Industriekultur des Ruhrgebiets

So besonders ist die Industriekultur im Ruhrgebiet

Hättet ihr gedacht, dass euch im Ruhrgebiet zahlreiche atemberaubende Aussichten erwarten oder dass ihr hier sogar das größte Indoor-Tauchbecken Europas findet? Und das ist noch längst nicht alles: Klettern in einem ehemaligen Hochofen, Kinofeeling unter freiem Himmel und Eislaufen in der Kulisse einer ehemaligen Kokerei sind im Ruhrgebiet ebenfalls Gang und Gäbe.

Das Besondere aber ist vor allem der industrielle Charme, der sich an vielen Orten bemerkbar macht und eine noch einzigartigere Atmosphäre schafft. Ich möchte euch nun zehn besondere Denkmäler und (Geheim)-Tipps für einen abwechslungsreichen Besuch des Ruhrgebiets vorstellen!

 

 

Fünf faszinierende Denkmäler im Ruhrgebiet

Ich beginne meine Reise durch die Industriekultur des Ruhrgebiets in Oberhausen. Dort findet ihr den Gasometer, der nicht nur aufgrund seiner Höhe von etwa 117 Metern ziemlich beeindruckend ist, sondern auch aufgrund der faszinierenden Veranstaltungen, die regelmäßig in dem ehemaligen Gasspeicher stattfinden. Als man den Speicher im Jahr 1927 errichtete, hat wohl niemand damit gerechnet, dass dieses imposante Bauwerk mal Millionen von Menschen so sehr beeindrucken würde. Doch Ausstellungen wie „Wunder der Natur“ oder „Magische Orte“ haben bisher immer für hohe Besucherzahlen gesorgt. Aktuell dreht sich alles rund um das Thema „Der Berg ruft“. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. Dezember und bringt euch die Welt der Berge auf eine einzigartige Weise näher. Ein echtes Highlight ist aber auch die atemberaubende Aussicht, die euch vom Dach des Gasometers aus erwartet. Ein gläserner Panoramaaufzug fährt euch sogar direkt bis unters Dach, sodass ihr anschließend eine einzigartige Aussicht über das westliche Ruhrgebiet genießen könnt.

Gasometer in Oberhausen
Der Gasometer in Oberhausen ist rund 117 Meter hoch.

Es kann nicht ewig Sommer sein. Doch kein Grund zur Trauer, denn den Winter könnt ihr euch so gut es geht verschönern, zum Beispiel mit ein wenig Eislaufen in einer Kulisse, von der ihr mit Sicherheit niemals gedacht hättet, dass diese zum Eislaufen überhaupt geeignet ist. Inmitten der Kokerei auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein in Essen könnt ihr eure Schlittschuhe anlegen und losflitzen. Während die 150 Meter lange Eisbahn in ein Meer aus Lichtern getaucht ist, könnt ihr den Charme der industriellen Umgebung beim Eislaufen auf euch wirken lassen. Auch das Gelände an sich ist ein absoluter Hingucker. Unterteilt in drei Bereiche, Schacht XII, Schacht 1/2/8 und die Kokerei, verbindet es die Geschichte vergangener Zeiten mit Kunstausstellungen, Konzerten und Events der modernen Zeit. Wo von 1851 bis 1986 noch Steinkohle gefördert wurde, bringen heutzutage verschiedene Events regelmäßig Leben auf das Gelände. Auch ein unverwechselbarer Ausblick auf das Ruhrgebiet erwartet euch beim Besuch des UNESCO-Welterbes, genauer gesagt auf dem Panoramadach der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche. Ein weiteres Highlight ist das Werksschwimmbad an der Kokerei, das im Sommer für Abkühlung sorgt.

Werksschwimmbad in Essen
Im Sommer lädt euch das Werksschwimmbad auf der Zeche Zollverein zum Abkühlen ein.

