Sarajevo gehört wohl zu den meist unterschätzten Städten Europas. Von seiner traurigen Geschichte geprägt ist Sarajevo ein wahres Zeitzeugnis der letzten Jahrhunderte. Doch gerade deshalb gehört die Stadt heute zu den eindrucksvollsten Kulturgütern der Balkanregion. Lasst euch von mir durch Sarajevo und die Geschichte führen und erfahrt, warum die Stadt ein echter Geheimtipp ist.

Trotz seiner Nähe zu beliebten Urlaubsorten wie Dubrovnik und Split gehört Bosnien und Herzegowina zu denjenigen Ländern, die sich erst nach und nach zu einem beliebten Touristenziel entwickeln. Gut für euch, denn ist Bosniens Hauptstadt Sarajevo ein echter Geheimtipp. Geprägt von seiner Geschichte und gleich mehreren feindlichen Übernahmen in den letzten Jahrhunderten ist Sarajevo eine Stadt mit einer bewegenden Vergangenheit. Und doch eine der tolerantesten in ganz Europa – kaum eine Stadt vereint östliche und westliche Werte auf so friedliche und eindrucksvolle Weise wie Sarajevo. Als Regierungssitz von Bosnien und Herzegowina entwickelt sich die Hauptstadt, die gerade einmal knapp 300.000 Einwohner beherbergt, in den letzten Jahren zu einer aufstrebenden Stadt.

Entdeckt das vielseitige Sarajevo

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Die Altstadt von Sarajevo.

An- & Einreise nach Bosnien und Herzegowina

Wenn ihr Sarajevo einen Besuch abstatten wollt, kann ich euch empfehlen gleich einen ganzen Roadtrip durch das wunderschöne Land zu planen. Die hügelige Landschaft, grüne Wälder und hellgrüne Flüsse sind charakteristisch für Bosniens idyllische und friedliche Landschaft. Zahlreiche kleine Dörfer und Ruinenstädte wie Mostar, Počitelj, Trebinje, Neum und Blagaj prägen den vielseitigen Charme des Landes und führen euch in eine beinahe verzaubert wirkende Welt. Da Bosnien und Herzegowina allerdings bisher über kein gutes Autobahnnetz verfügen, empfehle ich euch die Anreise mit dem Flugzeug oder Zug. Sowohl Tuzla als auch Sarajevo lassen sich mit dem Flugzeug gut erreichen. Wenn ihr vor Ort neben Sarajevo noch weitere Ausflugsziele besichtigen wollt, empfehle ich euch, einen Mietwagen zu nehmen. Die meisten Ausflugsziele befinden sich im Umkreis von maximal 200 Kilometern.

Einreisebestimmungen

Guru Tipp:
Die Währung vor Ort ist die Konvertible Mark (KM). Eine Mark entspricht etwa einem halben Euro.

Einreisen könnt ihr sowohl mit einem Reisepass, als auch mit einem Personalausweis. Eure Reisedokumente müssen allerdings zum Zeitpunkt der Ausreise noch mindestens drei Monate gültig sein. Bitte beachtet auch, dass ihr nicht mit einem vorläufigen Ausweis oder Reisepass einreisen könnt. Ein Visum braucht ihr nicht, es sei denn ihr möchtet länger als 90 Tage in Bosnien und Herzegowina bleiben. Weitere Informationen dazu findet ihr auf der Seite des Auswärtigen Amtes.

Sarajevos Geschichte

In den letzten Jahrhunderten musste Sarajevo einiges miterleben. Im Laufe der Zeit wurde die Stadt immer wieder von Übernahmen heimgesucht und überzeugt heute mit ihrem vielseitigen Charakter. Einst als slawische Siedlung gegründet, entwickelte sich Sarajevo zu einem Teil des osmanischen Reichs, wurde später Teil Österreich-Ungarns, war nach dem Zweiten Weltkrieg in sozialistischer Hand und ist heute ein demokratisches Land. Berühmtheit erlangte die Stadt 1914 durch das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie. Der österreichisch-ungarische Thronfolger, für den zuvor die Brücke von Mostar mit handgeknüpften Teppichen ausgelegt wurde, starb in Folge des geplanten Attentats von Sarajevo. Dieses Ereignis gilt als Auslöser des Ersten Weltkriegs.

