Bereits letztes Jahr, am 11.11. um 11:11 Uhr und 11 Sekunden, war es wieder soweit: Die fünfte Jahreszeit wurde eingeläutet! Die Rede ist natürlich von Karneval oder auch bekannt als Fastnacht oder Fasching. Karneval in Deutschland wird insbesondere im Rheinland gut und gerne gefeiert! Werft euch in Schale, verkleidet euch und feiert mit, denn in den nächsten Tagen wird es bunt in den Karnevalshochburgen des Landes!

Noch heutzutage begeistern die farbenprächtigsten und kreativsten Kostüme, stimmungsvolle Musik sowie Prunksitzungen mit lustigen aber auch politischen Büttenreden alljährlich Karneval-Liebhaber im Rheinland. Doch der Karneval im Rheinland hat eine lange Tradition. Den Höhepunkt der fünften Jahreszeit bildet seit je her das Wochenende vor Aschermittwoch: Von Donnerstag bis Dienstag (in diesem Jahr vom 8. bis 13. Februar) geht es beim Straßenkarneval in den Deutschen Hochburgen am Rhein richtig rund – mit bunten Umzügen geschmückten Wagen, begleitet von Musik- und Tanztruppen und verkleideten Menschen, die dabei auch gerne die ein oder andere Liebelei beginnen. Ein Ausflug nach Köln, Düsseldorf oder Mainz zur Karnevalszeit lohnt sich allemal! Lest hier wie die langjährigen Traditionen aussehen, wie sie entstanden sind aber auch wie man mal anders Karneval feiern kann!

Denkt daran, an meiner Umfrage teilzunehmen! Seid ihr Karnevalsfanatiker oder könnt ihr nichts mit der alten deutschen Tradition anfangen?

Die Karnevalshochburgen Deutschlands

Vorgeschichte | Düsseldorf | Köln | Mainz | Karneval mal anders | Umfrage

street carnival on Koenigsallee in Dusseldorf
Foto: iStock.com / Thomas Quack

Alte Traditionen in Deutschland

Die Tradition des Karnevals ist schon sehr alt und reicht bis zu den alten Germanen zurück. Sie verkleideten sich mit Masken und Tierfellen und feierten, um die guten Geister zu wecken und den Frühling zu beginnen. Im Mittelalter wurden diese Traditionen auf das Christentum übertragen. Die Idee dabei war, die Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit noch einmal richtig auszukosten. Das Wort Karneval kommt übrigens von der Bezeichnung „Carnevale“, was übersetzt „Fleisch, leb wohl!“ bedeutet. Erst im 19. Jahrhundert mit der Napoleonischen Besetzung des Reihnlands etablierte sich hier der Karneval als politisch und gesellschaftskritisch, was ihn bis heute charakterisiert. Da nämlich politische Veranstaltungen verboten wurden, trafen sich die Menschen im Geheimen und äußerten auf kritische aber auch belustigende Weise, was sie über die Politik Napoleons dachten. Die Narrenzahl 11 stammt übrigens auch aus der Zeit. Sie diente dem Zweck sich auf eine scherzhafte Art über die kirchliche Ordnung hinweg zu setzen, denn wer die 10 Gebote überschritt, wurde zu damaliger Zeit als Narr bezeichnet.

Eine verkleidete Mutter und ihr verkleidetes Kind lachen an Karneval in die Kamera.

In Düsseldorf heißt es „Jeck erst recht“

Am 11. November war es wieder soweit, denn es hieß wieder „Hoppeditzerwachen„: Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in Düsseldorf erwachte der Erzschelm Hoppeditz und stieg aus seinem Senftopf heraus. Der Hoppeditz ist nämlich traditionell eine der wichtigsten Figuren im Düsseldorfer Karneval. Mit seiner spitzzüngigen und amüsanten Eröffnungsrede fordert er Jahr für Jahr den Oberbürgermeister zum närrischen Wortgefecht heraus und läutet die Karnevalszeit ein. Von diesem Moment an darf in Düsseldorf wieder gelacht, getanzt und geschunkelt werden – also: „Düsseldorf Helau!“

Jedes Jahr steht die Karnevals-Saison in den Karnevalshochburgen unter einem eigenen Motto, in diesem Jahr ist es „Jeck erst recht“, unter dem auch die amüsanten Prunksitzungen und Kostümbälle stattfinden. Neben humorvollen Büttenreden, ansehnlichen Tänzen von Tanzgarden und stimmungsvoller Musik ist der Auftritt des Düsseldorfer Königspaares der Höhepunkt jeder Sitzung.

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Foto: pstrokov / Shutterstock.com

An Weiberfastnacht gehört die Stadt den Frauen: Jedes Jahr am Karnevals-Donnerstag stürmen Karnevalistinnen das Rathaus. Unzählige verkleidete Damen „überfallen“ die Männer bei ihrer Arbeit und schneiden ihnen ihre Krawatten ab – ob sie wollen oder nicht!

