Das Handy klingelt, zwanzig neue E-Mails müssen beantwortet werden, später steht noch ein Abendessen mit Freunden an, für das eigentlich auch keine Zeit da ist und die Steuererklärung sollte auch schon längst gemacht werden. Purer Stress, jeden Tag. Wie immer mehr Menschen der alltäglichen Belastung bei einem Urlaub im Kloster entfliehen, zeige ich euch heute.

Sobald man eine Kirche betritt, wird man automatisch ruhig und leise. Die hohen Fenster, die dicken Mauern. Alles scheint in einer Kirche plötzlich zu verstummen. Sogar die Vibration vom Smartphone wird auf einmal egal. Stress, ob auf der Arbeit oder im Privatleben, belastet die Menschen heutzutage immer mehr. Deshalb gönnen sich immer mehr Menschen eine bewusste Auszeit und verbringen ihren Urlaub im Kloster.

 

Urlaub im Kloster

Klosterurlaub = Verzicht? | Glauben praktizieren

Alltag im Konvent | Ist Urlaub im Kloster etwas für mich?

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Klostergarten der Benediktinerabtei in Seligenstadt

Urlaub im Kloster = Urlaub auf Sparflamme?

Urlaub im Kloster muss nicht gleichzeitig Verzicht bedeuten. Viele Ordensgemeinschaften sind mittlerweile auf Gäste eingestellt und bieten euch den gleichen Komfort wie ein durchschnittliches Hotel. Natürlich erwarten euch hier keine Whirlpools im Badezimmer oder Champagnerflaschen in der Minibar. Aber darauf kommt es bei diesem Urlaub auch nicht an. Nichtsdestotrotz stellen euch die Klöster ein gemütliches Zimmer zur Verfügung, in das ihr euch jederzeit zurückziehen könnt. Auch, wenn viele Besucher Alleinreisende sind, seid ihr auch als Paar herzlich willkommen.
Info:
Die meisten Klöster in Deutschland sind römisch-katholische Orden. Ein paar evangelische Klöster gibt es aber auch.
Manche Orden leiten sogar ein ganzes Gästehaus. Sich als Familie eine geistige Auszeit zu gönnen, ist also auch kein Problem. Je nach Belieben habt ihr die Wahl bei der Verpflegung. Die meisten Konvente bieten eine leckere und ausgewogene Vollverpflegung an.

 

 

Alles kann, nichts muss

Wer an den Alltag in einem Kloster denkt, dem fallen wahrscheinlich zuerst Gebete, Andachten, Messen und Schweigen ein. Bei einem Aufenthalt im Kloster gilt für Besucher aber die Regel: Alles kann, nichts muss. Spirituell interessierte Menschen sind dazu eingeladen, an den verschiedenen Gebeten, Gottesdiensten und Lesungen teilzunehmen. Die Mönche und Nonnen freuen sich sehr, wenn ihr euch für ihren Lebensinhalt interessiert. Wenn Beten aber nichts für euch ist, dann ist das auch kein Problem, niemand wird dazu gezwungen. Wie schon gesagt: Alles kann, nichts muss. Hier können die Besucher dem Lebensstil so nachkommen, wie es ihnen gefällt. In den wenigsten Klöstern werdet ihr schief angeguckt, wenn ihr das Gelände mal verlassen möchtet. Wichtig ist nur, dass ihr passend zur Nachtruhe um 20 Uhr zurück seid – denn die muss in den meisten Klöstern von allen Bewohnern befolgt werden.

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Alltag im Kloster

Neben der spirituellen Selbstfindung bieten viele Ordensgemeinschaften auch weitere Angebote abseits der Bibel an, um eure Seele zu entspannen. Neben dem Angebot einer Physiotherapie könnt ihr in der näheren Umgebung wandern, beim Yoga zur Ruhe kommen oder gesundheitliche Behandlungen nach Kneipp durchführen lassen. Warum diese ganzen Wohlfühl-Behandlungen angeboten werden, fragt ihr euch? Die Antwort ist einfach: Nur in einem gesunden Körper kann eine gesunde Seele wohnen.

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In den meisten Klöstern ist es gern gesehen, wenn ihr bei den alltäglichen Aufgaben den Nonnen und Mönchen helft. Sei es beim Zubereiten der Mahlzeiten oder der Gartenpflege, das Leben in einem Kloster ist auf das gemeinsame Wohl ausgerichtet. In manchen Konventen gibt es sogar große Parkanlagen und Tiere. Das Kloster Arenberg zum Beispiel ist das Zuhause von Schafen. Nicht nur die Nonnen freuen sich, wenn sich ein neues Gesicht um die kleine Herde kümmert. Fernab von Smartphones, Tablets und Notebooks kommt ihr hier an der frischen Luft mit Sicherheit auf andere Gedanken. Wer komplett abschalten möchte, für den ist möglicherweise ein Schweigekloster wie das Kapuzinerkloster Irdning im Ennstal das Richtige. Meist werden dafür Aufenthalte von drei bis vier Tagen angesetzt.

Durch das Schweigen haben wir uns sofort miteinander verbunden gefühlt.
Am Tag eurer Anreise gibt es eine kurze Einführung durch die Ordensbrüder und -schwestern, sodass ihr wisst, was euch in den nächsten Tagen erwartet und welche Regeln ihr beachten sollt. Und dann beginnt sie schon: eure Auszeit in kompletter Ruhe. Lasst euch auf die Stille ein und nehmt an, was euch während des Schweigens widerfährt. Jeder fühlt etwas anderes. Ihr werdet merken wie leicht es ist, sich auch ohne Worte mit den anderen Besuchern, Nonnen und Mönchen zu unterhalten. Ein Lächeln versteht jeder.

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Ist Urlaub im Kloster etwas für mich?

Die Annahme, ins Kloster dürfe man nur gehen, wenn man sehr fromm ist, stimmt nicht. Wie ihr es aus dem vorherigen Text wahrscheinlich schon gelesen habt, ist der Aufenthalt im Kloster für diejenigen etwas, die sich bewusst eine Auszeit nehmen möchten, den Trubel des Alltags vergessen und sich ganz auf sich selbst fokussieren wollen. Durch die Ruhe und Entspannung, die ihr hier erfahren könnt, ist es nicht verwunderlich, dass besonders ausgebrannte Manager in einem Kloster eine Pause einlegen, um wieder Kraft zu tanken.

Die meisten Besucher bleiben zwei Wochen, damit sie einmal so richtig abschalten können. Kurzaufenthalte oder ein Wochenende im Kloster sind aber auch möglich. Falls ihr während eures Urlaubs trotzdem nicht auf eine Reise ins Ausland verzichten möchtet, könnt ihr auch beispielsweise in Italien oder Kroatien Urlaub im Kloster verbringen. Egal, für welchen Ort ihr euch entscheidet, ich bin mir sicher, dass ihr nach eurem Aufenthalt in einem Konvent viel neue Kraft schöpfen konntet.