Wild West Feeling, verlassene Orte und unendliche Wüstenlandschaften, in denen die Hitze über dem Asphalt flimmert während die Sonne vom Himmel brennt – das alles findet ihr in Arizona. Kommt mit auf eine spannende Reise durch alte Minenstädte und erkundet die Geschichte der Goldgräber.

Eine verlassene Stadt mitten in der trockenen Wüste. Knatschende Türen und der pfeifende Wind sind die einzigen Geräusche, die sich vernehmen lassen. Wenn plötzlich auch noch eine verrostete Blechdose vom Wind klappernd über den Weg geweht wird, ist Gänsehaut trotz praller Sonne vorprogrammiert. Läuft euch auch gerade ein Schauer den Nacken herunter? Sicher kennt ihr so eine Szene aus einem der amerikanischen Gruselfilme, der in der verlassenen Wüste Arizonas spielt – aber habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie cool es wäre, sich auf die Spuren der Goldgräber zu begeben und die ehemals florierenden Städte, von denen heute viele nur noch Geisterstädte sind, zu entdecken? Ich stelle euch meine Top 8 von Arizonas zahlreichen Geisterstädten vor, die zum Teil wieder zum Leben erweckt wurden.

Auf den Spuren der Goldgräber in Arizonas Geisterstädten

Oatman | Hackberry | Ruby | Goldfield | Chloride | Tombstone | FairbankCastle Dome

Ghost town

Goldgräberstadt Oatman

Die Geisterstadt Oatman liegt in den Black Mountains, unweit der Mojave Wüste Kaliforniens und wurde im Jahr 1908 nach einer Frau mit dem Namen Oatman benannt. Durch einen Goldfund erlebte die Stadt einen Boom und ihre Bevölkerung explodierte. Kurz darauf, im Jahr 1921, ereigneten sich dramatische Szenen, als Oatman niederbrannte. Sie wurde allerdings komplett wiederaufgebaut. Viele der historischen Gebäude sind noch heute erhalten und ziehen mittlerweile Menschen aus aller Welt in den kleinen Ort in Arizona.

Oatman ist heute ein beliebtes Touristenziel, insbesondere wegen ihrer Lage an der Route 66. Im Vergleich zu anderen Geisterstädten wird es deshalb auch schwer fallen, das Gefühl von Einsamkeit und Abgeschiedenheit einer verlassenen Stadt zu erleben. Die vielen historisch erhaltenen Gebäude und wilden Esel, die sogenannte „Burros“, machen die Stadt dennoch zu einem absoluten Highlight bei einem Arizona Besuch.

Oatman mit den wilden
Oatman mit den „Burros“ | Foto: Jon Chica / Shutterstock

Hackberry

Die ehemalige Silberminenstadt Hackberry liegt nur etwa 50 Meilen von Oatman entfernt. Der Weg dorthin führt direkt über die berühmte Route 66. Die kleine Stadt wurde schon im Jahr 1874 für den Abbau von Silber entdeckt und war Schauplatz vieler Kämpfe und Schießereien.

Die Stadt war Schauplatz von Schießereien

Man sah Hackberry nur als vergängliche Stadt an, als circa vier Meilen von der Altstadt entfernt die Neustadt eröffnete. Mit der Bekanntheit der Route 66, wuchs auch das Interesse für Hackberry wieder. Ebenso geriet sie mehr und mehr in Vergessenheit, als der Hype um die historische Landstraße abnahm. Heute zieht der Hackberry General Store wieder Reisende an. Hier wurden sämtliche Andenken an die spannende Geschichte zusammengetragen , was für eine besondere Atmosphäre sorgt.

Hackberry Ghost town
Die Überreste der Silberminenstadt Hackberry

Goldgräberstadt Ruby

Die Ghost Town Ruby gehört zu den am besten erhaltenen in Arizona – und das obwohl sie, nach ihrer Gründung Ende des 19. Jahrhunderts, schon 1941 zu einer Geisterstadt wurde. Durch Goldfunde mauserte sich die Stadt um die Jahrhundertwende zum größten Bergarbeiterlager der Region. Kurz darauf, in den 20er Jahren, erlangte die Stadt durch üble Verbrechen und Morde auf traurige Weise zweifelhafte Berühmtheit, nachdem zwei Brüder von mexikanischen Banditen niedergeschossen wurden. Weitere brutale Morde ereigneten sich über die Jahre, sodass die Stadt ihren Ruf als blutiger Ort der Verbrechen sicher hatte.

Brutale Verbrechen machten die Geisterstadt Ruby berühmt.

Die noch heute sehr gut erhaltenen Gebäude, denen man wahrlich nicht ansieht, dass sie bereits seit über 70 Jahren leer stehen, geben Ruby den besonderen Charme. Die Stadt gibt ihren Besuchern einen spannenden Einblick in die Geschichten der Minenarbeiter rund um das Jahr 1900. Aber auch der abenteuerliche Weg, um überhaupt in die Stadt zu kommen, macht sie für wagemutige Reisende zu einem beliebten Ausflugsziel.

Geisterstadt Goldfield

Goldfield gilt als die Geisterstadt mit dem authentischsten Feeling eines verlassenen Ortes aus Goldgräberzeiten. Im Zuge des Goldrauschs bekam die Stadt 1892 einen großen Ansturm, bevor sie gerade mal 5 Jahre später schon wieder verlassen wurde, als die Goldminen ausgeschöpft waren. In den 20er Jahren wurde Goldfield unter dem Namen Youngsberg kurzzeitig wiederbelebt, was aber auch dieses Mal nur von kurzer Dauer war.

