Japans Millionen-Hauptstadt Tokio bietet mit über 100.000 Restaurants eine enorme kulinarische Vielfalt. Es gibt 197 Sternerestaurants, davon sogar zwölf mit drei Michelin-Sternen. Diese Zahlen sprechen für sich: Tokio bietet ein kulinarisches Highlight nach dem anderen und besticht nicht nur mit hervorragender japanischer Küche, sondern glänzt auch international mit einer grandiosen Kochkunst.

Sushi wird auch bei uns hier in Deutschland immer beliebter. Das Trend-Food aus Japan ist bei uns längst etabliert. Wenn ihr allerdings einmal in Japan wart, werdet ihr euch wundern, dass die leckeren Fisch-Gerichte beinahe die einzigen kulinarischen Highlights sind, die bisher aus Tokio zu uns hinüber geschwappt sind. Das soll sich mit diesem Artikel schleunigst ändern. Ich nehme euch mit auf eine kulinarische Reise durch die Stadt und zeige euch, welche Leckerbissen ihr nicht verpassen dürft.

So lecker ist Japans Hauptstadt Tokio

Benimmregeln | Kaiseki Ryori | Chanko Nabe

Sushi | Tempura | Fugu

Melonenbrot | Ramen | Okonomi-yaki 

Izakaya | Depachika

Kulinarisches Tokio: Izakaya Kneipe
Izakaya Kneipen | Foto: Starcevic / iStock

Benimmregeln: Das solltet ihr beim Essen in Japan beachten

Bevor ich euch ein paar der kulinarischen Highlights vorstelle, möchte ich auf die Höflichkeitsformen und Verhaltensregeln in der japanischen Esskultur eingehen, denn diese unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von dem, was wir aus Deutschland bzw. Europa kennen. Wenn ihr also bei den Japanern einen guten Eindruck hinterlassen wollt, lohnt es, sich mit der Kultur zu beschäftigen und sich ein wenig anzupassen. Hier die wichtigsten Stichpunkte zu den Höflichkeitsformen beim Essen:

  • Schuhe ausziehen: In Privathaushalten ein Muss, wird aber auch in einigen Restaurants erwartet
  • Auf offener Straße und beim Gehen wird es nicht gerne gesehen, wenn man isst
  • Kein Trinkgeld geben: Guter Service ist hier das A und O der Dienstleistung und gehört nicht extra bezahlt, Trinkgeld wird erst gar nicht angenommen
  • Schenkt euch euer Getränk nicht selbst ein: Wenn ihr im Restaurant etwas trinkt, gilt es als unhöflich sich aus der Flasche eigenständig nachzuschenken, dies übernimmt stets das Gegenüber
  • Steckt die Stäbchen nie in die Reisschale, sondern legt sie auf die dafür vorgesehene Ablage
  • Wo wir grade bei Stäbchen sind: Das Essen niemals aufstechen, sondern aufnehmen; erfordert vielleicht etwas Übung bei Stäbchen-Anfängern, aber wird bei Einheimischen gerne gesehen
  • Ach ja, Und: Niemals mit den Stäbchen auf Etwas oder jemanden zeigen
  • Beim Essen nicht die Nase putzen
  • Schlürfen beim Essen ist allerdings erwünscht und ein Zeichen dafür, dass es schmeckt
  • Schmatzen und Rülpsen hingegen sind Tabu, wir sind ja nicht in China
  • Reis ist heilig für Japaner, zollt ihm Respekt, indem ihr ihn immer aufesst
  • Gäste werden im Restaurant (auch in einem einfachen Imbiss) immer platziert, setzt euch also nicht einfach hin, sondern wartet bis euch ein Platz zugewiesen wird

Essen in Tokio

10 Kulinarische Highlights in Tokio

Im Folgenden stelle ich euch eine Liste meiner persönlichen, kulinarischen Highlights in Japans Hauptstadt Tokio vor. Von speziellen japanischen Gerichten, über bestimmte Restaurant-Formen, bis hin zu einzigartigen Einkaufsmöglichkeiten, ist hier alles dabei. Lasst euch auf eine super leckere Reise durch die Stadt ein. Ich wette nach dem Lesen des Artikels ist euer Hunger riesengroß und ihr sucht schon nach dem besten Japaner in eurer Nähe, oder wollt direkt eine Reise nach Tokio planen – ich könnte es verstehen!

