Faszinierende Halden

Hier liegt euch das Ruhrgebiet zu Füßen

Eigentlich sind die meisten Halden im Ruhrgebiet nur die Überbleibsel aus dem Bergbau – längst sind sie aber ein beliebtes Ausflugsziel für Ruhrgebietler und Besucher aus dem ganzen Land. Das hat einen ganz einfachen Grund: die hohen, aufgeschütteten Abraum-Hügel bieten Besuchern einen fantastischen Blick über das Ruhrgebiet und sind ganz nebenbei oftmals mit coolen Kunstwerken und Mitmach-Installationen geschmückt. Gerade gegen Abend erstrahlen die Anhöhen in einem ganz besonderen Licht.

Ich stelle euch einige der Halden etwas genauer vor und zeige euch, warum ihr diese Industrie-Naturkunstwerke unbedingt auf eure Ruhrgebiets-Bucketlist schreiben solltet. Ich sage nur: ab mit euch auf die Achterbahn!

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Halde Haniel aus der Vogelperspektive

Die Berge des Ruhrgebiets

Hohe Berge sucht man im Ruhrgebiet vergeblich. Das macht aber nichts, denn in vielen Städten im Ruhrpott kann man eine der vielen unterschiedlichen Halden besuchen, die euch bis zu 140 Meter in die Höhe führen. Macht euch deshalb auf den Weg und steigt eine der menschengemachten Erhöhungen unbedingt mal hinauf. Schnappt euch Familie und Freunde, packt ein kleines Picknick mit Mettbrötchen und Bergmann-Bier ein und verbringt einen entspannten Abend mit fantastischen Ausblicken. Einige der Halden waren früher mal Müllkippen oder dienten einfach nur der simplen Schuttentsorgung. Heute blühen an vielen Stellen die buntesten Blumen, die Bäume strotzen nur so vor grünen Blättern und Insekten und Kleintiere fühlen sich hier oben einfach pudelwohl. Wo Industrie einst das Bild bestimmte, hat die Natur wieder Einzug gehalten. Genau diese Entwicklung macht den Charme der Region für mich aus.

Diese Halden machen sprachlos

Bestimmt habt ihr die Stahlinstallation Tiger & Turtle – Magic Mountain auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe schon mal in eurem Instagram Feed gesehen. Wie eine stählerne Schlange windet sich die begehbare Achterbahn hoch über Duisburg in den Himmel und beeindruckt schon aus der Ferne mit ihrer außergewöhnlichen Form. Im Zuge der Umgestaltungen der Metropolregion Ruhr wurde dieses begehbare Kunstwerk vom Künstlerpaar Ulrich Genth und Heike Mutter vor rund sieben Jahren erschaffen – seither gehört diese Halde zu den beliebtesten Hotspots für Fotografen und Touristen in der gesamten Region. Der Ausdruck Magic Mountain passt perfekt, denn gerade in der Dämmerung erscheint das Kunstwerk wie aus einer anderen, magischen Welt.

Parkt am Fuße der Halde und macht euch auf den 2,7 Kilometer langen Spaziergang bis zur Tiger & Turtle. Wagt euch unbedingt auch die vielen Stufen in die Höhe hinauf – ich verspreche euch, es lohnt sich. Je nach Standort erlebt ihr die Achterbahn aus einer völlig neuen Perspektive.

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Foto: Ruhr Tourismus / Achim Meurer (www.achimmeurer.com)

In Gelsenkirchen wartet ein ganz anderes, nicht weniger beeindruckendes Kunstwerk auf euch. Auf der Halde Rheinelbe in Ückendorf seid ihr dem Himmel so nah wie selten im Ruhrgebiet. Auf einem ehemaligen Zechengelände wandert ihr zunächst hinauf zur Spitze der Anhöhe und erklimmt dann die Stufen hoch zur Himmelstreppe. Die Steinformation erinnert von Weitem an die typischen Inukshuk, steinerne Felsfiguren aus der Kultur der Inuit – aus der Nähe wirken die wuchtigen Betonblöcke auf ihre ganz eigene Weise prachtvoll.

Künstler Hermann Prigann verwendete für sein Werk übrigens Steinreste aus alten Zechenanlagen aus der Region und schlägt so auf beeindruckende Art und Weise die Brücke von Alt zu Neu. Seid ihr erstmal oben angekommen, habt ihr einen überragenden Blick bis zum Rhein. Rund um die Himmelstreppe könnt ihr noch einige weitere Kunstwerke entdecken, die ihr euch unbedingt anschauen solltet. Auch hier empfehle ich euch einen Besuch zur Abenddämmerung, denn dann erscheint das himmlische Kunstwerk wie aus einer anderen Welt.