Erst in den 60er Jahren wurde Goldfield erfolgreich wiederbelebt. Durch Rekonstruktionsmaßnahmen findet sich dort nun der pure Wilde Westen in Form eines Saloons, eines Gefängnisses und weiteren Geschäften sowie Führungen zu den Minen und der Möglichkeit zum Goldwaschen. Da Goldfield unweit von Phoenix gelegen ist, solltet ihr bei einem Besuch der Hauptstadt Arizonas einen Ausflug in die Geisterstadt in jedem Fall einplanen.

Silberstadt Chloride

Auch Chloride wurde bereits im Jahr 1863 als Silberminenstadt gegründet. Mit der Zeit wuchs die Zahl der Einwohner und so kamen auch ein Postamt, eine Brauerei, eine Schmiede und diverse Saloons hinzu. Durch den reichen Ertrag aus den Minen kamen im Jahr 1948 mehrere Millionen Dollar zusammen.

Chloride ist heute eine lebende Geisterstadt, denn noch immer wohnen einige hundert Menschen hier. Mit Restaurants, einigen antiken Geschäften und den historischen Gebäuden werden auch einige Touristen, die zum Großteil auf dem Weg nach Las Vegas sind, in den Ort gelockt.

Geisterstadt Chloride
Foto: Arizona Office of Tourism

Tombstone – Too tough to die

„The town too tough to die“ sagt man über die bekannteste Geisterstadt des Wilden Westens der Staaten. Im Jahr 1879 wurde Tombstone gegründet und wuchs binnen kürzester Zeit um ein Vielfaches. Berühmtheit erfuhr sie durch die Schießerei im O.K. Corral 1881, bei der Unmengen von Schüssen fielen und drei Leute starben.

Tombstone sollte definitiv auf eurer Liste stehen, wenn ihr im Süden Arizonas, nahe Tucson, unterwegs seid. Zwar stehen nur noch eine Handvoll Saloons in der Geisterstadt, aber für Besucher wird die berühmte Schießerei nachgespielt, sodass man das grausige Erlebnis hautnah miterleben kann. Zusätzlich könnt ihr mit der Postkutsche durch die Stadt fahren oder euch den größten Rosenbusch der Welt anschauen –  Hat doch was!

Museumsstadt Fairbank

Fairbank blühte nie wirklich auf. Die Geisterstadt lebte zu ihren Hochzeiten nur durch ihre Nähe zu Tombstone. Nach dem Untergang der Stadt gingen auch in Fairbank die Lichter aus. Die Gesamtbevölkerung stieg nie über 500 und neben der Post, einem Fleischmarkt, dem Saloon und dem Well’s Fargo Office gab es kaum Leben in der Stadt.

Das Bureau of Land Management erwarb Fairbank vor einigen Jahren, um es für Naturschutzzwecke zu erhalten und eine Museumsstadt aus ihr zu machen. Nahe des San Pedro River gelegen, lohnt sich ein Ausflug zu der Geisterstadt allemal, wenn ihr sowieso in den Naturgebieten Arizonas unterwegs seid.

Geisterstadt Fairbank
Foto: Arizona Office of Tourism

Versunkenes Castle Dome

Das ehemalige Castle Dome Landing bzw. dessen Überreste sind mittlerweile unter dem Stausee des Imperial Dam versunken. Damals am Ufer des Colorado River gelegen, diente die Stadt als Anlaufstelle für Dampfschiffe, die auf dem Colorado Rover unterwegs waren. In den Castle Dome Mountains konnten so Versorgungsmaßnahmen für die Minen durchgeführt werden.

Castle Dome Landing liegt heute unter Wasser.

1994 begann man auf einem nahe liegenden Grundstück mit der Umsiedlung der kompletten Stadt und versuchte die Gebäude zu restaurieren. So sind heute tatsächlich sieben Gebäude der Geisterstadt wiederaufgebaut und alle Informationen und historische Daten im Castle Dome Museum hinterlegt. Sogar die original erhaltenen Werkzeuge und Alltagsgegenstände können noch bestaunt werden. Also lasst euch einen Besuch in das Castle Dome Museum nicht entgehen.

Castle Dome Landing
Foto: Ann Walker / Yuma Visitors Bureau

Lust auf Arizona?

Wo sind die Abenteuerlustigen unter euch? Spannende Geschichten verbergen sich hinter den Städten, oder? Ich kann euch sagen, wenn ihr in Arizona unterwegs seid, gehört ein Ausflug in eine Geisterstadt einfach dazu. In der nachfolgenden Karte habe ich euch meine Top 8 noch einmal auf einen Blick zusammengestellt. Ihr habt in Arizona eine große Auswahl an Ghost Towns, die acht vorgestellten Highlights sind nämlich längst nicht die einzigen verlassenen Städte des Bundesstaats.


Noch ein Tipp für eure Reise: Einige der Städte solltet ihr im Sommer meiden, denn in manchen Regionen Arizonas kann es dann über 40° Celsius heiß werden. Von Herbst bis Frühling ist die optimale Reisezeit für die Wüstengebiete Arizonas. Los geht’s: Reist zurück in die Zeiten des Wilden Westens, des Goldrauschs und des Verbrechens. Was ihr sonst noch in Arizona erleben könnt, erfahrt ihr in meiner Themenwoche. Schaut doch mal vorbei!

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