Wenn euch schroffe Klippen, die aus dem Meer herausragen, Vulkane, Geysire und grüne Landschaften bis zum Horizont genauso gut gefallen wie mir, dann sollte eure nächste Reise auf die Azoren gehen. Einen kleinen Vorgeschmack auf die bezaubernde Inselgruppe gibt’s hier in meinen Azoren Tipps.

Wer Lust auf eine Auszeit fernab von überfüllten Sandstränden, Partymeilen und Hotelkomplexen hat, für den sind die Azoren ein passendes Ziel. Die Inselgruppe ist ein wahres Naturparadies für alle Aktivurlauber unter euch. Erlebt die Vielfalt der unterschiedlichen Inseln, wandert abgelegene Pfade entlang, genießt den Ausblick über den Atlantik, beobachtet Wale und Delfine vor der Küste und erlebt unberührte Natur.

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Azoren Tipps – die Inseln auf einen Blick

Die Azoren bestehen aus neun verschiedenen Inseln. Inselhopping bietet sich da perfekt an. Obwohl die Inseln alle Gemeinsamkeiten haben, hat doch jede seinen eigenen Charme. Am besten stelle ich sie euch alle mal kurz vor:

  • São Miguel: São Miguel ist die Hauptinsel der Azoren. Hier erwarten euch heiße Quellen, Berge und unzählige Aussichtspunkte. Hier liegt ebenfalls der Flughafen der Azoren, Ponta Delgarda, der aus Deutschland das ganze Jahr angeflogen wird. Für euren Urlaub ist São Miguel der beste Ausgangspunkt.
  • Santa Maria: Santa Maria ist die südlichste Insel der Azoren und zugleich Heimat von feinen Sandstränden. Neuerdings könnt ihr auch mit einer Fähre von São Miguel für einen Ausflug nach Santa Maria fahren und die Insel einen Tag lang erkunden.
  • Faial: Diese Insel ist ein wahres Hortensienparadies! Überall werdet ihr auf blaue und fliederfarbene Blumenfelder treffen. In der Inselhauptstadt Horta liegt ein bekannter Segelhafen, der für Reisen zwischen der Karibik und Europa von Bedeutung ist.
  • Pico: Der höchste Berg Portugals, der Vulkan Pico, ist der Namensgeber dieser Insel. Ein Aufstieg auf den Gipfel lohnt sich auf jeden Fall. Früher war Pico Hauptschauplatz des Walfangs. Heute ist es der beste Ort, um bei einer Bootsfahrt Wale und Delfine zu beobachten.
  • Terceira: In den 80er Jahren wurde die Inselhauptstadt Angra do Heroismo durch ein Erdbeben zerstört und wieder aufgebaut und kurze Zeit später durch die UNESCO sogar zum Weltkulturerbe ernannt. Einen Besuch der Höhlen solltet ihr nicht verpassen.
  • Graciosa: Übersetzt bedeutet der Inselname „die Anmutige“, was meiner Meinung nach den Charakter der Insel ziemlich gut beschreibt. Auf der ganzen Insel gibt es nur vier Orte.
  • São Jorge: São Jorge ist für seine Steilküsten bekannt. Lange Zeit galt die Insel noch als Geheimtipp für Surfer, mittlerweile zieht es immer mehr Wellenreiter an die Küste. Aber Achtung, die Wellen sind hier teilweise sehr rau, also nur etwas für geübte Surfer!
  • Flores: Auf Flores findet ihr den wohl schönsten Wanderweg der ganzen Azoren (Faja Grande). Auf der Frühlingsinsel könnt ihr das ganze Jahr lang grüne Landschaften genießen.
  • Corvo: Auf Corvo gibt es nur eine Straße und die führt zur einzigen Sehenswürdigkeit: einem erloschenen Vulkan. Wer erholsame Stille sucht, wird die ganz gewiss hier finden.
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Lagoa do Fogo auf der Insel Sao Miguel

 Ein Paradies für Naturliebhaber

Wenn ihr euch jetzt fragt, was man auf den Azoren erleben kann, lautet die Antwort: nicht viel. ;-) Aber gerade dafür sind die kleinen Insel so beliebt!
Fun Fact: Der Name der Azoren ist durch einen Fehler entstanden. Das portugiesische Wort „Açor“ bedeutet „Habicht“. Die Seeleute dachten, sie hätten diese Vögel auf den Inseln entdeckt, dabei waren es Mäusebussarde. Habichte gibt es auf den Azoren gar nicht.
Ihr könnt hier stundenlang Wanderwegen folgen, die noch nicht komplett von euren Vorgängern platt getrampelt sind und in die Ferne schauen, ohne auch nur eine Menschenseele zu sehen oder bei einem gemütlichen Picknick auf den saftig grünen Wiesen mit Meeresblick die Seele baumeln lassen. Genau diese Ruhe ist es, welche die Azoren so einzigartig macht und warum ich jedem eine Reise hierhin empfehlen würde, der eine Auszeit fernab vom Massentourismus sucht.

