Kein Land steht in diesen Tagen so im Fokus wie Brasilien. Wenn Fußball-WM ist, steht die Welt bei uns ein bisschen still. Keiner will ein Spiel der deutschen Mannschaft verpassen und die Gespräche bei der Arbeit, zu Hause und auf der Straße drehen sich nur um den liebsten Sport der Deutschen. Ich bin auch schon sehr aufgeregt und habe mir gestern Abend mit Spannung die Eröffnungsfeier in der Corinthians-Arena in São Paulo angeschaut. Ich muss sagen, die Brasilianer haben mich schon damit und natürlich mit ihrem Sieg beim Eröffnungsspiel gegen Kroatien beeindruckt. Vielleicht haben wir alle etwas mehr Dominanz der Gastgeber erwartet, aber alles in allem war das doch kein schlechter Einstieg in die Heim-WM. Aber wir wissen ja alle: Die Weltmeister fliegen mit dem Jet der „Fanhansa“ nach Hause ;).

Brasilien ist für viele ein Sehnsuchtsland, das vor allem für Samba, Caipirinha und gutaussehende sportliche Menschen in knappen Badeoutfits bekannt ist. Wir denken zuerst an die Copacabana und den Zuckerhut, an die imposante Christusstatue in Rio, den berühmten Karneval und an schneeweiße, kilometerlange Strände. Ich habe mich gefragt, wo wohl die deutsche Nationalmannschaft ihr Basislager aufschlägt. Ihr habt es alle mitbekommen, Mannschaft und Betreuer sind mit dem eigens umbenannten Lufthansa Airbus „Fanhansa“ nach Salvador geflogen. Im Bundesstaat Bahia werden Müller, Poldi und Co. die meiste Zeit der WM verbringen. Das erste Gruppenspiel gegen Portugal am Montag findet in Salvadors WM-Arena Fonte Nova statt.

Salvador ist eine dieser Städte, die uns vielleicht weniger bekannt ist, da Meldungen über Brasilien häufig mit Rio de Janeiro oder São Paulo zusammenhängen. Und auch, wenn es darum geht, nach Brasilien zu reisen, kommen einem als perfekte Ziele zuallererst diese Millionenstädte in den Sinn. Ich möchte euch heute zeigen, was Salvador als Ziel attraktiv macht und welche Highlights hier auf alle warten, die sich auf den Weg in den Nordosten des riesigen Landes machen.

fan_Wm_deutschland_brasilien_mini

Salvador de Bahia

Salvador ist mit 2,9 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Brasiliens und gleichzeitig die Hauptstadt des Bundesstaates Bahia. In Brasilien sind die Dimensionen etwas andere. Bahia beispielsweise ist einer von 26 Bundesstaaten und ist so groß wie Deutschland, Österreich, die Schweiz und Tschechien zusammen. Einfach riesig also. Da ist es auch kein Wunder, dass die Nationalmannschaft nach der Landung am Flughafen noch einige Zeit unterwegs war, bis sie ihr endgültiges Quartier Campo Bahia erreicht hatte.

Ehemalige Hauptstadt mit afrikanischem Flair

Salvador war bis zum Jahr 1763 die brasilianische Hauptstadt und wird auch das „Schwarze Herz Brasiliens“ genannt. Früher diente die Stadt als Umschlagplatz für die Sklaven aus Afrika, die nach und nach Richtung Nordamerika gebracht werden sollten. Nirgendwo im Land gibt es so viele Einwohner afrikanischer Herkunft wie hier. Das zeigt sich überall, beim Essen, an der traditionellen Kleidung und bei der immer gegenwärtigen Musik, die durch die Stadt wabert wie eine seichte Wolke.

Die Skyline der Millionenmetropole beeindruckt. Hier findet ihr nicht nur eine Altstadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde, sondern auch diverse Hochhäuser. Gerade beim Landeanflug könnt ihr vielleicht schon einen ersten Blick auf die beeindruckenden Fassaden der Häuser auf der Halbinsel werfen. Reserviert euch wenn möglich einen Fensterplatz, es lohnt sich.

