Work & Travel ist für viele eine tolle Möglichkeit, durch die Welt zu reisen und dabei sogar noch Geld zu verdienen. Das ist oft mit einigen Fallstricken verbunden, die einem den Spaß am Reisen nehmen können. Was passieren kann, lest ihr hier.

Was kratzt der sich denn da unten die ganze Zeit? Mein Kollege steht zwei Meter neben mir und irgendwas stimmt nicht ganz mit ihm. „F*** THERE’S SOMETHING IN MY PANTS!“, schreit er mich an. Keine 3 Sekunden später steht er unten ohne vor mir, und tatsächlich, eine riesige, freakige Spinne krabbelt aus seiner Hose. Ihm geht es mittlerweile wieder gut, ist auch noch alles heile, aber die Erfahrungen, die ich damals in Australien gemacht habe, sind schon nicht ohne. Ja, auch euer Urlaubsguru war mal für ein Jahr Work&Travel in Australien unterwegs. Mittlerweile machen es ja fast alle. Nach dem Abi oder während des Studiums ein Jahr Auszeit, ab in den Flieger und am liebsten nach Down Under, aber auch Neuseeland und die USA sind gern gewählte Ziele zum Reisen und Arbeiten. Fruit Picking ist wohl ungeschlagene Nummer 1 der Work&Travel Jobs, viel und schnelle Kohle, braune Haut und süße Krabbeltiere, wohoo. Wer keinen Bock auf Bananen pflücken hat, kann aber auch bei McDonalds gut für kurze Zeit arbeiten, oder im Einzelhandel.

Work&Travel abzocke

Aber wart ihr schon mal in Down Under? Wisst ihr, wie viele Deutsche da rumcruisen? Ach, und mit den Deutschen noch etliche Amis, Engländer, Franzosen, alle möglichen Nationen stampfen da rum, weil Australien ja auch ein verdammt cooles Land ist. Das große Problem jedoch: Die wenigen Jobs sind rar umkämpft. Häufig dauert es mehrere Wochen, bis man endlich einen Job bekommt. Den Tränen nahe vor Glück, ist der Stundenlohn plötzlich total egal. Vertrag? Ach, wer braucht den schon! Urlaubstage? Wochenendtarif? Wird schon alles stimmen! Genau dieses Unwissen nutzen jedoch zahlreiche Arbeitnehmer aus. Mieser Stundenlohn, keine Wochenend- oder Feiertagszuschläge, keine Überstunden, verspätete oder gar keine Bezahlung.

World Tour

Einige Leser haben sich bei mir gemeldet und von ihren enttäuschenden Work&Travel Erfahrungen berichtet. Deswegen habe ich mich mal bei den australischen und deutschen Behörden schlau gemacht und es ist tatsächlich absolut ungenügend, sogar echt enttäuschend, wie einfach es ist, in Australien abgezockt zu werden.

Eine von vielen Work&Travel Erfahrungen: Betrogen vom Arbeitgeber

Dessous verkaufen ist besser als Garnelenfarm, dachte sie sich. Nun steht Alex (Name geändert) da mit 4000 Dollar Miese und einem Jahr Kampf gegen den ehemaligen Arbeitgeber und das australische System. Im Herbst 2013, Studium in der Tasche, Freund in Australien, zog die damals 24 Jährige mit einem Work&Travel-Visum an die australische Ostküste. Nach wochenlanger Suche fand sie endlich einen Job als Verkäuferin in einem Unterwäscheshop. Am Anfang war alles cool. „Die Kollegen waren echt nett, alle ziemlich neu“, berichtet mir Alex, „doch es gingen auch schon ein paar Stories rum, von ehemaligen Kollegen, die alle paar Wochen in den Shop kommen und nach ihrem Geld fragen.“ Auch für Alex fingen die Probleme mit der ersten Lohnabrechnung an. „Schon mein erstes Gehalt stimmte nicht. Erst nach Tagen setzte sich mein Chef mit mir zusammen und wir gingen alle Arbeitsstunden durch.“ Am Ende zahlte er den gesamten Lohn, doch Woche für Woche sollte es das gleiche Spiel sein. „Jede Woche musste ich hinter meinem Geld her rennen. Einige Male fehlten sogar mehrere Hundert Dollar und er beschuldigte mich, dass ich das Geld schon herausgenommen habe.“ Warum sie nicht einfach kündigte? „Es gab keine anderen Jobs, aktuell ist es echt hart für Work&Traveler in Australien“, erklärt Alex.

