Was wären Länder ohne ihre Eigenarten oder charakteristischen Merkmale? Richtig, ziemlich blass, um ehrlich zu sein. Die Kubaner leben und sterben für Rum und Zigarren, die Schweden können nicht ohne ihr Smörrebröd und den Briten sagt man nach, sie seien die wohl höflichsten Menschen unseres Planeten. Ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal sind aber die Nationaltiere, welche eine ganz besondere Beziehung zu ihrem jeweiligen Land haben.

Bestimmt seid ihr auf euren Streifzügen durch die Länder dieser Welt schon einmal bewusst oder auch unbewusst auf Darstellungen, oder gar auf die Nationaltiere selbst gestoßen. Meist begegnen sie euch in Form von Stadtwappen, als Werbemaskottchen oder als behütetes und umsorgtes Juwel in einem Zoo oder einer Aufzuchtstation. Auf welche Art und Weise ihr ihnen auch immer begegnet, einer Sache könnt ihr euch sicher sein: Die Nationaltiere haben nicht umsonst einen festen Platz im Herzen eines jeden Einwohners. Doch seht selbst, welche tierischen Anhänger ihr auf der ganzen Welt finden könnt und was sie so einzigartig macht.

Nationaltiere weltweit

Australien | Neuseeland | Costa Rica | Kanada | Island

Schottland | Frankreich | Spanien |  China | Indien

Nationaltiere

Australien – Beuteltiere voraus!

Zum warm werden fange ich mal mit einem absoluten Klassiker an. In Australien lassen sich gleich zwei Nationaltiere ausfindig machen, von denen das bekannteste aber wohl das Känguru sein dürfte. Bereits im Wappen ist das Beuteltier zu sehen, und das nicht ohne Grund, denn: Kängurus können nicht rückwärts laufen und sollen somit Australiens kontinuierlichen Fortschritt repräsentieren. Und auch sonst begegnet euch das Känguru relativ häufig, so zum Beispiel auf den sogenannten Roadsigns, die Autofahrer vor der Gefahr durch überquerende Kängurus warnen sollen, oder auch auf australischen Nuggets findet ihr eine Känguru-Prägung.

Nicht außer Acht lassen, solltet ihr auch das zweite Tier, den Eukalyptus-liebenden Koala, der, auf einem Foto verewigt, für viele Australienurlauber ein Highlight ihrer Reise darstellt. Und auch die Werbeindustrie macht sich das kuschelige Beuteltier gerne zunutze. Doch momentan ist der Ruf des Koalas etwas angeknackst, denn Bemühungen, die Tiere vor dem Aussterben zu retten, kehrten sich gegen die Retter, sodass auf manchen Inseln gar von einer Koalaplage die Rede ist. Bei dem Blick kaum vorstellbar, oder?

Sydney Sehenswürdigkeiten Zoo Koala
Kaum zu glauben, dass so ein süßer Kerl eine Plage sein soll

Neuseelands Kiwis – Frucht oder Vogel?

Ich bleibe noch etwas im südlichen Pazifik und möchte euch nun den Kiwi, das Nationaltier Neuseelands, etwas näher bringen. Der Laufvogel mit dem langen, gebogenen Schnabel und dem dichten Gefieder erinnert nicht nur äußerlich an die uns bekannte Kiwifrucht, nein, die Chinesische Stachelbeere (so ihr eigentlicher Name) verdankt einer Handelsfirma, welche die Frucht unter dem Namen „Kiwi“ exportierte, dass uns der neuseeländische Name sogar geläufiger ist. Ihr denkt hier an einen Zufall? Wohl kaum, denn sogar Neuseelands staatliche Rentenkasse trägt in ihrem Namen den Kiwi, sie wird auch als „Kiwisaver“ bezeichnet. Doch es geht noch kurioser, denn die Liebe der Neuseeländer zu ihrem Nationaltier scheint schier keine Grenzen zu kennen, liebevoll sprechen sie von sich selbst als „Kiwis“. Das nenne ich mal bedingungslose Liebe!

Faultiere in Costa Rica – Einfach mal abhängen

Langsam, ganz, ganz langsam hangelt sich das Nationaltier Costa Ricas durch die dicht bewachsenen Wälder des zentralamerikanischen Staates, wenn sie sich denn dann überhaupt mal bewegen. Vielleicht haben die Costa Ricaner es aber auch genau aus diesem Grund ausgesucht, denn manchmal kann das Leben der Menschen dort schon recht hektisch und feurig sein; da kommen die niedlichen Baumbewohner doch gerade recht, um die menschlichen Bewohner etwas zu entschleunigen. Und die Costa Ricaner haben eine ganz besondere Art, ihren Dank für die Nationaltiere auszusprechen, denn seit 1997 werden im Sloth Sanctuary Costa Rica kranke, verletzte und verwaiste Faultiere gepflegt. Ihr als Reisende könnt sogar auch einen Blick in das erste Waisenheim für Faultiere werfen und euch davon überzeugen, dass den Tieren hier ein wahres Kleinod geschaffen wurde. Und vielleicht lasst auch ihr euch von den Faultieren überzeugen, dass Abhängen manchmal eine gute Alternative ist, um eurem hektischen Alltag mal wieder ein Schnippchen zu schlagen. Ihr möchtet mal als Volunteer in Costa Rica arbeiten? Es ist definitiv eine tolle Erfahrung!