In der Jahrhunderthalle in Bochum ist immer etwas los. Seien es Festivals, Preisverleihungen, Messen oder Konzerte – zahlreiche Besucher finden sich regelmäßig in der ehemaligen Gaskraftzentrale ein, um sich kulturell und musikalisch berieseln zu lassen. 1902 errichtet, diente die Jahrhunderthalle zunächst als Messepavillon für den Bochumer Verein für Gussstahlfabrikanten und das nicht etwa in Bochum, sondern in der über 40 km entfernten Stadt Düsseldorf. Kurzerhand wurde die Halle aber demontiert und im Jahr 1903 in Bochum wieder aufgebaut. Heute ist die etwa 10.000 m² große Halle unter anderem Gastgeber der RuhrTriennale, eines der wichtigsten Kulturfestivals der Region. Aber auch viele andere Highlights machen die Jahrhunderthalle zu einem ganz besonderen Ort, so zum Beispiel die 90 Meter lange Eislaufbahn, auf der ihr auch dieses Jahr ab dem 15. Dezember bei Musik und buntem Licht über das Eis schlittern könnt oder aber Europas größter historischer Indoor-Jahrmarkt, der im Februar 2019 bereits zum zwölften Mal in der Halle stattfindet.

Eisbahn auf der Zeche Zollverein in Essen
Eislaufen mal anders: Auf der Zeche Zollverein in Essen könnt ihr über eine Eisbahn schlittern. Foto: Achim Meurer Waltzing Meurers

Viele Grünflächen treffen im Landschaftspark Duisburg-Nord auf industriellen Charme und beide doch so gegensätzlichen Faktoren passen in diesem Fall wunderbar zusammen. Sowohl Kultur als auch Sport und Erholung spielen in dem circa 180 Hektar großen Park eine wesentliche Rolle. Während Wiesen und Gärten zum Relaxen einladen, geht es im ehemaligen Gasometer des Landschaftsparks sportlich zur Sache, denn hier findet ihr das größte Indoor-Tauchbecken Europas. Noch nicht genug Sport? Dann macht einen Ausflug in den Hochseilklettergarten im Landschaftspark und werft in luftiger Höhe einen Blick auf Gasometer, Hochöfen und weite Teile des Ruhrgebiets. Für ordentlich Kultur sorgen unter anderem Lesungen und Kino-Events. Und das war noch nicht alles, denn ein unglaublicher Ausblick wartet auch noch auf euch. Auf der Plattform des Hochofens 5 in einer Höhe von 70 Metern könnt ihr den Landschaftspark mal von einer ganz anderen Perspektive betrachten.

Hochseilklettergarten im Landschaftspark Duisburg Nord
Wagt euch in luftige Höhe im Hochseilklettergarten im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Ruhr Tourismus

„Das soll mal eine Zeche gewesen sein?“, habe ich mich gefragt, als ich die Zeche Zollern in Dortmund zum ersten Mal gesehen habe, denn auf mich wirkt das ehemalige Bergwerk sogar etwas schlossartig. Und nicht nur von außen sieht die Zeche besonders aus, sie hat auch noch ein ziemlich abwechslungsreiches Programm zu bieten. Im LWL-Industriemuseum auf dem Gelände der Zeche Zollern könnt ihr beispielsweise mehr über die Geschichte vom Leben unter Tage erfahren. Die begehbare Schachtanlage ist zum Teil noch im Originalzustand, was das Erlebnis Zeche Zollern noch eindrucksvoller gestaltet. Genauso faszinieren dürfte euch aber auch der Ausblick vom Förderturm.

