Während ihres Praktikums bereist Mara die Welt. Ihre nächste Reise führt sie nach Marokko, genauer gesagt ins faszinierende Marrakesch. Was sie dort erlebt und welche Tipps sie euch mit auf den Weg gibt, lest ihr hier.

Gewimmel in den Souks, der Geschmack saftiger Datteln, frischer Fladen und süßen Minztees, der Duft von unzähligen Gewürzen, bunte Mosaike, Schlangenbeschwörer, Gaukler und Händler, die ihre Waren anpreisen, buntes Gewimmel auf den Straßen und enge kleine Gassen mit rotgestrichenen Häusern – all das ist Marrakesch für mich. Auch bei meinem zweiten Besuch dieser faszinierenden Stadt des Orients konnte ich gar nicht genug bekommen von all dem Trubel und dem Leben in den Straßen. So ließ ich mich drei Tage lang einfach treiben, was rückblickend (wie so oft) die beste Entscheidung war.

Maras Eindrücke von Marrakesch

Besuch in einem traditionellen Hamam

Bei einem Aufenthalt in Marokko sollte meiner Meinung nach der Besuch in einem Hamam nicht fehlen. Ein Hamam ist ein Dampfbad, das man überwiegend im arabischen Raum findet. Man kann sich darunter das vorstellen, was wir in Deutschland als Dampfgrotte bezeichnen würden. Die Hamams in Marokko führen auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück und spielen bis heute eine wichtige Rolle in der marokkanischen Kultur. Besonders marokkanische Frauen lieben es, sich an ihrem freien Tag mit der besten Freundin zu verabreden, um Stunden im Dampfbad zu verbringen und zu tratschen. In Marrakesch gibt es unzählige Hamams, sodass ich regelrecht die Qual der Wahl hatte. So habe ich einfach ein bisschen rumgefragt, da ich Wert daraufgelegt habe, dass es sich um ein traditionelles Hamam handelt und nicht um eine Abklatschvariante für Touristen. Ich habe schließlich von einem Ladenbesitzer den Tipp für das „Hamam – Place des Épices Spa“ bekommen. Man kann sich dort zwischen verschiedenen Paketen entscheiden und beispielsweise zusätzlich zu dem klassischen Schwitzpart noch eine Massage oder eine Beautybehandlung auswählen.

Der Ablauf im Hamam gestaltet sich in etwa folgendermaßen: Zuerst schwitzt und entspannt man im Dampfbad, danach wird man mit verschiedenen Mixturen, Masken und einer Art Tonpackung eingeschmiert, anschließend kann man eine „Full Body Scrub“-Behandlung bekommen (nach der ich das Gefühl hatte, meine komplette Haut hätte sich abgeschält) und nach einer heißen Dusche wird man schließlich noch mit Blumenwasser besprenkelt. So ein Besuch in einem traditionellen marokkanischen Hamam ist durchaus etwas Spezielles und nicht jedermanns Sache – ich selbst habe mich nach der Behandlung wie neu geboren gefühlt und würde es jederzeit wieder machen.

Hammam
Nein, ich bin definitiv KEIN Supporter des Ku-Klux-Klans, das ist nur der Bademantel, in den man sich nach der Dusche kuscheln darf.

La Crêperie de Marrakesch

Wie ihr zwischenzeitlich vielleicht bemerkt habt, esse ich für mein Leben gern. Hierbei habe ich eine besondere Vorliebe für Crêpes und hatte bereits bei meinem letzten Besuch in Marrakesch vor drei Jahren die für mich bis heute weltbeste Crêperie entdeckt. Sie liegt zwar außerhalb der Medina, ist aber vom Bahnhof aus zu Fuß gut zu erreichen. Der Gründer der „La Crêperie“ stammt aus Frankreich, was erklärt, warum die Crêpes hier so fantastisch sind. Bringt am besten ordentlich Hunger mit, da ein einzelner Crêpe bereits recht füllend ist. Ich empfehle euch zunächst einen der salzigen (Käse-Tomate-Champignons; Roquefort-Frühlingszwiebeln-Shrimps) und anschließend unbedingt einen der süßen Crêpes zu probieren. Mein absoluter Favorit: Karamell mit einem Hauch von Salz. Zur „La Crêperie“ gehört auch ein Graupapagei namens Captain Hook. Bereits vor drei Jahren war ich begeistert von seinen Französischkenntnissen und davon, dass er sogar die französische Nationalhymne singen konnte.