Kanadas Biber – Ingenieure und Polygamisten

Und auch Kanada kommt, wie Australien zuvor, nicht mit nur einem Nationaltier aus. Das bekanntere der beiden ist auch als vierbeiniger Ingenieur bekannt, der mit seinen Zähnen die dicksten Bäume mühelos fällen kann. Na klar, die Rede ist vom Biber, ohne den Kanada in seiner jetzigen Form wohl kaum existieren würde. Leider trägt der Ursprung seiner Beliebtheit einen faden Beigeschmack, denn es war sein Fell, das den Handel zwischen Europäern (wie wir sie heute kennen) und Indianervölkern florieren ließ. Natürlich kam es, wie es kommen musste: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Populationszahlen auf einem Rekordtief und der Biber in einigen Teilen Kanadas sogar ausgerottet. Heute haben sich die Bestände wieder erholt und der Biber kann euch wieder verzückt von der Vorderseite der Fünf-Cent-Münze aus anlachen.

Das zweite Nationaltier trägt das Wort Kanada sogar im Namen: Die Rede ist von der Kanadagans. Und die hat es faustdick hinter den Ohren, das könnt ihr mir glauben. Während andere Vogelarten Monogamie als das höchste Gut ansehen, geht die Kanadagans ihrem Partner auch gerne schon einmal fremd. Als wäre das nicht genug, stiehlt sie gelegentlich auch den Nachwuchs anderer Gänse, wenn bei ihr selbst der Erfolg ausblieb. Ein ganz schönes Schlitzohr, diese Kanadagans.

Ihr möchtet die beiden Nationaltiere Kanadas mal in ihrer natürlichen Umgebung sehen? Ich kann euch einen Roadtrip durch Kanada empfehlen, garantiert ein unvergessliches Erlebnis!

Canada Geese Displaying
Der Schein trügt, Kanadagänse können ganz schön biestig sein

Islands Papageitaucher – Freund oder Futter? Beides!

Bestimmt sind euch beim Gedanken an Isländische Nationaltiere sofort die Islandpferde in den Sinn gekommen, oder? Zugegeben, sie sind definitiv ein wichtiger Bestandteil des Landes, aber die wahren Helden Islands sind die Papageitaucher, deren Status als Nationaltier aber einen bitteren Beigeschmack hat. Aber alles der Reihe nach. Mit seinem bunten Schnabel, den rot umrandeten Augen und dem weiß-schwarzen Gesicht erinnert der Papageitaucher mich immer irgendwie an einen stark geschminkten Clown, findet ihr nicht auch? Island bietet ideale Brutbedingungen für den Lundi, wie er dort genannt wird, und von vielen Orten aus, meist in Hafennähe, könnt ihr euch auf die Lauer legen, um Exemplare mit eigenen Augen zu beobachten. Seit 2015 wird der Papageitaucher als „gefährdet“ eingestuft, was nicht nur auf den Klimawandel allein geschoben werden kann, denn, und jetzt wird es makaber, der Vogel ist nicht nur Nationaltier Islands, sondern wird dort auch als Delikatesse gehandelt. Wie das zusammen passt, fragt ihr euch? Glaubt mir, selbst euer Urlaubsguru weiß darauf keine Antwort. Bleibt nur zu hoffen, dass der Papageitaucher irgendwann den Weg aus der isländischen Küche findet.

Schottland – Das wohl kurioseste der Nationaltiere

Mein Weg führt mich nun auch nach Europa, genauer gesagt nach Schottland, und auch hier wird es wieder kurios. Die Schotten haben sich ein Nationaltier auserkoren, das so eigentlich nur in Legenden und Sagen existiert, denn ein Einhorn hat nun wirklich noch nie jemand zu Gesicht bekommen. Ihr findet das Einhorn nicht nur als Statue in mehreren schottischen Städten, sondern auch an Hauswänden und ganz besonders als Wappentier. Ist euch aufgefallen, dass es auf den meisten Darstellungen angekettet ist? Die Schotten haben eine einfache Erklärung parat, denn das Einhorn galt während des Mittelalters als ziemlich gefährliches Wesen, welches nur in Ketten gelegt gebändigt werden konnte. Und denkt bloß nicht, dass dies jeder konnte! Ausschließlich Jungfrauen besaßen die Macht, um solch ein ungestümes Einhorn zu zähmen. Und ihr dachtet, nach meiner Erzählung über die Papageitaucher könnte es nicht mehr kurioser werden, nicht wahr?