Fruit Picking klein

Trotz der zeitweiligen Probleme wurde Alex vom Arbeitgeber hoch angesehen. Schon nach 4 Wochen wurde ihr der Posten des Store Managers angeboten. „Dann hätte ich aber gar keine Freizeit mehr gehabt, deswegen lehnte ich das Angebot ab.“ Das sollte ihr größter Fehler sein, denn von da an ging es steil bergab. „Am nächsten Zahltag gab es einfach kein Gehalt für mich. Für alle lag ein Umschlag im Tresor, doch meiner war nicht dabei“, berichtet Alex. „Ich rief meinen Chef hundert Mal an, schrieb ihm Nachrichten, doch er meldete sich einfach nicht.“ Unwissend darüber, welche Wege man in Australien gehen kann, rief sie bei der Polizei an. „Die erklärten mir, dass ich mich an Fair Work Ombudsman wenden muss, die seien für sowas zuständig.“ Fair Work ist eine Art nationale, gesetzliche Gewerkschaft in Australien, die einschreitet, wenn Differenzen zwischen Arbeitgeber und -nehmer auftauchen. In einem ausführlichen Gespräch mit Fair Work erfuhr Alex erstmals von den Rechten, die sie als Arbeitnehmer, auch als Work&Traveler hat, vom australischen Mindestlohn, Feiertagszuschlägen, Rentenbeiträgen etc. „Es war so krass, was ich da erfahren habe, was ich eigentlich hätte verdienen sollen, das weiß man als Ausländer gar nicht.“ Noch mehr als eine Woche sollte es dauern bis Alex ihr Gehalt erhielt. „Ich drohte meinem Chef, eine Beschwerde bei Fair Work einzureichen, dann hätten die nämlich Nachforschungen angestellt – naja, das habe ich zumindest gedacht.“

Ein paar Tage später reichte Alex ihre Kündigung ein, mit einer Frist von zwei Wochen. „Daraufhin wurde ich mit Vorwürfen bombardiert und richtig böse beschimpft“, erzählt Alex. „Von jetzt auf gleich unterstellte er mir, dass ich geklaut hätte – aber das war nur, um mir Angst zu machen.“ Sie bereitete ihre Beschwerde bei Fair Work vor. „Es ging mir nicht um die Drohungen, sondern um das Geld, was er mir unterschlagen hat. Ich hätte teilweise das Doppelte an Stundenlohn bekommen müssen, er hätte mir Wochenend- und Feiertagszuschläge zahlen müssen, in die Rentenkassen einzahlen – ach so viele Sachen, die gesetzlich vorgeschrieben sind und er mir nicht zahlte.“

Fair Work Document – geschwärzt

Nach dem letzten Arbeitstag stand noch ein letztes Gehalt von 1000 Dollar aus. „Natürlich lag mein Geld nirgendwo und mein Chef antwortete auf keine meiner Nachrichten, Anrufe, Emails… Ich versuchte alles.“ Zwei Wochen nach Zahltag erhält Alex eine kurze Nachricht, dass sie ihr Gehalt im Shop abholen kann. „Ich habe echt geglaubt, dass ich zumindest die 1000 Dollar bekomme – falsch gedacht!“ Vor Ort konfrontierte die Storemanagerin Alex mit einem „Seperation letter“, den sie unterschreiben sollte, ansonsten gäbe es kein Geld. „Der Brief besagte, dass ich mit meiner Unterschrift zustimme, dass ich keine weiteren Forderungen an meinen Arbeitgeber stelle und mit Erhalt meines letzten Gehalts jeglicher Kontakt beendet ist“, berichtet Alex. „Ich habe den Zettel natürlich nicht unterschrieben und bin vor allen Leuten einfach total ausgerastet.“ Ihr Chef rief sie an und drohte, den Sicherheitsdienst des Shoppingcenters zu rufen und die Ausländerbehörde zu alarmieren, die sie aus dem Land schmeißen würden. „Das war natürlich alles nur Angstmacherei, es tauchte keiner auf, aber mein Geld bekam ich auch nicht.“

