Rios Bewohner nennen ihre Stadt auch gerne liebevoll„Cidade Maravilhosa“, die „traumhaft schöne Stadt“. Dass die Cariocas mit dieser Bezeichnung goldrichtig liegen, und das, obwohl ihre Stadt auf krassen Gegensätzen beruht, wie sie selten auf der Welt so nah beieinander zu finden sind, werdet auch ihr spätestens nach meinem Rio de Janeiro Artikel erkennen.

Rio de Janeiro ist ein absolut einzigartiges Pflaster. Während die Küsten am Zuckerhut den Wohlstand der Stadt repräsentieren und die Bewohner in Stadtteilen wie Ipanema gerne zeigen, was sie haben, werden die modernen Hochhäuser zu den Stadträndern hin immer weniger. An ihre Stelle treten zunehmend die kargen, notdürftig zusammengezimmerten Blechhütten der Favelas, in denen die Arbeitslosenquote sehr hoch ist. Und doch: Wenn wir an Rio de Janeiro denken, haben wir die wunderschönsten Bilder im Kopf! Karnevalsparaden, weiße Sandstrände, Caipirinhas und durchtanzte Nächte unterm Zuckerhut – ja, all das und noch viel mehr macht Rio de Janeiro aus!

Eine Stadt voller Gegensätze: Rio de Janerio

Cristo Redentor | Der Zuckerhut | Die Selaron-Treppe | Catedral Metropolitana

 Rios Botanischer Garten | Die schönsten Strände von Rio | Kulinarische Highlights | Fußball in Rio

Rio de Janeiro Brasilien

Cristo Redentor – Das Symbol des Zuckerhuts

Eines der ersten Dinge, die einem bei Rio de Janeiro in den Sinn kommen, ist natürlich die riesige Christus-Statue. „Christus, der Erlöser“ sieht hier von seinem Platz auf dem Berg Corcovado hinüber auf den Zuckerhut und hat damit fast die ganze Stadt und alle Ankömmlinge wohlwollend im Blick. Das könnt auch ihr, wenn ihr euch dazu entschließt, ihn zu besuchen! Und zwar könnt ihr dazu entweder die Zahnradbahn nehmen, die euch ganz bequem nach oben bringt, oder aber ihr entschließt euch, den Weg zu Fuß zu bestreiten. Auch das lohnt sich: So könnt ihr zusätzlich einen wunderschönen Spaziergang durch die sehr ursprünglich gehaltenen Wälder des Parks machen (besonders empfehlenswert in den kühleren Vormittagsstunden). Hierbei bietet sich euch bereits die ein oder andere schöne Aussicht auf die Stadt und wenn ihr Glück habt, läuft euch auch eines der hier wild lebenden Tiere über den Weg! Der Bau der Statue wurde 1922 zur hundertjährigen Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal angefangen und neun Jahre später fertiggestellt. Im Sockel der Statue befindet sich eine Kapelle. Ein ganz besonderes Gefühl, so weit über den Dächern dieser wuseligen Stadt eine Stätte der Spiritualität zu besuchen! Ich muss euch wahrscheinlich nicht groß beschreiben, wie atemberaubend der Ausblick von der Plattform ist! Auch, wenn der Ort recht überlaufen ist, ein Besuch der Christus-Statue ist es auf jeden Fall wert und ein absolutes Muss!

Aerial view of Christ, Sugarloaf,  Rio de Janeiro, Brazil
Foto: istock.com/dolphinphoto

Pão de Açúcar – Wächter des Zuckerhuts

Der Zuckerhut, wörtlich übersetzt „Zuckerbrot“, ist bestimmt genau so bekannt wie die Christus-Statue und wird im Sprachgebrauch wohl öfter mit Rio in Verbindung gebracht als irgendeine andere Sehenswürdigkeit. Der 394m hohe Granitfelsen, welcher der Stadt vorgelagert ist, bietet noch mal einen ganz besonderen Ausblick auf Rio de Janeiro und seine vielen Facetten. Von dort aus könnt ihr beobachten, wie sich die Sonne orange-golden in den Glastürmen spiegelt und die Wellen an den Stränden brechen. Auf den Felsen hinauf kommt ihr bequem mit der Seilbahn, die euch schon während der Fahrt unglaubliche Panoramen ermöglicht. Mein Tipp: Bleibt bis zur Dämmerung. Diese taucht die ganze Stadt nämlich in märchenhaft schönes Licht und gibt ihr eine märchenhafte Atmosphäre, die ihr nie wieder vergessen werdet!

