Wenn ich meinen Lieblingsort in Südostasien nennen müsste, würde mir die Antwort leicht fallen. An Hoi An, das kleine Städtchen inmitten des langgestreckten Landes Vietnam, habe ich mein Herz verloren. Hier erlebt ihr einen perfekten Mix aus Kultur und Strand. Glaubt mir, auch ihr werdet es lieben!

Tagsüber strahlen die Bauten Hoi Ans, die eine Fusion aus vietnamesischer, japanischer und chinesischer Architektur sind, in ihren bunten Farben. Doch erst bei Dunkelheit entfaltet das Städtchen am Fluss Thu Bon seine wahre Schönheit. Dann sorgen Laternen und gedämpfte Beleuchtung für ein ganz besonderes Licht. Es gibt nichts Schöneres, als Hoi Ans Nachtmärkte zu erkunden, schwimmende Kerzen am Fluss zu beobachten und vietnamesische Spezialitäten in den ausgezeichneten Restaurants zu probieren. Wer weiß, vielleicht verlasst ihr ja diesen charmanten Ort mit einem neuen, perfekt sitzenden Anzug oder eurem neuen Lieblingskleid, denn nirgendwo sonst gibt es mehr Schneidereien.

Hoi An – die Stadt aus dem Bilderbuch

Anreise & Unterkunft | Altstadt | Stadt der Schneider | Strände | Kulinarik | Bei Nacht

Hoi An

Anreise nach Hoi An

Hoi An liegt in der Mitte des langgestreckten Landes Vietnam an dem Delta des Flusses Thu Bon. Am besten unternehmt ihr eine Rundreise durch das Land am Südchinesischen Meer von Ho Chi Minh City im Süden bis Hanoi im Norden. Mehr über eine solche Rundreise erfahrt in meinen Vietnam Tipps!

Falls ihr aber nur das wundervolle Städtchen Hoi An besuchen möchtet, könnt ihr zu dem nahe gelegenen Flughafen in Da Nang fliegen. Flüge ab Frankfurt gibt es bereits schon ab 677€. Der Flughafen liegt nur 30 Kilometer von Hoi An entfernt, sodass ihr einfach ein Taxi nehmen könnt. Diese Fahrt sollte nicht mehr als 20 US$  kosten – übrigens sind die grünen Mai Linh Taxen vertrauenswürdig!

In Hoi An gibt es für jeden die passende Unterkunft. Da alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden können, empfehle ich euch, nach einem zentralen Hotel Ausschau zu halten. Preiswert aber gut übernachtet ihr im 2,5 Sterne Flower Garden Homestay für 21€ pro Nacht bei einer Reise mit zwei Personen. Im 4 Sterne Hoi An Historic Hotel kostet das Doppelzimmer 74€ pro Nacht. Direkt am Strand gibt es neben luxuriösen Resorts auch einige preiswerte, private Unterkünfte.

Hoi An
Foto: istock.com/OldCatPhoto

Entdeckungstour durch die Altstadt

Hach, die Altstadt ist einfach wunderschön! Wie könnte es anders sein, steht die Altstadt des 75.000 Einwohner Städtchens unter dem Schutz der UNESCO und wurde zum Weltkulturerbe ernannt. Hoi An wuchs im 16. Jahrhundert zu dem bedeutendsten Handelshafen in Vietnam, denn hier wurde der Handel zwischen China und Japan abgewickelt. Zu dieser Zeit herrschte Aufschwung und einige Seefahrer ließen sich in der Hafenstadt nieder. Wie ihr euch vorstellen könnt, wurde hier mit wertvoller Seide, Porzellan und chinesischer Medizin gehandelt. Auch europäische Seefahrer aus Portugal, den Niederlanden, England und Frankreich kamen hierher, um wertvolle Waren zu kaufen. Ende des 19. Jahrhunderts verlor der Hafen von Hoi An schnell an Bedeutung, da der Handel über Küstenstädte des heutigen Malaysia abgewickelt wurde.

