Israel beschreibt sich selbst als „Land of Creation“. Dass dies angesichts der ereignisreichen und bewegten Vergangenheit des Landes definitiv wahr ist, lässt sich nicht leugnen. Eine Stadt, die sich hierbei immer wieder neu erfindet, ist eindeutig Tel Aviv! Entdeckt die ganz eigenwillige und trendige Stadt im Westen Israels. 

Hartnäckige Vorurteile gegenüber Israel und die Angst vor Unruhen und Auseinandersetzungen sind in den Köpfen vieler Reisender fest verankert. Dabei entgeht ihnen ganz sicher ein unvergesslicher Urlaub im aufblühenden Israel. In seinem Wandel sticht vor allem eine Stadt deutlich hervor: der ehemalige Vorort der Hafenstadt Jaffa, Tel Aviv! Orientiert euch an der jugendlichen Unbeschwertheit der Bewohner Tel Avivs und entdeckt mit mir diese faszinierende Stadt im Nahen Osten. Ein bunter Blumenstrauß voller Möglichkeiten wartet nur darauf, von euch entdeckt zu werden. Worauf wartet ihr also noch?

Tel Aviv Tipps

Anreise | Sicherheit | Überblick | Bunte Vielfalt

Für Feinschmecker | Für Nachtschwärmer| Für Relaxte

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Foto: dnaveh/shutterstock.com

Die Anreise nach Tel Aviv

Die Einreise ist relativ unkompliziert, ihr benötigt lediglich einen Reisepass, der eine Gültigkeit von mindestens 6 Monaten (über das Reisedatum hinaus) aufweisen muss. Solltet ihr Einreiestempel aus arabischen Ländern in eurem Pass haben, müsst ihr euch auf längere Sicherheitskontrollen einstellen. Ein Visum benötigt ihr nur dann, wenn ihr länger als drei Monate in Israel bleiben wollt. Der Anflug erfolgt über den Ben Gurion Flughafen, der gerade einmal 20 Kilometer von Tel Aviv entfernt liegt. Direktflüge gibt es mit Germania von Düsseldorf aus, Lufthansa bringt euch von Frankfurt am Main direkt nach Israel. Weitere günstige Flüge nach Tel Aviv könnt ihr zum Beispiel über Skyscanner finden.

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Vom Ben Gurion Flughafen aus erreicht ihr Tel Aviv am besten per Bus, das ausgebaute Streckennetz macht es möglich. Reist ihr während des Schabbat an (Freitagnachmittag bis Samstagabend) empfiehlt sich der Umstieg auf ein Sherut Sammeltaxi. Dies ist bis zu 90% günstiger als ein herkömmliches Taxi, ihr müsst aber leider oftmals warten, bis es mit Reisenden voll ist, ehe ihr abfahren könnt. Mit dem Zug (nicht am Schabbat) kommt ihr ebenfalls mühelos in die Stadt, oder aber ihr mietet euch auf altbekannte Weise einen Mietwagen, mit dem ihr auch noch Orte wie Bethlehem oder Jericho entdecken könnt.

Die Sicherheit in Tel Aviv

Den Sicherheitsaspekt möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten, denn ich weiß um eure Bedenken, was eine Israel-Reise angeht. In der vergangenen Zeit ist es immer mal wieder zu Ausschreitungen zwischen Israelis und Palästinensern gekommen. Besonders gefährdet ist hierbei natürlich die Gegend rund um den Gaza-Streifen, weshalb vom Aufenthalt in dieser Region dringend abgeraten wird! Generell gilt in Israel auch das, woran ihr euch in anderen Ländern ebenfalls halten solltet: Meidet Menschenmassen und betretet keine ungesicherten Areale. Beruhigen kann ich euch auch, wenn ihr eine Rundreise geplant habt: Städte wie Jericho und Bethlehem gelten als relativ sicher. Ausführliche Informationen bekommt ihr auf der Seite des Auswärtigen Amtes, checkt also regelmäßig ihren Internetauftritt nach aktuellen Sicherheitshinweisen.

