Der beste Weg, um die schönsten Seiten Schottlands kennenzulernen, ist für mich definitiv zu Fuß und über den West Highland Way. Der West Highland Way ist ein Wanderweg, der sich über 154 km (96 miles) von Milngavie nach Fort William erstreckt und ein landschaftliches Highlight nach dem anderen bietet.

Neben Nationalparks, Sumpf- und Moorgebieten hat der West Highland Way in Schottland vor allem wunderschöne Seen und die atemberaubenden schottischen Highlands zu bieten. Auf einer 8-tägigen Wanderung von den Low- in die Highlands lassen sich diese landschaftlichen Highlights erst so richtig wahrnehmen. Wenn man sich dann noch vorstellt, dass bereits die echten Highlander den gleichen Weg vor Hunderten von Jahren bestritten haben, kann man nach 96 Meilen zu Fuß zurückgelegten Weges echt stolz auf sich sein und ein Stück Schottland in Erinnerung mit nach Hause nehmen.

West Highland Way in Schottland

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Die beste Reisezeit für den West Highland Way

In Schottland ist das Wetter generell sehr unbeständig, weswegen es sich empfiehlt, zu jeder Zeit auf jedes Wetter vorbereitet zu sein. Ein warmer Pullover und eine Regenjacke sind selbst im August Pflicht.

Midges:

Die sogenannten Highland Midges (Culicoides Impunctatus) sind kleine Stechmücken, die besonders in den Highlands als Plagegeister bekannt sind. Besonders aggressiv sind die Tiere in den Morgen- und Abendstunden und in der Nähe von Gewässern und Sumpfgebieten. Der Juckreiz, der durch die Stiche entsteht, ist zwar super nervig, aber keine Sorge: Es ist nicht schädlich für uns Menschen!

Allzu oft erlebt man hier alle vier Jahreszeiten an nur einem Tag. Die beste Reisezeit für die Wanderung ist aber von Mai bis September, da man zu dieser Zeit meist noch am meisten Glück mit dem Wetter hat. Besonders der Mai bietet sich zum Wandern an, er ist nicht zu warm und auch nicht zu nass. Und vor allem: es gibt nicht so viele Midges! Diese schottischen Stechmücken können euch besonders von Juni bis August den letzten Nerv rauben. Das warme und feuchte Wetter ist ein wahres Paradies für die kleinen Teufel, wie ich selbst feststellen durfte. Ab September lässt die Midgeplage aber wieder nach, weswegen sich auch dieser Monat gut zum Reisen eignet. Für die ganz Harten unter euch, die es gerne kalt mögen und die richtige Ausstattung haben, ist aber auch eine Wanderung in den Wintermonaten zu empfehlen. Man begegnet kaum einem Menschen und hat die wunderschöne Natur ganz für sich allein. Prinzipiell könnt ihr also das ganze Jahr über nach Schottland reisen, denn eine Garantie für gutes Wetter gibt es hier sowieso nie.

Was brauche ich und wo schlafe ich?

Je nachdem, wie ihr eure Wanderung plant und wo und wie ihr übernachten möchtet, muss beim Packen einiges beachtet werden. Ich bin mit meinem Gepäck den Weg in einer kleinen Gruppe gewandert. Es gibt aber auch die Möglichkeit, nur mit einem Tagesrucksack zu laufen und sich das Gepäck mit einem Shuttleservice zu den einzelnen Stationen bringen zu lassen. Wenn ihr allerdings euer Gepäck beim Laufen mithaben wollt, ist es wichtig so wenig und vor allem so leicht wie möglich zu packen. Am besten nehmt ihr alles nur 1x mit, zum Beispiel eine lange Hose, eine Jacke, einen Pullover. Das A und O sind allerdings ein guter Rucksack und feste Wanderschuhe, damit euer Rücken nicht geschädigt wird. Hier lohnt es sich, sich in einem Fachgeschäft ausführlich beraten zu lassen.

Zusätzlich zu dem üblichen Gepäck kommt vor allem die Campingausrüstung, wenn man nicht auf die teils sehr teuren Hotels und B&B’s angewiesen sein möchte. In den Highlands darf man an vielen Stellen Wildcampen, an anderen Stellen wiederum ist dies ausdrücklich verboten, woran man sich aus Respekt vor der Natur und aus Schutz vor hohen Strafen auch halten sollte. An einigen Teilen des Weges befinden sich auch kleine Schutzhütten, die von den Wanderern kostenfrei genutzt werden können. Dennoch sollte man im besten Falle immer ein kleines Zelt dabeihaben, welches leicht aufzubauen, nicht zu schwer aber vor allem wasserdicht ist.