Und auch am Karnevals-Sonntag geht es in Düsseldorf wild her. Menschenmassen in ausgefallenen Kostümen kommen in der Altstadt und auf der Königsallee zusammen, um gemeinsam das beliebte Fest zu zelebrieren! Am nächsten Tag wartet schon der Rosenmontagszug auf den Startschuss. Mit etwa 72 Wagen, über 30 Kapellen und rund 5,1 Kilometern Länge zählt er zu den größten in Deutschland. Hunderttausende Menschen schauen sich den Umzug an und hoffen, die eine oder andere Kamelle, die von den Wagen runter geworfen wird, zu erhaschen.

Alaaf und Helau!

Der närrische Zapfenstreich steht am Karnevals-Dienstag auf dem Programm und bedeutet das Ende des närrischen Festes. Dann wird das Prinzenpaar vom Oberbürgermeister und dem Präsidenten des „Comitee Düsseldorfer Carneval“ (CC) offiziell verabschiedet. Richtig vorbei ist die Karnevalszeit aber erst am Aschermittwoch. Durch das symbolische Verbrennen vom Hoppeditz wird endgültig das Ende signalisiert und die Fastenzeit beginnt.

Drei Herzdamen feiern Karneval im Rheinland.
Foto: iStock.com / SilviaJansen

Mer Kölsche danze us der Reih“ – Karneval mit den Jecken in Köln

Auch in Köln ist es schon seit dem 11. November 2017 nach dem Motto „Mer Kölsche danze us der Reih“ wieder soweit: Auf dem Alten Markt wurde die Karnevalsaison mit bekannten Karnevalsbands und dem aktuellen Dreigestirn eröffnet. Das Kölner Dreigestirn besteht aus einem Prinzen, Bauern und einer Jungfrau und ist das repräsentative Aushängeschild für die kommende Karnevalskampagne. Seitdem sind in der ganzen Stadt wieder Kultsongs zu hören wie die der Höhner: „Da simmer dabei! Dat es prima! VIVA COLONIA!“ und von überall schallt es nur „Kölle Alaaf!“ Rund 160 Karnevalsgesellschaften, Heimatvereine und Viertelgemeinschaften lassen das Fest der Feste in etwa 500 Sitzungen, Bällen und Umzügen so richtig krachen. Karneval in Köln gehört mit zu den weltweit größten und bekanntesten rheinischen Volksfesten.

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Foto: J. Rieger, Köln / Festkomitee Kölner Karneval

Auch in Köln ist an den Tagen vor Aschermittwoch, also in diesem Jahr bis zum 14. Februar, am meisten los: Von Weiberfastnacht bis Karnevals-Dienstag feiern Jecke in Kneipen, Clubs und riesigen Festhallen in farbenfrohen und beeindruckenden Kostümen ihr Lieblingsfest. Richtig los geht’s am Donnerstag mit dem bunten Straßenkarneval. An Weiberfastnacht, dem 8. Februar 2018, werden gleich ganze Büros von närrischen Frauen beschlagnahmt. Von nun an ist die ganze Stadt auf den Beinen! Schon morgens ab 10 Uhr finden Freiluftsitzungen auf dem Alten Markt statt, die sogar im Fernsehen übertragen werden, mit den besten Karnevalbands, die Köln zu bieten hat. Am Freitag und Samstag wird abends in den Kneipen der ganzen Stadt gefeiert und überall ertönt kölsche Karnevalsmusik.

Am Karnevals-Sonntag marschieren die „Schull- und Veedelszöch“, sprich die Schul- und Stadtviertelzüge, durch die Straßen. Die Besten von diesen Fuß- und Wagengruppen dürfen dann Teil des Festzuges am Rosenmontag werden.

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Foto: melis / Shutterstock.com

Der Rosenmontag ist auch in Köln neben der wilden Weiberfastnacht Höhepunkt des Straßenkarnevals. Rund eine Millionen Zuschauer stehen an den Straßen, um sich die Prunkwagen sowie die tollen Kostüme anzuschauen und sich von der Musik einstimmen zu lassen. Neben der Kamelle, also den Bonbons, die von den Wagen geschmissen werden, werden hier auch „Strüßje“, also kleine Blumensträuße verteilt. Die sind sogar noch beliebter als die Süßigkeiten!

Doch auch in Köln geht der Karneval mal zu Ende. In der Nacht zum Aschermittwoch, am Veilchendienstag, wird eine angekleidete mannsgroße Strohpuppe verbrannt, die die Rolle des Sündenbocks übernimmt. Dies gilt als Abschiedsritual und wird bei den Kölnern als Nubbelverbrennung bezeichnet. Demzufolge soll dem Glauben nach jede in der Karnevalszeit begangene Sünde verziehen werden.