Rio de Janeiro Zuckerhut Seilbahn

Escadaria Selarón – Die bunteste Treppe der Welt

Die Selaron-Treppe habt ihr bestimmt sogar dann schon mal gesehen, wenn ihr bisher noch nicht in Rio de Janeiro gewesen seid. Sie diente schon so manches Mal als Schauplatz, beispielsweise für Musikvideoclips wie bei „Beautiful“ von Snoop Dogg und Pharell oder „Walk On“ von U2. Das farbenfrohe und sehr detailreiche Meisterwerk wurde von dem chilenischen Künstler Jorge Selarón geschaffen, der es 1990 als Hommage an seine Lieblingsstadt begann und bis zu seinem Freitod 2013 auf eben derselben nie wirklich vollendete. Bunt bemalte Fliesen, Keramikkacheln und Bruchstücke von Spiegeln wurden hier minutiös auf den ca. 220 Stufen sowie angrenzenden Wänden angebracht und geben ein fulminantes Gesamtkunstwerk ab!

Rio de Janeiro Selaron Escadaria
Foto: iStock.com/rmnunes

Bereits während ihrer Entstehung wurde die Treppe immer bekannter und immer mehr Touristen kamen, um sich selbst von ihrer Schönheit zu überzeugen. Als diese dann wieder nach Hause fuhren, haben viele von ihnen dem Künstler Kacheln aus ihrer Heimat geschickt, auf dass er sie mit verarbeite. So sind unter den Kacheln heute auch einige zu finden, die aus der ganzen Welt stammen und Selaróns Werk so zu einem internationalen machen. Zu finden ist die Treppe im Centro der Stadt, wo sie das Künstlerviertel Santa Teresa (ebenfalls sehr sehenswert!) mit dem Viertel Lapa verbindet. Obwohl die Gegend bei Nacht nicht die sicherste sein soll, sind Treppe und Viertel bei Tag dafür unbedenklich begehbar.

Catedral Metropolitana – Zwischen Kunst und Kultur

So eine Kirche habt ihr bestimmt noch nie gesehen! Im Centro gelegen, sticht die Catedral Metropolitana in ihrer komplett untypischen Gestalt sofort hervor. Die einen beschreiben sie als futuristische Pyramide, andere wiederum meinen, es handele sich um eine Art „Vulkan aus Beton“. Tatsächlich ist das Aussehen dieser umstrittenen Kirche schwer in Worte zu fassen und auch wenn man davor steht, wird sich die Besonderheit vielleicht nicht sofort erschließen. Da hilft euch nur eins: Ihr müsst hineingehen! Und das solltet ihr auch wirklich tun, denn es lohnt sich. Sehr beeindruckend empfängt euch der runde Innenraum zunächst mit Dunkelheit, bis eure Augen sich gewöhnt haben und die wahre Besonderheit erfassen: In die Wände sind achsenförmige Fenster aus buntem Glas eingelassen, die 60m weit in den Himmel zu ragen scheinen.

Calling from above
Foto: istock.com/LucVi

Anstatt des Himmels seht ihr über euch ein riesiges Kreuz, das weiß leuchtend auf die staunenden Besucher hinunterblickt. Jedes der vier Fenster ist in einer anderen Farbe arrangiert und verlängert je einen der vier Kreuz“arme“ hinunter zum Boden. Eine wunderbare Symbolik, findet ihr nicht? Mich hat diese Kirche auf jeden Fall total umgehauen! Auf eine leicht postmoderne Art lässt sie ihre Besucher neu über die Bedeutung von Religion für den einzelnen nachdenken. Einfach erstaunlich! Im Untergeschoss befindet sich derweil ein Kunstmuseum mit heiligen Reliquien, das ebenfalls einen Besuch wert ist!

Jardim Botânico – Brasilianische Blütenpracht

Wenn euch während eures Aufenthaltes in dieser wuseligen und teilweise recht chaotischen Stadt ein Mal nach etwas Ruhe ist, lege ich euch dafür den Botanischen Garten der Stadt ans Herz. Von der UNESCO zum Biosphären-Reservat ernannt, hat er gleichzeitig neben seiner Funktion als Park auch die eines Forschungsinstituts von hoher wissenschaftlicher Bedeutung. Hier könnt ihr Erstaunliches entdecken: Es erwarten euch riesige Bäume, die noch aus der Gründerzeit des Parks aus dem Jahr 1808 stammen, neben zahlreichen Treibhäusern, Orchideen- und Rosengärten.