1. Kaiseki Ryori: Die Haute Cuisine von Tokio

Kaiseki Ryori gehört zur Haute Cuisine und besteht aus mehreren, leichten Gängen. Die Zutaten variieren je nach Koch und Saison. Seine Ursprünge sind vor hunderten von Jahren zu finden. Zu Beginn wurde es ausschließlich als Gericht zu einer Teezeremonie gereicht und war rein vegetarisch. Inzwischen ist teilweise aber auch Fleisch und Fisch in den Gerichten enthalten. Die Ausgabe der Gänge erfolgt dabei immer in traditioneller Reihenfolge, wobei jedem Gang bestimmte Zutaten zugeordnet werden. Die Köche achten dabei sehr genau darauf, dass die einzelnen Bestandteile saisonal und frisch sind. Zudem werden möglichst viele unterschiedliche Zutaten verwendet, um eine große Vielfalt und eine Geschmacksexplosion nach der nächsten zu garantieren. Die einzelnen Gerichte werden dabei nahezu künstlerisch auf den Tellern bzw. länglichen Tabletts angerichtet, denn das Auge isst ja bekanntlich mit. Dabei geben sich die Köche allerdings so viel Mühe, dass es fast zu schade zum Essen ist.

Info: In Tokio ist es nicht unüblich, bereits bei der Reservierung für das Menü zu bezahlen.

Wenn ihr in Tokio seid, solltet ihr in jedem Fall Kaiseki Ryori probieren. In der Stadt gibt es sehr viele, sehr gute Restaurants, die sich auf die Kaiseki Küche spezialisiert haben, weswegen es schwierig ist ein bestimmtes zu empfehlen. Auf Platz 1 bei Tripadvisor ist das Ise Sueyoshi, das mit 91% als „Ausgezeichnet“ bewertet wurde. Wenn ihr hier essen wollt, solltet ihr vorher reservieren und euch von den hohen Preisen nicht abschrecken lassen – Haute Cuisine hat eben ihren Preis.

Kulinarischen Tokio: Kaiseki Ryori
Kaiseki Ryori

2. Chanko Nabe: Der Eintopf der Sumoringer

Chanko Nabe ist das Essen der Sumoringer. Damit Sumoringer ihre kräftige Form behalten, müssen sie täglich um die 8000 Kalorien zu sich nehmen. Chanko Nabe ist dabei einer der Hauptbestandteile ihres Ernährungsplans. Aber keine Sorge, ihr müsst nicht befürchten, direkt aus allen Nähten zu platzen, wenn ihr davon esst, denn prinzipiell ist das Gericht sogar sehr gesund. Einzig die enorme Menge, die von den Sumoringern gegessen wird, ist ausschlaggebend für die Gewichtszunahme.

Chanko Nabe – Das Essen der Sumoringer

Chanko Nabe ist ein Eintopf bestehend aus Hühnerfleisch, Meeresfrüchten, Tofu und Gemüse, was in Wasser oder Hühnerbrühe gekocht wird. Viele Restaurants in Tokio, die sich auf diesen speziellen Eintopf spezialisiert haben, werden übrigens von ehemaligen Sumoringern geführt. Die meisten dieser Restaurants befinden sich, wie könnte es anders sein, im Sumoringer-Viertel Ryogoku. Wenn ihr vor Ort seid, besucht doch mal das Restaurant Kappo Yoshiba, das auf Chanko Nabe spezialisiert ist. Es befindet sich in einem alten Sumoringer Trainings-Haus – in der Mitte befindet sich noch heute der Wrestling-Ring. Die perfekte Atmosphäre also, um das Gericht der Sportler zu probieren.

Kulinarisches Tokio: Chanko Nabe
Chanko Nabe

3. Nationalgericht: Sushi

Eines der beliebtesten Nationalgerichte Japans ist nach wie vor das Sushi. Viele Sushi-Meister sind in Tokio zuhause.

Guru Tipp: Für extrem frischen Fisch und super leckeres Sushi, solltet ihr unbedingt einen Abstecher zum Tsukiji-Fischmarkt machen.

In einer sehr anspruchsvollen und langwierigen Ausbildung müssen die Sushi-Lehrlinge einiges auf sich nehmen, bevor die Kunst perfektioniert ist. Ob traditionell mit rohem Fisch, oder vegetarisch mit Gemüse, hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Mehr über Sushi in Tokio und fünf der besten Sushi-Restaurants lest ihr in einem separaten Artikel.

