Ich habe Liverpool, die Arbeiterstadt im Nordwesten Englands, mal genauer unter die Lupe genommen und mich auf die Spuren des FC Liverpool und der Magie von Anfield begeben. Lest selbst, was die Europäische Kulturhauptstadt von 2008 so alles kann.

Gebt es zu, ihr habt Liverpool doch auch sicherlich als grauen Betonklotz oder schmutzige Arbeitermetropole in Erinnerung, habe ich recht? Lasst mich euer Image der Stadt direkt mal aufpolieren, denn Liverpool hat sein tristes Erscheinungsbild vor allem vor der Wahl der Europäischen Kulturhauptstadt im Jahre 2008 mächtig herausgeputzt. Doch nicht nur das Stadtbild überzeugt, auch die vielfältige Kneipen-, Bar- und Musikszene, sowie Liverpools sportliche Ader sollten Reisende in die Stadt am Fluss Mersey locken.

Liverpool Tipps

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Liverpool Landmarks, England iStock_000022387002_Large-2

Auf Entdeckungstour durch Liverpool

Seid ihr gut in Liverpool gelandet, erreicht ihr die Innenstadt mit dem Bus in gerade einmal 20 bis 25 Minuten. So verschwendet ihr kaum kostbare Zeit und könnt direkt mit einer Stadtbesichtigung durchstarten. Damit ihr euch erst einmal einen Überblick über Liverpool verschaffen könnt, empfehle ich euch einen Besuch der Aussichtsplattform an der Spitze des Radio City Tower. Von dort aus könnt ihr gut eure bevorstehende Route planen, denn viele Gebäude stechen deutlich aus dem Häuserwald hervor. Habt ihr wieder festen Boden unter den Füßen, sollte es euch geradewegs zum Albert Dock ziehen.

Albert Dock Reflections

Der Hafenbereich hat einige architektonische Highlights zu bieten, vor allem die Lagerhäuser aus roten Backsteinen sind besonders sehenswert. Wer sich über Liverpools maritime Vergangenheit informieren möchte, ist hier ebenfalls an der richtigen Stelle; gleich zwei Museen beschäftigen sich mit Liverpools Geschichte. Kunstfreunde erfreuen sich an der zweitgrößten Sammlung zeitgenössischer Kunst, die in der Tate Liverpool, der kleinen Schwester der Tate Modern in London, gezeigt wird. Nach eurem Spaziergang durch die Docks solltet ihr euch die Church of England und die Liverpool Metropolitan Cathedral ansehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Während Erstere ein klassisches Bollwerk im Stil der Neogotik ist, besticht letztere mit ihrem modernen Erscheinungsbild. Irgendwie erinnert sie mich sowohl von innen als auch von außen an ein Zirkuszelt, und damit stehe ich nicht nur allein da, denn an dieser Kirche scheiden sich sprichwörtlich die Geister. Apropos Geister, das nächste Ausflugsziel hat schon etwas Gespenstisches an sich. Die Williamson Tunnels sind ein Labyrinth aus Tunneln, die vom exzentrischen Geschäftsmann Joseph Williamson in Auftrag gegeben wurden. Leider weiß bis heute niemand so genau, warum er das eigentlich tat. Teile der Tunnel sind mittlerweile für die Öffentlichkeit zugänglich, sodass ihr die dunklen Gewölbe erkunden könnt. Nach all den Bauwerken und Katakomben sehnt ihr euch doch auch sicherlich nach etwas Grün und ein bisschen Erholung, oder?

The palm house in Sefton park, Liverpool iStock_000037635692_Large-2

Wer denkt, dass Liverpool nur ein einziger grauer Klotz ist, hat sich geschnitten, denn auch grüne Oasen finden sich hier fast an jeder Ecke. Die wohl schönste ist der Sefton Park im Südosten der Stadt. In seinem Innern befindet sich ein Treibhaus, das speziell auf das Heranziehen von tropischen Palmen ausgerichtet ist und das durch seine wunderschöne Ausstattung bei Brautpaaren heiß begehrt ist. Wer weiß, vielleicht feiert auch ihr bald hier eure Verlobungs- oder Hochzeitsfeier?

Auf den Spuren der Fab Four

Die Beatles sind für viele Reisende der Grund für einen Besuch in Liverpool. Hier, genauer gesagt im Blue Angel, sind sie das erste Mal aufgetreten, im Museum „The Beatles Story“ wird die Geschichte der vier Pilzköpfe bis ins kleinste Detail beleuchtet und wahre Fans lassen sich auch einen Besuch der Wohnhäuser nicht entgehen, in denen die Stars ihre Kindheit und Jugend verbrachten. Das bekannteste unter ihnen ist wohl Mendips, in dem John Lennon immerhin 18 Jahre lang lebte.