Der Flughafen liegt oberhalb der Stadt auf dem Berg und ist knapp 25 km von der Altstadt entfernt. Entlang der Küste gibt es sehr viele Buchten und kilometerlange Strände. Die Strände hier werden sogar noch schöner beschrieben als die in der eigentlichen Strandmetropole Rio. Je weiter man gen Norden fährt, desto schöner und einsamer werden die Strände. Besonders zu empfehlen sind die Palmenstrände von Flamengo und Stella Maris. Denn hier könnt ihr den Komfort von Beachbars genießen und gleichzeitig auf das wunderschöne Meer blicken. Hier lässt es sich aushalten.

Artikelbild_Brasilien_Salvator_de_Bahia_Sonnenuntergang_mini

Die Altstadt Pelourinho

Vorzeigeobjekt der Stadt ist auf jeden Fall die Cidade Alta (Oberstadt), die teilweise aufwendig restauriert wurde und in einem fantastischen Zustand ist. Gerade rund um den Marktplatz Largo de Pelourinho könnt ihr viele bunte Kolonialhäuser finden. Hier gibt es zum Beispiel viele Galerien und das Stadtmuseum. Die schöne alte Kirche Igrega de Nossa Senhora do Rosário dos Petros mit seiner pastellblauen Fassade müsst ihr euch unbedingt auch von innen genauer anschauen. Dieses Viertel hat eine düstere Geschichte, denn auf dem zentralen Marktplatz wurden in der Vergangenheit die Sklaven ausgepeitscht. Erst seit der Restaurierung des Viertels ist dieser Teil der Stadt für Besucher attraktiv. Pelourinho ist heute der Touristenmagnet schlechthin und natürlich auch das Vorzeigeprojekt der Region und wenn ihr einmal in Salvador seid, solltet ihr unbedingt mal hier durch die Gassen der Altstadt schlendern. Wundert euch nicht über die große Polizeipräsenz, die ist hier besonders auffällig. Gerade in diesem sehr touristischen Teil soll es Dieben und anderen Kriminellen schwer gemacht werden, sich an den Wertsachen der Besucher zu vergreifen. Hier gilt wie überall in Brasilien, lasst eure Wertsachen im Hotel, denn wer seinen Schmuck und sein Geld öffentlich präsentiert, macht sich zum leichten Ziel. Alles in allem aber ist es hier für Touristen nicht gefährlich. Es ist sinnvoll, sich aus bestimmten Gegenden der Randbezirke fernzuhalten und nachts nicht alleine draußen herumzulaufen. Aber wenn man mal ehrlich ist, macht man das auch wirklich selten, weil man von Sightseeing und Sonnenbaden abends schon früh müde ist. Die Einheimischen bezeichnen Pelourinho gerne als das Disneyland von Salvador, denn die aufgehübschten Fassaden unterscheiden sich deutlich von denen der anderen Viertel der Stadt.

Artikelbild_Pelourinho_Salvador_mini

 „They don´t care about us“

Ich bin mir fast sicher, dass die meisten von euch den Marktplatz Largo de Pelourinho schon einmal im Fernsehen gesehen haben. Denn der größte Musiker unserer Zeit – Michael Jackson – drehte hier einen Teil seines Videos „They don´t care about us“. Schon nach 30 Sekunden sieht man die mittlerweile weltberühmte Kultband Olodum (dt. Gott der Götter) mit ihren Surdo-Basstrommeln durch die Straßen der Altstadt von Salvador marschieren. Kurz danach steht der King of Pop auf einem Balkon direkt gegenüber der blauen Kirche. Im Hintergrund blitzen immer wieder die bunten Fassaden von Pelourinho auf. Ein starkes Lied, das den Bewohnern Salvadors und Rios, wo viele andere Szenen des 7 Minuten langen Videos spielen, zu einiger Berühmtheit verholfen hat. Gerade die überwiegend schwarze Bevölkerung in Salvador wird dieses Lied im Kampf gegen Rassismus bestärkt haben. Mir geht die Power dieses Liedes immer wieder unter die Haut, ganz egal, wie oft ich mir das Video anschaue. Vielleicht habt ihr Glück und die Trommler von Olodum treten gerade auf dem Marktplatz auf, wenn ihr in Salvador seid.

