Work & Travel wird immer beliebter. Ob nach dem Abi, während des Studiums oder als Auszeit vom Job. Es gibt unendlich viele Seiten, die euch mit Tipps und Infos versorgen, doch die wirklich ehrlichen Fakten stehen fast nirgendwo. Deshalb möchte ich euch heute das verraten, was euch die Hochglanzmagazine nicht erzählen würden.

Zunächst einmal gilt: Work & Travel macht verdammt viel Spaß! Und ja, es ist wahrscheinlich die beste Zeit eures Lebens. Dennoch vergisst man beim Anblick von sonnengebräunten Beach Boys und Girls, die lustig mit ihrem Surfbrett am Strand entlang hüpfen, die etwas unschöneren Seiten eines solchen Aufenthalts. Versteht mich bitte nicht falsch, ich rate jedem dazu, ein Work & Travel-Jahr einzulegen. Dennoch möchte ich so fair sein und euch heute ein paar Infos mit auf den Weg geben, damit ihr das Beste aus eurer Zeit herausholen könnt.

Work & Travel – meine ehrlichen Infos und Tipps

Work & Travel Organisationen | Kosten insgesamt |Kindergeld |Bankkonto & Postadresse

Steuernummer | SIM-Karte |Autokauf | Jobsuche | Reiseburnout

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Vor der Abreise

Brauche ich eine Work & Travel Organisation?
Die Antwort hängt ganz davon ab, wie selbstständig ihr sonst euer Leben meistert. Work & Travel Organisationen buchen für euch einen Flug sowie die ersten beiden Nächte in einem Hostel und geben euch in einem kurzen Vortrag die wichtigsten Infos zum Arbeitsleben im jeweiligen Land. Zusätzlich dürft ihr Post und Pakete an die verschiedenen Büros senden lassen (warum das so wichtig ist, erkläre ich euch noch im späteren Verlauf). Mit Sicherheit ist es vorteilhaft, wenn ihr wisst, wie ein CV in Neuseeland aufgebaut ist und zu welcher Jahreszeit ihr am besten in welchen Regionen Australiens unterwegs sein solltet. Aber sind das nicht alles Infos, die man beim Stöbern im Internet eh schon findet? Hinzu kommt, dass die Organisationen nicht auf euer Budget achten und eine hohe Servicegebühr veranschlagen sowie teure Flüge buchen. Aber gerade bei Flügen kann man viel sparen – euer Sparschwein wird es euch danken :) Ein großer Vorteil von Organisationen ist, dass ihr zusammen mit anderen Work & Travel-Neulingen anreist. Seit dem Boarding im Flughafen seid ihr also zusammen unterwegs und fühlt euch nicht ganz so allein. Dennoch denke ich, dass ihr auf eine Organisation verzichten könnt. Denn, sind wir mal ehrlich, wer es nicht schafft, einen Flug und ein Hostel zu buchen, oder Probleme damit hat, Anschluss zu finden und selbstständig eine Reise zu planen, für den ist Work & Travel nicht das Richtige.

Wie viel kostet Work & Travel?
Da wir gerade schon vom lieben Geld reden… Immer häufiger werde ich gefragt, wie teuer ein Work & Travel-Aufenthalt ist. Pauschal kann ich diese Frage nicht beantworten, auch hier gilt: Es hängt von eurem Reisetyp ab. Wenn ihr nur zelten möchtet und euch Parties egal sind, dann braucht ihr logischerweise weniger, als wenn ihr primär in Hostels in Backpacker-Hotspots übernachten möchtet. Als ungefähre Angabe werden meist 25€/Tag angegeben, Unterkunft, Essen, Sightseeing und Transport inklusive.

Bekomme ich weiterhin Kindergeld?
Generell gilt: Kindergeld wird nur ausgezahlt, solange ein Bildungsauftrag besteht. Work & Travel-Aufenthalte gehören nicht dazu, sodass ihr davon ausgehen müsst, für die Dauer eurer Abwesenheit kein Kindergeld zu bekommen. Jede Kindergeld-Stelle unterscheidet da jedoch anders, nachfragen lohnt sich. Anders ist es zum Beispiel bei Sprachreisen, denn da bildet ihr euch während der gesamten Dauer weiter. Ihr, bzw. eure Eltern, bekommen das Kindergeld ebenfalls weiter ausgezahlt, wenn ihr einen Immatrikulationsnachweis eurer Universität vorlegen könnt, denn das zählt ja als Ausbildung.