Coat of Arms – King George I

Frankreich und sein stolzer Gockel

Kein Nationaltier hat wohl so ein Auf und Ab erlebt, wie das der Franzosen. Im Mittelalter und lang darüber hinaus wurde der Hahn nur allzu gern von Deutschen, Italienern und Engländern als Sinnbild für den ungeliebten Gegner Frankreich hergenommen. Der Hahn, Angeber, Choleriker und eitler Tunichtgut in einem, sollte stellvertretend für alle Franzosen gelten. Frankreichs Könige, erzürnt über diesen Frevel, wollten das Bild des Hahns schnell reinwaschen und rufen ihn als ruhmreiches, aufmerksames Tier aus, das sogar die Macht hat, Dämonen zu verscheuchen. Während der Französischen Revolution ändert sich sein Bild noch einmal, denn nun wird er zum Symbol des Widerstands und des Volkes. Nachdem der Hahn unter Napoleon noch einmal in Ungnade fällt, gilt er ab 1830 wieder als Symbol der „résistance“, sodass er noch heute als Wetterhahn von vielen Dächern kräht und dem Team der französischen Fußball Nationalmannschaft hoffentlich zu vielen Siegen verhilft.

Gallic cock, symbol of France, from Colonnes des Girondins, Bordeaux, France shutterstock_387940549-2

Der spanische Stier – Von der Werbetafel zum Nationaltier

Ich gehe jede Wette ein, dass jedem von euch schon einmal der schwarze Stier ins Auge gesprungen ist, der auf so vielen Kofferraumklappen klebt und euch vom Spanienurlaub des Fahrers erzählen will. Zunächst einmal erscheint es nur logisch, dass der Stier das Nationaltier Spaniens ist, wird das Land doch von seinen legendären Stierkampfarenen und Toreros geprägt.

Ich gebe zu, die Vermutung liegt nah, aber der Stier basiert tatsächlich auf einer sehr erfolgreichen Werbekampagne aus dem Jahr 1957 und er sollte den Verkauf des Weinbrands Veterano vorantreiben. Die hölzernen Stiere wurden entlang Spaniens Straßen aufgestellt und sowohl ihre Anzahl als auch ihre Größe wuchsen mit der Zeit rasant, bis 1988 ein Gesetz erlassen wurde, dass für die Stiere fast das Aus bedeutete. Doch mittlerweile fühlten sich die Spanier so zu ihrem „Toro de Osborne“ hingezogen, dass sie für seinen Erhalt kämpften. Und das sehr erfolgreich, wie man auch heutzutage noch eindrucksvoll erkennen kann.

Spanish Bull
Mit diesem Aufsteller wurde für den Weinbrand Veterano geworben

Chinas süße Pandas – Im Einklang mit der Natur

Der Panda als nationales Symbol für Freundschaft, Frieden und Glück hat in China ein weit reichende Tradition. Bereits 1027-771 v. Chr. wurde der Panda als unbesiegbares Tier gesehen, das sogar den Tiger an Stärke bei Weitem übertraf. Als Zeichen von Macht und Stärke wurden chinesischen Herrschern gerne Pandapelze um die Schultern gelegt, die nicht nur Eindruck schinden, sondern auch Krankheiten und Unheil abhalten sollten. Und könnt ihr euch denken, an was die Farben des Fells viele Chinesen noch erinnert? Richtig, an das Ying und Yang Zeichen, welches ja ebenfalls aus einer schwarzen und einer weißen Hälfte besteht. Das ruhige Verhalten des Pandas, gepaart mit seinem weißen und schwarzen Pelz soll ebenfalls Ausgeglichenheit und Harmonie ausstrahlen. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber auf mich erzielen die liebenswürdigen Tollpatsche genau diese Wirkung.

Spirituelles Indien – Von Göttern und Tieren

Den Indern nur ein oder zwei symbolträchtige Tiere zuzuordnen, ist eigentlich vermessen, aber ich möchte mich trotzdem nur auf zwei der vielen Nationaltiere beschränken. Besonders der bengalische Tiger wird mit dem Staat in Südostasien in Verbindung gebracht, denn er ist es, der die Göttin Durga auf seinem Rücken trägt und sie in ihrem Kampf gegen zahlreiche Dämonen unterstützt.

Neben Stärke repräsentiert der Bengalische Tiger auch Macht und vor allem Fruchtbarkeit, welche im hinduistischen Glauben ohnehin eine große Rolle spielt. Macht soll auch das zweite Nationaltier ausstrahlen, vorrangig ist es aber das Symbol der Schönheit; nicht verwunderlich bei dem wunderschönen Rad, welches der männliche Pfau häufig schlägt. Doch es sind nicht nur Äußerlichkeiten, die den Pfau in den Stand eines Nationaltieres erheben. Indische Bauern schätzten und schätzen auch heute noch seinen grellen Schrei, der vor potentiellen Angreifern warnt und diese auch abschreckt. Ganz schön praktisch so ein Pfau, nicht wahr?

Peacock

Hoffentlich hat euch mein kleiner Ausflug in die Welt der Nationaltiere gefallen und vielleicht haltet ihr bei eurer nächsten Reise nun noch mehr die Augen auf, um während eurer Streifzüge auf das ein oder andere Nationaltier zu stoßen. Ihr seid schon einmal in Berührung mit dem ein oder anderen Nationaltier gekommen und habt eine lustige, spannende oder kuriose Geschichte zu erzählen? Schreibt mir doch in den Kommentaren, was euch so alles widerfahren ist!