Neue Heimat zwischen Luxus und Kopftuch
Urlaubsguru Redaktion
Ein neues Leben in einem anderen Land beginnen? Klingt abenteuerlich und verlockend. Chantal hat ihren Traum wahr werden lassen und hat in Dubai eine neue Heimat gefunden. Im damaligen Gespräch hat sie von ihrem Leben erzählt. Ihre Tipps und Erfahrungen findet ihr hier.
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Urlaubsguru bevorzugenAuswanderer zu sein bedeutet, seine Zelte in der Heimat abzubrechen und in einem fremden Land ganz neu anzufangen. Was für viele ein Traum und ein Versprechen ist, bedeutet für die anderen oft ein Scheitern. Chantal berichtete im damaligen Gespräch von ihrem Umzug: Sie zog mit ein paar Habseligkeiten nach Dubai und fand dort das große Glück! Dubai steht für sagenumwobenen Reichtum, für schier endlosen Luxus und angeberischen Protz auf der einen Seite und für eine vom Islam geprägte Kultur auf der anderen. Sehr exotisch und fremd kommt uns diese Stadt vor und dorthin zu reisen ist schon ein kleines Abenteuer. Wie aber ist es, wenn man komplett dorthin zieht? Chantal hat diesen Schritt gewagt und plaudert in diesem historischen Erfahrungsbericht aus dem Nähkästchen. Das Gespräch stammt aus der Zeit vor der Veröffentlichung im Mai 2017; persönliche Eindrücke und damalige Rahmenbedingungen sind entsprechend einzuordnen.
Dubai – So viele Geschichten und Mysterien ranken sich um diese „Stadt aus Gold“, dass man gar nicht glaubt, dass sie tatsächlich existiert! Die Stadt der absoluten Superlative, in der alles immer noch ein bisschen besser, noch ein bisschen größer, schneller, teurer sein muss als irgendwo sonst. Und dabei ist alles hier noch gar nicht so alt! Erst in den 1960-70er Jahren wandelte die Stadt sich zu der Megacity, die wir heute kennen.
Schon lange gab es hier, an der Mündung des Dubai Creek, eine kleine Kolonie von Perlentauchern und Fischern. Die Perlentaucherei war der vorherrschende Wirtschaftszweig, bis sich der Hafen Dubais im 20. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Handelszentren der Golfregion entwickelte. Dann wurde im Jahr 1966 Erdöl gefunden – und seitdem war in Dubai nichts mehr, wie es war! Die Erdölindustrie entwickelte sich rasend schnell und hat die Stadt quasi über Nacht reich gemacht!
Nichts mehr mit karger Wüste! Heute ist Dubai ein einzigartiges, schillerndes Mekka des Wohlstandes! Wir kennen die Stadt als glitzernde Perle am Persischen Golf, mit immer größer werdenden Hochhäusern, künstlich aufgeschütteten Inseln und den exklusivsten aller Malls. Reich und exotisch kommt sie uns vor, und kulturell vom Islam geprägt. Doch wie ist es, dort zu wohnen?
Rund 85% der Einwohner Dubais sind Einwanderer und sie erbringen auch den größten Teil der dortigen Wirtschaftsleistung. Denn obwohl die Stadt durch das Erdöl reich geworden ist, ist es heute vor allem der Tourismus, der hier die Mühlen weiter dreht. Also wenn ihr von dem exotischen Fleckchen Dubai träumt, macht euch auch bewusst, dass es hier sehr viele Zugezogene gibt!
Eine von diesen Zugezogenen ist Chantal. Sie war zum Zeitpunkt des damaligen Gesprächs vor etwa fünf Jahren von Deutschland nach Dubai ausgewandert und baute sich hier eine Karriere und ein glückliches Leben auf. Sie ist nach wie vor schlichtweg begeistert von ihrer Wahlheimat und findet auch, dass jeder mal nach Dubai reisen sollte.
„Aus europäischer Sicht ist das alles hier mal was anderes,“ sagt sie, „Menschen in Abaya (Gewand) und Kandura (Gewand) sind hier ganz normal und vieles, was man von zu Hause kennt, ist es nicht. Man bekommt hier eine ganz andere Sicht geboten, das ist nicht die westliche Welt.“ Was ist also das Tolle an Dubai, weswegen jeder mal hierhin reisen sollte? „Wer mal etwas komplett anderes erleben möchte und das in einer trotzdem freundlichen und weltoffenen Umgebung, der sollte auf jeden Fall mal herkommen!“
Wer tatsächlich einmal vorhat, nach Dubai zu fliegen, dem kommen wohl zwei Dinge in den Sinn: Überbordender Luxus, der schon verschwenderisch ist, und eine muslimisch geprägte Kultur. Was den Luxus angeht, kann Chantal da nur zustimmen: „Es ist schon wahr, der Drang zum Luxus ist hier allgegenwärtig. Überall blinkt's und glitzert's! Schon wenn man am Flughafen ankommt, fühlt man sich schnell von dem Design überwältigt. Man kann es so sagen: In Dubai wird gerne angegeben.
