Wieder einmal erfüllt Mara sich einen heiß ersehnten Traum in Südamerika: Weiter geht es in Bolivien in Richtung Uyuni zum weltberühmten Salzsee Salar de Uyuni. Wie begeistert Mara von diesem Naturspektakel ist, lest ihr hier…

Nach meinem kleinen Unfall auf der Death Road in La Paz legte ich einen Stopp in Cochabamba und dem Torotoro Nationalpark ein, wo ich nicht nur Dinosauriern, sondern auch Fledermäusen in gigantischen unterirdischen Höhlen auf die Spur gegangen bin. Jetzt aber stand für mich eines der Dinge an, auf die ich auf meiner Südamerikatour, neben dem Machu Picchu in Peru, mit am meisten gespannt war: Salar de Uyuni – der Salzsee Boliviens.

Drei bevorstehende aufregende Tage in Uyuni

Nach einer abenteuerlichen 15-stündigen Busfahrt von Cochabamba nach Uyuni kamen Rodrigo (mein argentinischer Reisekompagnon) und ich früh morgens in der Stadt an, in der sich wirklich alles ausschließlich um die angrenzende Salzwüste dreht. Schnell hatten wir einen vertrauenswürdigen, aber trotzdem günstigen Touranbieter gefunden, eine 3-Tagestour gebucht und sprangen wenig später schon in den Jeep, mit dem wir für die nächsten drei Tage durch die Salzwüste und die Berglandschaft Boliviens fahren würden. Wir hatten ein Riesenglück mit unserer Tour, da nicht nur unser Guide ein absoluter Spaßvogel war, sondern auch die anderen Tourteilnehmer super waren. Mit Pierre aus Frankreich, Lena aus Berlin, Carla aus Argentinien und Anni aus Finnland gaben wir eine schöne bunte Truppe ab und waren alle vom ersten Moment an voll auf einer Wellenlänge, sodass wir die kommenden Tage denkbar viel Spaß hatten.

Erster Halt: Zugfriedhof

Der erste Stopp der Tour war der Zugfriedhof „Cementerio de los Trenes“, ein spannendes Zeugnis der Eisenbahngeschichte Boliviens. Dort rosten zahlreiche alte Dampflokomotiven und Waggons ihrer vollständigen Auflösung entgegen. Abgesehen davon, dass die alten rostbraunen Züge fantastische Fotomotive hergaben, hat es einen Heidenspaß gemacht, von Waggon zu Waggon zu springen und über die Zugwrackteile zu klettern.

Nächster Halt: Salar de Uyuni

Anschließend war es soweit, wir näherten uns mit unserem Jeep dem Rand des Salzsees, und je näher wir kamen, desto mehr wurde mir das Ausmaß dieser endlosen weißen Weite bewusst. In der Trockenzeit von circa Juni bis Dezember ist die Salzebene flach und trocken, da das Salz auskristallisiert ist. Auf dem Boden sieht man sechseckige Strukturen aus Salz, sogenannte Hexagone, die entstehen, wenn das Salz trocknet. Während der Regenzeit ab Dezember bedeckt dagegen eine Wasserschicht das Salz bis zum Horizont und erschafft eine glatte Oberfläche, wodurch sich das Ganze von der trockenen Salzwüste in den gigantischen Salzsee und somit den größten Spiegel der Welt verwandelt. Da ich den Salzsee im März besucht habe, konnte ich beide Phänomene beobachten: Sowohl den spiegelglatten Salzsee als auch die Salzwüste in den Bereichen, in denen es kaum geregnet hatte, beziehungsweise der Regen versickern konnte.

