Wie viel Trinkgeld ist im Urlaub angemessen? Müsst ihr überall Dankbarkeit in Scheinen ausdrücken? Oder stimmt es, dass man in manchen Länder gar kein Trinkgeld gibt? Welcher Betrag für das jeweilige Urlaubsziel angemessen ist, verrate ich euch in diesem Artikel.

Stellt euch mal vor, ihr seid im Urlaub, sitzt in einem gemütlichen Restaurant, satt gegessen von dem leckeren Essen und der Kellner kommt, um euch die Rechnung zu bringen. Dem einen oder anderen unter euch schwirrt dann doch bestimmt die Frage im Kopf herum: „Wie viel Trinkgeld soll ich dem Kellner denn jetzt geben? Denkt er, dass ich unhöflich bin, wenn ich nur wenig Trinkgeld oder sogar gar keins hinlege?“ Insbesondere durch die teilweise immensen Unterschiede beim Thema Trinkgeld habe ich für euch recherchiert, in welchem Land welcher Betrag als angemessen gilt! Denn während nordeuropäische Länder hinsichtlich des Trinkgelds als sehr zurückhaltend gelten, wird die Höhe des „tip“, wie die Engländer es nennen, je weiter man in Richtung Süden fährt, immer höher. So gilt selbst hierbei das Motto: Andere Länder, andere Sitten!

Wie viel Trinkgeld ist im Urlaub angemessen?

Länder am Mittelmeer | SkandinavienTunesien & Ägypten

Asien | England & Irland | USA | Österreich & Schweiz | Deutschland

Cheerful couple with menu in a restaurant making order

Trinkgeld in den Mittelmeerländern: Griechenland, Spanien & Co.

Wer seinen Urlaub in Griechenland, Frankreich, Spanien oder Italien verbringt, muss nach einem Restaurant Besuch nicht zwingend ein Trinkgeld auf den exakten Betrag schlagen. Stattdessen könnt ihr einfach – sofern ihr mit dem Service zufrieden seid – dem Kellner oder der Kellnerin einfach auf dem Tisch oder in der Ablage der Rechnung einen kleinen Obulus hinterlegen. Mit einem Trinkgeld von ungefähr 10 bis maximal 15 Prozent macht ihr hier nichts falsch. Bei Zahlungen mit der Kreditkarte könnt ihr das Geld einfach hinterher auf dem Tisch liegen lassen.

Ausnahme: In Frankreich ist es meist nicht nötig, im Restaurant zu der Rechnung noch ein Trinkgeld zu zahlen, da dieses meist bereits inbegriffen ist. Achtet auf den Aufdruck „Service compris 15%“ auf eurer Rechnung.

In Italien können Besucher eines Restaurants oftmals auf ihrer Rechnung die Bezeichnung „coperto“ lesen, welche eine Art Grundgebühr für das Gedeck und das Brot vorab darstellt. Trotz dieser Gebühr freuen sich die Kellner, wenn ihre zufriedenen Gäste nochmals ein bis zwei Euro extra auf den Tisch legen. In Espressobars ist es sogar üblich, dass ein kleiner Teller oder ein Sparschwein für Trinkgeld neben der Kasse steht.
Kleine Aufmerksamkeit: Wenn ihr im Hotel einen Kofferträger benötigt, dürft ihr diesem gerne 1-2€ pro Gepäckstück in die Hand drücken. Auch Zimmermädchen freuen sich über ein Trinkgeld, angemessen sind beispielsweise 2-5€ pro Nacht.

Woman eating pizza in the restaurant

In der Türkei gilt es als unhöflich, wenn Urlauber beziehungsweise Gäste kein Trinkgeld hinterlassen, sodass ihr dies besser nicht vergessen solltet! Darüber hinaus hilft hier der Satz „üstü kalsin“ beim Begleichen einer Rechnung, welcher soviel bedeutet wie „Den Rest können Sie behalten!“. Bei einer Taxifahrt in einem dieser Länder gilt es immer, die Endsumme aufzurunden! In Frankreich erhält der Taxifahrer ein „Le pourboie“ von 10 Prozent.

