Der größte Palast der Welt, 20 Milliarden US Dollar, ein paar Flugzeuge, ein „Playboy-Bruder“ und noch viel viel … viel mehr zählt zu dem Besitz des Sultan von Brunei. Wer aus dem Staunen nicht mehr raus kommen möchte, kann heute gerne mit mir nach Brunei kommen. Euch erwartet Großes!

So liebe Leute, anschnallen und festhalten – was euch im Hause des Sultan von Brunei erwartet, gibt es so vermutlich kein zweites Mal. Der liebe Herr besitzt Dinge, deren Wert unsere Vorstellungskraft übersteigen, lebt in einem Land voller Glanz (und Öl) und hat es schon ein paar Mal in die internationalen Schlagzeilen geschafft – aber nicht nur im positiven Sinne.

Der Sultan von Brunei

Sein Leben | Sein Reich | Sein Besitz | Sein Shitstorm

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Hassanal Bolkiah Mu’izzadin Waddaulah

So der vollständige Name des Sultans von Brunei, geboren 1946, regierender Herrscher seit 1967 und 29. Sultan der Geschichte des Landes. Deshalb auch 29 vergoldete Kuppeln. Dazu aber später mehr. Seit seinem 21. Lebensjahr ist der Sultan Staatsoberhaupt, Finanzminister, Verteidigungsminister, Außenminister, Regierungschef und, tief Luft holen, natürlich auch das oberste Haupt der islamischen Staatsreligion. Ernstzunehmende Oppositionen – wie sollte es auch anders sein – gibt es keine.

Der Sultan war drei Mal verheiratet und hat mit diesen Frauen 12 Kinder (welche sich vermutlich nicht ums Erbe streiten müssen). Seine Erstfrau, die einzige, welche er noch an seiner Seite hat, ist gleichzeitig auch seine direkte Cousine. Sehr praktisch – so bleibt’s in der Familie. Danach kam eine Stewardess der Royal Brunei Airlines, die 23 Jahre in den Genuss seiner Ehe kam. Seine dritte Gattin war malaysische Fernsehreporterin, 33 Jahre jünger und nicht lange seine Frau.

Derzeit besitzt der glänzende Sultan um die 20 Milliarden US Dollar. Circa. Plus Minus. Glaubt man. Ich denke, das wird schon stimmen. Er zählt somit zu den reichsten Menschen der Welt, in den 1990ern war er sogar der Reichste, aber Bill Gates und seine Computer haben ihn abgelöst. Was den Sultan vermutlich nicht allzu sehr störte, denn sein Besitz wächst und wächst.

Ebenso wie seine Auszeichnungen, Orden und Ehrendoktorwürden (aus 14 verschiedenen Fächern). Der smarte Bursche wurde zum Beispiel von der Universität Oxford, dem King’s College London, der Universität Singapur und Indonesien geehrt. 

Jame’Asr Hassanal Bolkiah Mosque, Brunei
Auffahrt zu seiner Hassanal Bolkiah Moschee

Das Sultanat Brunei

Das Land des Sultans zählt ca. 400.000 Einwohner, liegt auf der Insel Borneo und nennt sich offiziell selbst „Heimat des Friedens“. Wieso das ziemlich ironisch ist, erfahrt ihr weiter unten. Brunei hat, wenig verwunderlich, keine Staatsschulden und lebt aufgrund des hohen Öl- und Gas-Vorkommens im Glanz und zählt du den wohlhabendsten Ländern unserer Erde. Es gibt keine Einkommenssteuer, fast die Hälfte der Einwohner arbeitet im öffentlichen Dienst und verdient dabei richtig gut. Die medizinische Versorgung und das Bildungssystem ist kostenlos, weshalb der Sultan von Brunei von seinen Schützlingen geliebt wird. Außerdem gibt es auch Unterhaltszahlungen für Witwen und Menschen mit Behinderungen. Da verzeiht man ihm schon den einen oder anderen Faible für teure Luxusartikel.

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Sultan Omar Ali Saifudding Moschee

Sein Hab und Gut

Also, wo soll man beginnen. Zunächst vielleicht bei seiner bescheidenen Hütte, dem größten Palast unserer Erdkugel. Der Istana Nurul Iman ist Wohn- und zugleich Regierungssitz des Sultans und breitet sich auf einer beachtlichen Fläche von 200.000 m² aus. Auch die Anzahl der Zimmer ist nicht von schlechten Architekten: 1788 an der Zahl. Und 257 Badezimmer. Theoretisch gesehen könnte er also beinahe jeden Tag des Jahres seinen Toilettensitz wechseln.