Das erste Mal diese groben weißen Salzkristalle zwischen den Zehen spüren… ein unbeschreibliches Erlebnis!
Sobald unser Auto schließlich erstmalig mitten in der Wüste stoppte, drehten wir die Musik auf volle Lautstärke, sprangen barfuß aus dem Auto und rannten kreuz und quer umher. Zum ersten Mal diese groben weißen Salzkristalle zwischen den Zehen spüren, die Augen kaum aufbekommen, weil die Sonne so grell von dem strahlend weißen Salzboden reflektiert wird, den Horizont kaum erkennen können, weil alles, was man sieht, das niemals endende weiße Nichts ist – ein unbeschreibliches Erlebnis! Wir fuhren die nächsten Stunden immer weiter durch die Salar de Uyuni, die tatsächlich nicht enden wollte. Das war für mich eine der erstaunlichsten Erfahrungen, wie schnell man in der Wüste völlig das Gefühl für Distanzen verliert. Mit mehr als unvorstellbaren 10.000 Quadratkilometern ist Salar de Uyuni die größte Salzpfanne der Erde. Bei jedem Blick zu den Bergketten, die man fern am Horizont ausmachen konnte und auf die wir geradeaus zu fuhren, dachte ich „in ca. 20 Minuten müssten wir am Fuß dieser Berge und somit am Ende der Wüste ankommen“, nur um jedes Mal festzustellen, dass wir noch für einige Stunden weiter durch die endlose Weite fuhren. Wir stoppten in verschiedenen Teilen der Salzpfanne: in trockenen Bereichen der Salzwüste, an semitrockenen Stellen, in denen große mysteriöse Blasen aus Pfützen aus dem Untergrund hervorbrodelten, und auch im Salzsee, wo wir an manchen Stellen knöcheltief im Wasser standen. Wo wir auch anhielten, wir fanden eine traumhafte Fotokulisse vor. Durch die scheinbar unendliche Weite kann man dort ganz besondere Bilder machen, die den Maßstab verzerren, da Größe und Dimensionen hier eine völlig neue Bedeutung bekommen und jeder Bezugspunkt fehlt.

Zum Abschluss des ohnehin schon fantastischen Tages konnten wir einen traumhaften Sonnenuntergang in der Salzwüste erleben und bezogen schließlich Quartier in einem Salz-Hostel auf über 3600 m Höhe, das sich inmitten der Salzwüste befindet und ausschließlich aus Salzblöcken gebaut ist.

Und zu guter Letzt: Eine atemberaubende Landschaft genießen

Die nächsten zwei Tage bestanden überwiegend darin, durch die atemberaubende Berglandschaft Boliviens zu fahren. Wir legten einige Stopps bei verschiedenen Lagunen ein, die allesamt verschiedene Farben hatten. Die außergewöhnlichen Färbungen des Wassers kann man auf Algen oder einen hohen Anteil an Mineralien wie Magnesium, Blei, Calciumcarbonat und Arsen zurückführen, sodass sich durch chemische Reaktionen das Wasser bunt verfärbt. In den meisten der Lagunen leben tausende von Flamingos, die gemütlich im Wasser verweilen und den Anschein machen, als bestünde ihr ganzer Lebensinhalt nur darin, einbeinig im Wasser zu stehen und dieses mit ihren gebogenen Schnäbeln nach Nahrung zu durchsuchen. Die Farbkontraste auf den Fotos, die ich gemacht habe, wirkten auf mich geradezu surreal: Pinkfarbene Flamingos, das bunte Wasser der Lagunen, leuchtend grünes Gras und dazu der strahlend blaue Himmel. Ich konnte es beim Fotografieren selbst kaum glauben, obwohl ich es ja mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Beeindruckend war auch der Stopp bei einigen kochenden Geysiren, wo Schwefelwolken meterhoch  aus dem Boden aufstiegen, durch die ich fast das Gefühl hatte, am Set eines Apokalypse-Films zu sein. Während der gesamten Tour kam ich beim Blick aus dem Jeepfenster generell kaum aus dem Staunen heraus: Die majestätischen Bergketten, bunte Quinoa-Felder, saftig grüne Täler mit grasenden Lamas oder schroffe Felsen, stellenweise in skurrilen Formationen angeordnet, trugen ihren Teil dazu bei, dass ich mich mit jeder weiteren Minute Autofahrt mehr in diese beeindruckende Szenerie verliebte.

Die drei Tage auf der Salar de Uyuni  Tour waren definitiv ein ganz besonderes Erlebnis für mich und mein Traum, endlich einmal dieses weiße Wunder der Natur mit eigenen Augen zu sehen und sogar barfuß durchstapfen zu können, ist endlich wahr geworden. Meine Zeit in Bolivien neigt sich hiermit nun schon langsam, aber sicher dem Ende zu und für mich geht es jetzt weiter in ein Nachbarland, auf das ich nicht minder gespannt bin. Kleiner Tipp: Es ist das fünftgrößte Land der Welt. ;)