Hoi An
Foto: junjunalex/Shutterstock.com

Um die Altstadt zu besichtigen, müsst ihr ein Ticket lösen. Dieses Ticket gilt für fünf von euch ausgewählten historischen Häusern.

Kosten: 120,000 VND (etwa 5 €)

Glücklicherweise wurde Hoi An von den schweren Beschädigungen des Vietnam Kriegs verschont, sodass ihr einen einmaligen Stilmix aus vietnamesischer, japanischer und chinesischer Baukunst vorfindet. Startet eure Sightseeintour am Fluss Thu Bon und lasst die Schönheit der Stadt auf euch wirken. Seerosen schwimmen neben hölzernen Fischerbooten auf dem Wasser, Brücken überspannen den Fluss und hier und dort sitzen Touristen in den gemütlichen Lokalen. Schlendert vom Fluss aus weiter zu der Japanischen Brücke, die das Wahrzeichen der Stadt ist. Ihr Bau begann im Jahre 1596, im Jahr des Affen, und wurde im Jahr 1595, im Jahr des Hundes, fertiggestellt. Je ein Paar dieser Tiere sitzt an jedem Ende der historischen Brücke und wacht seit Hunderten von Jahren über den Fluss. Damals verband die Brücke das japanische und chinesische Viertel der Stadt rechts und links der Flussufer.

Nun befindet ihr euch schon in der Tran Phu Straße, in der ihr all die wundervollen Prunkbauten bestaunen könnt. Werft einen Blick in jede Querstraße, kleine Läden und Hinterhöfe. Anschließend schlendert ihr am besten zurück über die Nguyen Thai Hoc Straße.

Hoi An
Foto: Yirustudio/Shutterstock.com

Während eures Spaziergangs kommt ihr vorbei an unterschiedlichen, alten Häusern, Museen und Versammlungshallen und habt die Möglichkeit, an Kunstworkshops teilzunehmen. Ich würde euch einen Besuch bei der chinesischen Versammlungshalle Fukian, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde, empfehlen. Das Gebäude wirkt wie aus dem Bilderbuch gemalt, mit rosafarbenen Fassaden, geschwungenen Dächern, weißen Ornamenten und bunten Lampions, und ist auch heute noch ein Glaubenszentrum der Bewohner von Hoi An. Im Innenhof findet ihr einen kleinen Teich und überall riecht es nach Räucherstäbchen.

Richtet nun euren Blick in Richtung Himmel. Was ihr dort beobachten könnt, wird ordnungsliebende Menschen erstaunen: Überall werden Kabel und Leitungen kreuz und quer gespannt. Es scheint, als würden bei einem Schaden keine Reparaturen vorgenommen, sondern einfach neue Leitungen gelegt – ein Kabelsalat.

Hoi An
Foto: Nils Versemann/Shutterstock.com

Anders als in in den polarisierenden Großstädten Ho Chi Minh oder Hanoi, in denen man sich vor Rollern und Motorrädern kaum retten kann, geht das Leben in dem einstigen Fischerdorf am Thu Bon Fluss etwas gemächlicher vonstatten. Ich empfehle euch, ein Fahrrad oder einen Roller zu mieten, denn so könnt ihr schnell die Stadt erkunden, bis zum Hafen und Markt radeln und sogar innerhalb weniger Minuten den nahe gelegenen Strand erreichen. So lernt ihr den vietnamesischen Verkehr auf einen schonende Art kennen. Übrigens sind die kleinen Gassen, in der sich die Hauptsehenswürdigkeiten Hoi Ans befinden, sogar Fußgängerzone.

Der perfekte Anzug

Kleider machen Leute – dies haben wir spätestens seit der gleichnamigen Pflichtlektüre von Gottfried Keller in der Schule gelernt. In Hoi An können eure Kleiderwünsche und -träume wahr werden! Hier gibt es so viele Schneider wie sonst nirgendwo in Vietnam. Lasst euch Anzüge oder tolle, individuelle Kleider auf den Leib schneidern. Ein Muss bei einem Besuch in Hoi An!