Lateinerbrücke in Sarajevo
Die Lateinerbrücke war der Schauplatz des Attetats auf Franz Ferdinand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Sarajevo Teil der Sozialistischen Republik Bosnien und Herzegowina. Einflüsse dieser Zeit könnt ihr teilweise noch in den Bauwerken der Stadt entdecken. 1984 erlebten Sarajevo und das Land einen regelrechten Aufschwung – als Gastgeber der Olympischen Winterspiele wanderten die Blicke auf Bosnien und Herzegowina und brachten dem Land neue Möglichkeiten.

Bosnien heute

Bosnien und Herzegowina ist ein sicheres Land. Seit Kriegsende 1995 gibt es keine politischen Unruhen.

Während des Bosnienkrieges musste sich Sarajevo schließlich einer vierjährigen Belagerung zur Wehr setzen. Noch heute lassen sich in der Stadt unzählige Narben dieser Zeit finden, die an die dunklen Tage der Vergangenheit erinnern. Dennoch hat sich Sarajevo seit dem Kriegsende 1995 stark verändert. Heute ist Bosnien und Herzegowina ein sicheres Land. Noch immer erinnern sich die Menschen an die vergangenen Zeiten und haben Sarajevo zu einer Stadt gemacht, die sich eindringlich und hautnah an der Grenze von altem Andenken und neuem Aufbruch bewegt.

nationalbibliothek in Sarajevo
Die Nationalbibliothek wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut.

Entdeckt das geschichtsträchtige Sarajevo

Sarajevo trägt das Zeugnis zahlreicher Einflussnahmen. Ihr findet daher Anhänger verschiedenster Glaubensrichtungen in Sarajevo, die friedlich nebeneinander leben. Große Moscheen stehen neben christlichen und orthodoxen Kirchen und auch in der Architektur spiegelt sich Sarajevos bewegte Geschichte: In der Stadt findet ihr bunt verteilt osmanische, sozialistische und moderne Bauwerke.

Die Stadt gilt als Paradebeispiel, wie problemlos sich Ost- und Westkultur vereinen lassen

Die Stadt gilt daher als Paradebeispiel, wie problemlos sich Ost- und Westkultur vereinen lassen. Von den circa 200 Moscheen solltet ihr vor allem der Gazi-Husrev-Beg-Moschee einen Besuch abstatten. 1530 erbaut ist sie nicht nur die größte, sondern auch eine der ältesten Moscheen in Sarajevo. Auch als Touristen könnt ihr die Moschee außerhalb der Gebetszeiten besichtigen. Bitte beachtet aber, dass sie noch immer aktiv genutzt wird. Verhaltet euch daher bitte respektvoll und kleidet euch angemessen. Ein Kopftuch könnt ihr euch am Eingang leihen.

Nationalbibliothek in Sarajevo

Sarajevos charmante Altstadt

Das Herzstück von Sarajevo, die Altstadt Stari Grad, solltet ihr unbedingt besichtigen. Hier tummelt sich das pure Leben. Wie auf einem türkischen Bazar reihen sich hier Kaffeehäuser, Moscheen, Shishabars und Kneipen aneinander und erfreuen sich eines bunt gemischten Publikums. Die Menschen sind gastfreundlich und aufgeschlossen: Nirgendwo sonst werdet ihr die besondere Atmosphäre Sarajevos so intensiv spüren wie in der Altstadt. Hier tragen manche Frauen Schleier, andere kurze Sommerkleider, hier könnt ihr den Ruf des Muezzins hören und gleichzeitig ein Sarajevsko Pivo genießen. Tradition und Moderne gehen Hand in Hand. Außerdem findet ihr in Sarajevos Altstadt den Baščaršija, den großen Marktplatz, und den Sebilj Brunnen, ein echtes Wahrzeichen der Stadt. Schlendert durch die engen Gassen, besucht eines der Kaffeehäuser und genießt das orientalischen Flair. In Sarajevos Altstadt fühlt man sich wie in eine andere Welt entführt, und doch kein bisschen fremd.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Sarajevos Vergangenheit hat die Stadt gezeichnet. Immer wieder werdet ihr alte Einschusslöcher in den Häuserfassaden entdecken, die an das dunkle Kapitel Sarajevos erinnern.