Da ist das Beste gerade gut genug, alles muss höher, weiter, schneller, schöner, neuer, größer und teurer sein, man muss das neuste Auto fahren, den höchsten Turm und die größte künstliche Insel bauen... Dies ist wahrhaftig eine Stadt der Superlative! Nirgendwo passt es besser als hier.“ Und wenn man als Tourist in die Stadt kommt, muss dann alles nur zum Anschauen, aber nicht Anfassen sein?
Wie teuer wird so ein Urlaub in Dubai? „Natürlich kann man hier einen Luxusurlaub aus den wildesten Träumen verbringen“, meint auch Chantal. „Ein Aufenthalt hier kann teuer, noch teurer und unfassbar teuer werden, muss er aber nicht! Auch „Normalverdiener“ können hier einen schönen Urlaub verbringen, eine Woche Dubai kann auch so viel wie eine Woche Mallorca kosten, wenn man vorher gut recherchiert. Und billig ist hier nicht gleich schlecht, ganz und gar nicht!“
Auf der anderen Seite ist Dubai klar religiös geprägt. Die Islam-Zugehörigkeit der Menschen überwiegt hier natürlich und andere Religionen sind in der Minderheit. Das prägt ganz deutlich den Alltag, sagt Chantal. Ob Kleidung, Essgewohnheiten oder öffentliche Zuneigungsbekundungen – bei aller Offenheit Dubais, da muss man sich schon anpassen. Oft wirkt man als Tourist auch einfach fremd: „Europäische Touristen, besonders Frauen, werden hier oft und ziemlich offensichtlich angestarrt. Das ist nicht böse gemeint, anstatt 'Hallo' zu sagen, starrt man hier eben. Europäer sind hier einfach fremd und Frauen, die keine Abaya (Gewand) und keine Shayla (Schleier) tragen und dafür etwas körperbetonte Kleidung, fallen nun einmal auf. In Deutschland wäre das unhöflich, aber hier ist es wirklich nicht böse gemeint.“
Was aber das Krasseste ist, an das sich die europäischen Touristen hier erstmal gewöhnen müssen, das sei etwas ganz anderes! „Ganz klar das Klima!“ schnauft Chantal. „Damals im Winter waren es angenehme 23-25°C mit milden Winden. Was also der perfekte Sommer in Deutschland wäre, ist hier der Winter! Da kann man sich ja vorstellen, was für Temperaturen es hier im Sommer gibt! Zu der Zeit gibt es dann zwar bei allen Reiseveranstaltern super günstige Angebote für Dubai, dann herrschen hier aber Temperaturen von bis zu 50°C und eine Luftfeuchtigkeit von gefühlten 100%!"
„Das trockene Wüstenklima, das man hier vielleicht erwarten würde, findet man, wenn man weiter ins Land fährt. Doch Dubai liegt direkt am Persischen Golf, und so kommt hier viel Feuchtigkeit an. Das ist nicht einfach, wenn die Temperaturen so drückend werden.“ Und sie hat auch in ihrem Alltag damit zu kämpfen: Bei ihrer Arbeit musste Chantal beispielsweise Kostüm und Schminke tragen, was bei der Hitze zur Herausforderung wurde. Wasserfestes Make-up war für sie ein Muss, damit die Mascara nicht schon unter den Augen hing, bevor sie am Auto war.
Doch noch einmal zurück zum Thema Religion. In der damaligen Berichterstattung im Radio, Fernsehen und Internet nahm Chantal eine wachsende Skepsis gegenüber muslimisch geprägten Ländern wahr. Als zugezogene Deutsche und Auswanderin in Dubai schilderte sie ihre persönliche Sicht: Sie fühlte sich nachts unterwegs in Dubai wesentlich sicherer als früher nach einer U-Bahn-Fahrt in Hamburg. Ihre damalige Einschätzung, alleinreisende Frauen müssten nichts befürchten, ist keine aktuelle Sicherheitsempfehlung. Das Auswärtige Amt rät mit Stand 1. Oktober 2026 von nicht notwendigen Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate ab und warnt vor einer volatilen regionalen Lage. Trotz niedriger Kriminalität sind Übergriffe möglich; alleinreisende Frauen sollten nachts besonders vorsichtig sein. Prüft vor einer Reise die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise.