Drei Mal im Jahr ist der Sultan von Brunei sogar so großzügig, seinen Palast der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Platz gibt es ja. Bis zu 120.000 Personen werden dabei jedes Jahr persönlich von König und Königin mit Handschlag begrüßt und genießen ein Festmahl auf Kosten des Hauses. Angela Merkel, wo bleibt unsere Einladung zum Brunch?

Des Weiteren zählt zu seiner Behausung noch eine Rennstrecke für seinen Fuhrpark aus geschätzten 5000 Luxusautos (inkl. 500 Rolls-Royce, einer davon vergoldet – man reist schließlich mit Stil), einem Polo-Feld, denn der Sultan mag Pferde und eine Gartenanlage zum Entspannen. Außerdem steht auf seiner Liste der Besitztümer eine 142 Meter lange Jacht, selbstverständlich eine der größten der Welt und ein paar private Flugzeuge der Typen Airbus 340-200, Boeing 767-200 und Boeing 747-400. Wem das nichts sagt: Diese Maschinen fliegen euch und ca. 400 weitere Passagiere üblicherweise in den Mallorca-Urlaub. Und eure Boardtoilette hatte wahrscheinlich kein vergoldetes Waschbecken.

Wer beim Schlendern durch Bruneis Hauptstadt Bandar Seri Begawan an den bereits oben erwähnten 29 vergoldeten Kuppeln vorbeikommt, ist bei der größten Moschee des Landes angekommen – der Jame’Asr Hassanil Bolkiah Moschee. Die in der Sonne strahlenden goldenen Kugeln stehen für den 29. Sultan des Landes und im Inneren gibt es eine Rolltreppe, die aber nur von Hassanil persönlich befahren werden darf. Deshalb läuft sie freitags durch – denn man weiß ja nicht, wann genau er zu seinem Gebet erscheint. Sicher ist sicher.

Jame’asr Hassanil Bolkiah Mosque in Bandar Seri Begawan, Brunei
29 goldene Kuppeln der Hassanil Bolkiah Moschee

Scharfe Kritik

Von seinem Volk mit Loyalität überhäuft, kann der Sultan von Brunei nicht behaupten, von der ganzen Welt geliebt zu werden. Bereits wegen seines „Playboy-Prinzen“ Bruders, dessen Harem schlechte Schlagzeilen machte, geriet der Sultan in die Medien. Auch er selbst wurde scharf kritisiert, mit Frauen nicht den besten Umgang zu haben. Die Bombe des Shitstorms lies er aber 2014 hochgehen, als der die Todesstrafe durch Steinigung und die Scharia wieder einführte. Außerdem befürwortet er Geld- und Gefängnisstrafen bei Unzüchtigkeit (er selbst und seine Familie werden aber als „Playboys“ bezeichnet – aha!) und bei Nichtteilnahme am Freitagsgebet. Amputation und Peitschenhiebe soll es bei Diebstahl und Einbruch geben, während Ehebrecher und Homosexuelle damit rechnen müssen mit Steinwürfen an Oberkörper und Kopf getötet zu werden (falls ihr vergessen habt: „Heimat des Friedens“). Dass dabei Kritik nicht ausbleiben wird, wenn man mittelalterliche Methoden zur Bestrafung anwendet, hat wohl keinen überrascht. Es ging sogar so weit, dass viele Prominente vor seinem Hotel in Los Angeles zu Protesten aufriefen, nicht mehr in seine Luxushotelketten ( u.a. das Bel Air Hotel in Los Angeles und das Dorchester Hotel in London) einzuchecken, um den Sultan zu sabotieren. Aber ob ihm diese paar Scheinchen auf dem Konto fehlen werden? Es war zumindest ein Zeichen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich das Sultanat samt seinem Staatsoberhaupt einmal persönlich anzusehen, braucht für 90 Tage nicht mal ein Visum. Das Auswärtige Amt warnt aber vor unbedeckten Schultern, Knie und Dekolletés und natürlich vor öffentlich geäußerter Kritik gegenüber dem Sultan inklusiver seiner Familie und Religion.