Die Zeche Zollern ist zudem ein Ort des kulinarischen und kulturellen Genusses. Im Restaurant „Pferdestall“, das damals tatsächlich der Pferdestall der Zeche war und die Pferde und Kutschen der Steiger beherbergte, könnt ihr euch Gerichte mit westfälischem und internationalem Einfluss schmecken lassen oder euch im Biergarten entspannt zurücklehnen. Kulturelles Highlight ist dagegen das Festival „Once upon a time“ auf dem Museumsgelände der Zeche. Hier kommt echtes Jahrmarktfeeling auf, unter anderem erwarten euch alte Karussells und talentierte Straßenkünstler. Oder wie wäre es mit einer Fahrt in einem Autoscooter aus den 40er-Jahren? Erlebt die Nostalgie einfach selbst vom 8. bis zum 10. Juni 2019.

Zeche Zollern in Dortmund
Die Zeche Zollern in Dortmund wirkt fast schon schlossartig.

5 (Geheim)-Tipps im Ruhrgebiet

Über den Dächern Dortmunds

 

Wie ihr beim Lesen bereits bemerkt haben dürftet, punktet das Ruhrgebiet vor allem mit atemberaubenden Aussichten. Und auch in den fünf Top-Tipps darf eine einzigartige Aussicht nicht fehlen. Diese bekommt ihr beim Überqueren des „Skywalks Phoenix West“. Hoch oben über den Dächern Dortmunds erwartet euch ein faszinierender Ausblick über die Stadt. Bei den bis zu 64 Metern Höhe, die ihr erklimmen könnt, solltet ihr auf jeden Fall schwindelfrei sein. Dem ein oder anderen mögen dann doch vielleicht die 26 Meter reichen, die ihr nach 99 Stufen erreichen könnt. Wo bis zum Jahr 1998 in Hochöfen noch Eisenerz zu Roheisen verarbeitet wurde, könnt ihr nun über eine ehemalige Gichtgasleitung, dem heutigen „Skywalk“ laufen. So könnt ihr das industrielle Flair des Ruhrgebiets mal von einer ganz anderen Perspektive betrachten. Einzigartig, oder?

Skywalk Phönix West
Überquert den Skywalk Phoenix West in Dortmund und genießt die schöne Aussicht. Foto: Ruhr Tourismus / Achim Meurer (www.achimmeurer.com)

 

Ein Spiel mit dem Licht

 

Licht ist nicht einfach nur Licht. Das beweist das Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna. In den Gärkellern der ehemaligen Lindenbrauerei könnt ihr seit 2001 Licht auf ganz andere Art und Weise erleben. Tief unter der Erde, auf über 2.600 m², bietet sich euch ein buntes Spektakel, das vollkommen einzigartig ist, denn das Zentrum für internationale Lichtkunst ist das erste und einzige Museum, das sich mit dem Thema Licht beschäftigt. Mit ihren Lichtwerken schaffen die Künstler, die für das Meer aus Lichtern verantwortlich sind, eine ganz besondere magische Atmosphäre. In den Räumen finden sowohl eine Dauerausstellung als auch regelmäßig Sonderausstellungen, wie zum Beispiel die Ausstellung „Licht Linien“, statt. Lasst euch bei einer 90-Minütigen Führung die Welt des Lichts näherbringen. Einen Sonntag pro Monat könnt ihr auch ohne Führung durch das Museum schlendern. Doch nicht nur im Museum verzaubert euch Licht in allen Varianten, auch außerhalb des Zentrums wird ein Objekt zum Strahlen gebracht: Wenn es dunkel wird, verwandelt sich der 52 Meter hohe Schornstein der Brauerei in ein leuchtendes Kunstwerk. Das ist definitiv was für’s Auge!

 

Ganz großes Kino

 

Ihr wollt mal wieder so richtig entspannen und einen Film schauen, habt aber irgendwie ein schlechtes Gewissen, wenn ihr bei tollem Wetter in der Wohnung hockt? Dann schaffen Open-Air-Kinos definitiv Abhilfe! Im Ruhrgebiet findet ihr einige Kinos, die euch Filme unter freiem Himmel zeigen. Eines davon ist das Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Seit 1996 bietet die Gießhalle eines stillgelegten Hochofens eine besondere Kulisse für das Open-Air-Spektakel. Auf euch warten aktuelle Filme und Klassiker, die ihr euch bei Anbruch der Dunkelheit anschauen könnt. Ein Biergarten im Landschaftspark sorgt währenddessen für noch mehr gemütliche Atmosphäre.