Ihre positiven Erfahrungen mit den Menschen beschreibt Chantal so: „Die Menschen sind so gastfreundlich und unglaublich hilfsbereit! Man merkt auch, dass sie sich bemühen, Reisenden die 'Angst vor dem Islam' zu nehmen, die ja zurzeit geschürt wird.“ Kennt ihr euch mit dem Islam noch nicht so aus und seid neugierig, dann hat Chantal einen richtig coolen Tipp: „Solltet ihr je nach Abu Dhabi kommen, müsst ihr unbedingt die Scheich-Zayid-Moschee besuchen, sie ist für Touristen geöffnet! Normalerweise dürfen Nicht-Muslime nicht in die Moscheen, aber der ehemalige Scheich, nach dem die Moschee benannt wurde, hatte es extra so verfügt. Er hatte nämlich die sieben Emirate zusammengeführt und gilt als 'Vater' der Nation. Er hatte diese Moschee extra dazu bestimmt, dass sie für alle offen ist, also auch für Menschen anderer Glaubensrichtungen, damit sie sich ein Bild davon machen können.“
„Die Moschee ist wirklich wunderschön und definitiv einen Besuch wert! Sie kostet auch keinen Eintritt. Frauen müssen bedeckt hinein gehen, sie sollten also lange, weite Kleidung tragen und einen Schal mitnehmen, den sie als Kopftuch benutzen können, damit auch der Kopf bedeckt ist. Auch wenn es heiß draußen ist! Man soll sehen, dass die Religion nichts Schlimmes an sich hat, das ist die allgemeine Aussage. Die Vereinigten Emirate distanzieren sich ganz explizit von all den Unruhen, die mit dem Islam in Verbindung gebracht werden und unser Minister of Foreign Affairs, Sheikh Abdullah bin Zayed, ist auch im Marsch für die Opfer von Charlie Hebdo mitgelaufen. Man hat nur Angst, dass jetzt alle Muslime über einen Kamm geschoren werden.“
Dubai ist also eine sehr weltoffene Stadt, allerdings sollte man trotzdem Rücksicht nehmen: „Der Islam gehört zu Dubai. Es wird fünf Mal am Tag zum Gebet gerufen, die genaue Uhrzeit richtet sich nach dem Sonnenaufgang, und die werden dann auch im Rundfunk übertragen. Es werden auch Filme dafür unterbrochen. Aber man gewöhnt sich daran. Ankommende am Flughafen reagieren oft verunsichert, wenn sie den Ruf des Muezzin hören. Doch das Leben bleibt dann nicht stehen! Alles nicht so schlimm.“
Weltoffenheit hin oder her, für Touristen bedeutet das am Ende nur eine oder zwei Wochen Anpassung. Doch was ist, wenn man hier leben will? Da gibt es doch sicher Gelegenheiten, bei denen man aneckt? Auf die Frage, wie es für sie war, als sie herkam, antwortet Chantal. War es schwer, sich einzugewöhnen? „Komischerweise gar nicht!“, lacht sie. Der berühmte Kulturschock, von dem man immer hört und den man erwarten würde, blieb bei Chantal komplett aus. Sie war schon einmal in Dubai gewesen, bevor sie herzog, und wusste daher im Prinzip, was sie erwarten würde.
Dazu kam, dass Chantal sofort angefangen hatte zu arbeiten. Sie hatte eine Woche Eingewöhnungszeit, in der sie die ganzen Behördengänge absolvieren und sich einrichten konnte, arbeitete dann aber direkt voll und war sofort im Rhythmus – keine Zeit für Zweifel. Auch die ganzen neuen Dinge lernte sie erst nach und nach kennen; ein richtiger „Schock“ konnte daher gar nicht passieren. Es war für sie bei Weitem nicht so hart wie ihr einjähriger Aufenthalt in den USA mit 16 Jahren, obwohl die USA Deutschland kulturell näher stehen. Aber mit Mitte/Ende 20 geht man schon anders an die Sachen heran.
Gab es trotzdem Schwierigkeiten? Da schmunzelt Chantal einmal kurz. Chantal kam damals im August an: Es war sehr heiß und zudem Ramadan. Auf die damals geltenden anderen Regeln war sie nicht eingestellt.
Temperaturen bis zu 50°C
Chantal schilderte, dass sie damals in der Öffentlichkeit nichts essen oder trinken durfte. Im August war es mit bis zu 50°C nahezu unerträglich heiß: kein Lüftchen, Schweiß bei jeder Bewegung. Nicht-Muslime konnten nach ihrer damaligen Erfahrung in geschlossenen Räumen, beispielsweise im Hotel, essen und trinken. Um einen Schluck Wasser zu nehmen, machte sie sich damals im Auto klein oder versteckte sich hinter einem Wagen.