Kulinarisches Tokio: Sushi
Nationalgericht: Sushi

4. Tempura: nach Belieben frittiert

Tempura ist in Teig frittierter Fisch, Gemüse oder Meeresfrüchte. Auch hier sind der Kreativität und Vielfalt keine Grenzen gesetzt. Dieses Gericht ist sehr einfach gemacht, aber dennoch unglaublich lecker.  Der Teig setzt sich aus Wasser, einem Ei, Mehl, Backpulver und Öl zusammen, variiert aber auch immer ein wenig, je nachdem, von wem es zubereitet wird. Tempura ist sowohl beliebt als Bowl mit Reis als auch in Form von Sushi. Hierbei werden meist Garnelen frittiert und in dem Sushi Reis eingerollt. Hier gibt es ebenfalls zahlreiche Restaurants, die sich auf die Tempura-Kunst spezialisiert haben.

Kulinarisches Tokio: Tempura
Tempura

5. Fugu: Der giftige Hasenkopf-Kugelfisch

Eine weitere Delikatesse Tokios: der Hasenkopf-Kugelfisch Fugu. Das Besondere an dem Fisch ist, dass einige Teile, unter anderem die Leber und Eierstöcke, hoch giftig sind. Das Gift Tetrodotoxin ist bei Verzehr lebensbedrohlich für den menschlichen Körper. Um Fugu zubereiten zu dürfen, bedarf es einer langen Ausbildung und nur ausgezeichnete Köche dürfen den Fisch in ihren Restaurants anbieten. Besonders wichtig ist hierbei, wie der Fisch zerlegt wird, denn das Messer darf auf keinen Fall die giftigen Innereien berühren.

Die meisten Zuchtfische sind giftfrei

Je nach Jahreszeit und Art des Kugelfisches ist er manchmal mehr und manchmal weniger giftig. Deswegen ist der Verzehr in den Sommermonaten komplett verboten, denn dann ist die Konzentration des Giftes besonders hoch. Die meisten Zuchtfische sind übrigens giftfrei, weswegen einem Verzehr an dieser Stelle nichts im Wege steht. Dennoch sollte man aufpassen, wo und von wem er zubereitet wird, denn es sterben noch regelmäßig Menschen am Gift des Fugus.

Kulinarisches Tokio: Fugu
der giftige Hasenkopf-Kugelfisch Fugu

6. Melonenbrot: ein süßer Snack für Zwischendurch

Nach so vielen herzhaften Delikatessen wird es Zeit für etwa Süßes, oder was meint ihr? Da bietet sich ein sehr berühmtes Gebäck Japans an, das Melonenbrot. In Tokio ist es so gut wie bei jedem Bäcker und Supermarkt zu finden und einfach ein leckerer Snack für zwischendurch. Melonenbrot besteht aus einem fluffigen Hefeteig, welcher mit Melonenaroma, meistens in Form von Sirup, verfeinert wird. Überzogen wird das Ganze dann mit einem knusprigen Keksteig. Mit einem Gittermuster verziert, soll das Gebäck dann an eine aufgeschnittene Zuckermelone erinnern. Das Melonenbrot gibt es in verschiedenen Formen. Ob mit Zuckerguss, Schokolade oder Erdbeergeschmack, hier ist für jeden, der auf süßes Gebäck steht, etwas dabei. Einfach köstlich!

Kulinarisches Tokio: Melonenbrot
Süßes Melonenbrot

7. Ramen: Nudeln vom Sternekoch?

Ihr wolltet schon immer mal in einem Sterne-Restaurant essen, seht aber nicht ein, Unmengen für eine Mahlzeit auszugeben? Dann habe ich jetzt was für euch! Es gibt nämlich in Tokio zwei Ramen Bars, die mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurden – ein Gericht kostet hier umgerechnet gerade einmal acht Euro. Klingt gut, oder?

Der Michelin-Stern ist hier definitiv verdient!

Eine der beiden mit Michelin-Stern ausgezeichneten Ramen-Bars ist das Tsuta. Das zweite mit einem Stern ausgezeichnete Restaurant ist das Nakiryu. Da beide Imbisse so beliebt sind, solltet ihr euch auf etwas Wartezeit einstellen. Bestellt wird, wie in Ramen-Bars üblich, an einem Automaten vor dem Restaurant. Das Gericht könnt ihr euch dann drinnen abholen und gemütlich schmecken lassen.

