Diese Sehnsucht steckt doch in uns allen, irgendwo vergraben unter Ängsten und Verantwortung. Überlegt ihr denn nicht auch manchmal einfach auszubrechen? Alles hinter euch zu lassen, Deutschland und sein geregeltes Leben den Rücken zu kehren und aufzubrechen ins Ungewisse? Ich rede nicht von 1 Woche Malle All Inclusive, sondern so ganz ohne Ziel, einfach los und irgendwann wiederkommen, oder auch nicht. Man hört immer häufiger Geschichten von Aussteigern, die wild um die Welt reisen, und die geilste Zeit ihres Lebens haben. Irgendwas muss wohl dran sein, an dem großen Traum, um die Welt zu reisen, einfach so, für immer. Dave verfolgte dieser Traum sein Leben lang. Das ist jetzt 10 Jahre her. Dann wurde sein Traum Realität. 2005 verließ der Amerikaner seine Heimatstadt und reist seitdem durch die Welt. Seine Mission: Dave sucht ein neues Zuhause, irgendwo auf der Welt.

freiheit_backpacking_freude

Seit 10 Jahren unterwegs – Dave’s „The longest Way Home“

„Die Realität sieht um einiges anders aus, als der Traum.“ Seit genau 10 Jahren, 1 Monat und 21 Tagen ist Dave unterwegs, durch 21 Länder ist er gereist, ein Ziel, ein neues Zuhause hat er noch nicht gefunden, also geht die Reise weiter. Aber wie lang noch? „Das weiß ich nicht, das ist nicht so einfach, wie man denkt“, erzählt Dave. „Ein riesiges Problem ist diese verdammte Bürokratie, man kann ja nicht einfach irgendwo leben, wo man möchte.“ Momentan reist Dave durch die Philippinen. Ob das sein neues Zuhause werden könnte? „Nein, niemals. Zu heiß, zu hohe Luftfeuchtigkeit. Es war hier mal ganz schön, mittlerweile ist es viel zu kommerziell, nichts für mich.“

Um sein Aussteigerleben beneiden Dave viele. Das alte Leben hinter sich lassen und ein neues, ein besseres suchen. „Mein ganzes Leben lang wollte ich woanders leben. Ich bin so geboren, denke ich.“ Doch auch Dave funktionierte jahrelang in verschiedenen Jobs, ging Montags bis Freitags zur Arbeit, wie alle anderen, doch „es war nur eine Frage der Zeit, bis ich genug Geld zusammen hatte, um loszuziehen“. Dave wuchs in einem schlechten familiären Umfeld auf, viel Familie ist da jetzt auch nicht mehr – auch ein Grund, warum es ihm einfach fiel, abzuhauen. „So viele Menschen leben an einem Ort, wo es ihnen nicht gefällt, sei es wegen Familie, Job, Gesellschaft, Politik… Wir alle wollen doch das gleiche: Ein gutes Zuhause.“

Dave from the longest way home_resize2
Mt. Everest Base Camp by Dave/The Longest Way Home

So plant ihr eure eigene Weltreise: Route, Finanzen, Einsamkeit

Ganz so easy ist das aber nicht mit dem Abhauen und Losreisen. Irgendwie braucht man ja ein bisschen Geld, Visa müssen beantragt werden, was passiert, wenn man krank wird… Wenn ich für ein paar Jahre um die Welt reisen will, was würdest du mir raten? „Plane. Kenne deine Route, kenne deine Finanzen. Es ist cool, einfach loszurennen und du hast bestimmt auch ein paar unbeschwerte Wochen. Aber wenn du wirklich langfristig reisen willst, brauchst du einen Plan.“ Dave’s Plan ist es, durch so viele Länder zu reisen, wie möglich, und das auf unterschiedliche Weise, trampen, wandern, fliegen, segeln. „Vielleicht gefällt es dir irgendwo, aber du weißt doch nicht, ob es dir woanders vielleicht noch besser gefällt.“ Das beste Land bis jetzt? „Nepal, ganz klar. Diese Berge, Seen, seine ehrlichen Menschen, unglaublicher Dschungel, das frische Essen. Es wird ziemlich hart sein, ein besseres Land als Nepal zu finden. Klar, es ist nicht perfekt, aber wo ist es das schon?“ Welches Land hat dir gar nicht gefallen? „Da muss ich sofort an Nigeria denken“, sagt Dave. „Nigeria ist nicht wirklich ein touristisches Land. Korruption wird dort in der Gesellschaft mit Hochachtung bewertet. Auf der anderen Seite hat mir Nigeria, mehr als jedes andere Land, die größten Lektionen für’s Leben gegeben.“