„Wir haben den Fall geschlossen“ – Leichtes Spiel für Arbeitgeber

Dieses Szenario ist nun genau ein Jahr her. Alex ist seit einigen Monaten wieder zurück in Deutschland. Seit dem Vorfall im Februar 2014 versucht sie nun an ihre 4000 Dollar zu kommen. Ohne Erfolg! „Ich schickte meine Beschwerde an Fair Work und schilderte die Situation“, erzählt Alex. „Man muss jegliche Nachweise liefern, dass man tatsächlich dort arbeitete, wie viel Gehalt man bekam, und man muss zusammenrechnen, wie viel Geld der Arbeitgeber einem schuldet – das sind insgesamt knapp 4000 Dollar.“ Beweise zu liefern war gar nicht so einfach. Denn Alex hatte, wie zahlreiche andere Work&Traveler, weder einen Arbeitsvertrag bekommen, noch ordentliche monatliche Abrechnungen. Dennoch lieferte sie eine 30-seitige Beschwerde mit SMS-Screenshots, Fotos und Kontaktdaten von ehemaligen Kollegen ab und bekam eine Bestätigung von Fair Work, dass diese nun ermitteln würden.

„Ich wusste von Anfang an, dass Fair Work lediglich beide Parteien an einen Tisch bringt, um eine Einigung zu finden, deswegen informierte ich mich auch bei Legal Aid, ob ich auch aus dem Ausland Anzeige erstatten könnte, falls es zu keiner Einigung kommt“, erzählt Alex, „und man sagte mir: ‚Ja‘!“ Legal Aid ist eine australische Behörde, die kostenfrei juristische Hilfestellung bietet. Dass diese nicht immer korrekt ist, musste Alex später erfahren.

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Einige Wochen später bekam Alex eine Benachrichtigung von Fair Work: „Attempts by FWO to contact your former employer have been unsuccessful. As a result the Fair Work Ombudsman does not intend to pursue any further assessment against the company.“ Kurz gesagt: Fair Work versuchte den Arbeitgeber zwar zu kontaktieren, da dieser jedoch einfach nicht antwortete, wurden die Ermittlungen eingestellt.

Auf Nachfrage vom Urlaubsguru äußert sich Fair Work Ombudsman distanziert zu dem Fall. Ein Pressesprecher lässt verlauten: „The Fair Work Ombudsman has made extensive efforts to locate and contact Ms […] former employer, but these efforts have so far been unsuccessfull.“ Man habe mehrfach versucht, mit dem Arbeitgeber in Kontakt zu treten, diese Bemühungen seien bislang jedoch erfolglos gewesen. Inwieweit es korrekt und fair sei, dass Arbeitgeber einer Konfrontation entgehen, indem sie lediglich den Kontakt zu Fair Work meiden, dazu wollte man sich nicht äußern.

Australische Behörden – bewusst unkooperativ?

So schnell wollte Alex aber nicht aufgeben. „Ich kontaktierte jegliche Instanz, jede australische Behörde, um herauszufinden, was ich noch tun kann, wie ich Anklage gegen meinen Chef erheben kann – doch es wollte mir einfach keiner helfen.“ Von den meisten Anlaufstellen hieße es, man dürfe keine Auskünfte per Email rausgeben, selbst Legal Aid, mit denen sie vorher bereits in Kontakt war, lehnte weitere Auskünfte ab. Alex kontaktierte die australische Botschaft in Berlin, auch die deutsche Botschaft in Australien, dort sagte man ihr, dass es sich bei dem Fall um keine diplomatische Angelegenheit handle, und somit auch keine Hilfe geboten werden kann. „Man riet mir jedoch ein paar deutsche Anwälte zu kontaktieren, die in Australien ansässig sind“, erzählt mir Alex, „doch alle, die ich kontaktierte, sagten nur, dass sie unentgeltlich keine Informationen rausgeben.“