Alley in Jaffa, Tel Aviv

Tel Aviv stellt sich vor

Genug der Formalitäten, denn nun gilt es, eure Aufmerksamkeit voll und ganz der wunderbaren Stadt Tel Aviv zu widmen! Tel Aviv ist ganz anders als beispielsweise Haifa oder Jerusalem. Wo anderorts der Glauben im Vordergrund steht, zählt für Tel Avivs Bewohner nur das Hier und Jetzt und das Leben im Allgemeinen. Ihre Lebenseinstellung erinnert fast an eine europäische, worauf sie auch sehr stolz sind. Tel Aviv is eine waschechte Studentenstadt, ihr werdet erleben, dass gerade die jungen Menschen relaxed mit vielen Dingen umgehen, Verabredungen auch schon einmal verschieben. Was ihnen ganz wichtig ist, ist jedoch die Tatsache, dass sie sich vor den Unruhen im Gaza-Streifen nicht verstecken, sondern ihnen eher die Stirn bieten wollen. Verkriechen? Keine Option!

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Foto: Konstantnin/shutterstock.com

Tel Aviv hat sich obendrein noch auf die Fahne geschrieben, besonders schwulenfreundlich zu sein, weshalb die jährliche Tel Aviv Pride eben auch mit „Stolz“ gefeiert wird. Zu verdanken hat Tel Aviv dies vor allem seinen jungen Bewohnern, die aus der starren und tief gläubigen Struktur ihrer Vorfahren, zumindest teilweise, ausbrechen wollen. Eines ist und bleibt ihnen aber heilig: der Schabbat!

„Eine gemischte Tüte Tel Aviv, bitte!“

Bei so viel Auswahl weiß ich gar nicht, was ich euch zuerst schmackhaft machen soll. Vielleicht starten wir mit einem Basic, nämlich den Kultur-Empfehlungen, denn was wäre ein Urlaub ohne die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten? Die Weiße Stadt zählt zum UNESCO Weltkulturerbe und besteht aus insgesamt 4.000 Gebäuden, die sich im Stadtzentrum befinden. Sie zeichnen sich durch verschiedene, sehr interessante Baustile aus und wurden von jüdischen Architekten geschaffen, die in Deutschland ihre Ausbildung erhielten, aufgrund von Verfolgung aber fliehen mussten.

Ein Kontrastprogramm hierzu bildet die Altstadt von Jaffa. Nach der Restauration im Jahre 1965 erstrahlen Buntglasfenster in neuem Glanz und erzählen von Jaffas bewegender Geschichte. Ein guter Ausgangspunkt für euren Rundgang ist der Clock Tower. Stürzt euch auch unbedingt in das Gewimmel auf dem Carmel Market, ein perfekter Ort, um allerlei Nippes aber auch Blumen, Früchte oder Gebäck erstehen zu können. Ein perfekter Abschluss eures Altstadt-Besuchs bildet ein Strandspaziergang an Jaffas Hafen oder ihr begebt euch direkt zu einem der vielen, mit Palmen gesäumten Boulevards, um eine Runde zu entspannen.

Kulinarische Highlights in Tel Aviv

So ein straffes, sportliches Programm macht natürlich hungrig. Wie gut, dass Tel Aviv auch in dieser Hinsicht einmalig ist. Wenn ihr meinen Bericht über die besten Street Food Städte weltweit gelesen habt, wisst ihr ja schon, was euch hier erwartet. Bekannt ist die Stadt vor allem für ihre vegetarischen Gerichte: Falafel (frittierte Kichererbsenbällchen), Sabich (Pita mit gebratenem Gemüse) und ganz besonders Hummus (Kichererbsenpürree) sollten den Weg auf euren Teller finden.

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Auf dem bereits erwähnten Carmel Market oder in den zahlreichen verschlungenen Gässchen werdet ihr garantiert fündig. Wer Hausmannskost probieren möchte, geht an einem Donnerstagnachmittag oder Freitag zum Dizengoff Food Market im gleichnamigen Center. Dort wird Selbstgekochtes von Einheimischen zum Verkauf angeboten. Näher könnt ihr der traditionellen israelischen Küche nicht kommen.

