Historische Bauten, großzügige Parkanlagen, bunte Hausfassaden, eine spannende Geschichte und leckere polnische Köstlichkeiten – all das erwartet euch in der Stadt Stettin in Polen direkt an der Oder.

Stettin stand bisher noch nicht auf eurer Bucketlist? Dann ist es nun allerhöchste Zeit, das zu ändern! Denn nicht nur beliebte Städte wie Warschau, Breslau oder Posen eignen sich super für einen Städtetrip, manchmal darf es auch ein Geheimtipp sein. Et voilà, da hätten wir das etwas kleinere aber mindestens genauso liebenswerte Städtchen Stettin, auf polnisch Szczecin, direkt an der Oder. Was die Stadt so besonders macht und weshalb sich ein kurzer Trip hierher auf jeden Fall lohnt, lest ihr hier.

Euer Städtetrip nach Stettin

Lage und Umgebung | Rundgang durch die Altstadt | Natur, Parks und Wasser 

Restaurants mit polnischer Küche

So findet ihr nach Stettin

Im Gegensatz zu Polens Hauptstadt Warschau oder dem beliebten Krakau hat Stettin den Vorteil, nah hinter der deutschen Grenze zu liegen und dadurch mit dem Auto oder Zug schnell erreichbar zu sein. Besonders wenn ihr aus dem Nordosten Deutschlands kommt, könnt ihr euch über eine relativ kurze Anreise freuen und auch mal einen spontanen Trip hierher starten. Von Mecklenburg-Vorpommern, Lübeck, Hamburg und Berlin aus könnt ihr auch ganz bequem und günstig mit dem MV-Ticket über die Grenze bis nach Stettin fahren.

Unterwegs mit dem MV-Ticket:

  • Flexibel: Beliebig viele Fahrten an einem Tag (von 9 Uhr bis 3 Uhr des nächsten Tages)
  • Günstig: Ab 7,80€ pro Person
  • Für bis zu 5 Erwachsene
  • 2 Erwachsene dürfen beliebig viele (Enkel-)Kinder mitnehmen

Falls ihr mit dem Auto auf dem Weg zur polnischen Ostseeküste seid, liegt es sogar auf dem Weg. Auch Stettin liegt direkt am Wasser: Südlich der Ostsee mündet hier die Oder in das Stettiner Haff, was die Stadt zu einer alten Hansestadt mit einem der größten Seehäfen im Ostseeraum macht. Da das Oderufer von bewaldeten Hügeln umgeben ist, wird das Stadtbild von viel Grün geprägt. Wenn ihr aus dem Ausland oder aus weiter entfernten Ecken Deutschlands anreist, bietet sich euch auch der internationale Flughafen Stettin-Goleniów an, der 30 Kilometer nordöstlich der Stadt liegt.

Die geschichtsträchtige Altstadt

Um die Altstadt zu besichtigen, wurde ein Rundweg entworfen, der sich durch die Stadt entlang der wichtigsten und schönsten historischen Punkte schlängelt. Folgt einfach der rot-gestrichelten Linie auf dem Bürgersteig vom Hauptbahnhof aus und entdeckt die besten Sehenswürdigkeiten bei einem gemütlichen Spaziergang. Der gesamte Weg erstreckt sich auf circa sieben Kilometern und 42 Stationen, für die ihr ungefähr einen halben Tag einplanen solltet, wenn ihr alles sehen möchtet. Nummern kennzeichnen die einzelnen Stationen, die auch immer mit dreisprachigen Infotafeln ausgestattet sind. Das hier sind meine persönlichen Highlights:

Altes Rathaus am hübschen Heumarkt

Das Rathaus Ratusz Staromiejski befindet sich ganz am Anfang beziehungsweise am Ende des Rundwegs, je nachdem, wie herum ihr ihn lauft. Es liegt direkt am Heumarkt, einem schönen Platz, gesäumt von ein paar kunterbunten Häusern, wie man sie aus Danzig oder Breslau kennt, und einladenden Cafés.

Kunterbunte Häuser säumen den alten Heumarkt

Seiner unverkennbaren Bauweise im Stil der Backsteingotik verdankt das Rathaus die Tatsache, zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Stettins zu zählen. Tretet ein und schaut euch während eurer Besichtigung auch das spannende Museum der Stadtgeschichte an oder kostet köstliche polnische Spezialitäten im Rathauskeller-Restaurant.