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Foto: J. Rieger, Köln / Festkomitee Kölner Karneval

„So wie der Mond die Nacht erhellt, strahlt Mainzer Fastnacht in die Welt“

Getreu diesem Motto geht es dieses Jahr bei der Meenzer Fastnacht zu. Ebenfalls am 11. November wurde in Mainz als Startschuss für die geliebte und vor allem lustige Zeit bereits das närrische Grundgesetz auf dem Schillerplatz verkündet und im Takt des berühmten Narrhalla-Marsches die Karnevalszeit eingeleutet.
Mit dem Neujahrsumzug der Garden, der traditionell am 1. Januar stattfindet, ging in Mainz die begehrte Karnevalszeit aber erst richtig los. Seit dem treffen sich an allen Wochenenden die Narren bis zur Weiberfastnacht, um an den berühmten Karnevalssitzungen teilzunehmen. Die Tradition besagt, dass jede Sitzung genau 11 Minuten nach einer vollen Stunde beginnen muss. Erst dann zieht der Elferrat in Prunk und Ruhm in den festlich geschmückten Saal ein.
Am Karnevals-Donnerstag ist es dann endlich so weit – die Altweiberfastnacht wird am Mainzer Fastnachtsbrunnen eröffnet. Weiter geht es dann am Fastnachts-Samstag mit der Rekrutenvereidigung, bei der ein Treueschwur zur Garde und zur Fastnacht auf einen abgeleiteten Eid von Prinz Carneval geleistet wird.
Doch wie schon zuvor in Düsseldorf und Köln bildet den Höhepunkt des stimmungsvollen und humorvollen Festes der Rosenmontagszug, der die Innenstadt in ein farbenprächtiges Meer verwandelt. Auch in Mainz ziehen an diesem Tag bunt geschmückte Wagen, Musikzüge und Garden durch die Stadt. Allerdings darf etwas hierbei nicht fehlen: die Meenzer Schwellköpp. Das sind  überdimensionale Pappmachéköpfe, die satirisch überspitzt die Mainzer Charaktere verkörpern.

Rosenmontagszug, Street carnival on Rose Monday in Mainz, German
Foto: iStock.com / ollo

Am Fastnachtsdienstag wird schließlich das närrische Treiben durch eine Kappenfahrt vollendet. In zahlreichen Kneipen und auf der Ludwigstraße verabschieden Mainzer die Kampagne bis zum nächsten Jahr und beerdigen sie.

Karneval mal anders

Ich habe euch bis jetzt vor allem die Traditionen und Bräuche der Karnevalshochburgen im Rheinland vorgestellt, aber auch in anderen Regionen Deutschlands wird Karneval oder auch „Fasching“ gefeiert. Ich will euch mit diesen vielen und unterschiedlichen Traditionen und Bräuchen aber nicht langweilen, denn es würde die ganze Nacht dauern, sie euch alle vorzustellen. Und viel interessanter ist doch eigentlich, wie man auch auf die weniger traditionelle Weise Spaß an Karneval haben kann, oder? Es gibt schließlich sehr viele Menschen, die zwar Spaß am Verkleiden finden, aber lieber auf moderne Art und Weise die fünfte Jahreszeit feiern wollen, abseits der alten Traditionen. Und natürlich ist auch das möglich! Moderne und kaum traditionelle Karnevalspartys für alle Verkleidungs- und Mottopartyliebhaber finden sich eigentlich in jeder Karnevalshochburg und in vielen anderen Städten der Umgebung. Vom kleinen Indie-Club bis zur Großraumdiskothek nimmt sich heute fast jede Partylocation die Faschingszeit zum Anlass, um große Feten mit bunten Verkleidungen zu schmeißen und die Nacht zum Tag zu machen.

Junge Frauen haben Spaß bei einer Karnevalsparty.

Karneval feiern, ja oder nein?

Ob in Düsseldorf, Köln oder Mainz – in allen drei Karnevalshochburgen könnt ihr ausgelassen, mit den verrücktesten, farbenfrohsten Kostümen und stimmungsvoller Musik die 5. Jahreszeit feiern egal ob traditionell oder modern. Aber nicht jeder findet auch gefallen an diesem Brauchtum. In vielen Karnevalsregionen gibt es deswegen regelrechte Lager von Karnevalsfanatikern und jenen, die den Karneval vollkommen verschmähen. Und natürlich gibt es noch die, die sich zwar gerne verkleiden, aber die traditionellen Karnevalsbräuche nicht so sehr mögen. Ich persönlich bin immer offen für die Traditionen und Bräuche der Regionen dieser Welt, aber ich kann verstehen, wenn die überschwänglichen Reden und Kostüme dem ein oder anderen befremdlich vorkommen. Welchem Lager gehört ihr an?

Urlaub zur Karnevalszeit? Aber sicher!

Köln, Düsseldorf und Mainz sind die Hochburgen des rheinländischen Karnevals. In diesen schönen historischen Städten ist das ganze Jahr über etwas los, aber die fünfte Jahreszeit setzt dem ganzen die Krone auf! Für viele Bewohner des Rheinlandes ist es ein Muss an diesen Feierlichkeiten teilzunehmen und ordentlich die Sau rauszulassen. Wenn auch ihr Lust auf einen Aufenthalt in Köln, Düsseldorf oder Mainz zu Karneval bekommen habt, aber nicht in der Nähe wohnt, zögert nicht lange und stellt mir eine kostenlose Reiseanfrage oder bucht noch schnell ein günstiges Hotel! Denn Karneval steht vor der Tür.

Außergewöhnliche Urlaubsziele

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Wunderbares Deutschland

 

Titelbild: Melis / Shutterstock.com