Zweifelsohne kommen die schönsten Perlen und kunstvollsten Möbel Mallorcas aus Manacor – denn hier schlägt das industrielle Herz der Insel. Ich zeige euch heute jedoch, warum die Stadt auch für den nächsten Urlaub echt interessant ist und man sie auf keinen Fall abstempeln sollte!

Mit 30.000 Einwohnern ist Manacor nach Palma de Mallorca die zweitgrößte Stadt der Insel. Im Osten und Landesinneren Mallorcas gelegen, hatte sie bisher immer den Ruf, etwas schmuddelig und für Touristen wenig reizvoll zu sein. Tatsächlich trägt Manacor den Titel „Industriemetropole Mallorcas“ nicht zu Unrecht, denn das Herz der Perlen- und Möbelindustrie auf den Balearen schlägt hier. Doch die engen Gassen der Altstadt mit ihren kleinen Läden und schmucken Patrizierhäusern, die vielfältige Kultur und die traumhaften Hotels in direkter Umgebung, gepaart mit dem Bemühen der Einwohner, ihre Stadt durch zahlreiche Renovierungen für Besucher aufzuhübschen, führt dazu, dass ihr Manacor mehr als nur einen Blick auf der nächsten Mallorca-Reise schenken solltet.

Industriemetropole auf dem Vormarsch

Das ist Manacor | Plant eure Reise | Die schönsten Sehenswürdigkeiten | Rund um Manacor

Manacor Mallorca

Manacor – Perlen, Siesta und mallorquinisches Lebensgefühl

Der Name Manacor kommt aus dem Spanischen – „man a cor“ bedeutet auf Deutsch „Hand ans Herz„. Eine wirklich romantische Bezeichnung für die Stadt und den umliegenden Bezirk. Während Manacor zumeist für industrielle Produkte bekannt ist, prägen weitläufige Wälder und zahlreiche Naturschutzgebiete die Gemeinde. Doch auch in Manacor selbst hat der Ruf von zweifelhaftem Industriecharme längst ausgedient. Es ist vielmehr eine ansprechende Stadt, die mit zahlreichen Attraktionen und einem äußerst bekannten Sohn aufwarten kann: Rafael Nadal.

Skurril: In Manacor gibt es einen Weidenbaum, dem heilende Kräfte nachgesagt werden.
Da dieser nicht immer zur Hand ist, um Glanz auf Manacor zu werfen, haben die Einwohner das Zepter selbst in die Hand genommen und hübschen ihre Stadt seit einigen Jahren auf. Das Dasein als Industriezentrum hat in den vergangenen Jahrhunderten Geld nach Manacor gespült, welches sich jetzt in alten Patrizierhäusern und pittoresken Überresten von Wehranlagen widerspiegelt, von denen meist nur der Turm erhalten geblieben ist. Zahlreiche kleine Geschäfte haben sich in der Innenstadt angesiedelt und versprechen ein erfolgreiches Shoppingvergnügen. Besonders schön ist es um die Plätze Sa Bassa und Plaça Constitució, die mit ihrem mediterranen Flair den Touristenhochburgen Mallorcas in nichts nachstehen. Dieses Potenzial erkennen mittlerweile auch Urlauber, dennoch ist die Stadt weit weniger überlaufen als viele andere auf der Lieblingsinsel der Deutschen.

Daher versprüht Manacor auch nach wie vor ein typisch mallorquinisches Lebensgefühl. Siesta wird hier ernst genommen und viele Sehenswürdigkeiten schließen über Mittag ihre Pforten – sind dafür am Abend aber vergleichsweise lange geöffnet. Apropos Sehenswürdigkeiten: Eintritt wird in Manacor eher selten verlangt. Ein weiterer Grund also, den Blick Richtung Osten zu wenden und sich selbst überzeugen zu lassen.

So plant ihr eure Reise

Anreise | Hotels | Restaurants

Anreise

Der nächstgelegene Flughafen ist Palma de Mallorca. Der drittgrößte Flughafen Spaniens ist gut vernetzt und wird häufig von vielen deutschen Flughäfen aus angeflogen. Euren nächsten Schnäppchenflug nach Mallorca könnt ihr ganz einfach in meiner Flugsuche finden. Wenn ihr auf der Baleareninsel gelandet seid, erreicht ihr Manacor mit dem Mietwagen nach rund 50 Kilometern, also ca. 40 Minuten Fahrt. Auf dem Weg könnt ihr nicht nur weitläufige Wälder bestaunen, sondern kommt auch an zahlreichen Mandelplantagen vorbei, denn im Landesinneren gedeihen die Bäume besonders gut und zahlreich. Grade während der Mandelblüte auf Mallorca ist die Anreise nach Manacor ein Highlight für sich! Wenn ihr lieber auf das Auto verzichten wollt, dann ist die Stadt auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Ihr könnt entweder den Zug T3 oder den Überlandbus L412 nehmen.

