Eure gebuchte Reise soll ein Error Fare gewesen sein? Der Anbieter will mehr Geld? Hier erfahrt ihr, wie eure Rechte in solch einer Lage genau aussehen.

Habt ihr schon mal von Error Fares gehört? Von super günstigen Flügen nach Ägypten für 4€ beispielsweise, oder einem Städtetrip nach Budapest für nur 6€ inklusive Flügen und Hotel? Wie geht das, fragt ihr euch? Nicht immer sollen die Reisen auch wirklich so günstig sein, manchmal handelt es sich hier auch schlicht und einfach um Preisfehler. Dann hat sich vielleicht einfach jemand beim Einstellen des Preises vertan. Auch ich präsentiere gelegentlich Angebote, die offensichtlich durch einen Preisfehler entstanden sind. Wichtig ist hierbei immer, nicht noch einmal beim Veranstalter anzurufen und sich zu vergewissern, ob der Preis auch so seine Richtigkeit hat – denn dann bemerkt man beim Anbieter natürlich den Fehler und korrigiert ihn sofort. Dann ist das gute Angebot weg. Warum aber erzähle ich euch das alles?

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Preisfehler bei der Urlaubsbuchung – Wie ist hier die Rechtslage?

Mein Leser Johannes hat bei mir eine Malediven-Reise gefunden. Wie ihr ja wisst, bin ich lediglich der Vermittler und helfe euch, die besten Schnäppchen-Angebote zu finden. Die Reise selbst wird dann über den jeweiligen Reiseveranstalter gebucht. Johannes hat eine Malediven-Reise zum Schnäppchenpreis von 2.188€ für zwei Personen gebucht. Dies wurde vom Reiseveranstalter zunächst auch schriftlich bestätigt. Später berief sich der Reiseveranstalter allerdings auf einen angeblichen Preisfehler; wegen höherer Flugkosten könne die Reise zu dem ursprünglichen Preis nicht durchgeführt werden. Mein Leser erhielt daraufhin eine zweite Buchungsbestätigung über 2.822€.

Vorsorglich hat der Reiseveranstalter den Vertrag wegen Irrtums angefochten. Unser Kunde wollte jetzt natürlich wissen, welche Rechte er hat und ob er den Differenzbetrag von 634€ zahlen muss oder nicht.

Anwältin Celina Werbinski klärt auf: Der Grund für den Preisfehler ist entscheidend

Grund genug für mich, Reiserechtsexpertin und Rechtsanwältin Celina Werbinsky zu befragen. Sie hat mir dazu Folgendes erklärt:

„Der Reisevertrag kommt durch Angebot und Annahme zustande. Ein verbindliches Angebot gibt der Reiseveranstalter durch Veröffentlichung auf der Internetseite allerdings noch nicht ab. Das Angebot liegt vielmehr erst in der Bestellung des Kunden, die Reise zu dem auf der Internetseite des Reiseveranstalters angegebenen Reisepreis abschließen zu wollen. Mit der Reisebestätigung des Reiseveranstalters nimmt dieser das Angebot des Kunden an und der Reisevertrag wird zu den entsprechenden Konditionen geschlossen. D.h., im vorliegenden Fall hat Johannes mit dem Reiseveranstalter einen Reisevertrag zu dem im Internet angegebenen Reisepreis in Höhe von 2.188€ geschlossen. Denn der Reiseveranstalter hat dem Kunden eine schriftliche Buchungsbestätigung zukommen lassen.