Federal Court Email keine Hilfe

In einem Interview mit dem Pressesprecher der australischen Botschaft in Berlin erklärt mir Günter Schlothauer, dass die Botschaft keine rechtlichen Fälle behandeln kann. „Die konsularische Unterstützung ist auch begrenzt, privat-rechtliche Dinge müssen die Geschädigten selbst in die Hand nehmen.“ Über vermehrte Problematiken von Work&Travelern in Australien sei ihm nichts bekannt. „Bislang waren uns derlei Schwierigkeiten von deutschen Reisenden in Australien, wie sie im geschilderten Fall auftauchen, nicht bekannt. Wir werden das Thema jedoch in Zukunft stärker in den Blick nehmen und auch an andere Instanzen weiterleiten.“

Gerichtsverfahren gegen Arbeitgeber – nur mit persönlicher Anwesenheit

Nach Monaten der Zurückweisungen stellte Alex endlich einen Kontakt zum „Queensland Civil and Administrative Tribunal“ her, einem unabhängigen Gerichtshof, bei dem sie einen Small Claim, eine Anzeige gegen den Arbeitgeber erstatten konnte. „Ich weiß, dass ein Small Claim meine letzte Möglichkeit ist, doch ich wusste halt nicht, wie ich das aus dem Ausland mache“, erzählt mir Alex. „Da gibt es so viele tausend verschiedene Formulare, da blickt man überhaupt nicht durch.“ Zum Glück gab es da jemanden, der trotz offiziellem „QCAT registry staff are unable to provide legal advice“ Alex weiterhalf. „Ich stand über Wochen mit der Dame von QCAT im Emailkontakt und sie erklärte mir, welche Formulare ich auszufüllen habe, welche zusätzlichen Nachweise ich liefern muss, und wo alles hingeschickt wird.“ Vor zwei Monaten schickte Alex die Papiere nach Australien. Keine zwei Wochen später bekam sie eine Email vom Federal Court of Australia. „In der Email stand, dass die Formulare, die ich dahin geschickt habe, falsch gewesen seien – natürlich – man schickte mir aber auch die richtigen Formulare zu, die ich dann einfach online abschicken kann.“

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Das hörte sich doch fast erfolgversprechend an, wäre da nicht diese kleine Bemerkung ganz unten in der Email: „You should also be aware that once this matter is accepted for filing, a personal appearance by you will be required when this matter is before the Court.“ Kurz gesagt: Wird Alex‘ Anzeige gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber weiter behandelt, muss sie persönlich vor dem australischen Gericht erscheinen. „Jetzt bin ich der Sache schon so nahe, und dann das“, sagt mir Alex. „Ich will es echt nicht verstehen, warum die australischen Behörden es einem so wahnsinnig schwer machen. Ist doch klar, dass ich nicht einfach mal kurz nach Australien düsen kann.“ Alex fragt mehrfach nach, ob sie nicht per Videochat über Skype oder per Konferenzschaltung mit dem Richter reden und ihre Aussagen machen kann… doch Pustekuchen. Die Antwort der Federal Courts: „If you decide to proceed with the small claim you must be present in Australia to attend the first court date and any subsequent hearing. A party cannot be represented by a lawyer in small claim matters. The Court does not conduct hearings via Skype.“ Übersetzt: Wenn die Anzeige bearbeitet werden soll, müsse sich Alex zum ersten Gerichtstermin in Australien befinden und ebenfalls für anschließende Anhörungen anwesend sein. Skype sei nicht zugelassen.

Ein Fehler im System – Betroffene sind machtlos

„Nach zehn weiteren Emails, in denen ich erklärte, dass ich nun mal nicht eben nach Australien kommen kann, vor allem nicht für mehrere Monate – was ja eigentlich klar sein sollte – sagte man mir nur, dass man mir nicht weiterhelfen könne, ich mich aber an das Queensland Law Public Clearing House für weitere Rechtsberatung wenden könne.“ Das QPILCH ist eine nicht kommerzielle Rechtsberatungsstelle für Privatpersonen, die sich vor Gericht selbst vertreten. Schon Monate zuvor hatte Alex die Behörde kontaktiert und wurde abgewiesen. Dieses Mal nicht. „Man konnte mir auch keine Lösung liefern, aber immerhin gab man zu, dass da ein Fehler im System vorliegt.“ In der Email heißt es: „In letzter Zeit sind wir auf zahlreiche ähnliche Fälle gestoßen und ich kann bestätigen, dass diese Regelungen sehr enttäuschend sind und die Betroffenen absolut machtlos macht.“ Man riet Alex eine Beschwerde gegen Fair Work Ombudsman einzureichen, damit eines Tages eine Gesetzesreform durchgeführt würde.