John Lennon Statue in Liverpool
Foto: istock.com/chrisdorney

Eingefleischte Fans buchen eine Beatles Walk Tour, besuchen die Mathew Street mit der John Lennon Statue und dem Cavern Club, in dem die Beatles zahlreiche Auftritte zu Beginn ihrer Karriere hatten, oder suchen in der Stadt auf eigene Faust nach Hinweisen zu Aufenthaltsorten der Pilzköpfe. Ihr seht also, so, wie Wien unweigerlich mit Sisi verbunden ist, werdet ihr in Liverpool an jeder Ecke auf Spuren der Beatles stoßen.

König Fußball

Liverpools zweites Aushängeschild ist sportlichen Ursprungs und hört auf die Namen FC Everton und FC Liverpool. Während die Heimat des FC Everton der Goodison Park ist, der vor allem aufgrund seiner Lage in einem dicht bebauten Wohngebiet interessant ist, residiert der FC Liverpool im Anfield an der Anfield Road.

Everton Football Club Stadium
Foto: istock.com/SAKhanPhotography

Lasst euch die Chance nicht entgehen, an einer Stadionführung oder gar einem Spiel teilzunehmen, denn dem Anfield haftet eine nahezu magische Stimmung an. Noch nie in der Geschichte konnte ein deutsches Team hier einen Sieg erzielen und nur vier Teams ist es gelungen, überhaupt ein Tor zu schießen. Zudem sorgt die Magie der Anfield Road in vielen Fällen dafür, dass schier uneinholbare Rückstände des FC Liverpool doch noch gedreht werden; darüber sind sich Fans und Spieler gleichermaßen einig. Worüber es auch keinen Diskussionsbedarf gibt, ist die Stimmung während des legendären „You’ll never walk alone“, das von den Anhängern des FC Liverpool mit Inbrunst angestimmt und zelebriert wird.

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Foto: nui7711/shutterstock.com

Wer die Chance hat, bei einem Spiel dabei sein zu können, sollte sich dies auf keinen Fall entgehen lassen! Wer mit dem runden Leder so gar nichts am Hut hat, dem empfehle ich, im April nach Liverpool zu reisen, denn dann findet hier das Grand National, das bedeutendste Pferdehindernisrennen in Great Britain, statt. Trotz andauernder Kritik aufgrund von zahlreichen Unfällen und Verletzungen, zieht es Jahr für Jahr mehr Besucher in seinen Bann. Vielleicht setzt ja gerade ihr auf das Siegerpferd, wer weiß?!

Auf jeden Pub nen Deckel

Was wäre ein sportlicher Nachmittag, ob Sieg oder Niederlage spielt hierbei keine Rolle, ohne einen anschließenden Pint Ale in einem urigen Pub? Richtig, ein verlorener Nachmittag! Wie gut, dass es in einer Stadt wie Liverpool quasi an jeder Ecke eine entsprechende Lokalität gibt. Traditionelle Pub-Geher sollten das Roscoe Head besuchen, ein gemütlicher, uriger Pub, der ohne viel Schnick Schnack daherkommt, sondern lieber mit Wesentlichem überzeugt.

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Wer seinen Ale lieber im geschichtsträchtigen Ambiente trinkt, der sollte in das Liverpool One Bridewell Bar and Restaurant gehen, hier sitzt ihr tatsächlich in einer ehemaligen Polizeistation samt Gefängnis. Für alle, die es etwas exklusiver lieben und die vielleicht nicht mit feierwütigen, grölenden Fußballfans trinken möchten, die sollten in das Alma de Cuba gehen. Die stilvoll eingerichtete Bar ist in der ehemaligen katholischen Kirche St. Peter’s untergebracht, sodass ihr zwischen zahlreichen Fresken euer kühles Pint trinken könnt.

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Foto: terry bouch/shutterstock.com

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr nach meinen Liverpool Tipps nicht mehr so ein negatives Bild von Englands Hafen- und Arbeiterstadt habt, nicht wahr? Manchmal muss man sich erst einmal selbst von der Schönheit eines Ortes überzeugen, ehe man es so richtig glauben kann. Worauf wartet ihr also noch?

Plant eure Reise nach Liverpool