Das damalige öffentliche Verbot umfasste laut ihrem Bericht auch Eis essen, Kaugummi kauen und Rauchen und galt auch für Nicht-Fastende. Sie beschrieb mögliche böse Blicke und Beschimpfungen sowie eine strengere Bewertung von Verstößen für Muslime. Diese Erinnerungen beschreiben die Situation ihres damaligen Umzugs. Heute verlangt Dubai von Nicht-Muslimen kein Fasten; die Stadtverwaltung empfiehlt aus Rücksicht, während der Fastenstunden auf öffentliches Essen, Trinken und Rauchen zu verzichten. Viele Restaurants in Hotels und Einkaufszentren bedienen Nicht-Muslime auch tagsüber. Beachtet örtliche Hinweise und religiöse Traditionen.
„Aber so streng ist das alles nicht“, verrät Chantal. „Man muss bedenken, dass speziell Dubai, von allen Städten mit muslimisch geprägter Kultur, ganz besonders vom Tourismus lebt. Da sie sehr wenig eigenes Öl haben, sind ihre Geldquelle die Touristen, da wird schon darauf geachtet, dass es ihnen auch gut geht! In Abu Dhabi zum Beispiel weht ein anderer Wind, hier ist man viel konservativer."
„Da gibt es zum Beispiel Aufkleber an den Malls und an anderen Gebäuden, die euch sagen, was dort alles verboten ist... Dass kein Küssen erlaubt ist und 'moderate clothing' angesagt ist, also dass die Schultern bedeckt sein müssen, keine kurzen Shorts oder gar Miniröcke angezogen werden sollen etc. Doch dank der voll aufgedrehten Klimaanlagen fällt es einem nicht schwer, sich zu bedecken. In den Malls in Abu Dhabi gibt es sogar Sicherheitskräfte, die einen darauf hinweisen, wenn man unpassend gekleidet ist und einen auffordern, sich umzuziehen."
Chantal schilderte im damaligen Gespräch, dass knappe Kleidung in Dubai nicht gern gesehen war. Kleider, Röcke und Hosen bis zum Knie hielt sie damals für angemessen. Sie betonte, dass Gäste die Regeln des Landes respektieren sollten, wie auch in anderen Reiseländern. Ihre damalige Einschätzung zu Küssen und Strafen ist überholt: Öffentliche Zärtlichkeiten können auch in Dubai strafrechtlich geahndet werden. Bei der Kleidung sind örtliche Hinweise und religiöse Traditionen zu beachten.
Chantal hat sich in der Ferne eine neue Heimat aufgebaut. Damals berichtete sie, vor 3,5 Jahren wegen des Jobs gekommen und wegen ihres Herzens geblieben zu sein. Sie hatte sehr viel Freude an ihrem Job. „ Dann kam sehr schnell ein großer Freundeskreis dazu, der ständig weiter wächst. Wir sind alle sehr multikulti, wir kommen alle aus den verschiedensten Ecken der Welt!“
So viele verschiedene Kulturen auf einem Haufen, da gibt es doch bestimmt auch mal Missverständnisse? „Manchmal ist es natürlich auch schwierig“, verrät Chantal. „Aber wir haben alle sehr viel Spaß miteinander. Zum Beispiel bringt jeder mal etwas Traditionelles aus seinem Land zu essen mit und die anderen können das so mal kennenlernen... Auch überraschende Dinge sind dabei: Wenn jemand aus Pakistan euch zum Beispiel mit perfektem Deutsch anredet, weil er das mal gelernt hat, oder Marokkaner, die fließend Japanisch sprechen... Lustige Kombis entstehen da. Dazu ist jetzt auch die Liebe gekommen. Chantals Partner ist in den Emiraten aufgewachsen und hat sein Leben dort verbracht. Wir sind jetzt hier verwurzelt.“
Auswanderer sein bedeutet auch, sich auf neue Kulturen einzulassen. Und besonders hier, im für uns exotischen Dubai, wo so vieles neu und fremd erscheint, können da schnell Zweifel aufkommen. Doch wenn man, so wie Chantal, mit einem offenen Gemüt an die Sache herangeht, findet man schnell neue Freunde – und am Ende klappt es ja vielleicht auch mit der Liebe! Vielen lieben Dank an Chantal für die offenen Antworten und weiterhin viel Freude in ihrer Traumstadt Dubai!