Ramen – Nudelsuppe

8. Okonomi-yaki: nach Belieben belegt

Okonomi-yaki ist eine Art Pfannkuchen und ist in der japanischen Küche sehr beliebt.

Fun Fact: Die meisten japanischen Restaurants haben sich auf ein Gericht spezialisiert. Deswegen gibt es häufig nur eine Spezialität auf der Menükarte, die ist dann aber umso besser.

Okonomi bedeutet übersetzt so viel wie „Belieben“ und yaki „gebraten“. Die Basis besteht dabei aus Kohl, Wasser, Mehl und Ei. Gewürze und Topping bleiben jedem selbst überlassen. Fleisch, Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte  – hier habt ihr die Qual der Wahl. Die Zutaten werden vermengt und auf dem sogenannten Teppan-Grill, der in die Mitte des Tisches gestellt wird, gebraten. Das Okonomi-yaki wird direkt vom Grill gegessen. Wenn ihr das Gericht probieren wollt, dann am besten im topbewerteten Asakusa Okonomiyaki Sometaro Restaurant.

Kulinarisches Tokio: Okonomi-yaki
Okonomi-yaki

9. Izakaya: traditionelle Kneipen

Izakayas sind kleine, traditionelle, japanische Kneipen, die immer mehr auch zu einem internationalen Gastronomie-Trend werden. Die Bewohner Tokios kommen oft nach Feierabend hier her, um in netter Gesellschaft ein Bier oder einen Sake, japanischen Reiswein, zu trinken. Die Izakayas sind oft nicht größer als ein Wohnzimmer und die Gäste sitzen entweder direkt an der Theke, oder auf Sitzsäcken um kleine Tische.

Info: Ihr erkennt die Kneipen an den roten Lampions am Eingang

Trotz der Kneipen-Atmosphäre wird in den meisten Izakayas erwartet, dass man seine Schuhe auszieht, um die Ordnung und Sauberkeit beizubehalten. In den Kneipen werden übrigens nicht nur Getränke angeboten, oft wird sogar erwartet, dass man als Gast wenigstens eine Kleinigkeit isst. Vom Stil sind die Izakayas mit spanischen Tapas-Bars zu vergleichen. Hier werden oft nur kleine Häppchen angeboten, die gut zum Bier oder Sake passen. Beliebt sind vor allem Edamame (gekochte und gesalzene Sojabohnen), oder Spieße mit gegrilltem Gemüse, Fisch oder Fleisch, gerne auch Innereien. Wenn ihr also etwas in die japanische Kultur eintauchen wollt, kann ich euch den Besuch einer echten traditionellen Izakaya-Kneipe empfehlen. Erkennen könnte ihr diese an den roten, leuchtenden Lampions vorne am Eingang, die mit „Izakaya“, in japanischen Schriftzeichen, beschriftet sind.

Kulinarisches Tokio: Izakaya Pub
Izakaya Pub

10. Depachika: Einkaufen auf dem Delikatessen Markt

Die Bewohner Tokios lieben nicht nur gute Restaurants und mit Sternen ausgezeichneten Ramenbars, sondern kaufen auch gerne in sogenannten Depachikas ein. Depachikas sind die Food-Etagen der Kaufhäuser und befinden sich meist im Untergeschoss. Wer von euch schon einmal im Harrods in London war, hat eine Vorstellung davon, wie vielfältig ein „Supermarkt“ im Kaufhaus sein kann. In Tokio ist dies ähnlich, hier gibt es ein Dutzend Kaufhäuser, die vor allem wegen ihrer Delikatessenabteilung beliebt sind.

Hier könnt ihr wirklich alles kaufen. Neben japanischen Spezialitäten wie Sushi und besonderen Süßwaren, gibt es hier auch jede Menge europäischer Leckereien, die hier mindestens genauso lecker schmecken, wie in Europa selbst. Besonders französische Köstlichkeiten sind in Tokio sehr beliebt. Croissants schmecken hier teilweise sogar besser, als im heimischen Frankreich. Probiert euch am besten selbst durch die unterschiedlichsten Spezialitäten!

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Lust auf Tokio?

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