Manacor
Blühende Mandelbäume

Hotels

Das wohl bekannteste Hotel in direkter Nähe zu Manacor ist das La Reserva Rotana. Das im typisch mallorquinischen Stil errichtete fünf Sterne Hotel lässt wirklich keine Wünsche offen. Von einem privaten Golfplatz (9-Loch) bis zum Wellnessbereich mit Innen-, Außen- und Whirlpool ist hier alles mit dabei, sogar ein Casino gibt es auf der Anlage. Im Rafal Nou erwarten euch moderne Apartments in alten Schafställen. Die Kombination aus topaktuellen Elementen (iPad auf dem Zimmer) und ländlichem Charme (blökende Schafe) schafft eine spannende Atmosphäre und macht sowohl Land- als auch Designliebhaber glücklich.

Direkt im Stadtzentrum gelegen, ist das zwei Sterne Hotel Ca’n Guixa. Die kleine Pension ist vor allem für Rundreisende interessant, denn neben einem guten Preis-Leistungsverhältnis, der beinahe kompletten Alleinstellung als Hotel in der Stadt und einem eigenen Bad, findet man hier auch saubere Zimmer und nette Angestellte.

Manacor Mallorca

Restaurants

Roter Teppich im Außenbereich, eine riesige Windmühle als Erkennungszeichen. Nein, die Pariser haben nicht ihr Traditionshaus Moulin Rouge abgestoßen und auch keinen Ableger auf Mallorca aufgemacht. Dafür gibt es im Molí den Sopa täglich von 12 bis 23 Uhr traditionelle, aber auch internationale Gerichte. Von außen eher unscheinbar ist das CAN Vinyes. Die kleine Gaststätte pendelt irgendwo zwischen Kantine und libanesischem Restaurant, während die Karte vor allem Vegetarier glücklich macht. Für Tapas empfehle ich euch das Entrevius Menjar i Beure im Schatten der Türme der Kirche Nostra Senyora dels Dolors. Auf der Mittagskarte habt ihr die Wahl zwischen drei Vor – und Hauptspeisen für grade einmal neun Euro. Das lauschige Plätzchen auf dem Vorplatz ist natürlich inklusive.

Manacor Mallorca

Sehenswürdigkeiten in Manacor

Märkte | Perlenmanufaktur | Torre dels Enagistes | Nostra Senyora dels Dolors 

Sant Vicenç | Rafael Nadal Sports Center

Märkte

Wochenmärkte sind ganz typisch für Manacors Stadtbild. Jeden Vormittag findet am Plaça Constitució ein Markt statt, auf dem man vor allem frisches Obst und Gemüse, aber auch einige Handwerksprodukte der Umgebung erstehen kann. Kein Wunder also, dass der Platz im Volksmund nur noch „Gemüsemarkt“ genannt wird. Zudem gibt es jeden Montag einen Wochenmarkt am Plaça Ramon Llull, auf dem ihr nicht nur Lebensmittel, sondern auch die für Manacor so typischen Olivenholzprodukte kaufen könnt.

Manacor Mallorca

Perlenmanufaktur

Ich habe es euch eingangs ja bereits verraten: Berühmt geworden ist Manacor mit der Produktion von Perlen. Die bekannteste und gleichzeitig größte Manufaktur ist Majorika. Hier werden Perlen produziert, für die man keine Auster knacken muss, auch, wenn sie so aussehen. Die Perlen von Majorika sind täuschend echte Imitate – und das bereits seit 1890. Gegründet wurde die Firma von Friedrich Heusch, welcher gleichzeitig auch der Erfinder der angewandten Produktionsmethode ist. Geht es um Mallorcas wunderschönen Perlenschmuck, dann lautet die Antwort auf die Frage „Wer hat’s erfunden?“ also weder die Schweizer, noch die Spanier – sondern ein Deutscher.

Der Produktionsprozess ist vermeintlich simpel, der Teufel steckt jedoch im Detail. Um einen Kern aus gehärtetem Weißglas wird durch mehrfaches Eintauchen in einen Perlmuttbrei eine Hülle gezogen, die ebenso schön von innen heraus zu leuchten scheint wie eine echte Perle. Richtiges Perlmutt ist hier allerdings nicht im Spiel. Die Masse besteht aus Fischschuppen und Muschelsand – die genaue Zusammensetzung? Streng geheim! Bei der Produktion darf man bei Majorika dennoch zusehen. Nach Fisch riechen die Perlen nach dem Aushärten übrigens nicht. Dafür sind sie resistent gegen Schweiß, Kosmetika, Hitze und nicht ganz günstig. Die Investition ist jedoch fürs Leben.

Torre del Enagistes

Das ländliche Wohnhaus mit angeschlossener Wehranlage stammt aus dem 14. Jahrhundert und beherbergt das historische Museum von Manacor. Vier dauerhafte Ausstellungen zu unterschiedlichen Epochen werden durch regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen ergänzt. Der Charakter als Wehranlage wird besonders dadurch deutlich, dass der Hof kreisförmig angelegt und komplett von einer Mauer umschlossen ist – es gibt lediglich eine Unterbrechung, durch welche Besucher hinein und hinaus finden können. Zu den Ausstellungsstücken des Museums gehören auch die Fundstücke der Ausgrabungsstätten an den frühzeitlichen Basilisken Son Petero und Sa Carrotxa. Erstere kann ebenfalls in der Nähe von Manacor besichtigt werden. Auch hier wird – ebenso wie im historischen Museum – kein Eintritt verlangt.