Wie zum Himmel finanzierst du das alles? – lautet mit Abstand die häufigste Frage, die Dave von seinen Lesern, von Journalisten und anderen Reisenden gestellt bekommt. „Das war unterschiedlich über die Jahre. Eine Zeit lang habe ich in den Ländern, die ich bereiste, ganz normal gearbeitet, hatte sogar ein monatliches Einkommen. Seit einigen Jahren bringt aber meine Website genug Geld ein, um alles zu finanzieren.“ Seit Beginn der Reise, also seit über 10 Jahren, führt Dave einen Reiseblog, auf dem er Reiseberichte veröffentlicht, seine Erfahrungen und ziemlich geniale Fotos hochlädt. „Mittlerweile ist das ja total kommerziell, jeder hat so einen Reiseblog, aber mir geht es mehr darum, anderen Reisenden ehrliche Erfahrungen mitzugeben, für ihren eigenen Trip.“ Nichts sei gesponsored auf seinem Blog, „das finde ich auch wichtig, weil meine Leser vertrauen mir, sie wissen, dass ich halt selbst da überall gewesen bin“.

Nepal
In Nepal

Reisen und Geld verdienen: Travelblogs voll im Trend, aber wie funktioniert’s?

Travelblogs gibt’s es mittlerweile massenweise. Aber was kann es auch besseres geben? Um die Welt tuckern, Berichte schreiben, Fotos knipsen, Sponsoren anheuern und Geld verdienen… Doch ganz so einfach ist es dann tatsächlich nicht – zumindest wenn man aus der Masse hervorstechen will. Es gibt da aber so einige Blogs, die es geschafft haben, wahnsinnig erfolgreich in der Bloggerwelt unterwegs zu sein. Einer davon ist almostfearless.com. Christine und Drew reisen seit 2008 durch die Welt, 38 Länder haben sie abgehakt, 2 Hunde verloren und 2 Babys dazugewonnen. Als Familie diesen Lifestyle zu leben, ist beeindruckend, ziemlich unmöglich sogar, glaubt man, deswegen trifft Christine mit ihrem Blog direkt in die Herzen all der sehnsüchtigen Familien, die doch auch schon immer reisen wollten, es aber für nicht machbar hielten. Auch pinkcompass.de steckt mitten in der Marktlücke und hat es geschafft, innerhalb weniger als 2 Jahre fast 6000 Facebook-Fans und Tausende mehr Subscriber zu überzeugen. Pink Compass ist ein Reiseblog für Frauen, dahinter steckt Carina, eine junge Frau aus Deutschland, die 2013 alles verkauft und verschenkt hat, und seitdem alleine als Frau durch die Welt cruist. „Vermutlich würdest Du auch gerne endlich mehr von der Welt sehen, aber Dir wird eingeredet, dass das als Frau alleine viel zu gefährlich ist. Vielleicht brauchst Du auch einfach nur noch den letzten Anschubser und jemanden, der Dir zeigt und sagt, dass auch Du, alleine als Frau, die Welt bereisen kannst!“ – Und das tut Carina auf ihrem Travelblog.

 

Marktlücke, ist hier das Stichwort, aber auch Individualität, Authentizität, am besten noch ein bisschen kulinarisch affin – über Essen zu schreiben und Tellerfotos sind ja auch total angesagt! „Viele stellen sich das total easy und cool vor, einfach reisen und ein bisschen rumschreiben“, erklärt mir Dave. „Aber es ist schon harte Arbeit. Man muss interessante Themen finden, braucht einen speziellen Schreibstil und auch die Kontinuität – man kann nicht einfach mal 4 Wochen auf der faulen Haut liegen und nichts schreiben.“ Steigt die Leserschaft, kommen die Angebote der Sponsoren von alleine. „Man bekommt Anfragen von Versicherung, zum Beispiel, von Fluggesellschaften und Hotelketten – da gibt es so viele Möglichkeiten“, sagt Dave. „Man sollte den Lesern aber nichts aufdrehen wollen, nur das online packen, wo man tatsächlich voll und ganz hinter steht. Umso beliebter dein Blog ist, desto mehr Geld kannst du damit verdienen.“