Market – N°98 – Mustapha

Gegen Spätnachmittag, spätestens ab den frühen Abendstunden, macht der zentrale Marktplatz Djemaa el Fna, auch „The Square“ genannt, eine regelrechte Wandlung durch. Der Trubel und das bunte Treiben nimmt stetig zu, dicke Rauchschwaden steigen auf und besonders rund um die zahlreichen Essensstände wird es laut. Marokkaner rufen laut durcheinander, preisen ihre rollenden „Mini-Restaurants“ an und versuchen, Gäste unter den vorbeiströmenden Menschen zu gewinnen. Hierbei ähneln sich die meisten Essenstände sehr. Man kann sie in folgende Kategorien einteilen: Fleisch, Fisch, süße marokkanische Backwaren, Nüsse, Früchte, Gewürztee, aber auch exotische Sachen wie Schnecken und gegrillte Schafsköpfe.

Der Trubel und das bunte Treiben nehmen stetig zu, dicke Rauchschwaden steigen auf… 

Einer der Stände, an denen leckerer Fisch angeboten wird, hebt sich deutlich von den anderen ab: N°98 Mustafa! Bereits von weitem sah ich eine riesige Menschentraube, überwiegend bestehend aus Marokkanern, die sich um den Stand gebildet hatte. Sämtliche Plätze auf den zum Stand gehörigen Holzbänken waren besetzt, doch nach kurzem Warten konnte ich mich auf einen freigewordenen dazuquetschen. Ich empfehle den Mixed Teller zu bestellen, der nicht nur unheimlich lecker, sondern auch günstig ist. Er besteht aus Fladen, Pommes, zwei Dips aus zerstampften Auberginen und Tomaten und vorzüglichem Fisch und Calamari.

Djemaa el Fna, Mustapha (1)

Live-Musik in der Bar „Monte Cristo“ in New Town

Wenn ihr wie ich große Fans von Live-Musik und kleinen Jazz-Bars seid, fragt einfach den Besitzer einer der unzähligen Musik-Läden in der Medina, ob er einen Tipp hat, wo am Abend eine kleine Jam Session oder ein Konzert stattfindet. Eine weitere Möglichkeit ist es, in das Monte Cristo in New Town (dem neuen Teil der Stadt Marrakesch) zu gehen, da dort fast jeden Abend verschiedene unheimlich gute Live-Bands performen. Von Jazz über Soul bis zum Covern von guten alten Klassikern findet man hier alles. Lasst euch nicht von dem äußerst edlen Look des Gebäudekomplexes des Monte Cristos oder auch von den vielen Anzugträgern und aufgestylten Damen abschrecken –  wenn ihr nicht gerade in Jogginghose und Adiletten aufmarschiert, kommt ihr dort auf jeden Fall rein, auch in legerer Kleidung.

Vermeintlich hilfsbereite Marokkaner

Ich habe die marokkanische Mentalität und die Menschen dort nach meinem zweiten Aufenthalt in Marrakesch sehr zu schätzen gelernt. Die Hilfsbereitschaft, die Freundlichkeit und die lockere Art sagen mir unheimlich zu. Trotzdem gibt es leider immer wieder Ausnahmen, was nicht weiter dramatisch ist, wenn man Folgendes beachtet: Wenn ihr auf dem Square seid, auch nur wenige Minuten auf einer Stelle verweilt und euch dabei wohlmöglich noch suchend umschaut, dauert es meist nicht lange, bis ein vermeintlich überaus hilfsbereiter Marokkaner auftaucht, der euch „advice“ geben will. Er wird euch vermutlich anbieten, euch zu eurem Hotel oder zu dem gewünschten Restaurant zu führen, anschließend aber ein horrendes unangemessenes Trinkgeld verlangen. Es kann auch vorkommen, dass ihr gar nicht zur gewünschten, sondern zu einer x-beliebigen Adresse geführt werdet, wo ihr euch dann überhaupt nicht mehr auskennt und der zunächst scheinbar nette Guide trotzdem auf sein Trinkgeld beharrt. Wenn ihr nach dem Weg fragt, erkundigt euch am besten bei Ladenbesitzern. Falls euch jemand von den Ladenbesitzern anbietet den Weg zu zeigen, dann klärt im Vorfeld ab, ob die Hilfe umsonst ist oder ob ein Trinkgeld erwartet wird.