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Die Himmelstreppe in Gelsenkirchen

Sagt euch der Name Haldenereignis Emschblick etwas? Nein? Beim Namen Tetraeder wird bei den meisten dann aber spätestens ein Licht aufgehen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn das riesige dreieckige Kunstwerk auf der Bottroper Halde Beckstraße ist nachts ein illuminiertes Spektakel. Wenn die Sonne untergegangen ist, scheint das Gebilde zu schweben und macht einen Besuch deshalb gerade in lauen Sommernächten zu einem Muss auf eurer Ruhrgebiets-Tour.

Um das Tetraeder zu erklimmen, solltet ihr schwindelfrei sein. Knapp 400 Stufen gilt es vom Fuße der Halde im Tal bis zur Spitze zu erklimmen, doch wenn ihr dann schließlich ganz oben angekommen seid, liegt euch das Ruhrgebiet in seiner vollen Pracht zu Füßen. Überwindet also alle Furcht vor der Höhe und macht euch auf den Weg nach Bottrop.

Die ambitionierten Läufer unter euch sollten sich übrigens die Chance nicht entgehen lassen, beim Tetraeder-Treppenlauf am 09. September teilzunehmen. Sport inmitten beeindruckender Industriekultur – das klingt nach der perfekten Kombi, oder?

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Natur pur und viel Kunst

Jetzt kennt ihr die drei Shootingstars unter den Ruhrgebiets-Halden – doch der Pott hat damit sein Repertoire längst noch nicht ausgeschöpft, das kann ich euch versprechen. Macht die Bühne also frei für fünf (Geheim)-Tipps, die ihr vielleicht noch gar nicht auf dem Zettel hattet.

  • Halde Rheinpreußen: Besonderes Merkmal der Erhebung in der Nähe von Moers ist das Geleucht, eine überdimensionale Lichtinstallation, die einer Grubenlampe nachempfunden ist.
  • Halde Hoheward: Auf dem renaturierten Gelände zwischen Recklinghausen und Herten gibt es ein Horizont-Observatorium – ein cooler Spot für alle, die am liebsten in die Ferne schauen und vor sich hin träumen.
  • Tippelsberg: Ein Lieblingsplatz vieler Bochumer, denn hier hat man den besten Blick auf die Stadt, das Bergbaumuseum und bei klarer Sicht bis nach Essen und Gelsenkirchen.
  • Halde Haniel: Hauptanziehungspunkt ist ein Totempfad aus Eisenbahnschwellen oben auf der Anhöhe der Bottroper Halde. Spektakulär und mystisch zugleich. Natur und Industrie in Bestform.
  • Halde Pluto: Das perfekte Beispiel dafür, wie sich die Natur große Industrie-Brachen wieder zurück holt. Ein wunderschönes Naturparadies in Herne.

Perspektivwechsel

Das Ruhrgebiet wird viel zu oft und völlig zu Unrecht immer wieder unterschätzt. Seid ehrlich – hättet ihr gedacht, dass es hier so viele unterschiedliche Anhöhen gibt, die mit beeindruckenden Kunstwerken wie Achterbahnen, krassen Lichtinstallationen und abwechslungsreichen Ausblicken überzeugen können? Längst verschwimmen die Kontraste zwischen Bergbau-Vergangenheit und dem modernen Ruhrpott und machen Platz für eine coole Mischung aus Industrie-Denkmälern und vielfältiger Natur, die ihr bei gemütlichen Spaziergängen genauso erkunden könnt wie bei actionreichen Läufen. Je mehr der Halden ihr erkundet, desto deutlicher werdet ihr sehen, wie vielfältig und unterschiedlich die Ruhrgebiets-Panoramen sind. Es ist Zeit für neue Perspektiven.

Wenn ihr noch mehr wissen wollt, dann schaut mal bei Ruhr Tourismus vorbei, da findet ihr weitere Infos im Detail. Viel Spaß beim Stöbern.

Mehr Infos zu den Halden

Tiger and Turtle - Magic Mountain
Foto: iStock.com/ThomasSaupe

Macht euch auf den Weg

Macht euch bereit für viele weitere spannende Geschichten über das Ruhrgebiet, denn an jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Lest zum Beispiel, welche coolen Events ihr in der Metropolregion Ruhr besuchen könnt und wo ihr euch durch die unterschiedlichen traditionellen Gerichte und vor allem durch die internationale Küche im Pott probieren könnt. Viel Spaß!

Brettchen Ruhrgebiet

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Betragsbild: Ruhr Tourismus / Achim Meurer (www.achimmeurer.com)