Phuc Kien Assembly Hall, Vietnan

In den Läden habt ihr eine große Auswahl an Stoffen, Tüll, Knöpfen und Reißverschlüssen. Entweder sucht ihr euch einen Schnitt á la Cavalli, Armani und Co. aus einem Büchlein raus oder bringt am besten gleich ein ausgedrucktes Bild eures Traumstückes mit. Nun nehmen die Schneiderinnen Maß und machen sich an die Arbeit. Meist noch am gleichen Tag erfolgt die erste Anprobe, eine zweite am darauffolgenden Tag, bis euer Kleidungsstück fertig ist und ihr komplett zufrieden seid. Innerhalb von zwei Tagen sind eure neuen Lieblingsstücke fertig. Ich kann euch besonders Kimmy Custom Tailor empfehlen. Fragt eure Schneiderin, denn meist dürft ihr einen Blick hinter die Kulissen werfen und beim Fertigen eurer Artikel über die Schulter schauen.

Doch nicht nur Kleidungsstücke werden maßgeschneidert. Auch hochwertige Lederschuhe und -taschen fertigen Einheimische in Handarbeit. Generell gilt aber, dass ihr lieber in hochwertige Stoffe und Materialien investieren solltet. Denn auch hier hat gute Qualität ihren Preis.

Streets of Hoi An, Vietnam

Sollte euer Koffer schon voll sein oder ihr möchtet auf eurer Backpacking-Reise den neuen Anzug nicht quer durchs Land tragen, ist auch das kein Problem: Die Kleidungsstücke werden von vielen Schneidereien nach Europa versendet. Wenn ihr nun zuhause sitzt, voller Fernweh, und von neuen Roben träumt, könnt ihr euch sogar bei Kimmy Custom Tailor weitere Stücke fertigen lassen. Denn einmal Maß genommen, speichert die Schneiderei eure Maße. Der nächste Anlass für eine außergewöhnliche Robe oder Anzug kommt bestimmt.

Hoi Ans Strände

Nachdem ihr am Vormittag die Sehenswürdigkeiten der Stadt erkundet habt, könnt ihr nachmittags an nahe gelegenen Stränden die Sonne genießen. Der Cua Dai Beach liegt etwa 4 Kilometer von der Stadt entfernt und wird euch mit seinem feinen Sand und klarem Wasser beeindrucken. Ein bisschen weiter nördlich wartet der An Bang Beach auf euch. Der Strand ist meiner Meinung nach sogar noch schöner und oft menschenleer! In kleinen Restaurants, deren Liegen ihr sogar umsonst nutzten dürft, könnt ihr einen Snack einnehmen,

Mit dem Fahrrad kommt ihr schon nach etwa einer halben Stunde am Cua Dai Strand an. Die Straße führt euch heraus aus dem Gewusel der Stadt, vorbei an mit Wasser geschwemmten Reisfeldern und Wasserbüffeln.

Hoi An

Kulinarik und Restaurants

Die vietnamesische Küche hält so einige Überraschungen bereit. Doch was ihr in Hoi An serviert bekommt, übertrifft alles! In Vietnam gibt es einige Spezialitäten, die nur in bestimmten Städten oder Regionen serviert werden. So gibt es in der geschichtsträchtigen Hafenstadt traditionell Cao Lau, ein Gericht mit braunen Reisnudeln und dünnen Scheiben von Schweinefleisch, asiatischen Kräutern und einer dunklen aromatischen Soße. Aber Achtung, seid vorsichtig mit der dazu servierten Chili! Ebenfalls bekannt ist Hoi An für das Gericht Banh Bao, oder auch als White Roses bekannt. Kleine runde Reispapiere werden mit Shrimps und Fleisch gefüllt.

Food Food Food

In der Stadt findet ihr einige tolle Restaurants in jeder Preisklasse. Auch wenn ihr Geld sparen möchtet, investiert zumindest an einem Abend in ein Abendessen in einem der exklusiven Restaurants.

