Wer eine längere Reise plant und gerade kein Vermögen parat hat, der sucht natürlich immer nach günstigen Angeboten zum Übernachten. Gerade als Student sitzt das Urlaubsgeld nicht besonders locker und trotzdem wünscht man sich, soviel von der Welt zu sehen wie nur eben möglich. Daher möchte ich euch heute eine spannende Alternative zu teuren Hotels vorstellen: Couchsurfing!

So günstig wie möglich an den unterschiedlichsten Orten der Welt übernachten, das ist der Wunschgedanke vieler Weltenbummler. Gleichzeitig sollte die Unterkunft natürlich zentral liegen und Reisende möchte möglichst viel von Land, Leute und Mentalität mitbekommen. Damit diese Wünsche in Erfüllung gehen, solltet ihr nach günstigen Hotels und Hostels ausschau halten. Wer es etwas abenteuerlicher mag, der kann aber auch auf den bekannten Couchsurfing-Webseiten nach einer kostenlosen Schlafmöglichkeit in den nächsten Städten suchen.

Ich möchte euch heute zeigen, wie das Couchsurfing-Konzept entstanden ist, wie es genau funktioniert und was euch erwartet, wenn ihr euer Lager in den Wohnungen von fremden Leuten aufschlagt. So könnt ihr euch bei euren kommenden Reisen entscheiden, ob ihr euch für ein paar Tage einen Gastgeber in der Couchsurfer-Community suchen wollt und mit diesem dann versteckte Ecken seiner Stadt entdeckt. Denn meistens geht es nicht nur darum, einem anderen Mitglied der Community nur ein kostenloses Bett anzubieten, sondern auch dessen Gesellschaft zu teilen und sich auszutauschen.

Couchsurfing auf einen Blick

Konzept | Gastgeber sein & Gast werden | Regeln | Erfahrungsbericht | Fazit

Group of friends holding an earth globe

Das Couchsurfing Konzept

Das Couchsurfing Konzept ist so einfach wie genial. 2004, vor mehr als 10 Jahren, entdeckten die Gründer der Community von couchsurfing.org, Casey Fenton, Daniel Hoffer, Sebastian Le Tuan und Leonardo Bassani da Silveira, dass es viel Menschen auf der Welt gibt, die ihr Leben und ihre Couch gerne mit anderen teilen möchten. Durch die Webseite könne man Freunde treffen, von denen man noch gar nicht wisse, dass sie mal zu netten Wegbegleitern werden sollen – so lautet die Idee. Reisen sollen durch die persönlichen Begegnungen mit Einheimischen wertvoller und vielfältiger werden.

Reisen sollen durch die persönlichen Begegnungen mit Einheimischen wertvoller und vielfältiger werden.

So kommen auf der Couch eines Israelis vielleicht Australier und Brasilianer zusammen, trinken gemeinsam ein Bier und erzählen über ihr Leben, ihre Träume und Wünsche. Nirgendwo sonst treffen die unterschiedlichsten Kulturen so direkt aufeinander – selbst an internationalen Flughäfen bleiben Landsleute oft automatisch und unbewusst unter sich.

Neben couchsurfing.org gibt es natürlich noch weitere ähnliche Webseiten, deren Konzept sehr ähnlich funktioniert. Hier sind zum Beispiel hospitalityclub.org und bewelcome.org zu empfehlen. Klickt euch einfach mal durch alle drei Angebote.

Video: Couchsurfing

Gastgeber sein und Gast werden

Die „Hosts“ (Gastgeber) der Community sind nicht unweigerlich auch Couchsurfer und auch nicht jeder, der so durch die Welt reist, bietet seine eigene Wohnung selbst auch Fremden als Übernachtungsort an. Wer Mitglied in der größten internationalen Community von couchsurfing.org werden möchte, meldet sich ganz einfach an und  richtet sein Profil ein. Hierbei ist es wichtig, viele persönliche Informationen preiszugeben, die den anderen Mitgliedern die Möglichkeit geben, einzuschätzen, ob ihr zueinander passt oder vielleicht auch nicht. Zu diesen Infos gehören persönliche Interessen, aber auch Wünsche und Ziele für die Zukunft.