Die Suche nach einem besseren Leben

Home is where your heart is – das ist absoluter Quatsch, also für mich jetzt! Erzähl das doch mal der Einwanderungsbehörde und schau wie weit du kommst.“ Wie sein neues Zuhause sein soll, diese Definition musste Dave in den letzten 10 Jahren mehrfach verfeinern und den Umständen anpassen. „Es gibt so viele Dinge, die für mich einen perfekten Ort ausmachen, den ich mein Zuhause nennen möchte“, erzählt Dave. „Man muss den Ort lieben, die Kultur mögen, die Menschen, man muss das Leben dort akzeptieren, aber auch selbst von den Menschen akzeptiert werden. Wenn all diese Elemente stimmen, dann bist du so gut wie Zuhause.“

Das große Problem jedoch, die Bürokratie. „Es ist toll, wenn man einen Ort gefunden hat, wo man bleiben möchte, doch am Ende sind es häufig Visa-Probleme bzw. die Politik, die einen irgendwann wieder aus dem Land schmeißen.“ Dave hat sich das etwas einfacher vorgestellt, als US-Staatsbürger, oder auch als Europäer sollte man ja eigentlich keine Probleme haben, wenn man sich irgendwo niederlassen will, Hauskauf, Job, Daueraufenthalt. „Die Wahrheit ist, für Malaysier ist es einfacher nach England zu ziehen und dort für immer zu leben und auch die gleichen Rechte wie andere Staatsbürger zu haben, als für Engländer. Man kann nicht einfach so nach Malaysia ziehen, und die gleichen Rechte würde man auch nie bekommen.“ Es sei großartig, wenn man sich entscheide, für immer etwa in Thailand leben zu wollen, „doch man hat niemals das Recht zu wählen, man darf kein Land kaufen und Permanent Residence wird man auch nie bekommen“.

China
In Tibet

Hast du denn schon einen Ort gefunden, der Potenzial für ein neues Zuhause zeigt? „Ja, mehrere sogar“, erzählt mir Dave. „Nepal ist ziemlich oben auf meiner Liste, aber, wie immer, Bürokratie macht es unmöglich.“ Vor einiger Zeit hätte sich Dave dennoch beinahe niedergelassen. Der Liebe wegen. Also doch: Home is where your heart is? „Schön wär’s. Mein großes Problem ist, dass es für mich eine absolute Grundbedingung ist, dass ich in dem Land eines Tages die Rechte habe, wie alle anderen. Und in diesem Land wäre das niemals passiert.“, sagt Dave. „Das war nicht leicht für mich, aber ich musste weiterziehen.“

Das Leben als Reisender – Von alten Freunden und dicker Plauze

Vermissen tue er sie immer noch, sagt Dave, man lerne aber damit umzugehen. Es gibt da mehrere Dinge, die der Amerikaner mal häufiger, mal seltener, aber doch immer vermisst. „Klar vermisse ich, eine Wohnung zu haben, in der ich Fotos aufhängen kann und ein Bücherregal aufstellen kann. Ich liebe es irgendwelche Gadgets zu kaufen, als Erinnerungsstücke, aber ich kann halt nicht so viel mitschleppen“, erzählt Dave. „Es sind diese kleinen Sachen, die ständig an dir nagen und dich pushen, dass du dich niederlassen sollst.“ Über die Jahre ist noch ein weiterer Faktor stark hinzugekommen. „Egal wohin du reist, und egal wie viele und wie coole Leute du kennenlernst, es ist niemals vergleichbar mit einem festen Freundeskreis, wo du jederzeit ein offenes Ohr findest, mit denen du dich immer treffen kannst.“ Nach 3 Jahren, erinnert sich Dave, seien eigentlich alle Freunden verschwunden, außer die allerbesten und standhaften. „Ich versuche aber auch, die übrig gebliebenen Freundschaften zu pflegen. Wenn sie mal irgendwo im Urlaub sind, besuche ich sie dort, um alles auf den neusten Stand zu bringen“, erzählt Dave. „Das ist auch super wichtig und empfehle ich jedem, der für längere Zeit reisen will.“

Philippines
In the Philippines

Viel schlauer wie du und ich war Dave auch nicht als er vor 10 Jahren losgezogen ist. Erst mit der Zeit hat er gelernt, was am besten klappt, wie, wo, und warum. Natürlich gebe es da Dinge, die er am liebsten von Anfang an anders gemacht hätte: „Fit bleiben, ist ein großes Ding“, sagt Dave. „Das ist einfacher gesagt, als getan, wenn man täglich in anderen Hotels ist und andere Städte erkundet, da hat man besseres im Sinn, als Hanteln zu pumpen.“ Ganz flott seien dann die Kilos drauf, „viele Leute nehmen beim Reisen extrem zu, glaubt man gar nicht, ist aber echt so“. Mittlerweile trainiert Dave aber regelmäßig, „deswegen bin ich auch wieder einigermaßen vorzeigbar“.