QPLCH Screenshot

Aktuell sieht die Lage wie folgt aus: In den nächsten Wochen will Alex die richtigen Formulare ausfüllen, um den Small Claim in Australien endlich zu starten. „Ich kann das irgendwie nicht loslassen“, erzählt mir Alex. „Ich versuche weiter, um mein Recht zu kämpfen.“ Einen kleinen Erfolg konnte sie dann aber doch schon verzeichnen. „Ich habe meine Steuererklärung für den Job in Australien ganz normal gemacht, denn selbst als Work&Traveler kann man die bezahlten Steuern zurückfordern“, erklärt mir Alex. Keine drei Wochen später bekam sie tatsächlich die Bestätigung und den gesamten angeforderten Betrag von 700 Dollar überwiesen. „Mein Arbeitgeber hat mir zwar die Steuern vom Lohn abgezogen, aber ich bin mir sicher, dass er sie nicht bezahlt hat“, erzählt Alex. „Umso überraschter war ich, wie reibungslos das verlief.“

Was die Steuererstattung in Australien angeht, läuft das aber generell anders ab, als bei uns in Deutschland. Ist man mit einem Work&Holiday Visum in Australien, kann man am Jahresende so gut wie alle seine Steuern zurückerstattet bekommen. Man muss noch nicht einmal beweisen, wie viele Steuern man tatsächlich bezahlt hat, man bekommt generell erst einmal alles erstattet. Erst Monate, teilweise Jahre später wird dann überprüft, ob die Angaben korrekt waren und es müssen gegebenenfalls Nachweise erbracht werden. „Ich freue mich erst einmal über diesen kleinen Erfolg“, sagt Alex. „Aber wer weiß, ob ich in ein paar Monaten einen Brief bekomme und dann Nachweise bringen muss, die ich ja nur sporadisch habe.“

Tipps vom Profi – So kann man einer Abzocke entgehen

Alex negative Work&Travel Erfahrung ist gewiss nicht die einzige. Ich habe noch ein paar andere Berichte bekommen, die ähnliche Problematiken aufweisen. Stefanie zum Beispiel schrieb mir, dass sie 2 Monate auf einer australischen Farm arbeitete und einen hohen Lohn versprochen bekam. Am Ende wurde sie lediglich mit ein paar Dollar pro Stunde abgefertigt, verlor über 5000 Dollar.

Farm Work klein

Ein paar wichtige Tipps, wie man einer Abzocke während des Work&Travel Aufenthalts entgehen kann, gab mir Tanja Kuntz von Travelworks: „Man sollte immer eine schriftliche Vereinbarung verlangen, in der die Konditionen des Arbeitsverhältnisses festgelegt sind. Kommt es am Ende zu Schwierigkeiten, hat man etwas schwarz auf weiß.“ Solche Fälle seien zwar nicht die Regel, „es kommt aber schon vor. Deswegen sollen sich Betroffene, die mit uns den Work&Travel Trip organisieren, auch sofort bei uns melden, sodass wir den Arbeitgeber aus unserer Jobdatenbank nehmen und andere davor warnen können.“ Jährlich betreut Travelworks rund 10.000 Reisende, die als Work&Traveler, als Freiwilligenarbeiter, Au-Pair oder Schüler ins Ausland gehen. „Wir bieten einen 24-Stunden-Service, falls jemand mal in der Klemme steckt, kann man unsere Ansprechpartner in Deutschland, oder die vor Ort jederzeit kontaktieren.“ Würde es zu einem Lohnbetrug kommen, wie es bei Alex der Fall war, kontaktieren die australischen Kooperationspartner den betreffenden Arbeitgeber und man setze sich dafür ein, dass der Lohn korrekt ausgezahlt würde. Und wenn das nichts bringt: „Unsere australischen Partner kennen sich im australischen Arbeitsrecht bestens aus und kontaktieren die entsprechend zuständigen staatlichen Stellen, die dann ihrerseits einfordern, dass der betrügende Arbeitgeber den rechtmäßigen Lohn auszahlt. Sollte der Arbeitgeber sich weiter widersetzen, werden ggf. gerichtliche Schritte eingeleitet. Es bleibt also nicht nur bei eindringlichen und ermahnenden Worten.“