Two Women Chatting in a Coffee Shop

Außerdem könnt ihr hier schon eure vorherigen Couchsurfing-Erfahrungen preisgeben und so den ersten Eindruck perfekt machen. Wenn ihr nach möglichen Couches in eurem nächsten Reiseziel sucht, dann wird es euch freuen, wenn ihr User findet, deren Profil viel über ihre Persönlichkeit verrät. Besonders hilfreich sind Fotos, denn so zeigt ihr der Welt, wen sie vor sich haben. Viele sympathische Bilder erhöhen die Chance, als Gast oder Host ausgewählt zu werden.

Regeln und Grundsätze der Couchsurfing Community

Die Community funktioniert eigentlich nach einem ganz einfachen Prinzip. Wer als Gast bei einem anderen Mitglied der Gemeinschaft unterkommt, soll seinen Schlafplatz immer so hinterlassen, wie er ihn vorgefunden hat. Gastfreundschaft soll nur im positiven Sinne ausgenutzt werden, etwa wenn der Host den Couchsurfern die Stadt zeigt oder auch seine Lieblingsplätze.shutterstock_Sleeping man_klein

Das wichtigste Kriterium sind eigentlich immer die jeweiligen Bewertungen. Sowohl Gastgeber als auch Gast bewerten sich gegenseitig. Ähnlich wie bei den bekannten Bewertungsportalen wie Holidaycheck könnt ihr hier sehen, wie gut der Gast oder auch der Host bei anderen Mitgliedern der Gemeinschaft angekommen ist. Gute Bewertungen sind wichtig und sind oft ausschlaggebend dafür, ob ein potentieller Gastgeber die Anfrage eines Reisenden annimmt oder auch nicht.

Der Gedanke einer friedlichen Internet-Gemeinschaft, die ihr Leben mit anderen Menschen teilt und verschiedene Kulturen miteinander verbindet, klingt fast schon zu romantisch. Doch es scheint zu funktionieren, denn couchsurfing.org verzeichnet mehr als 12 Millionen Mitglieder in mehr als 200 000 Städten auf der ganzen Welt.shutterstock_Backpacker Camping Hiking Journey Travel Trek Concept_klein

Erfahrungsberichte und schicksalhafte Begegnungen

Syrien | Marokko | Malaga

Wer sich im Internet über die kostenlosen Schlafplätze schlau macht, findet viele spannende Erfahrungsberichte von Couchsurfern aus aller Welt. Ich möchte euch drei unterschiedliche Geschichten und Berichte vorstellen, die die Vielfalt der Erlebnisse und Eindrücke zeigen, die die Mitglieder der Community erleben durften.

Couchsurfing in Syrien – und was danach passierte

Bei meiner Recherche zu diesem Artikel bin ich durch Zufall via Twitter auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung gestoßen, der zeigt, was sich aus einer Nacht auf einer fremden Couch alles entwickeln kann. Der deutsche Student Tom verbringt 2011 einige Tage im Nahen Osten und surft eines Nachts auch auf der Couch des Syrers Nabil. Die beiden haben eine gute Zeit in Homs und freunden sich an. Tom reist weiter und beide adden sich bei Facebook. Als der Bürgerkrieg in Syrien beginnt, kontaktiert Nabil Tom und bittet ihn um Hilfe bei der Beantragung eines Visums. Ein Einladungsschreiben eines Deutschen hilft Nabil, seine Anfrage nach einem Schengen-Visum zu bekräftigen. Beide schreiben sich nach dieser Bitte tausende von Facebook-Nachrichten und Tom versucht in Deutschland diverse Fäden zu ziehen, um seinem Kumpel zu helfen. Nach langem Hin- und Her und einigen bangen Wochen ohne jeglichen Kontakt kann Nabil mit seiner Freundin tatsächlich nach Deutschland reisen und Tom holt beide sogar vom Flughafen in Frankfurt ab. Lest euch die ganze Story auf jeden Fall noch einmal in voller Länge durch. Die Geschichte ist wirklich lesenswert.