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Nach der Ankunft

Jetzt ist es so weit, ihr seid in eurem neuen Zuhause für die nächsten Monate angekommen. Wie geht es jetzt weiter? Muss ich jetzt noch was erledigen? Ich will doch reisen! Immer mit der Ruhe. Auch, wenn ihr jetzt sofort los reisen möchtet, solltet ihr nach eurer Ankunft einplanen, die ersten 14 Tage in eurer Ankunftsstadt zu bleiben – und das hat ganz pragmatische Gründe:

Bankkonto & Postadresse eröffnen

Ohne Moos nix los. Das gilt auch beim Working Holiday Visum. Deshalb rate ich euch, nach eurer Ankunft schnellstmöglich eine Bank aufzusuchen und ein Girokonto zu eröffnen. Mit der Hilfe der Angestellten ist das nicht wirklich kompliziert (Reisepass nicht vergessen!) und geht auch schnell. Dennoch müsst ihr auf die EC-Karte gut und gerne 10-14 Tage warten! Na, versteht ihr jetzt, warum ihr nach der Ankunft nicht sofort wieder verschwinden solltet? Beachtet auch, dass ihr für die Eröffnung eines Kontos eine gültige permanente Adresse benötigt! „Max Mustermann, Sunny Beach Hostel, Brisbane“ geht da leider nicht. Für solche Zwecke sind Work & Travel-Organisationen Gold wert, denn sie erlauben euch, die Adresse ihres Büros für solche offiziellen Bankangelegenheiten zu nutzen. Es gibt aber auch Services wie z.B. MOJOKNOWS, die euch eine reale Postadresse zur Verfügung stellen, die ihr für Postsendungen benutzen könnt. Sobald ihr einen Brief, z.B. von der Bank bekommen habt, werdet ihr per E-Mail benachrichtigt und erhaltet den Brief als Scan in einer E-Mail. So könnt ihr, selbst wenn ihr in Darwin seid und die Post in Sydney ankommt, alles lesen und bearbeiten.

TFN beantragen

Um im Ausland arbeiten zu können, benötigt ihr, wie in Deutschland auch, eine Steuernummer. In Australien ist das die TFN (=Tax File Number). Wenn möglich, solltet ihr diese schon vorab aus Deutschland über einen Serviceanbieter wie MOJOKNOWS beantragen lassen. Als Working Holiday Maker zahlt ihr 32,5% Steuern. Wenn ihr keine TFN angeben könnt, sind es gleich satte 49% Steuern, die von eurem Lohn wegfallen.

SIM-Karte

Am besten informiert ihr euch vorab, welcher Anbieter in eurem Zielland die beste Netzabdeckung hat. Es gibt auch extra Backpacker-Tarife, die günstige Konditionen für Anrufe ins Ausland haben. Für Australien ist vor allem eins wichtig: Netzabdeckung im ganzen Land! Es bringt euch nichts, wenn ihr nur in der Stadt Empfang habt. Das Land ist so groß, dass ihr wahrscheinlich mehr Zeit in abgelegenen Ecken verbringen werdet als in Städten. Und in der Pampa noch zuverlässigen Empfang zu haben, schaffen nicht alle Anbieter.

Auto kaufen

Viele Backpacker zögern, sich ein eigenes Auto zu kaufen. Es kostet viel Geld, Versicherungen müssen abgeschlossen werden, Sprit kommt auch hinzu,… Ja, es wirkt am Anfang vielleicht ein bisschen abschreckend aber gerade ein Auto ist das Tor zur Freiheit! Vergesst nicht, in welchen Gegenden ihr euch bewegt, um die schönsten Sehenswürdigkeiten zu sehen und in welcher Abgeschiedenheit der nächste Job auf euch wartet. In Neuseeland, Kanada und Australien gilt: Der Weg ist das Ziel! Im Outback habe ich jetzt noch nicht so oft einen Linienbus fahren sehen. Zusätzlich spart ihr Geld, wenn ihr einen guten Gebrauchtwagen kauft, der schon für Backpacker-Zwecker umgebaut ist. Wolltet ihr nicht auch schon immer einen richtigen Roadtrip erleben?

