Nostalgie pur, ein Ort der Zusammenkunft und zollfreies einkaufen – eine Butterfahrt war bis zum Jahre 1999 ein echtes Highlight. Der jüngeren Generation ist dieser Trend gänzlich unbekannt, sie kennen Butterfahrten nur von Erzählungen der Großeltern. Für die ältere Generation gehörte ein Ausflug auf einem Butterdampfer zwar nicht zum Alltag, doch regelmäßig wurde eine Tour auf der Nord- oder Ostsee unternommen. Wer nicht weiß, was eine Butterfahrt ist beziehungsweise war und wo sie ihren Ursprung hat, den kläre ich hier auf.

Was ist eine Butterfahrt?

Als Butterfahrt wurden früher Schiffsausflüge bezeichnet, die über die deutsche Zollgrenze auf See fahren, damit die Gäste zollfreie Waren einkaufen konnten. Diese Ausflugsfahrten entwickelten sich ab dem Jahr 1953 zu einem echten Trend und sprachen vor allem die ältere Generation an. Im Inneren dieser Butterfähren gab es Selbstbedienungsläden, in denen Waren wie Tabak, Spirituosen, Parfüm, Süßigkeiten und vieles mehr zu vergünstigten Preisen angeboten wurden. Die Butterfahrten sind vergleichbar mit den heutigen Duty-free-Shops in Flughäfen.

Die Butterdampfer sammelten die Passagiere an deutschen Häfen ein und fuhren mit ihnen auf die Ostsee und Nordsee, damit sie in den Genuss des zollfreien Einkaufens in dänischen Gewässern kamen. Im Heimatland mussten die Passagiere diese Waren nicht versteuern; vorausgesetzt sie überschritten die Freimengen nicht. Die Dänen konnten sich ebenfalls steuerfrei mit Tabak, Alkohol und anderen Dingen eindecken.

Die Butterfahrten hatten für die Betreiber ausschließlich den Zweck des zollfreien Einkaufens. Eine solche Ausflugsfahrt kostete die Gäste in der Regel nicht viel oder gar nichts. Schon für drei Mark oder einen anderen symbolischen Preis konnten sie auf die Butterfähre und schipperten umher. Oftmals wurden auch Werbekarten verteilt, sodass die Gäste für eine Butterfahrt nichts zahlen mussten. Für viele Rentner stand jedoch nicht nur das günstige Einkaufen im Vordergrund. Sie schätzten besonders die Gesellschaft, die sich zum Teil zu eingeschworenen Gruppen entwickelte. Sie waren für wenig Geld oft den ganzen Tag in geselliger Runde unterwegs. Hinzu kam die Schnäppchenjagd an Board und der Tag war perfekt.

Der Trend mit den schwimmenden Supermärkten nahm jedoch 1999 ein Ende, das viele Butterfahrer nicht erfreute. Da das zollfreie Einkaufen in den EU-Gewässern gegen EU-Recht verstoß beziehungsweise nicht damit vereinbar war, wurde am 30. Juni 1999 das Ende der Butterfahrten eingeläutet. Rentner waren bestürzt und die Schiffsangestellten mussten sich nach neuen Jobs umsehen.

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Woher stammt der Begriff Butterfahrt?

Die Antwort ist kurz und knackig: weil die Passagiere Butter auf den Fähren kaufen konnten. In den damaligen Zeiten war Butter in Deutschland sehr teuer. Die dänische Butter dagegen lockte mit niedrigen Preisen. Als die Butter auf den Fähren zum Verkauf angeboten wurde, stürzten sich die deutschen Passagiere darauf. Damit war der Name der Verkaufsfahrten zum zollfreien Shoppen geboren: die Butterfahrt. Die Fähren wurden Butterschiffe, Butterfähren oder Butterdampfer genannt.

Ursprung der Butterfahrt

Die Geschichte der Butterfahrten begann an der Flensburger Förde. Auf der einen Seite der schmalen Meeresbucht liegt Deutschland mit der Stadt Flensburg, auf der anderen Seite Dänemark mit der Stadt Kollund. Als die Sperrzone aufgehoben wurde und deutsche Schiffe wieder am Nordufer von Dänemark erlaubt waren, begannen die Butterfahrten im Jahre 1953. Der dänische Unternehmer Orla Werner Rasmussen wollte seinen Landsmännern und Landsfrauen, die unter extremer Steuerlast litten, helfen günstig einzukaufen. Dafür kam die Förde Reederei ins Spiel. Sie führte die ersten Verkaufsfahrten durch und erkannte das Potenzial. Die Reederei entwickelte das Geschäftsmodell der Butterfahrten, die sich bis zum Ende der 90er sehr großer Beliebtheit erfreuten. Die Verkaufsfahrten fanden zunächst zwischen Flensburg und Kollund statt und waren zum Ende hin in nahezu allen Häfen in der Ostsee nicht mehr wegzudenken.

Butterfahrten heute

Auch heute verkehren noch Schiffe und bedienen die typischen Butterfahrt-Routen von früher. Doch die Butterfahrten von damals gibt es heute nicht mehr. Viele Veranstalter wissen aber über den nostalgischen Wert der Butterfahrten und nennen ihre Ausflüge auf See entsprechend. Es gibt Musik-Butterfahrten wie beispielsweise die Rock’n’Roll Butterfahrt, Cocktail-Butterfahrten und viele andere Themen-Fahrten. Hier geht es um das Beisammen sein und Spaß auf einem Schiff oder einer Fähre. Damit wird auf eine gewisse Art und Weise die dänisch-deutsche Tradition weitergeführt. Allerdings ein wenig abgeändert, denn das zollfreie Shoppen ist gesetzlich nicht mehr erlaubt.

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