Reiserecht_Gericht_Richter_Anwalt

2000 Betrugsfälle in 2 Jahren – Auch Work&Traveler beantragen Unterstützung

In den letzten 2 Jahren seien über 2000 Anfragen von internationalen Work&Travelern eingegangen, erklärte mir Fair Work Ombudsman, die einen Betrug durch ihren Arbeitgeber meldeten. In 2011 bis 2012 habe Fair Work die Betrugsfälle von 77 Work&Travelern gelöst und knapp 67,000 Dollar an lohnbezogenen Ansprüchen eingeholt. Im Finanzjahr 2013 bis 2014 waren es bereits 262,000 Dollar für 201 Visuminhaber, und im letzten Jahr, 2013 bis 2014, wurden 309 Work&Traveler unterstützt und haben nach Vermittlung durch Fair Work 345,000 Dollar nachträglich ausgezahlt bekommen. Der Behörde sei zunehmend bewusst, dass Work&Traveler leichte Beute seien und deswegen besondere Hilfestellung benötigen. „Ausländische Arbeiter sind sich nur selten ihrer Arbeitnehmerrechte unter australischem Gesetz bewusst – vor allem das zumeist junge Alter, die Sprache und kulturelle Hindernisse kreieren vermehrte Schwierigkeiten“, erklärt mir ein Pressesprecher von Fair Work. „Aus diesem Grund arbeiten wir kontinuierlich an neuen und verbesserten Wegen, um Work&Traveler über ihre Rechte, insbesondere über den Mindestlohn aufzuklären.“

Eure Rechte beim Work&Travel in Australien

Fair Work schickte mir eine ganze Liste an Fakten, die man als Work&Traveler in Australien wissen sollte, um am Ende keine böse Überraschung zu erleben.

  • Der Mindestlohn in Australien liegt bei $16,87 pro Stunde, oder $640,90 pro Wochenende
  • Startet ihr einen neuen Job, solltet ihr einen Fair Work Informationsbrief erhalten
  • Notiert eure gearbeiteten Stunden und euren erhaltenen Lohn
  • Merkt euch den Namen des Arbeitgebers und die ABN, die Registernummer des Unternehmens
  • Verlangt einen schriftlichen Arbeitsvertrag bzw. ein Dokument, das die Konditionen des Arbeitsverhältnisses darstellt
  • Der Arbeitgeber muss euch innerhalb eines Tages der Lohnzahlung eine schriftliche Lohnabrechnung geben
  • Ihr könnt euren Arbeitgeber über den Mindestlohn und weitere Ansprüche, wie Rentenbeiträge etc., fragen, oder ihr checkt die aktuellen Richtlinien mit Fair Work

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Natürlich wird nicht jeder während seines Work&Travel Aufenthalts in Australien über’s Ohr gehauen, aber es kann doch ziemlich einfach passieren. Meistens ist es dann schon mit einer Drohung, oder mit einer Beschwerde bei Fair Work getan, aber, wie ihr gesehen habt, manchmal klappt auch gar nichts. Das australische System bietet zwar einige Hilfestellungen, doch kommt es hart auf hart, wird der Work&Traveler ziemlich im Regen stehen gelassen. Inwieweit Alex mit ihrer Anzeige durchkommt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Günter Schlothauer von der australischen Botschaft riet, dass man ja noch weitere Wege ausschöpfen könne. „Wenn der Small Claim nicht funktioniert, kann man eine Etage höher gehen und gegen diese Regelung Anklage erheben. Irgendwann landet man dann bei der höchsten Instanz.“

Doch ob sich dieser Aufwand und vor allem dieser Stress über einen so langen Zeitraum wirklich lohnt, muss jeder selbst entscheiden. Ich würde euch raten, vor dem Trip die Rechte in eurem Zielland zu checken und dann einfach gar nicht erst verkohlen lassen :-)