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Jobs

Irgendwann lässt es euer Reisebudget nicht mehr zu und ihr müsst arbeiten. Stellt sich nur die Frage: Wie kommt ihr an einen Job? Neuseeland und Australien sind mittlerweile Backpacker-Hochburgen. Nirgendwo anders werdet ihr auf so viele junge Leute treffen, die das gleiche Ziel haben: einen Job finden. Stellt euch also darauf ein, dass es länger als erwartet dauern kann, bis ihr eine passende Stelle findet. Der Kampf um Arbeitsstellen ist hart! In den Großstädten gibt es mittlerweile Arbeitsagenturen nur für Backpacker. Die dort angebotenen Jobs entsprechen euren Kriterien wohl am besten. Einer der beliebtesten Jobs ist Fruit Picking (Erntehelfer). Auch, wenn es so romantisch idyllisch aussieht, wenn fröhliche Menschen auf einem Anhänger sitzend in der Sonne Weintrauben ernten: Es ist harte Knochenarbeit. Und es wird nach Akkord bezahlt. Das heißt, wer mehr Eimer ernten kann, erhält auch mehr Geld. Um auf einen ausreichenden Lohn zu kommen, müsst ihr hart dafür arbeiten, unterschätzt das nicht. Farmer kalkulieren in der Erntezeit mit Backpackern genauso, wie es hierzulande Bauern mit Erntehelfern zur Spargelzeit machen. Und wart ihr jemals auf den Knochenjob von Spargelstechern neidisch?

Viele Pubs in abgelegenen Orten suchen Barpersonal. Wenn ihr also Bier zapfen könnt und eine nette, gesprächslustige Person seid, dann solltet ihr eine Stelle als Thekenkraft in Erwägung ziehen. Eine Unterkunft und Essen wird euch meist zur Verfügung gestellt. Großer Vorteil: Da die Lokale nicht in den Touristen- Hot Spots liegen, lernt ihr so die „richtigen“ Einwohner kennen. Als Backpacker kann es schon mal passieren, dass man nur unter sich bleibt und die Locals gar nicht kennen lernt.

Reiseburnout

Ja, sowas gibt es auch. Reiseburnout überkommt euch vielleicht schneller als ihr es vermutet. Das ständige Rumreisen, immer ein neuer Ort, neue Leute, man muss sich immer wieder neu vorstellen und neue Kontakte knüpfen. Auf Dauer kann das ziemlich anstrengend werden und am liebsten möchtet ihr einfach nur zur Ruhe kommen und einen gemütlichen Tag in Jogginghose auf dem Sofa einlegen? Tja, die Sache mit der Privatsphäre im Hostel ist nicht immer ganz einfach. Reiseburnout passiert nicht jedem Backpacker, viele sind zu euphorisch. Ihr sollt trotzdem wissen, dass es so etwas gibt und das auch vollkommen normal ist. Ihr seid dadurch nicht ein weniger schlechter Backpacker! Wenn es euer Budget zulässt, gönnt euch für ein oder zwei Nächte ein Hotelzimmer, bestellt Pizza und schaut im Bett eure Lieblingsserien. Manchmal braucht man einfach eine kurze Auszeit im Urlaub, um wieder Kraft zu schöpfen und weiter auf Abenteuer zu gehen!

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Hui, das war eine ganze Menge an Infos! Wenn ihr gerne mehr Details zum beliebten Work & Travel-Land Australien haben möchtet, dann habe ich noch einen passenden Reisemagazin-Artikel für euch. Ich hoffe, dass euch meine ehrlichen Tipps bei der aufregenden Zeit der Reiseplanung geholfen haben. Packt die Koffer und los geht’s! :)