Eine Nacht in der Wüste von Marokko

Ihr habt vor einigen Wochen vielleicht mein dreiteiliges Special von meiner Leserin Minna über ihre Couchsurfing-Erfahrungen in Marokko gelesen. Gemeinsam mit ihrem Freund war sie in Marrakesch und außerdem in der Wüste von Marokko unterwegs. Die Erfahrung, mitten in Wüste zu schlafen oder in einem der typischen Berberhäuser zu nächtigen, war sicherlich einmalig. Ihr könnt den ganzen Erlebnisbericht über in meinem Reisemagazin nachlesen. Viel Spaß dabei.

Sahara Overnight

Mit Juan auf ein Bier in Malaga

Die Internet-Community ist nicht nur gut für kostenlose Schlafmöglichkeiten. Diese Erfahrung hat Jana gemacht. Während eines Städtetrips nach Malaga kontaktierte sie Juan, einen Local, der bereit war, ihr die schönsten Ecken der andalusischen Stadt zu zeigen. Jana hatte sich schon im Voraus ein gemütliches Hostel gesucht und wollte ihren Schlafplatz nicht aufgeben. Gemeinsam mit anderen Gästen des Hostels erkundeten sie also einfach nur mit ihrem „lebenden Reiseführer“ Juan die Stadt. Bei einem Bierchen tauschten sie sich über das Leben aus und probierten sich in einer Tapas-Bar durch die kulinarischen Köstlichkeiten der Stadt. Danach gingen alle wieder ihrer Wege. Auch so kann Couchsurfing funktionieren. Einheimische zeigen Besuchern ihrer Stadt und kommen so mit den unterschiedlichsten Kulturen und Menschen in Kontakt. Nicht immer endet die Zusammenkunft am Ende des Tages auf der Couch.

Group Of Friends Enjoying Drink At Outdoor Rooftop Bar_shutterstock_klein

Wer sich in seiner Nähe mit anderen Mitgliedern der Gemeinschaft treffen möchte, kann an den unterschiedlichsten Events in seinem Heimatort teilnehmen. Dort treffen sich alle Interessierten und grillen, quatschen und knüpfen Kontakte. Wer sein Englisch stetig verbessern will, ist hier genau richtig. Nirgendwo kann man besser Konversation betreiben als hier.

Mein Fazit

Couchsurfing  kann euch die Reise enorm erleichtern, weil ihr viel Geld sparen und gleichzeitig viele neue Eindrücke sammeln könnt.  Ein wenig Mut gehört vielleicht auch dazu, doch wenn ihr eurem Bauchgefühl vertraut und euch an die Gastgeber und Gäste mit vielen guten Bewertungen haltet, werdet ihr eine tolle Zeit mit vielen neuen Bekannten verbringen. Ein gute Möglichkeit, sowohl die Ruhe eines Hotels als auch die Gesellschaft von Einheimischen zu genießen, ist folgende: Je nach Aufenthaltsdauer könnt ihr in der jeweiligen Stadt erst ein paar Tage couchsurfen und  Stadt und Leute kennenlernen. Danach könnt ihr euch in einem gemütlichen Hotelzimmer einrichten und ganz für euch die Gegend erkunden. So schlagt ihr gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Übrigens gibt es auch genug Beispiele von Familien und Pärchen, die couchsurfend die Welt entdecken. Man muss also nicht unbedingt alleine reisen, um die vielen unterschiedlichen Kulturen und Menschen ganz persönlich kennen zu lernen.

Ich wünsche euch viel Spaß. Wenn ihr mir eure Reisegeschichte erzählen wollt, dann schreibt mir einfach! Ich freue mich über jede Reisestory.