Denkt an ein Insektennetz und Mückenspray.

Neben dem Zelt gehören auch eine Isomatte und ein dicker Schlafsack zur Ausrüstung. Taschenlampe und -messer sind genauso nützlich wie ausreichend Nahrung und gegebenenfalls Material, um diese zuzubereiten, denn nicht überall sind Supermärkte und Restaurants zu finden. Auch an Wasser sollte man nicht sparen. Damit das Gepäck aber nicht zu schwer wird, gibt es zahlreiche Trinkwasserstellen. Selbst die Quellen, die zu den Seen führen, haben meist Trinkwasserqualität. Zur Sicherheit kann man das Wasser auch abkochen, mit Wasserentkeimer behandeln oder durch Nano-Filtersysteme pressen. Woran ihr in den Sommermonaten außerdem denken solltet: ein Insektennetz und Mückenspray gegen die Midges. Und was bei eigentlich jeder Reise mit am Start sein sollte: Eine Kamera für die schönsten Erinnerungen.

Eine Wanderung auf dem West Highland Way in Schottland

Wenn ihr den gesamten Weg zu Fuß beschreiten wollt, solltet ihr euch mindestens 8 Tage Zeit nehmen, um euch selbst nicht mit zu langen Wanderungen zu überfordern.

Tag 1: Start in Glasgow

Am besten erreicht ihr den Startpunkt des West Highland Ways von Glasgow aus. Die Stadt selbst ist übrigens auch schon einen Besuch wert. In meinem Artikel über die Glasgow Sehenswürdigkeiten erfahrt ihr mehr.

Guru Tipp:

B&B’s solltet ihr zur Ferienzeiten aufgrund der vielen Touristen schon vorab gebucht haben.

Von Glasgow fährt ein öffentlicher Bus in circa 30 Minuten in den kleinen Ort Milngavie, dem Startpunkt des West Highland Ways. Bereits hier ist die wunderschöne Natur Schottlands zu erahnen. Entweder lauft ihr direkt von Milngavie los, je nachdem wie spät ihr dort ankommt, oder ihr übernachtet zunächst noch vor Ort. Von Milngavie geht es auf eine circa 6- Stündige Wanderung über 19,2 km nach Drymen. Drymen ist ein kleines, typisch schottisches Städtchen, in dem man den Tag bei einem Whisky oder einem Guinness Bier gut ausklingen lassen kann, bevor man die Nacht in einer der B&B’s oder im Zelt verbringt.

Tag 2: Loch Lomond

Am nächsten Morgen geht es auf 24 km weiter in Richtung Rowardennan. Zu Beginn der Tagesetappe geht es auf den 350 Meter hohen Conic Hill, von dem man eine traumhafte Sicht auf das Loch Lomond, den größten See Schottlands, hat. Auf der anderen Seite geht es den Hill wieder herunter und der Rest des Weges führt am Ufer des Loch Lomonds entlang, der zu vielen Pausen einlädt. Sollten die 24 km zu viel für einen Tag sein, könnt ihr euch auch entlang des Weges einen der drei Zeltplätze Millarrochy, Cashel oder Sallochy suchen. Wildcampen ist auf diesem Teil des Weges leider nicht gestattet. Wir haben relativ schnell gemerkt, dass das ständige Rauf und Runter auf unbeständigem Boden ziemlich an den Kräften zerrt, besonders wenn das Wetter nicht so richtig mitspielt. Allerdings macht es das Ganze auch authentischer – Welcome to Scotland! Immer daran denken: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.

