Der Caminito del Rey, auch als Königspfad bekannt, galt einst als gefährlichster Kletterpfad der Welt. Gute bis hervorragende Kletterkenntnisse sowie eine passende Ausrüstung wurden empfohlen, um den drei Kilometer langen Steig zu erklimmen. Doch selbst das war nicht immer ein Garant für Erfolg, sodass im Laufe der Jahre einige Menschen hier ihr Leben gelassen haben.

Klar, dass hieraus früher oder später Konsequenzen für den Caminito del Rey gezogen werden mussten! Als Resultat wurde der im Jahre 1905 fertig gestellte Klettersteig 2001 vorübergehend geschlossen und abgebaut. Da die Faszination für diesen Pfad bei Touristen und Einheimischen jedoch auch in den Folgejahren nicht abriss, entschied man sich für eine erneute Eröffnung. Zuvor musste der Königspfad sich aber einer Generalüberholung unterziehen: Gefährliche Stahlträger wurden entfernt, Wege wurden geebnet und mit Geländern versehen, damit niemand mehr in die 200 Meter darunter liegende Schlucht stürzen konnte. Aus der einstigen, wilden Großkatze wurde ein zahmes Kätzchen, das von fortan auch von ungeübten Kletterern und Wanderern begangen werden kann.

Caminito del Rey

Euer Weg zum Königspfad | Gefährlich oder gefahrlos |

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Der Weg zum Caminito del Rey

Mittlerweile müsstet ihr ja um meine Faszination für gefährliche und spektakuläre Wanderwege und Aussichtspunkte wissen. Ich erinnere mich gerne an den schweißtreibenden Aufstieg zur Trolltunga in Norwegen oder an den Nervenkitzel, den ich beim Erklimmen des Huanshan Pfads in China gespürt habe. Allein bei dem Gedanken daran stellen sich mir immer noch die Nackenhaare auf. Da könnt ihr euch sicherlich meine leuchtenden Augen vorstellen, als ich vom Caminito del Rey erfahren habe. In Windeseile waren die Koffer samt Kletterausrüstung gepackt und es ging für mich ins wunderschöne Andalusien, genauer gesagt in die Provinz Malaga.

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Erreichen lässt sich der Caminito del Rey auf den unterschiedlichsten Wegen. Am komfortabelsten ist es natürlich, wenn ihr euch einen Mietwagen bucht, mit dem ihr zu einem der zwei Zugänge fahren könnt. Zudem lässt sich der Klettersteig auch mit der Reginoalbahn erreichen, sodass ein Wagen nicht unbedingt zur Pflicht für euch wird. Auf den Weg machen solltet ihr euch aber wirklich nur, wenn ihr auch im Besitz einer Eintrittskarte seid, die ihr vorher über die Homepage des Caminito del Rey erworben habt. Pro Tag dürfen nämlich vorerst nur 600 Kletterer auf den Weg gelassen werden. Eine rechtzeitige Buchung empfiehlt sich also, wenn ihr während eures Urlaubs auch garantiert den Weg begehen wollt. Ihr habt alle Vorkehrungen getroffen? Gut, dann kann es ja losgehen!

Der Caminito del Rey auf dem Prüfstand

Die Gesamtstrecke des Caminito del Rey beträgt 7,7 Kilometer, von denen euch aber nur gute 2,9 Kilometer über den eigentlichen Klettersteig führen. Ihr sagt euch jetzt bestimmt: Wie können schlappe 3 Kilometer einen Weg zu einem der gefährlichsten Kletterpfade der Welt machen? Ganz einfach: Die Art des Weges gibt den Ton an. Vor seiner Schließung und auch kurze Zeit nach der Wiedereröffnung war der steinerne Weg nur einige Zentimeter breit, sodass ihr mitunter quer gehen oder einen Fuß langsam vor den anderen setzten musstet. Zu allem Übel waren einige Stellen stark marode, handballgroße Löcher machten das Weiterkommen schwierig. An anderen Stellen ragten nur noch die Eisenpfeiler aus den steilen Felswänden; das bedeutete schlicht und ergreifend: Die Hände an der Felswand abstützen und schräg über die Pfeiler gehen. Immerhin sicherten Stahlseile und Karabiner. Ich kann euch sagen, damals war es ganz schön schwer, auch noch ein Auge für die wunderschöne Landschaft, die tollen Felshänge und die darunter liegende Schlucht zu haben, denn meist ging es einfach nur darum, nicht abzurutschen. Wie so eine Wanderung gut und gerne mal ausschauen konnte, seht ihr im folgenden Video:

Also, wer bei dem Film keine schweißnassen Hände bekommt, der muss schon ziemlich abgebrüht sein. Sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass dieser Weg auch tagtäglich als Schulweg, Arbeitsweg und Weg zum benachbarten Dorf von Kindern, Männern und Frauen genutzt wurde, und das mitunter auch noch bei Nacht?! Da kann einem schon mulmig werden, oder? Heutzutage sieht das alles ganz anders aus. Nach der Renovierung und der Wiedereröffnung lauft ihr nun nur noch entlang der alten Pfade; sichere Hängebrücken, befestigte, ausgebaute Wege und dicht aneinander angebrachte Planken leiten euch sicher ans Ziel. Abgesichert seid ihr abermals durch Karabiner, die ihr an einem Stahlseil neben euch befestigt, Hobbykletterer kennen das bestimmt schon aus den hiesigen Kletterparks. Die Renovierung macht den Caminito del Rey also nun zu einem Abenteuer für Jedermann.

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So geht es im Jahre 2016 auf den Klettersteig

Vorbei sind die Zeiten des schweißtreibenden Aufstiegs, des Nachdenkens über jeden seiner Schritte. Lediglich die verwitterten und maroden Überbleibsel des alten Wanderwegs zeugen noch von den wilden Zeiten des Pfades, die eigentlich noch gar nicht so lang zurückliegen. Versteht mich nicht falsch, ich freue mich auch über etwas weniger Risiko in meinem Leben, aber irgendwie trauere ich dem verloren gegangenen Abenteuer schon etwas nach. Schließlich bringt man ja am Mount Everest auch keinen Lift an, der einen schneller, bequemer und ungefährlicher ans Ziel bringt, oder? Das verlorene Abenteuer ist aber wirklich nur ein kleiner Wermutstropfen, denn der Klettersteig führt euch nichtsdestotrotz an einer einzigartigen Kulisse vorbei, die euch sicherlich in Staunen versetzen wird. Aber vielleicht sollte ich einfach mal die Bilder für sich sprechen lassen. Denn diese sagen ja manchmal bekanntlich mehr als 1000 Worte. ;) Also, seht selbst:

Für all diejenigen unter euch, in denen nicht so viel von Indiana Jones‘ Blut steckt, ist eine Reise nach Malaga aber ohnehin empfehlenswert! Ihr könnt eure kletterbegeisterten Mitreisenden ja einfach am Caminito del Rey rauslassen und euch selbst auf eine kleine Tour durch die umliegenden Gegenden und Dörfer machen, ehe ihr eure Kletteraffen auf dem Rückweg wieder einsammelt. So haben beide Parteien garantiert etwas vom gemeinsamen Spanienurlaub.

Titelbild: Kiko Jimenez/ shutterstock.com