Tel Aviv – Die Stadt, die niemals schläft

Auf keinen Fall möchte ich euch Tel Avivs Nachtleben vorenthalten. An jedem Abend könnt ihr in einem anderen Club oder einer Bar die Nacht zum Tag machen und Tel Avivs Unbeschwertheit erleben. Haltet die Augen bei der Auswahl eures Clubs auf, denn die besten befinden sich manchmal in unscheinbaren Höfen oder in den Hinterräumen einer Sandwich Bar, in der ihr zuvor noch gegessen habt. Ein besonderes Feeling erhaltet ihr auch in den verschiedenen Strandbars: Im Liegestuhl sitzend, die Füße in den Sand vergraben, schlürft ihr euren Cocktail während euch eine sanfte Brise durchs Haar weht. Nur das Rauschen des Meeres werdet ihr aufgrund der ausgelassenen Stimmung und der Musik wohl kaum hören.

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Ganz besonders möchte ich euch auch einen Partyabend in einer der „Schwulenbars“ ans Herz legen, denn die Community weiß nämlich ganz genau, wie man feiert. Die berühmteste dieser Bars veranstaltet jeden Dienstag Drag-Abende, da ist gute Unterhaltung vorprogrammiert. Vor allem während der Gay Pride verwandelt sich Tel Aviv in eine absolute Partystadt, die Bars platzen förmlich aus allen Nähten und selbst Tanz- und Feiermuffel werden dann kaum ihre Füße still halten können.

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Foto: elbud/shutterstock.com

Tel Avivs Strände sind nicht nur zum Feiern da

Nach einer durchfeierten Nacht, wenig Schlaf und einem späten Kater-Frühstück gibt es nichts Schöneres, als sich einen freien Tag zu gönnen, und warum solltet ihr diesen nicht an einem von Tel Avivs Stränden verbringen? 16 Stück findet ihr in und um Tel Aviv, vier davon möchte ich euch nun näher vorstellen. Der Hilton Beach liegt unter dem gleichnamigen Hotel und erfreut sich vor allem bei der Regenbogen-Community größter Beliebtheit. Unter Schirmen und Pavillons könnt ihr euch vor der Sonne verkriechen, oder ihr holt euch im strahlend blauen Wasser eine kleine Erfrischung. Und ganz nebenbei erfreuen sich Frauen und Männer gleichermaßen an den vielen durchtrainierten, gebräunten Menschen. Der Dolphinarium oder auch Drummers Beach eignet sich nicht unbedingt zum Schwimmen, aber dort könnt ihr einheimischer Musik lauschen oder Tänzer beim Capoeira beobachten.

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Die Windsurfer unter euch finden zudem noch ideale Bedingungen für eine Runde auf ihren Brettern vor. Reist ihr mit eurer Familie nach Tel Aviv, ist Bograshov Beach die richtige Wahl, da er ganzjährig unter Beobachtung von Rettungsschwimmern steht. So könnt ihr mal etwas unbesorgter an den Strandtag gehen. Tzuk Beach und Tel Baruch Beach sind ebenfalls nicht zu unterschätzen, liegen aber außerhalb von Tel Aviv, sodass ihr nur mit dem Auto oder dem Sammeltaxi dorthin gelangt. Zudem verlangt der Tzuk Beach einen Eintrittspreis, dafür werdet ihr aber auch mit einer grandiosen Ausstattung belohnt.

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Foto: Anton Sterkhov/shutterstock.com

Seid ganz ehrlich: hättet ihr so viel Abwechslung und Lebensfreude in einer Stadt wie Tel Aviv erwartet? Bestimmt nicht, da bin ich mir sicher. In letzter Zeit haben immer mehr Menschen die Schönheit Tel Avivs für sich entdeckt, weshalb die Touristenzahlen auch stetig steigen. Wenn ihr noch etwas von dem Kuchen abbekommen wollt, solltet ihr also Tel Aviv in eure nächsten Urlaubsplanung unbedingt mit einschließen. Als Belohnung erhaltet ihr die Wärme und Aufgeschlossenheit der Einwohner und ihre Freude darüber, dass ihr die Zuneigung zu Tel Aviv mit ihnen teilen wollt.