Tag 3: Waldwege, Ufer und Kletterei

Wenn ihr ausgeschlafen seid und ihr euch von der vorherigen Tagesetappe erholt habt, geht es weiter in Richtung Inverarnan. Die etwa 22 km lange Etappe ist landschaftlich der vom Vortag sehr ähnlich. Wer es abenteuerlich mag, ist hier genau richtig, denn das unebene Gelände bietet viele Klettermöglichkeiten, an denen sich zeigt, ob die Wanderschuhe wirklich die richtige Wahl waren. Der Waldweg bietet außerdem immer wieder einen Blick auf das Loch Lomond. Wenn ihr eine kleine Pause braucht, könnt ihr am Ufer des Sees Rast machen und die strapazierten Füße nach der anstrengenden Wanderung im kalten Wasser abkühlen. Habt ihr wieder genügend Kraft gesammelt, geht es weiter. Doch aufgepasst: Kurz hinter dem Rowardennan Lodge Youth Hostel – welches übrigens auch eine gute Übernachtungsmöglichkeit bietet – teilt sich der Weg. Mir ist das bei meiner Wanderung gar nicht aufgefallen, erst als der Weg immer schwieriger wurde und mit immer mehr Klettern verbunden war, hatte ich die leise Ahnung, dass dies nicht mehr der offizielle Weg ist. Für die Abenteuerlustigen unter euch aber auf jeden Fall eine gute Option für den garantierten Kletterspaß. Dieser Weg führt mit vielen Auf und Ab’s direkt am Ufer entlang.

Wer doch lieber den klassischen und etwas einfacheren Weg bevorzugt, läuft oberhalb des Sees auf einer breiten Forststraße entlang. Nach wenigen Kilometern treffen die beiden Wege dann wieder aufeinander. Ein besonderes Highlight sind die Wasserfälle kurz vor dem Örtchen Inversnaid, die man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Von Inversnaid geht der zweite Teil der Etappe weiter bis zum Ende des Loch Lomonds. Unterwegs passiert ihr einen „Bothy“, eine kleine Schutzhütte, in der Wanderer kostenlos übernachten können.

Echte Abenteurer brauchen kein Luxushotel. Ein Zelt reicht da vollkommen.

Ich selbst habe dort übernachtet – kein großer Komfort, aber ein echtes Abenteuer! Für wen das nichts ist, der muss noch ein Stück weiterwandern. Ihr verlasst das Ufer des Sees und lauft das letzte Stück abwärts in Richtung Inverarnan, wo das Ziel dieser Etappe erreicht ist. Zu empfehlen ist das Hotel The Drovers Inn, welches sich in einem wunderschönem, alten schottischen Gebäude befindet. Außerdem gibt es etwas außerhalb den Beinglas Farm Campsite, der sowohl Camping Cabins ab 15 Pfund pro Nacht als auch Zeltplätze für das eigene Zelt ab 8 Pfund bietet.

Wasserfall bei Inversnaid

Tag 4: Auf den Spuren der Highlander

Am nächsten Tag geht es 20 km weiter in Richtung Tyndrum. Ihr werdet merken, dass sich die Landschaft langsam verändert und nun die Highlands sichtbar werden. Die hügelige Landschaft mit ihren vielen Tälern ist einfach traumhaft. Einer der schönsten Teile des Weges führt durch das Tal des River Falloch. Wunderschöne Wasserfälle erwarten euch hier. Nach etwa der Hälfte der Etappe erreicht ihr das Örtchen Crainlarich. Wenn euch das für den Tag gereicht hat, gibt es hier einige Übernachtungsmöglichkeiten. Ansonsten geht es nach einer kurzen Pause in einem Pub weiter in Richtung Tyndrum. Über Viehweiden laufend, hat man einen weiten Blick über die ganze Kulisse. Tyndrum liegt etwas abseits vom West Highland Way, aber bietet alles, was man für eine Übernachtung braucht: Campingplätze, Hotels, B&B’s und einen Supermarkt.

Tag 5: Idyllisches Bridge of Orchy

Glückwunsch! Schon mehr als die Hälfte der Strecke ist geschafft. Zur Belohnung erwartet euch heute mit 14 km die kürzeste Tagesetappe. Von Tyndrum geht es fast den ganzen Weg über asphaltierte Schotterstraßen in Richtung Bridge of Orchy. Hier trefft ihr auf ein kleines Örtchen mit nur wenigen Häusern. Besonders beliebt bei den Touristen ist das Bridge of Orchy Hotel. Wenn euch die Hotelzimmer zu teuer sind, könnt ihr aber auch euer Zelt auf der Wiese des Hotels aufschlagen. Einen Campingplatz gibt es hier leider nicht.