Überall dort, wo eine Granate aufschlug und Löcher im Asphalt hinterließ, füllten die Bewohner sie mit rotem Harz auf

Trotz dieser mahnenden Andenken lassen sich die Einwohner Sarajevos ihre Lebensfreude aber keinesfalls nehmen. Vielmehr erinnert es sie daran, wie wichtig ein friedliches und tolerantes Miteinander ist. Wenn ihr durch die Stadt lauft, werdet ihr auch die ein oder andere Rose von Sarajevo entdecken. Die scheinbaren Farbkleckse auf dem Boden der Straßen erzählen eine traurige Geschichte: Überall dort, wo eine Granate aufschlug und Löcher im Asphalt hinterließ, füllten die Bewohner sie mit rotem Harz auf – zum Gedenken an die Verstorbenen.

Eine Rose von Sarajevo.
Eine der Rosen von Sarajevo.

Dunkle Geschichte

Der Sarajevo Tunnel, der zu Zeiten der Belagerung als Transportweg für Nahrung, Medikamente, Waffen, Treibstoff und auch Verletzte diente, kann heute besichtigt werden. Vom Haus der Familie Kolar aus könnt ihr ein Stück des Tunnels begehen und einen Eindruck davon bekommen, wie das Leben dort damals gewesen sein muss. Auch die Lateinerbrücke beherbergt eine dunkle Geschichte: Die hübsche Steinbrücke war damals Schauplatz des Attentats auf Erzherzog Franz Ferdinand.

Sarajevo-Tunnel
Der Sarajevo Tunnel war zu Zeiten der Belagerung die einzig sichere Verbindung nach außen.

Raus aus der Stadt Sarajevo

Etwas außerhalb der Stadt wacht die Gelbe Bastion, Žuta Tabija, über die hügelige Landschaft. Hier habt ihr einen fabelhaften Blick über die Stadt. Abends finden sich zahlreiche Einheimische und Touristen zusammen, um den Sonnenuntergang zu genießen. Nur einige hundert Meter entfernt könnt ihr die Ruinen der weißen Festung Bijela Tabija erkunden.

Öffnungszeiten und Preise

Die Trebević-Seilbahn ist montags und dienstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet, mittwochs bis sonntags bereits ab 9 Uhr. Der Eintritt kostet 20 KM (~10€)

Die alten Mauern sind frei zugänglich – aber Vorsicht, geht am besten nicht zu weit an den Rand. Im Jahr 2018 eröffnete außerdem die Trebević-Seilbahn erneut, nachdem sie während des Bosnienkriegs zerstört wurde. Mit der Gondel könnt ihr euch bequem auf dem Hausberg Trebević bringen lassen. Von hier aus führen euch zahlreiche Wanderwege zur alten Bobbahn, die für die Olympischen Winterspiele 1984 gebaut wurde.

Seilbahn von Sarajevo
Die Trebević-Seilbahn bringt euch bequem auf den Berg.

Heute erobert sich die Natur ihren Platz allmählich zurück. Zahlreiche Graffitis zieren die alte Bahn, sodass es sich inzwischen um einen wahren Lost Place handelt. Außerhalb der Stadt wartet außerdem der Vrelo Bosne auf euch, ein schöner, großer Park, in dem ihr etwas entspannen könnt. Hier entspringt die Bosna und bahnt sich ihren Weg durch das Land. Zahlreiche Schwäne und Vögel haben es sich hier gemütlich gemacht und prägen den märchenhaften Charakter des weitläufigen Parks.

Guru Tipp: Es könnten sich in den Wäldern um Sarajevo noch alte Mienen verstecken. Bleibt daher unbedingt auf den Wegen!

Alte Bobbahn in Sarajevo
Ein wahrer Lost Place ist die Bobbahn in Sarajevo | Foto: chrisontour84/Shutterstock.com

Kulinarisches Sarajevo

Die einheimische Küche ist offen gestanden nicht unbedingt für Vegetarier geeignet. In Bosnien und Herzegowina isst man deftig und fleischlastig. Einheimische Klassiker wie Ćevapčići, Burek und Dolma findet ihr in Sarajevo beinahe an jeder Ecke. Aber auch Kaffee und Tee haben in Bosnien und Herzegowina eine lange Tradition und gelten hier als wahre Genussmittel.