 

 Sehenswertes in Salvador

Eine Sehenswürdigkeit, die ihr sonst vermutlich fast nirgendwo finden werdet, ist der Elevador Lacerda. Dieser verbindet die Unter- mit der Oberstadt. Den gibt es schon seit 1873, wobei er erst seit 1907 elektrisch betrieben wird. Hier sieht man den portugiesischen Einfluss deutlich. Wer schon meine Tipps für einen perfekten Aufenthalt in Lissabon gelesen hat und vielleicht schon selbst da war, konnte sich von den dortigen Aufzügen bereits ein erstes Bild machen. Fahrt unbedingt einmal nach oben, denn hier hat man einen fantastischen Blick über die Stadt.

Artikelbild_Salvador_mini

Wenn ihr euch die Geschichte der Stadt und seiner Menschen einmal genauer erzählen lassen wollt, dann könnt ihr zum Beispiel auf den deutschen Salvador-Experten Edgar zurückgreifen. Der zeigt euch bei einer privaten deutschsprachigen Tour durch die Stadt den brasilianischen Alltag oder auch die wunderschöne Umgebung der Metropole.

Es gibt eine Menge Museen zu entdecken. Aber wenn ihr so durch die Straßen schlendert, werdet ihr merken, dass die Stadt an sich einem großen Freilichtmuseum gleicht. Die tiefverwurzelte afrikanische Kultur hat im Stadtbild ihr Spuren hinterlassen und auch die unterschiedlichen Stadtviertel zeugen von der bewegten Geschichte der Stadt. Lasst euch einfach treiben und nehmt euch genug Zeit zum Umherschlendern.

Um zu Fuß einen guten Überblick über die Stadt zu erhalten, ist es ratsam im Stadtteil Barra zu wohnen. Denn hier habt ihr es weder weit zum Strand, noch in die Altstadt.

 Fußball in Salvador

Ein besonderes Highlight ist natürlich das moderne Stadion von Salvador. Hier, in der Arena Fonte Nova, spielt die deutsche Nationalmannschaft im ersten Spiel gegen Portugal. Es wurde gerade erst für die Weltmeisterschaft einer umfassenden Modernisierung unterzogen, sodass sich die Fans auf mehr Komfort und Modernität freuen können. Vor dem Stadion in einem kleinen Weiher könnt ihr wieder die afro-brasilianische Kultur sehen. Hier schwimmen afrikanische Gottheiten, sogenannte Orixás im See und sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre.

Artikelbild_Stadion Salvador_mini
Antonio Scorza / Shutterstock.com

Insgesamt sieht man überall in der Stadt, wie fußballverrückt die Brasilianer sind. In vielen kleinen Grüppchen stehen die Kinder und Jugendlichen zusammen und zeigen anderen ihre neusten Kunststücke mit dem Ball. Alle verfolgen den einen großen Traum – irgendwann wie ihr großes Idol Neymar in der Seleção spielen und zu den besten Spielern des Landes gehören. Wenn ihr tatsächlich während der WM im Land seid, werdet ihr hautnah miterleben, welchen enormen Stellenwert der Fußball in Brasilien hat. Mit einer religiösen Fieberhaftigkeit wird hier jedes Spiel der Lieblingsmannschaft verfolgt und miterlebt. Selbst jene, die sich sonst nicht für Fußball interessieren, können sich dieser Atmosphäre kaum entziehen. Ihr erinnert euch ja sicherlich noch an die WM 2006 in Deutschland, da standen 80 Millionen Deutsche buchstäblich Kopf. Und wenn ich so raus schaue, dann sehe ich auch jetzt wieder die ersten Fahnen an Balkonen oder Autos wehen. Es wird wirklich Zeit für das erste Spiel der deutschen Mannschaft.

In meinem zweiten Teil habe ich mich mit dem Karneval in Salvador, der Kampfkunst Capoeira, den kulinarischen Highlights und den besten Ausflugszielen in Bahia auseinandergesetzt. Den bekommt ihr natürlich noch pünktlich zum Länderspiel auf den Tisch.