  • Das Restaurant Morning Glory zählt zu den besten der Stadt. Im unteren Stockwerk könnt ihr den Köchen in der offenen Küche bei der Zubereitung zuschauen. Auch wenn für vietnamesische Verhältnisse die Gerichte einen stolzen Preis tragen, werden sie den europäischen Geldbeutel nicht sprengen. Reservierung empfohlen!
  • Im Red Bean bekommt ihr leckeres Seafood, vietnamesische Küche sowie westliche Küche serviert. Übrigens wurde das Restaurant sogar zur Nummer Eins unter den Restaurants in Hoi An gevotet.
  • Cafe 43, zu diesem Restaurant hat es mich nahezu jeden Tag verschlagen, ob zum Frühstück, zu Mittag oder zum Abendessen. Das Essen ist hier lecker und günstig und ihr könnt auf einer gemütlichen Terrasse sitzen. Hierher verirren sich meist Backpacker! Haltet die Augen offen: Unter den gläsernen Tischplatten findet ihr viele Passbilder, die Reisende hier ließen, da sie dieses Restaurant genau so liebten wie ich. Entdeckt ihr mich?

Natürlich gibt es nichts Schöneres, als sich im Urlaub bekochen zu lassen. Aber ein ganz besonderes kulinarisches Erlebnis ist ein Kochkurs, bei dem ihr in die hohe Kunst der vietnamesischen Küche eingeweiht werdet. Häufig starten diese Kochkurse am Markt in der Altstadt, wo die Zutaten besorgt werden, und ihr bekommt zuerst eine Einweisung in all die exotischen Zutaten. Oder wisst ihr etwa, welche Ingwersorte am schärfsten ist?

Ich kann euch Green Bamboo Cooking School & Cafe wirklich empfehlen. Der Kurs kostet 45 US$ pro Person inklusive aller Zutaten und Getränke. Die Zubereitung von Gerichten, wie vietnamesische Suppen, gegrillter Fisch in Bananenblättern und Papaya Salat, könnt ihr hier lernen. Besucher dürfen sich sogar ihre vietnamesischen Lieblingsgerichte von einer langen Liste aussuchen.

Hoi An

Natürlich ist der Markt ein kulinarisches und kulturelles Erlebnis, und in jedem Fall – auch ohne Kochkurs –  einen Besuch wert. Der Markt ist vor allem von Einheimischen für Einheimische und bietet Gemüse, fangfrischen Fisch, Fleisch und alles, was der vietnamesische Haushalt braucht.

Hoi An bei Nacht

Hoi An ist besonders schön bei Nacht, wenn zahlreiche Lichter und Lampions einen ganz besonderen Charme versprühen. Am Fluss spiegeln sich die Lichter wider und ihr könnt in einem der vielzähligen Restaurants und Bars den Tag ausklingen lassen. Jeden Abend findet auf der kleinen Insel der Altstadt ein stimmungsvoller Nachtmarkt statt. Auf den Straßen Hoi Ans könnt ihr Souvenirs, Kleidung und farbenfrohe Laternen kaufen sowie typische Leckereien aus Garküchen und an Essensständen probieren. In den Vollmondnächten wird sogar die gesamte elektrische Beleuchtung ausgeschaltet und Tausende von bunten Lampions sorgen für sanftes Licht. Ein wundervoller Anblick besonders am Fluss, auf dem viele Laternen schwimmen.

Hoi An

Mittlerweile verirren sich viele Backpacker und Individualreisende in das wundervolle Städtchen. Kein Wunder, dass etliche stimmungsvolle Clubs und Bars ihr Pforten öffnen und mit günstigen Preisen für Getränke überzeugen.

Hoi An
Foto: iStock.com/gnomeandi

Und, habe ich euch zu viel versprochen? Auch wenn Hoi An mittlerweile neben der Halong Bay Bucht zu den beliebtesten Touristenzielen in Vietnam gehört, könnt ihr den entspannten Flair des Städtchens genießen. Gerade, weil der Tourismus eine große Einnahmequelle der Einheimischen ist, sind sie stets bemüht, euren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten und euch einen Teil ihrer Kultur zu zeigen.

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