Traditionelle Gerichte

Ćevapčići wird zumeist aus Lamm oder Rind hergestellt. Die länglichen, intensiv gewürzten Hackfleischröllchen werden gegrillt und meistens pur, manchmal aber auch mit etwas Brot serviert. Burek gibt es dagegen mit verschiedenen Füllungen. Die Teigspezialität wird oft mit Fleisch, aber auch mit Spinat und Schafskäse gefüllt und schmeckt wahnsinnig gut. Dolma ist ein einheimisches Gemüsegericht, das teilweise mit, aber auch ohne Fleisch serviert wird. Traut euch ruhig eure Wünsche zu äußern, oft stellen euch die Wirte auch eine kleine Auswahl an Gerichten zusammen oder versuchen, euch etwas Vegetarisches auf den Tisch zu zaubern.

Ein Burek in Sarajevo.

Kaffeehäuser und Kupfertassen in Sarajevo

Ebenso traditionell wie die einheimische Küche ist auch die Tee- und Kaffeekultur in Sarajevo. In der Stadt wimmelt es von kleinen Teestuben und Kaffeehäusern.

Das Sarajevsko Pivo schmeckt nicht nur gut, sondern hat auch eine ganz besondere Bedeutung für die Stadt

Macht euch darauf gefasst, dass der Kaffee hier ziemlich stark und bitter zubereitet wird. Vielleicht genießt ihr ja auch lieber ein einheimisches Bier. Das Sarajevsko Pivo schmeckt nicht nur gut, sondern hat auch eine ganz besondere Bedeutung für die Stadt. Während der Belagerung war die Brauerei in Sarajevo von unmessbarem Wert. Aber nicht wegen des Biers, sondern wegen der Wasserquelle, an die die Brauerei angeschlossen ist. Die Einheimischen verbinden daher einen großen emotionalen Wert mit ihrem Bier, eine andere Sorte als das Sarajevsko Pivo werdet ihr in der Hauptstadt vergeblich suchen.

Kupfer Teeservice aus Bosnien und Herzegowina

Meine Restauranttipps für Sarajevo:

  • Buregdzinica Sac: Hier findet ihr die besten Bureks der Stadt. Die Teigwaren werden mit Hilfe eines speziellen Topfes („Sac“) direkt auf dem Kohlegrill gebacken. Das kleine Restaurant bietet traditionelle und einheimische Küche zum kleinen Preis. Im Buregdzinica Sac wird allerdings kein Alkohol serviert.
  • Cevabdzinica Zeljo: Das Restaurant in der Altstadt bietet ebenfalls regionale, einheimische Küche an. Vor allem die Ćevapčići sind hier besonders gut. Für unter 7€ bekommt ihr große Portionen und leckeres Essen. Auch im Cevabdzinica Zeljo wird kein Alkohol serviert.
  • Luka Sarajevo: Wer es gehobener mag, ist hier genau richtig. Die Küche ist etwas vielfältiger und europäischer. Die Auswahl ist eher mediterran gestaltet und auch für Vegetarier geeignet. Hier könnt ihr außerdem ein leckeres Glas Wein zum Essen genießen.
  • Kod Broja 1: Das kleine Café in der Altstadt lädt zum gemütlichen Kaffee- oder Teetrinken ein. Trotz Altstadtlage sind die Preise günstig und das Ambiente gemütlich. Außerdem könnt ihr hier die besten Burger Sarajevos genießen.
  • Tepa salad bar: Wer nach deftigen Bureks und herzhaften Ćevapčići mal wieder etwas leichter essen möchte, sollte sich in der Tepa salad bar umschauen. Hier bekommt ihr diverse gesunde und leckere Gerichte sowie Salate. Auch Vegetarier werden hier sicher fündig.
Kaffeevervice in Sarajevo

Plant eure Reise in das vielseitige Sarajevo

In Sarajevo treffen Vergangenheit und Zukunft aufeinander. Hier erlebt ihr die Geschichte von Bosnien und Herzegowina und könnt gleichzeitig eine dynamische, aufstrebende Stadt erkunden. Schlendert durch die kleinen Gassen, erkundet den orientalischen Bazar oder wandert durch die wunderschöne Natur. Ost- und Westkultur leben hier friedlich nebeneinander und sind Teil der Atmosphäre der Stadt. Sarajevo erzählt nicht nur von ihrer Vergangenheit, sondern besticht auch mit ihrem zauberhaften Charme und ihrer freundlichen Atmosphäre. Einen Trip in die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina werdet ihr ganz sicher nicht bereuen.

Unterkünfte in Sarajevo

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