Ein besonderes Highlight ist hier auch der See des Parks, in dem ihr riesige Wasserpflanzen bewundern könnt. An die 6500 verschiedene Pflanzenarten gibt es hier auf 140 ha Fläche, von denen einige bereits vom Aussterben bedroht sind. Neben einem wirklich vorzüglichen Restaurant gibt der Park auch einen großen Zoo, eine Bibliothek voll seltener Werke sowie Denkmäler des historischen, künstlerischen und archäologischen Forschungszentrums zum Bestaunen her. Und wenn ihr Glück habt, könnt ihr auch eines der hier wild lebenden Tiere entdecken, wie beispielsweise Tukane oder Affen.

Die schönsten Strände Rio de Janeiros

Wenn ihr Rio besucht, ist es ja schon irgendwie klar, dass ihr mindestens einen der beiden berühmten Strandabschnitte bei Ipanema und Copacabana besuchen werdet. Und natürlich ist es ein absolutes Muss, sich bei einem Urlaub dort ein mal am Strand Rios brutzeln zu lassen und dabei dem bunten Treiben der vielen gut aussehenden Menschen um einen herum zuzusehen! Nachts wird vom Betreten der Strände im Allgemeinen eher abgeraten. Da besteht leider immer die Möglichkeit, dass das, was vielleicht mal als romantischer Spaziergang gedacht war, in einem ernsthaften Raubüberfall endet. Doch tagsüber gibt es wohl keinen passenderen Ort, um Rios Herz und Seele zu treffen!

Sunset in Ipanema Beach – Rio de Janeiro

Die Praia Copacabana ist mit 4 km am Stück der längste Strandabschnitt Rios und bietet so neben dem perfekten Strandvergnügen mit der Promenade Avenida Atlântica auch noch eine tolle Möglichkeit zum Flanieren! „Princesinha do Mar“, „Kleine Meeresprinzessin“, wird der Strand auch genannt, der sich besonders in den 1930er bis 50er Jahren immenser Beliebtheit erfreute. Als „Stadtteil der Bohème“ verstand sich Copacabana als Ort von glamourösem Luxus, Glanz und Reichtum. Heutzutage wird dies eher dem Nachbarstadtteil Ipanema zugeschrieben. An seiner Praia treffen sich heute die Menschen, die gerne zeigen, was sie haben, während das Wasser dafür hier ein wenig rauer ist. Und wie ich euch ja bereits bei den anderen Stränden Brasiliens erzählt habe, findet ihr auch hier überall die allseits beliebten Stände, an denen ihr den leckeren, erfrischenden Kokosnuss-Drink kaufen könnt, von dem ich euch bereits erzählt habe! Es gibt tatsächlich nichts Herrlicheres, als mit einer Kokosnuss in der Hand am Strand zu sitzen und das bunte Treiben zu beobachten. Und auch bei Sonnenuntergang bieten besonders Rios Strände einen wunderschönen Anblick. Einfach toll!

Kulinarische Genüsse in Rio de Janeiro

Rios Gastronomie ist wie Rio selbst: Gekennzeichnet durch die vielen unterschiedlichen internationalen Einflüsse. Anstatt einer weisenden Richtung gibt es in den vielen Restaurants und Bistros die unterschiedlichsten schmackhaften Speisen der vielfältigen Kulturen, die es im Laufe der Zeit nach Rio verschlagen hat. So gibt es natürlich eine große portugiesische Küche, wie eine afrikanische und Speisen, die noch von den Tupi, der indigenen Bevölkerung, stammen. Und dann sind da noch die vielen neueren europäischen Einflüsse der Einwanderer, wie Italiener oder Franzosen, genau so wie amerikanische. Es gibt also eine ganze Menge zu entdecken! Für jeden Geschmack ist was dabei. Das für Brasilien und auch ganz besonders für Rio typische Bohnengericht, die Feijoada, gibt es hier an den traditionellen „Feijoada-Tagen“ Mittwoch und Samstag an jeder Ecke der Stadt. Das ursprüngliche Arbeiteressen, das ziemlich deftig zubereitet wird, erfreut sich heute bei allen einer sehr großen Beliebtheit und konnte trotz der vielen neuen Fastfood-Ketten noch nicht aus dem Angebot vertrieben werden.