Das kunstvolle Hafentor

Ein Stück weiter entdeckt ihr ein weiteres bauliches Kunstwerk: Das Berliner Tor, früher auch als Brandenburger Tor bekannt. Heute nennt man es in Polen Brama Portowa, was auf deutsch Hafentor heißt. Ganz schön verwirrend, aber an die zahlreichen Bezeichnungen für ein und dieselbe Sehenswürdigkeit könnt ihr euch schon einmal gewöhnen, da sich viele Namen im Laufe der Zeit, besonders nach dem Ende der deutschen Besetzung, geändert haben. Wie dem auch sei: Das Tor ist eines der beiden erhaltenen Barock-Tore und war früher der Eingang in die Stettiner Festung. Von der ehemaligen Stadtmauer ist heute fast nichts mehr übrig.

Flanieren fast wie in Paris: Grunwaldzki-Platz und Jana Pawła II

Wenn ihr den Stadtrundweg verlasst und der Trasa Zambowa, die auch über die Oder führt, Richtung Stadtmitte folgt, erreicht ihr die breite, grün bepflanzte Boulevardstraße Jana Pawła II. Diese könnt ihr entspannt entlang schlendern, die teils kunstvollen Fassaden bestaunen und euch unterwegs an einem der kleinen Cafés mit Eis versorgen.

Paris galt als Vorbild für die Stadtplanung des Boulevards

Die Straße führt euch erst zum Grunwaldzki-Platz, der kreisförmig angelegt mehrere Straßenbahngleise und Straßen verbindet, die wie Sonnenstrahlen in acht verschiedene Richtungen abzweigen. Besonders hier spürt man, dass in den 1860er Jahren Paris als stadtplanerisches Vorbild für die Orionplätze galt. Wenn ihr den Platz kreuzt und weiterlauft, kommt ihr erst zum Rektorat der Stettiner Universität und dann zum ebenfalls beeindruckenden Bau der Stadtverwaltung, hinter der ihr den großen Jasne Błonia Park findet.

Die stattliche Jakobskathedrale

Zurück auf dem roten Rundweg findet ihr im Stadtzentrum eine der größten Kirchen Pommerns, die Jakobikirche. Ein Aufstieg auf den hohen Turm eignet sich super, wenn ihr die hübsche Stadt mal von oben sehen wollt. Dieser ist montags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Wer weniger gut zu Fuß unterwegs ist oder bei so viel Sightseeing schon aus der Puste kommt, kann sich über einen Lift freuen. Die Kirche an sich ist ebenfalls von innen und außen sehenswert, da auch sie in Backsteingotik gebaut wurde.

Das märchenhafte Stettiner Schloss

Im Herzen der Stadt befindet sich das zauberhafte Schloss der pommerschen Herzöge, auch einfach Schloss von Stettin genannt. Das beeindruckende Renaissance-Schloss wurde zwar während des Zweiten Weltkriegs zerstört, ist inzwischen aber originalgetreu restauriert worden.

Wo früher die Fürsten regierten, könnt ihr euch heute im Museum über die vergangenen Zeiten informieren und die schönen Fassaden bestaunen, die abends stimmungsvoll beleuchtet werden. Der hübsche Innenhof lädt euch zu einer kleinen Pause ein, in der ihr die bunte Uhr am Glockenturm beobachten könnt. Hier finden auf der Freilichtbühne oft auch Konzerte, Theateraufführungen und andere kulturelle Events statt. Eure Chance, die Stettiner Kultur besser kennenzulernen.

Imposante Hakenterrasse

Nur fünf Minuten entfernt erreicht ihr schon das nächste Highlight: Die imposante Hakenterrasse, auch Wały Chrobrego Promenade genannt, gilt als Vorzeigepromenade und eine der bekanntesten Bauten der Stadt. Auf 500 Metern erstreckt sich die Sandsteinanlage, an der sich eindrucksvolle Bauwerke reihen. Den Mittelpunkt der Terrasse bildet dabei das Gebäude des Nationalmuseums.

Direkt daneben befinden sich die Marine Akademie und das Amt der Woiwodschaft, das über zwei wunderschöne Türme und Innenhöfe und ein prunkvolles Treppenhaus verfügt. Auch die breiten Treppen der Hakenterrassen sind einladend und bieten euch einen tollen Blick aufs Wasser, den Hafen und die umliegenden Grünanlagen und Flussinseln. Spaziert die Uferpromenade entlang und genießt die Aussicht!

Grüne Stadt am Wasser

Durch die tolle Lage nahe der Odermündung ins Stettiner Haff, werdet ihr hier viel Wasser in der Umgebung finden. Das Stadtzentrum mit der malerischen Altstadt liegt direkt am Ufer der Westoder, die sich in viele kleine Kanäle und Flüsse abzweigt, wodurch eine schöne Landschaft aus zahlreichen Flussinseln entsteht. Diese sind zum Teil bebaut und vom Seehafen geprägt, andere von grünen Wäldern bewachsen – ein zauberhafter Anblick.