Was übrigens Taxis in Marrakesch angeht: Nehmt bloß nicht das Nächstbeste! Werdet ihr von einem Taxifahrer angesprochen, lehnt zunächst dankend ab, geht ein paar Meter weiter und sprecht selbst einen Taxifahrer an, um dann einen Preis auszuhandeln. Die Taxifahrer, die Eigeninitiative ergreifen und Leute ansprechen, verlangen oftmals über 50 Dirhams mehr für eine Strecke.

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Marokko abseits der Touristenpfade kennenlernen

Für Marrakesch wurde mir keine klassische Challenge aufgetragen. Ich sollte versuchen, Marokko ein wenig abseits der Touristenpfade, vielleicht mit der Hilfe ein paar Einheimischer, kennenzulernen. Lustigerweise war ich bereits, als mir die Challenge mitgeteilt wurde, in einem Café mit einigen Musikern ins Gespräch gekommen. Alle kamen aus verschiedenen Teilen Marokkos, wohnten jetzt aber seit geraumer Zeit in Marrakesch, um sich dort als Musiker durchzuschlagen. Einer der Jungs, Simo (Spitzname für Mohamed), war es auch, der mir die Live-Bar Monte Cristo zeigte, in der er und seine Musikerfreunde selbst auftraten. Am folgenden Tag wurden wir alle von Simo zu einem traditionellen Tajine Essen eingeladen. Unter einer Tajine, dem wohl populärsten traditionellen Gericht Marokkos, kann man sich ein Schmorgericht in einem speziellen Lehmtopf vorstellen.

Das müsst ihr probiert haben:

  • Tajine
  • Couscous
  • Frisch gepressten Orangensaft vom Djemaa el Fna
  • Marokkanische Süßigkeiten und Gebäck

Angedacht war, dass wir mittags essen. Hierbei darf aber das marokkanische beziehungsweise generell afrikanische Verständnis von Zeit nicht unerwähnt bleiben. Letztendlich wurde aus dem Mittagessen ein Abendessen, für das das Warten sich allerdings zweifelsfrei gelohnt hatte. Die Fisch Tajine, die Simo uns zauberte, hatte er nach dem alten Originalrezept seiner Mama gekocht und so bekommt man ihn wohl kaum in einem Restaurant vorgesetzt.

3 Dinge, die man unbedingt erlebt haben muss

Bevor sich mein Bericht zu Marrakesch dem Ende neigt, möchte ich euch noch 3 Dinge ans Herz legen, die ihr in Marrakesch unbedingt erlebt haben müsst.

  • Den Sonnenuntergang auf einer Dachterrasse bewundern und sich von den Gebetsrufen verzaubern lassen.
  • Eine traditionelle marokkanische Teestunde erleben: Grüner Tee wird mit viel Zucker gekocht und frische Minze wird hinzugefügt.
  • Sich abends auf dem Djemaa el Fna (=„The Square“), dem zentralen Markplatz Marokkos einfach treiben lassen, durch zahlreiche Essensstände probieren und Musiker, Gaukler, Künstler und Schlangenbeschwörer bestaunen.

Übrigens: Wie es mir in meinem Hotel in Marrakesch gefallen hat, das erfahrt ihr in meinem ausführlichen Bericht zum Riad Noor Charana.

Au revoir Marrakesch

Kaum zu glauben, wie schnell drei Tage in einer Stadt wie Marrakesch vorübergehen können. Aber andererseits fühlt es sich fast so an, als wäre ich eine Woche dort gewesen, gemessen an dem, was ich erlebt habe. Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Besuch in dieser pulsierenden Stadt, denn ich komme früher oder später wieder – so viel steht fest. Weitere Tipps für einen unvergesslichen Trip ins wunderschöne Marrakesch findet ihr in meinem Reisemagazin. Jetzt geht es für mich aber erstmal weiter auf die Kanaren, genauer gesagt nach Gran Canaria.