Weitere Open-Air-Kinos im Ruhrgebiet findet ihr unter anderem auf der Kokerei Zollverein in Essen, auf dem Brauhof der Bochumer Privatbrauerei Moritz Fiege oder im Dortmunder Westfalenpark.

Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord
Beim Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord erwarten euch gemütliche Abende vor der Leinwand. Foto: Michaela Thewes

 

Ein Ort voller Kunst und Kultur

 

Das denkmalgeschützte „CreativQuartier Fürst Leopold“ in Dorsten steht ganz im Zeichen von Kunst und Kultur. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Fürst Leopold, wo von 1913 bis 2001 ursprünglich Kohle gefördert wurde, finden jetzt zahlreiche Veranstaltungen statt, darunter Konzerte, Messen und Kunstausstellungen. In den Eventlocations der Zeche, darunter die Galerie der Traumfänger oder der ehemaligen Waschkaue bekommen die Veranstaltungen zusätzlich einen ganz besonderen Flair verliehen.

Apropos Kunst: Für Künstlerinnen und Künstler ist die ehemalige Zeche ein besonderer Ort, um ihrer Leidenschaft nachzukommen. In mehreren Büros und Ateliers arbeiten die Künstler an ihren Werken und stellen diese aus. Auch die Kulinarik kommt nicht zu kurz: Mehrere Cafés und Restaurants stehen euch zur Verfügung, um zwischen Inspiration und Faszination genüsslich zu schlemmen. Das nenne ich abwechslungsreich!

 

 

Mit dem Mountainbike über die Halde

 

Wer gerne auf seinem Mountainbike unterwegs ist, sollte sich den Mountainbike-Trail auf der Halde Hoheward mal genauer ansehen. Der Trail ist mit etwa 6,3 Kilometern Länge zwar nicht die längste Strecke, dafür aber ziemlich anspruchsvoll. Der ausschließlich für Mountainbiker reservierte Trail hat so ziemlich alles zu bieten: Mal ist die Strecke ebenerdig, mal steinig, ab und zu müsst ihr auf steileren Abschnitten mehr in die Pedale treten, dann erwarten euch aber auch rasante Abfahrten. Die Strecke mag euch einiges abverlangen, das ist aber alles schnell vergessen, wenn ihr auf dem Haldenplateau ankommt und den atemberaubenden Panoramablick über das Ruhrgebiet mit eigenen Augen genießen könnt. Wusstet ihr, dass ihr auf der Halde auch Segway fahren könnt? Bei einer geführten Segway-Tour könnt ihr den Landschaftspark Hoheward auf besondere Art und Weise erkunden.

Die Halde Hoheward bei Sonnenuntergang
Auf dem Haldenplateau der Halde Hoheward angekommen erwartet euch ein atemberaubender Panoramablick. // Foto: Ruhr Tourismus / Ralph Lueger

Entdeckt das Ruhrgebiet!

Das Ruhrgebiet beweist, dass Industrie, Kunst und Natur perfekt vereint werden können. Es ist abwechslungsreicher denn je und überrascht immer wieder aufs Neue mit seinen vielen unterschiedlichen Facetten. Ihr seid dem Charme des Ruhrgebiets verfallen? Dann solltet ihr euch ein Konzert auf dem „JunkYard“, eine Ausstellung im Creativ-Quartier Fürst Leopold oder die atemberaubende Aussicht beim Überqueren des „Skywalks Phoenix West“ nicht entgehen lassen! Wenn ihr noch mehr über die Industriekultur im Ruhrgebiet erfahren wollt, schaut mal bei Ruhr Tourismus vorbei.

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