hatten. Die Folgen waren katastrophal, fast die Hälfte des Nationalparks fiel dem Feuer zum Opfer. Bis heute konnte sich die Landschaft noch nicht komplett regenerieren.

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Nationalpark Los Glaciares

Der zweite Nationalpark, den ihr bei einem Trip nach Patagonien nicht verpassen dürft, ist der Los Glaciares. Wie der Name es schon verrät, ist diese Landschaft besonders durch die vielen Gletscher berühmt. Der bekannteste, wenn auch nicht der größte unter ihnen, ist der Perito-Moreno-Gletscher. Im Gegensatz zu seinen „Artgenossen“, welche leider immer mehr an Größe verlieren, nimmt der Perito-Moreno-Gletscher an Masse täglich zu! Mit etwas Glück könnt ihr erleben, wie der Gletscher kalbt und riesige, strahlend blaue Eisschollen in das Wasser stürzen. Der kleine Ort El Calafate ist für Tagestouren in den Los Glaciares-Park der beste Ausgangspunkt.

Perito Moreno Glacier, Argentina

Genau wie beim Cerro Torre ist die Gegend um den Cerro Fitz Roy für Wanderungen perfekt. Egal welchen Schwierigkeitsgrad ihr bevorzugt, ihr werdet immer mit einer wunderschönen Aussicht auf den Cerro Fitz Roy belohnt. Ein Tripadvisor-User beschrieb die Wanderung so, als würde man die ganze Zeit auf eine Fototapete schauen – so schön ist es hier!

Mount Fitz Roy, Patagonia, Argentina

Ist euer Rucksack schon gepackt?

Und Wanderfreunde, habt ihr jetzt auch Lust die südlichste Spitze des amerikanischen Kontinents zu entdecken? Mit tollen Aussichten und gut ausgebauten Wanderwegen gehört Patagonien auf eure Must-See-Liste. Ich muss gestehen, am liebsten würde ich gleich meinen Rucksack packen und die Landschaft entdecken!