Achtung: Der Reiseveranstalter hat dem Kunden hier eine zweite Buchungsbestätigung über 2.822€ zugesandt. Darin liegt wiederum ein neues Angebot des Reiseveranstalters, einen Reisevertrag über 2.822€ abschließen zu wollen. Johannes hat dieses Angebot jedoch nicht angenommen. Das bloße Schweigen hat im Rechtsverkehr grundsätzlich keine Bedeutung.“

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Kalkulationsirrtum kein triftiger Grund für Preiserhöhung

Also: Es bleibt bei dem (ursprünglichen) Reisevertrag zu einem Reisepreis von 2.188,00 EUR. Der Reiseveranstalter ist grundsätzlich an den geschlossenen Reisevertrag gebunden. Es stellt sich die Frage, ob er berechtigt gewesen ist, den Reisevertrag nachträglich wegen Irrtums anzufechten. Die Anfechtung eines Reisevertrages kann nur im Einzelfall und bei Vorliegen eines zur Anfechtung berechtigenden Irrtums erfolgen. Ein solcher Irrtum kann in Form des Erklärungsirrtums vorliegen, wenn bspw. aufgrund eines Systemfehlers in der Software die Reise zu einem falschen, da zu niedrigen Preis, angeboten wurde. Voraussetzung hierfür ist, dass der Fehler auf einem Irrtum beruht, welcher einem Verschreiben oder Versprechen gleich kommt. Ein solcher Fall liegt insbesondere dann vor, wenn der Erklärende (Reiseveranstalter) zwar seine Angaben in den Computer fehlerfrei eingibt, die von ihm genutzte Software diese Daten aber auf dem Weg zum Empfänger fehlerhaft verändert. Im gegebenen Fall wurden die Preise allerdings richtig in den Computer eingegeben und auch weiter verarbeitet. Der Reiseveranstalter möchte den Vertrag anfechten, weil er die Reise aufgrund höherer Flugkosten nicht zu dem bestätigten, niedrigeren Reisepreis anbieten kann. Man spricht hier von einem sog. Kalkulationsirrtum. Ein Kalkulationsirrtum berechtigt grundsätzlich nicht zur Anfechtung des Vertrages; die Kalkulation liegt ausschließlich im Verantwortungsbereich des Reiseveranstalters.

Aber Achtung: Der Vertragspartner (Kunde), der bereits bei Vertragsschluss erkennt oder erkennen muss, dass die Erklärung des anderen auf einem derartigen Irrtum beruht und deshalb annehmen muss, dem Vertragspartner (Reiseveranstalter) ist die Durchführung des Vertrages unzumutbar, handelt nach Ansicht der Gerichte rechtsmissbräuchlich, wenn er auf die Durchführung des Vertrages besteht. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn zwischen dem realistischen und dem veröffentlichten Reisepreis eine nicht zu übersehene Diskrepanz liegt und vergleichbare Angebote deutlich teurer sind. Die Rechtssprechung hat eine Differenz von 2.000,00 EUR für nicht zumutbar erachtet.

Fazit: Mein Leser hat einen Reisevertrag zu dem ersten Reisepreis in Höhe von 2.188,00 EUR geschlossen. Dieser Vertrag ist für den Reiseveranstalter bindend; ein Recht zur Anfechtung bestand nicht. Der Differenzbetrag in Höhe von 634,00 EUR muss nicht geleistet werden, da kein entsprechender Vertrag geschlossen wurde. Der Kunde kann vielmehr auf die Durchführung des Vertrages zu den ersten Konditionen bestehen.

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Leser Johannes hat Glück – Preisfehler gilt

Mein Leser Johannes hat also Glück gehabt. Er kann zum gebuchten Preis ins Paradies fliegen. Wie ihr gesehen habt, ist es aber nicht ganz leicht zu durchschauen, ob man als Kunde tatsächlich ein Recht auf den ursprünglich gebuchten Preis hat, oder nicht. Achtet in erster Linie auf die jeweilige Begründung des Anbieters dafür, warum der Preis letztendlich erhöht wurde.

Verfahrt wie folgt:

  • 1. Speichert auf jeden Fall jegliche Korrespondenz mit dem Reiseanbieter
  • 2. Nehmt auf keinen Fall das neue Angebot an
  • 3. Lest euch genau durch, was der Veranstalter als Grund für die Preiserhöhung angibt
  • 4. Wägt ab, ob es sich um einen Irrtum handelt
  • 5. Fragt im Zweifel noch einmal bei eurem Anwalt nach und kündigt dies auch beim Anbieter an
  • 6. Seid hartnäckig, das zahlt sich in vielen Fällen aus