Das beste Erlebnis auf meinem Route 66 Roadtrip war ein Besuch der Goldgräberstadt Oatman. Dort gibt es Esel und den lässigsten Cowboy ever. Hier lest ihr, was ich bei meinem Roadtrip noch alles erlebt habe.

Die Route 66 ist die legendärste Straße der USA. Rund 4000 Kilometer führte sie von Chicago, Illinois, bis zum berühmten Santa Monica Pier in Los Angeles. Eine Straße voller Mythen und Geschichten, die heute eigentlich nur noch ein Touristen-Ziel ist. Längst fahren die großen Trucks lieber die großen Highways entlang und auch die Locals machen einen großen Bogen um die Route 66, wenn es irgendwie möglich ist. Holperig ist es hier und wer denkt, er käme hier schnell voran, ist auf dem falschen Dampfer. Zwischen 45 und 55 Meilen pro Stunde sind erlaubt und an manchen Stellen ist es sogar sinnvoll, noch langsamer zu fahren, weil der Asphalt vor allem im Westen durch die Hitze so aufgesprungen ist, dass der Mietwagen aufsetzt.

Kilometer um Kilometer zieht sich die Straße durch das Nichts, nur ganz vereinzelt tauchen rechts und links Grundstücke auf, auf denen Trailer stehen und Hunde herumstreunen. Mitten im Nirgendwo hat sich hier jemand sein Zuhause eingerichtet, in einer beinahe lebensfeindlichen Gegend. Keep Out – No Trespassing. Kein Zutritt für Fremde – und da hält man sich wohl auch besser dran, denn wenn der alte Mann auf der Veranda seine Schrotflinte zückt, möchte ich nicht das Opfer sein.

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Besonders beunruhigend: Die vielen zerfetzen Gummireifen am Straßenrand. Die sind für die Straßen der USA ungefähr so typisch wie die gelben Taxis für New York. Alle paar Kilometer liegen riesige Radfetzen am Straßenrand. Da frage ich mich natürlich, wie frisch und elastisch die Reifen meines Cabrios noch sind.

Roadtrip-Highlight: Die Goldgräberstadt Oatman an der Route 66

Die kleine ehemalige Goldgräberstadt Oatman in Arizona hat es mir auf der Route besonders angetan. Der Weg dorthin ist schon ein echtes Highlight. Bei meiner Tour zeigt das Thermometer 118 Grad Fahrenheit, das sind 48 Grad Celsius. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren, obwohl ich ein Cabrio habe, sind das Verdeck und auch die Fenster schon seit dem frühen Morgen fest verschlossen.

Zum Glück habe ich eine Gallone Wasser dabei, damit komme ich für einen Tag gut über die Runden. Die Straße windet sich den Berg hinauf, rechts und links sehe ich nur trockenes Gestrüpp und Geröll. Hier verstecken sich garantiert auch einige Klapperschlangen, also aufgepasst beim Aussteigen.

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Bis  zur nächstgrößeren Stadt sind es knapp 30 Meilen, das geht ja noch. Direkt hinter dem Ortseingang von Oatman gibt es einen Parkplatz. Ich stelle den Wagen ab und steige aus. Ein Schild besagt, dass der Parkplatz 2 Dollar kostet. Kein Problem, das sind Peanuts im Gegensatz zum Valet-Parking der Restaurants in Los Angeles.

Ein alternder Cowboy sitzt im Schatten vor dem Laden für Hunde-Mode und liest auf seinem Kindle. Als ich ihm meinen Fünf-Dollar-Schein reiche, grinst er schelmisch. „Weißt du“ sagt er, „ich habe den besten Job der Welt! Ich kann hier im Schatten sitzen, ein gutes Buch lesen und hübschen Frauen zuschauen…“ Ich muss lachen. Mich kann er nicht gemeint haben, denke ich, da läuft auch schon eine hübsche Rothaarige vorbei. „Da haben Sie recht“, sage ich und stecke mein Wechselgeld ein.

Das Bild dieses alternden Cowboys mit abgenutzten Stiefeln und dem Kindle in der Hand ist einfach schräg. Doch hier sieht man es mal wieder: Die meisten von uns würden uns bei knapp 50 Grad nicht gerne als Parkplatz-Wächter in die Hitze hinsetzen und wären sicherlich ziemlich schlecht gelaunt. Dieser Cowboy dagegen macht das Beste draus und versprüht dabei noch gute Laune. Stark!

Das kleine Dorf Oatman ist ein wirklich interessantes Fleckchen Erde. „Home Of Gold Mines, Wild Burros And Semi Wild Gunfighters“ – so kündigen die Bewohner ihr Dörfchen im Internet an. Und es stimmt wirklich. Es gibt tägliche Touren durch die stillgelegten Minen und natürlich jede Menge Souvenirläden. Die alten Häuser entlang der Hauptstraße sind natürlich voll auf die Touristen eingestellt und trotzdem versprühen sie einen uralten Charme, der mich daran erinnert, wie es in den echten Goldgräberzeiten ausgesehen haben muss.

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Foto: donvictorio / Shutterstock.com

One Dollar Bar im Oatman Hotel

Im Fernsehen habe ich von der Bar gehört, in der die Wände komplett mit Dollar-Noten übersäht sind. Das möchte ich sehen und mache mich auf in die kleine Bar im historischen Oatman Hotel. Es stimmt tatsächlich – Wände und Decke sind komplett mit den Banknoten zugekleistert. Jeder, der möchte, kann sich mit seiner eigenen Banknote und Namen verewigen. Habe ich natürlich auch gemacht, ist doch klar.

Ein frischgezapftes und eiskaltes Bier erscheint gerade bei diesen unglaublichen Temperaturen traumhaft. Doch das verkneife ich mir. Immerhin ist es erst Mittag und ich habe noch eine ganz schöne Strecke vor mir bis nach Palm Springs, dem nächsten Ziel meines Roadtrips.

Stattdessen mache ich Bekanntschaft mit den Eseln von Oatman. Und das ganz unverhofft. Während meines Abstechers in die Bar ist die heimische Eselherde ins Dorf gewandert und entspannt mitten auf der Hauptstraße in der Sonne.

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Foto: Nick Fox / Shutterstock.com

Eselfohlen liegen zu den Füßen ihrer Mütter ganz relaxt in der Sonne. Streicheln ist erlaubt – Füttern strengstens verboten. Das ist auch gut so, denn dann würden die Esel sicherlich jeden Besucher anbetteln. So kann man die Tiere zwar streicheln, die Tiere halten von sich aus aber mehr Abstand.

Das Feeling in dieser Stadt ist ganz einzigartig. Die Mischung aus Touristen-Schnickschnack und den vielen Überbleibseln aus der alten Goldgräberzeit machen Oatman zu etwas ganz Besonderem. Ein krasser Kontrast zu der Wüsten- und Gerölllandschaft und der leeren Route 66, die nach diesem Stopp wieder auf mich wartet. Stundenlang fahre ich also weiter auf der berühmtesten Straße der Welt und genieße trotz der Einsamkeit jeden Meter.

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