Die wichtigsten Dinge für eure Weltreise

Manche schieben ja schon Panik, wenn sie nur 20kg für 2 Wochen Fuerte mitnehmen dürfen. Stellt euch vor, ihr packt für ein paar Monate, oder direkt für ein Jahr +. Im Internet tummeln sich ja so einige SOS-Packlisten, die euch genau auflisten, was man bei einer Weltreise unbedingt braucht, und was ihr bloß nicht einpacken solltet. Ich hab das mal mit Dave besprochen, doch selbst nach 10 Jahren hat er immer noch keine nonplusultra Lösung gefunden. „Ich schleppe immer noch viel zu viel mit mir rum“, lacht Dave. „Ganz am Anfang hatte ich schon zu viele Plörren eingepackt, dann hab ich zu viel weggeschmissen. Ich möchte auch manchmal wie ein normaler, ordentlicher Mensch aussehen, deswegen habe ich auch ein paar non-travel Klamotten dabei, eine Jeans und viel zu viele Schals.“ Neben praktischen und einigen ansehnlicheren Outfits, die ihn 7 Tage durchbringen, trägt Dave folgendes in seinem Backpack:

4 1TB Festplatten, 1 Laptop, 1 Tablet, 1 Kindle, 1 Handy, 1 DSLR Kamera mit 3 Linsen, endlos viele Ladegeräte, eine Tasche mit allen Antibiotika, die der Menschheit bekannt sind, zig Drybags, 1 Bartschneider, mindesten 30 lose Rasierklingen (ihr glaubt nicht, wie schwer es ist, gute Rasierklingen zu finden), Haarwachs (wenn ich mal wie ein Mensch aussehen will), Aftershave (ja, selber Grund), zwei verschiedene Zahnpasten, und ein bisschen Moschus.

 

Indianer kennen keinen Schmerz, dann lieg mal mit gebrochenem Bein in der kleinen Krankenhaushütte irgendwo mitten in Vietnam. Wie teuer eine ärztliche Behandlung sein kann, weiß man erst, wenn man sie selbst bezahlen muss, deswegen rät Dave dringend zu einer guten Reiseversicherung. „Es ist super wichtig, eine Versicherung abzuschließen, weil die Kosten einen im Ernstfall echt umhauen können.“ Er selbst war einige Male auf medizinische Versorgung angewiesen. „Viele sagen, dass Versicherungen im Ausland viel günstiger sind, aber ich weiß, man bekommt, wofür man zahlt. Und ich möchte mich lieber in den besten Händen wissen, als in irgendein schlechtes Krankenhaus transportiert zu werden.“

Viele Menschen träumen von einer langen und ausgiebigen Weltreise, vielleicht davon, irgendwo ein neues, ein anderes Leben zu leben… Vielleicht sitzt ihr gerade im Büro und wollt den Abenteurer in euch rauslassen, jetzt sofort aus dem Fenster springen und ab geht die Post. Die standhaften Vox-Zuschauer unter euch wissen aber auch, dass das mit dem Ausstieg manchmal ziemlich daneben gehen kann. Deswegen will ich von Dave wissen, welche Charakterzüge muss man als Weltreisender haben, welche Eigenschaften sollte man in sich tragen? „Hartnäckigkeit, ganz klar. Oder zumindest Eigensinnigkeit. Entweder du hast das oder du musst sehr professionell mit Dingen umgehen können. Wenn man von unterwegs arbeiten kann, dann muss das Business absolute Priorität haben.“ Ein guter Geschäftssinn sei alles, sagt Dave, ansonsten würde das langfristige Reisen nicht funktionieren. „Wenn du das aber berücksichtigst und dir etwas aufbauen kannst, dann wird das Reisen dein Leben verändern. Es gibt immer wieder Rückschläge, klar, aber du lernst so viele faszinierende Menschen kennen, siehst die Welt in seinen schönsten Ausmaßen, und vor allem, du lernst dich selbst kennen, du wirst lernen, wer du wirklich bist, was du vom Leben willst“, sagt Dave. „Kein Tag ist wie der andere, es passiert immer etwas überraschendes, jeder Moment könnte deine nächsten 5 Jahre bestimmen. So ist das Leben als Weltreisender, es ist der absolute Wahnsinn.“

Unbenannt
In Nepal