Nostra Senyora dels Dolors

Die Kirche Nostra Senyora dels Dolors steht mitten im Zentrum Manacors. Der Bau stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist im neugotischen Stil errichtet. An gleicher Stelle befanden sich jedoch bereits zuvor unterschiedliche Gotteshäuser – wahrscheinlich wurden die Kirchbauten auf den Ruinen einer verfallenen Moschee errichtet. Der Glockenturm der Kirche Nostra Senyora dels Dolors ist das höchste Gebäude Mallorcas. Mit seinen 80 Metern überragt der Torre Rubí sogar die Kathedrale von Palma de Mallorca. Sehenswert sind zudem die Altarbilder im Inneren. Die Kirche bildet eine willkommene Oase der Ruhe inmitten des quirligen Trubels vor ihren Toren.

Manacor Mallorca
Foto: Joan Bautista/shutterstock.com

Kloster Sant Vicenç

Ebenfalls im Zentrum Manacors gelegen, setzt sich das Kloster aus einem Klosterhof und einer Kirche zusammen und kann bereits auf eine abenteuerliche Nutzungsgeschichte zurückblicken. Nach dem Auszug der Mönche aus den Räumen des Klosters haben diese nämlich bereits allerlei beherbergt – vom Telegrafenamt bis zum Gefängnis. Heute werden die Räume von der Gemeindeverwaltung genutzt. Sowohl der schöne Innenhof als auch die 1617 eröffnete Kirche sind für Besucher aber frei zugänglich. Dessen Innenraum ist eher schlicht gehalten und spiegelt den typisch mallorquinischen Stil wider, den man in vielen Klosterkapellen auf der Insel finden kann. Eine Ausnahme gibt es jedoch: In der Rosenkranzkapelle regiert der Prunk des Barocks nach Lust und Laune mit zahlreichen Goldornamenten.

Manacor Mallorca
Foto: Joan Bautista/shutterstock.com

Rafael Nadal Sports Center

Das Großprojekt von Tennisstar Rafael Nadal macht Manacor vor allem für Sportfans äußerst interessant. Der 40.000 m² große Komplex beheimatet unter anderem ein Aktivhotel, welches von vorne bis hinten auf die Bedürfnisse von urlaubenden Sportlern oder im Urlaub Sportelnden abgestimmt ist. Es gibt ein riesiges Fitnessstudio, spezielle Ernährungspläne und ein vielfältiges Sportprogramm. Wenn man da nicht fit wird, dann weiß ich auch nicht weiter. ;-)

Für alle, die dann doch lieber Sport anschauen als zu treiben, gibt es die Sport Xperience. Das Museum, welches in besonderem Maße Wert auf Interaktivität legt, ist in drei Hauptteile gegliedert. Während man im eigentlichen Teil der Ausstellung nicht nur, aber auch, Nadals Trophäen und Tennisschläger bewundern kann, ist der Erlebnisbereich ganz auf die eigene Erfahrung zugeschnitten. Ihr wolltet schon immer mal ein Formel 1 Auto fahren oder euch beim Mountainbiken die steilsten Berge hinabstürzen? Kein Problem in den Simulatoren – und außerdem ist das Verletzungsrisiko äußerst gering. Im letzten Teil, der Projektionshalle, können die Schlüsselmomente verschiedener Sportlerkarrieren noch einmal hautnah durchlebt werden. Sportfaszination pur garantiert!

Das angeschlossene Sports Café kann mit dem Blick auf Rafael Nadals eigenen Centercourt, Teil der nicht für Besucher zugänglichen Tennis Academy, punkten. Wer Glück hat, der kann bei einer Tasse Kaffee den Superstar selbst ein paar Bälle schlagen sehen.

So schön ist Manacors Umgebung

Und, fehlt euch was? Falls euch nichts einfällt, dann verrate ich es euch: Einen eigenen Stadtstrand gibt es in Manacor nämlich nicht. Damit euer Mallorca Urlaub aber rundum perfekt wird, lege ich euch zum Abschluss noch zwei Strände in der Nähe ans Herz: Sowohl die Playa Romàntica als auch die Cala Mendia laden zum Sonnenbaden ein. Ganz in der Nähe locken zudem Porto Cristo und die berühmten Coves del Drac. Ganz besonders möchte ich euch aber auf den Öko-Wanderweg Via Verde aufmerksam machen, auf dem ihr entlang einer alten Bahntrasse durch Mallorcas faszinierende Natur nach Artà wandern könnt.

Majorca Porto Cristo beach in Manacor at Mallorca
Porto Cristo

Ihr könnt eure Vorurteile gegenüber der Industriestadt getrost ablegen. Ich kann euch Manacor für den nächsten Urlaub in unserem 17. Bundesland nur empfehlen. Denn Hand aufs Herz: Es ist wirklich schön.

 

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Beitragsbild: Joan Bautista/shutterstock.com

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