Trinkgeld im hohen Norden: Keine Notwendigkeit

In den skandinavischen Ländern Finnland, Norwegen und Dänemark hat das Thema „Trinkgeld“ keinen hohen Stellenwert und der Service ist in der Rechnung meist direkt enthalten. Wenn ihr euch bei Zufriedenheit einfach freundlich bedankt, habt ihr schon alles richtig gemacht. Außerdem wird beispielsweise in Dänemark selbst der kleinste Betrag an Trinkgeld als Ausdruck der Zufriedenheit gedeutet – so könnt ihr den Angestellten also ganz leicht eine kleine Freude bereiten. Der Service des Hotelpersonals ist in der Hotelrechnung meist enthalten, nichtsdestotrotz kann ebenfalls hier die Summe mit einem kleinen Trinkgeld aufgerundet werden.

Eine Ausnahme bildet allerdings Schweden, wo die Betreiber eines Restaurants von den Gästen einen Zuschlag auf die Rechnung von etwa 10 Prozent als angemessen ansehen und das Zimmermädchen sich über 10 Kronen, also etwa 1€ am Tag freut!

Stockholm, Sweden, Old town and town square

Soviel Trinkgeld gibt man in Ägypten und Tunesien

Weiter geht es mit den arabischen Ländern Ägypten und Tunesien, wo ebenfalls in Restaurants von den Gästen ein Trinkgeld von 10 Prozent erwartet wird. Wer allerdings mit Kreditkarte bezahlt, sorgt dafür, dass nicht der Kellner, sondern der Restaurantbesitzer das extra Geld bekommt. Deswegen: Die Summe der Rechnung elektronisch zahlen und dem Kellner etwas Bargeld hinterlassen.

„Bakschisch“ ist das Wort der Wörter in Ägypten. Damit werden euch jegliche Angestellte oder Verkäufer auf der Straße auffordern, ihnen ein bisschen Geld zu geben – Vorsicht, aufdringlich: Wer eher weniger gerne mit Fremden kuschelt, allerdings auch nicht plant ein Trinkgeld zu geben, der sollte sich direkt abwenden, andernfalls können die Ägypter sehr erfinderisch und sogar etwas dreist werden. Im Hotel freuen sich sowohl Zimmermädchen, Gepäckträger als auch andere Dienstleister über ein geringes Trinkgeld von 1€. Ebenso wird in Ägypten wie bereits in den Mittelmeerländern der Betrag nach einer Taxifahrt aufgerundet.

Achtung Beleidigung: Trinkgeld in Japan und China

Sollte jemand von euch in Japan, Vietnam, China oder Malaysia Urlaub machen, dann behaltet euer Geld besser bei euch! Denn wer hier Trinkgeld gibt, beleidigt die Asiaten. Im asiatischen Raum wird guter Service nämlich groß geschrieben und als selbstverständlich angesehen, sodass in einem Restaurant ein Zuschlag auf den Rechnungsbetrag nicht als netter Zug, sondern stattdessen als Beleidigung interpretiert wird. In touristischen Zentren sind die „Eigenarten“ der Urlauber natürlich bekannt, sodass ihr heutzutage auch ohne einen schiefen Blick ein Trinkgeld riskieren könntet.

Elevated view of four women eating.

Lediglich Thailand sticht aus aus der Reihe der anderen asiatischen Länder. In diesem Land ist ein Trinkgeld in Höhe von 10 Prozent auf den eigentlichen Betrag üblich.

Trinkgeld in England und Irland – in Pubs verpönt

„Service charge“ – dieser Ausdruck dürfte bei dem einen oder anderen auf der Rechnung stehen, wenn man in Irland oder England seine Rechnung begleichen möchte. Dies bedeutet, dass bereits eine Teilsumme für den Service eingerechnet wurde und somit auch etwas weniger Trinkgeld als verlangt gegeben werden darf. Denn üblicherweise wird in diesen beiden Ländern ein „tip“ von 10 bis 15 Prozent verlangt.