Tag 6: Wilde Landschaft

Frisch erholt geht es nun von Bridge of Orchy auf die circa 19 km lange Strecke in Richtung Kingshouse Hotel. Auf diesem Teil des Weges wird die Landschaft wieder wilder. Umgeben von dem riesigen Rannoch Moor, muss man aufpassen, dass man nicht im Sumpf versinkt – also immer schön auf dem Weg bleiben. Bei klarem Wetter und Sonnenschein ist die Strecke wunderschön, bei Regen kann es besonders hier aber unangenehm werden. Kingshouse Hotel ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf diesem Streckenabschnitt, weswegen es vor allem zur Hauptreisezeit gut besucht ist und ihr unbedingt vorher reservieren solltet. Ansonsten könnt ihr auch hier wieder auf der Wiese des Hotels zelten, allerdings ohne sanitäre Anlagen.

Tag 7: Höchster Punkt des Weges

Ich hoffe, ihr seid fit, denn der Tag heute wird anstrengend! Während ihr euch die ersten paar Kilometer der heutigen Tagesetappe noch entspannen könnt, wird der zweite Teil durchaus etwas anstrengender. Schon bald erreicht ihr die sogenannte Devil’s Staircase. Klingt gruselig? Keine Angst, so schlimm ist es nicht und der Aufstieg lohnt sich! Mit zahlreichen Serpentinenkurven erhebt sich der West Highland Way von 280 auf 550 Höhenmetern. Willkommen auf dem höchsten Punkt des Weges!

Der Aufstieg war echt jede Anstrengung wert. Einfach traumhaft!

Belohnt werdet ihr dann mit einem traumhaften Blick auf das zurückliegende Tal Glen Coe und die umliegenden Berge. Die Hälfte der Tagesetappe von circa 14 km ist geschafft, der Abstieg nach Kinlochleven, dem Ziel für heute, ist aber deutlich einfacher zu bestreiten als der Aufstieg. Kinlochleven bietet eine gute Infrastruktur mit allem, was man benötigt. Hotels, Hostels und Zeltplätze: Für jedes Budget ist etwas dabei.

Blick von dem höchsten Punkt der Devil’s Staircase

Tag 8: Letzte Etappe

So, die letzten 23,5 km warten auf euch bevor ihr das Ziel in Fort William erreicht, also genießt nochmal den letzten Tag der Wanderung. Doch erst wird es mit 200 zu bewältigen Höhenmetern noch einmal richtig anstrengend.

Guru Tipp:

Für das richtige Schottland Feeling empfehle ich vor oder während eurer Reise die Serie Outlander zu schauen oder die entsprechenden Bücher zu lesen. Ich habe mich sofort in das Land und dessen Geschichte verliebt und habe mich bei meiner Wanderung selbst als Teil der Geschichte gefühlt!

Über einen wunderschönen Pfad führt der Weg weiter entlang des Sees Lochan Lunn Da Bhra, bis der letzten Teil des Weges durch ein Waldgebiet über das Glen Nevis nach Fort William führt. Jetzt geht es nur noch einige Meter über die Fußgängerzone bis der Endpunkt des West Highland Ways erreicht ist. Wenn ihr noch etwas mehr Zeit mitgebracht habt, lohnt sich auf jeden Fall ein längerer Aufenthalt in Fort William, von wo aus ihr tolle Tagesausflüge machen könnt. Wenn ihr noch nicht genug vom Wandern habt, empfehle ich einen Aufstieg auf den Ben Nevis. Ein absolutes Muss bei einer Schottland Reise ist aber natürlich auch das Loch Ness, was von Fort William aus gut zu erreichen ist. Wer weiß, vielleicht ist Nessi ja gerade da?! Für Harry Potter Fans gibt es auch noch die Möglichkeit ab Fort William in Richtung Mallaig mit dem Hogwarts Express zu fahren!

Bereit für Schottland?

Wenn ihr eine Leidenschaft für das Wandern, Zelten und wunderschöne Natur habt, ist Schottland mit seiner mythischen Vielfalt auf jeden Fall eine Reise wert. Der West Highland Way bietet hierbei eine einzigartige Möglichkeit das Land zu erkunden. Für weitere Informationen und andere tolle Sehenswürdigkeiten in Schottland habe ich auch noch einen weiteren Artikel für euch. Ihr möchtet nun direkt mit der Reiseplanung starten? In meiner Flug- und Hotelsuche findet ihr passende Angebote für eure Reise nach Schottland.

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