Favela

Das „Girl from Ipanema“ kennt wohl jeder. Der Geschichte nach wurde das 1962 komponierte, populäre Lied an keinem anderen Ort geschrieben als in diesem heute gleichnamigen Restaurant höchstselbst. Damals galt Ipanema noch als alternatives Künstlerviertel, heute ist das längst nicht mehr so. Doch das Restaurant Garota de Ipanema ist geblieben und genießt nach wie vor eine große Beliebtheit. An den Wänden hängen überall Musikinstrumente, alte Plakate und Zeitungsausschnitte, um auf die berühmte Verbindung hinzuweisen. Doch allen Schnickschnack beseite: Das Essen ist sehr gut! Preislich sind die Gerichte zwar etwas gehobener, dafür könnt ihr sehr gut in einer schönen Atmosphäre speisen. Und die eigenen kleinen Grills am Tisch bieten noch mal ein ganz ein ganz besonderes Flair.

Authentisches Feeling im Rio Scenarium

Auch das Nachtleben in Rio ist sehr vielfältig und mit den vielen Bars und kleinen Clubs, deren Musik durch die milde Luft auf die Strandpromenade getragen wird, einfach ekstatisch! Lasst euch mitreißen von dieser einzigartigen, lebensbejahenden Art, die diese Stadt euch nachts bietet! Solange ihr ein paar grundlegende Sicherheitshinweise beachtet, könnt ihr hier unvergesslich tolle Nächte verbringen! Das Rio Scenarium liegt im Centro der Stadt und ist (noch) ein echter Geheimtipp! Als Mix aus Restaurant, Bar und Club mit Live-Salsa-Bands bietet es euch auf mehreren Etagen alles, was wir so an Brasilien lieben: eine temperamentvolle, genussfreudige und ausgelassene Stimmung, durch die es sich die ganze Nacht durchtanzen lässt! Und das Beste daran, wie ich finde: Der Laden ist besonders bei den Einheimischen sehr beliebt und es gibt kaum Touristen. Die Stimmung ist also sehr authentisch. Kleiner Tipp: Möchtet ihr euer Bier eiskalt vom Fass genießen, bestellt das hier beliebte „Chopes“!

Cocktail with Rio de Janeiro, Brazil beach background

Fußball in Rio – Wie eine Religion

Fußball ist in Brasilien wie eine Religion: Als Nationalsport kann die Rolle hier im Land gar nicht hoch genug eingeschätzt werden und jeder „fedelho“ in den Vororten träumt wohl davon, einmal auf dem berühmten Grün zu stehen und im Beifall der Menge zu baden. Die Stadien sind immer voll und die Fans feuern ihre Mannschaft mit Trommeln und Gesängen frenetisch an. In Rio ist das besonders spannend, denn hier gibt es nicht weniger als vier Stadtmannschaften, die sich Jahr für Jahr einen spannenden Kampf um die brasilianische Meisterschaft liefern und den verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Stadt zugesprochen werden: der ärmeren Bevölkerung aus den Favelas und der reicheren im Süden.

Brazilian People Playing Football Soccer Rio de Janeiro Beach

Das örtliche Estádio do Maracanã wurde 1950 das erste Mal fertiggestellt und ist deshalb so legendär, weil es zu der Zeit ein Fassungsvermögen von sage und schreibe 200.000 (!) Zuschauern hatte. Zum Vergleich: Das Stadion mit dem größten Fassungsvermögen in Deutschland ist mit ca. 80.000 Plätzen das Westfalenstadion in Dortmund. Nach mehreren Modernisierungen fasst das Maracanã Stadion mittlerweile „nur noch“ 76.000 Zuschauer. Die Atmosphäre bleibt aber wohl weiterhin unbeschreiblich: Gänsehaut pur!

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Rio de Janeiro ist wirklich und wahrhaftig eine „Cidade Maravilhosa“. Wunderschön und schrecklich zugleich, so lebensfroh wie teilweise irritierend. Ein Stadt der Superlative und definitiv jede Minute eures Besuchs dort wert! Ich hoffe, ich konnte euch einen guten ersten Einblick gewähren und ihr werdet so unfassbar viel Spaß dort haben, wie ich ihn erleben durfte!

Plant eure Reise nach Rio de Janeiro