Vom Wasser aus lässt sich die Stadt auch gut erkunden. Geht an Bord und lasst euch auf einer Bootstour durch die Gegend schippern, um einige der wichtigen Sehenswürdigkeiten oder die alten Werft- und Hafenanlagen zu besichtigen. Auch Kajaks könnt ihr euch am Hafen schon für 40 polnische Złoty, umgerechnet knapp 10€, ausleihen und auf eigene Faust das Stettiner Gewässer entlang paddeln.

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Foto: Eric Valenne geostory/Shutterstock.com

Abenteuer in der Natur

Etwas weiter südlich von Stettin erstreckt sich ein großes Reservat zwischen der West- und Ostoder mit einem großen ökologischen Park. In diesem Naturschutzgebiet könnt ihr viele Vogelarten entdecken und in der unberührten Natur die Seele baumeln lassen. Hier beginnt das Gebiet des Unteren Odertals, das sich bis Brandenburg erstreckt und sich super für Kajak- oder Kanutouren eignet. Perfekt für die Abenteurer unter euch!

Grünanlagen zum Entspannen

Auch in der Stadt selbst findet ihr viele Parks und Grünanlagen, falls ihr während des Sightseeings eine Auszeit im Grünen sucht. Der Größte ist der Park Kasprowicza, der sich hinter dem Park Jasne Błonia und der Stadtverwaltung befindet und mit seinem kleinen See, einem traumhaften Rosengarten, einem Amphitheater und großzügigen Wiesen zum Relaxen einlädt. Ein Park der ganz besonderen Art ist der Hauptfriedhof von Stettin.

Der Hauptfriedhof mit seinen Wiesen und Teichen gleicht einem wunderschönen Park

Zum Spazieren auf den Friedhof? Das klingt im ersten Moment vielleicht merkwürdig, der Zentralfriedhof gehört jedoch zu den größten Friedhöfen Europas und ist durch seine Lage im Wald, den großen Grasflächen, Springbrunnen und Teichen gleichzeitig auch ein wunderschöner Park. Traut euch und spaziert durch die einzigartige Anlage, entdeckt militärische und private Gräber und bestaunt die gigantische Kapelle.

Hier genießt ihr regionale Küche

Nach einem langen Tag on Tour habt ihr euch ein ordentliches Festmahl wirklich verdient! Und dafür bietet die polnische Küche jede Menge Köstlichkeiten für euch. Zum Einkehren lädt zum Beispiel das Karczma Polska Pod Kogutem ein: Ein echt uriges, traditionelles Restaurant mit zum Teil sogar deutschsprechendem Personal, das euch mit Piroggen, polnischen Suppen und Eintöpfen sowie deftigen Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichten verzaubert. Wer es moderner mag und nur einen schnellen Imbiss braucht, ist in der Piroggenbar Pierogarnia Kaszubska bestens aufgehoben. Egal ob süß, mit Gemüse, Kraut und Pilzen oder Fleisch gefüllt – Piroggen gehören zu einem Urlaub in Polen einfach dazu!

Piroggen sind ein Muss in jedem Polen Urlaub!

Wenn ihr euch nicht einigen könnt, ob es traditionell regionale Speisen oder doch einfach Pizza, Spaghetti oder Steak mit Pommes sein sollen, ist die Nowy Browar vielleicht genau das Richtige für euch, denn hier wird beides serviert. Wie ihr vielleicht schon am Namen erkennt, handelt es sich dabei um eine Brauerei, in der ihr hauseigenes, polnisches Bier auf die Probe stellen und ganz nebenbei auch noch Fußballübertragungen verfolgen könnt. Ein besonderer Kult in Stettin sind auch die sogenannten Paszteciki, kleine frittierte Teigteilchen mit verschiedenen Füllungen, die ihr für 1,50€ im Pasztecik bekommt.

Auf nach Polen!

Habt ihr jetzt Lust bekommen, die spannende Geschichte der Stadt kennenzulernen, durch traumhafte Parks zu spazieren und polnische Köstlichkeiten zu probieren? Dann steigt ins Auto oder in den nächsten Zug und genießt euren Citytrip! Ich war jedenfalls überrascht, was diese schöne Stadt, von der man bisher kaum etwas hört, alles zu bieten hat. Wenn ihr gleich ein ganzes Wochenende bleiben wollt, findet ihr hier passende Unterkünfte:

 

Airbnbs in Stettin

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