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Ausflug ins Grüne

Die Natur der Azoren ist einzigartig und fast immer grün. Durch den Atlantik herrscht auf den Inseln ein mildes Klima: im Sommer ist es nicht zu heiß und im Winter wird es nicht zu kalt. Außerdem sind die Azoren Heimat von vielen endemischen Pflanzen. Das bedeutet, dass ihr Pflanzen sehen könnt, die an keinem anderen Ort der Welt vorkommen, sondern nur auf den Azoren. Bei einer Wanderung könnt ihr die Schönheit der Azoren am besten erleben. In fast jedem Ort gibt es Wanderwege, die euch zu den schönsten Plätzen führen. Mit Sicherheit kommt ihr auch an einem der zahlreichen Wasserfälle vorbei. Den Salto do Cabrito auf São Miguel solltet ihr nicht verpassen – kleine Erfrischung gefällig? ;-) Seid bei eurer Wanderung auf jedes Wetter gefasst, hier kann es innerhalb weniger Minuten vom wolkenlosen Himmel zu Stürmen umschlagen. Zwar werdet ihr auf den Azoren nie winterliche Temperaturen wie in Deutschland erleben, rechnet aber mit mehreren Wetterumschwüngen an einem Tag. Ein Sprichwort der Azorer sagt: „Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte eine halbe Stunde.“

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Hortensien am Lagoa das Sete Cidades

Inseln der heißen Quellen

Falls euch der Regen doch erwischt hat, könnt ihr euch nach der Wanderung in einer der vielen Thermen aufwärmen. Bei Ginetes gibt es eine Meeresbucht, die von einer heißen Quelle gespeist wird und in der das Wasser daher immer angenehm warm ist. Ihr erkennt die Bucht an ihren Seilen, die durch das Wasser gezogen sind. Durch den Wellengang ist das Wasser etwas unruhig, an den Seilen könnt ihr euch festhalten. Im Parque Terra Nostra im kleinen Örtchen Furnas könnt ihr wunderbar entspannen. Die Farbe des Thermalbeckens wirkt zwar durch die bräunliche Farbe nicht ganz ansprechend, hüpft trotzdem einfach rein und lasst die Seele baumeln. Wenn ihr in das kleine Dorf fahrt, werdet ihr bestimmt schon den typischen Schwefelgeruch erkennen. Am Lagoa das Furnas gibt es besonders viele Schwefelquellen. Die Restaurants kochen hier auf traditionelle Weise in Tontöpfen ihr Essen, das ihr auf jeden Fall probieren müsst: Maiskolben und Cozido (Eintopf) sind für die Inseln typische Gerichte.

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Um auf den Inseln herum zu kommen und alle schönen Ecken zu sehen, empfehle ich euch, einen Mietwagen zu buchen. Auf allen Inseln gibt es viele Aussichtspunkte, sogenannte Miradouros. Haltet einfach nach den braunen Schildern Ausschau, so verpasst ihr keine Aussicht. Wer die Vulkane aber nicht nur aus weiter Ferne sehen will, kann bei einigen auch bis zum Gipfel wandern. Besonders beliebt ist der Vulkan Pico auf der gleichnamigen Insel. Da das Wetter sich aber sehr schnell ändern und man durch die dichte Wolkendecke auf dem Vulkan leicht die Orientierung verlieren kann, rate ich euch nur mit einem Guide den Pico zu erklimmen! Auch für erfahrene Bergkletterer ist der Aufstieg noch kniffelig.

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Ausblick auf den Lagoa das Sete Cidades vom Aussichtspunkt Vista do Rei

Whale Watching

Seit 1981 ist der Walfang auf den Azoren gesetzlich verboten. Vorher durften die Inselbewohner hier lebende Wale jagen und weiterverarbeiten. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern legten die Azoreaner großen Wert auf Ausgeglichenheit. Es wurde nur so viel gejagt, wie auch gebraucht wurde. Viele Tiere konnten die Azoreaner eh nicht jagen, da sie nicht mit großen Waffen, sondern traditionell von Hand gejagt haben. Eine Waljagd dauerte dann gut und gerne mal einen ganzen Tag! Heute rücken die Inselbewohner den Walen und Delfinen (ja, die leben auch hier!) nur noch mit dem Boot zum Whale Watching auf die Pelle. In den Gewässern leben insgesamt 24 verschiedene Walarten, viele von ihnen bleiben das ganze Jahr über hier. Die Wahrscheinlichkeit, einen Wal oder Delfin bei einem Bootsausflug zu sehen, liegt bei 95%. Manche Veranstalter geben euch sogar das Geld zurück, falls ihr kein Tier beobachten konntet. Ein absolutes Muss für jeden Azoren-Urlauber!

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Und, wie gefallen euch die Azoren bisher? Für eine Auszeit sind die kleinen Inseln mitten im Atlantik ein perfektes Reiseziel. Mit ihrer unberührten Natur haben sie sich den Titel „Perlen des Atlantiks“ redlich verdient und mit meinen Azoren Tipps wisst ihr nun, welche Ecken der Inseln ihr bei eurer Reiseplanung nicht verpassen solltet.