Allerdings gilt das Geben von Trinkgeld nur in Restaurants und nicht in Pubs! Nach dem ein oder anderen leckeren Bier könnt ihr den Barkeeper lieber auf einen Drink einladen und auf dem Rückweg ins Hotel euer Kleingeld für den Taxifahrer nutzen, dieser geht davon aus, dass ihr den Betrag aufrundet.

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Foto: iStock / Alphotographic

USA – Ein Tipp für den richtigen Tip

Kommen wir nun zur USA und dem Trinkgeld. Hier wird das Thema hoch angerechnet und es liegt dementsprechend auch höher als in den zuvor genannten Ländern und zwar bei 15 bis 20 Prozent. Generell wird das Trinkgeld direkt auf den Rechnungsbetrag draufgeschlagen, damit der Service nicht unterbrochen und alles in einem Abwasch erledigt wird.

Ausnahmen: In den USA dürft ihr den Service des Tankwarts und des Baggers, der euch im Supermarkt die Tüten packt, genießen – hier wird kein Trinkgeld erwartet! 

Im Hotel dürft ihr den Service von Kofferträgern mit einem Dollar pro Gepäckstück entlohnen und dem Zimmermädchen etwas fünf Dollar für drei Nächte überlassen. Allerdings solltet ihr das Geld gut sichtbar auf eurem Kopfkissen hinterlassen, sonst könnte die Reinigungskraft noch in Verdacht mit einem Diebstahl gebracht werden – irgendwie typisch Amerika.

Group Of Friends Enjoying Meal In Restaurant

Trinkgeld in Österreich und der Schweiz – hier wird aufgerundet

Weiter geht es mit Österreich, wo ihr als Gast eines Restaurants in der Regel 5-10 Prozent Trinkgeld geben solltet. Üblicherweise wird sogar beim Bezahlen gleich aufgerundet, sodass der zu bezahlende Betrag inklusive Trinkgeld sofort beglichen wird. Für Kofferträger und Zimmermädchen gilt es, 1€ für den netten Service zu übergeben, dies geschieht jedoch erst bei der Abreise.

In der Schweiz hingegen ist der Obolus direkt in der Endsumme enthalten. Allerdings dürfen die besonders dankbaren unter euch im Lokal nichtsdestotrotz freiwillig noch 5 bis 10 Prozent draufschlagen. Wenn die Rechnung allerdings einen Betrag von 100 Franken übersteigt, sinkt der Prozentsatz. Für Kofferträger und Zimmermädchen gilt hier ein Trinkgeld von 2-5 Franken.

Freiwilliges Dankeschön: Trinkgeld in Deutschland

Zuletzt geht es um das Geben von Trinkgeld in unserem Heimatland – Deutschland. Hier ist das Zahlen von Trinkgeld zwar kein Muss, aber ein gern gesehenes Dankeschön für guten Service. Dabei werden Rechnungen in der Regel mit 5 bis 10 Prozent Zuschlag auf die Endsumme beglichen. Sollte man mit Kreditkarte bezahlen, hinterlässt man, wenn man möchte, nach der Zahlung etwas Trinkgeld bar auf dem Tisch.

Wer in Deutschland Urlaub macht und einen Kofferträger benötigt, der zeigt sich als höflich, wenn er für den Service etwas Trinkgeld abgibt. Ebenso Zimmermädchen dürfen mit einem Betrag von 1 bis 2,50€ belohnt werden. Am besten ist es, wenn das Geld am Tag der Abreise in dem Zimmer mit einem kleinen Dankeschön-Zettel deponiert wird.

Waitress serving an Bavarian Restaurant

Zuletzt habe ich noch einen kleinen Tipp für euch: Solltet ihr nur einen Kurztrip machen, reicht es, wenn ihr am Ende eures Aufenthaltes einen kleinen Betrag als nette Geste im Hotelzimmer für das Zimmermädchen hinterlasst. Solltet ihr jedoch für einen längeren Zeitraum im Urlaub sein, kann es durchaus nicht schaden, hin und wieder einmal etwas Trinkgeld zu geben! Beliebt macht ihr euch damit beim Hotelpersonal auf jeden Fall.

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