Na seid ihr auch schon so aufgeregt wie ich? Das letzte Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft steht heute an und ich hoffe auf einen Kantersieg gegen die US-Boys von Jürgen Klinsmann. Denn wenn Deutschland erstmal im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Brasilien steht, sehen wir garantiert noch viel mehr Deutschland-Fahnen aus den Fenstern der Republik hängen. Irgendwie ist die Stimmung hier dann immer ganz besonders gut und überall kommt man mit Fremden ins Gespräch, weil man ein tolles Gesprächsthema hat. Klose, Schweinsteiger und der Rest der Mannschaft sind schon im letzten Spielort der Vorrunde – Recife – angekommen. Grund genug für mich, die Stadt und die Umgebung rund um die moderne Arena Pernambuco mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich zeige euch, was es hier zu entdecken und zu erleben gibt. Und vor allem, an welchen Stränden und in welchen Viertel ihr euch besonders gut amüsieren könnt. Wenn ihr meine Spielort-Checks für Salvador de Bahia und Fortaleza bis jetzt noch nicht gesehen habt, dann könnt ihr das hier nachholen.

Marco Zero Square in Recife Antigo_mini

Foto: iStock.com/Marcio Jose Bastos Silva

Recife

Genauso wie Salvador und Fortaleza ist auch Recife eine echte Millionenstadt. Rund 1,5 Millionen Menschen wohnen hier. Es gibt einen bedeutenden Handelshafen und viele große internationale Firmen haben sich hier in den letzten Jahren angesiedelt. Seine Skyline bietet keine Überraschungen, denn auch hier gibt es eine Strandpromenade, an der sich ein Hochhaus an das andere reiht. Dahinter beginnen die Viertel, in die Touristen sich nachts nicht verirren sollten. Es herrscht viel Armut und ebenso wie in den Nachbarmetropolen ist die Kriminalitätsrate hoch. Doch auch hier kann man wunderschöne Strände, eine außergewöhnliche Gastfreundschaft und viel Lebensfreude finden. So lohnt sich hier ein Spaziergang an der Promenade „Avenida Boa Viagem“. Selbst nachts ist sie gut beleuchtet und sicher. Entlang der Promenade gibt es viele kleine quadratische Hütten, an denen man Drinks kaufen kann. Das Highlight an diesen Hütten ist aber, dass man auch häufig Kokosnüsse bekommt, die dann fachmännisch mit der Machete geköpft und dann mit Strohhalm serviert werden. So kann man dann weiterschlendern und den Spaziergängern, Joggern oder Radfahren zuschauen.

Sehenswertes

Am Praça Boa Viagem steht inmitten der Wolkenkratzer ein kleines pastellfarbenes Bauwerk – die Igreja de Nossa Senhora, die erscheint, wie aus einer anderen Zeit. Rund herum bauen Kunsthandwerker häufig ihre Stände auf, an denen man sich gar nicht satt sehen kann. Hier kann man handgeschnitzte Holzfiguren kaufen, die so groß sind, dass sie kaum in den Koffer passen werden. Da lohnt sich schon eher ein Blick auf die handgewebten Hängematten, in denen man dann auch auf dem heimischen Balkon ein kleines erholsames Nickerchen halten kann. Wenn ihr die  Chance habt, einmal nach Recife zu reisen, solltet ihr euch hier unbedingt nach Mitbringseln für die Daheimgebliebenen umsehen. Denn hier findet ihr mit Sicherheit schöne und einzigartige Geschenke, die in Deutschland so niemand hat.

An kleinen Ständen gibt es allerlei brasilianische Spezialitäten wie Tapioka, einen brasilianischen Pfannkuchen aus Maniokmehl. Der wird mit Käse, Fleisch oder etwas Süßem gefüllt und ist der perfekte Snack für zwischendurch. Außergewöhnlich für uns Europäer ist auch, was es dort zum Trinken gibt. Denn an einigen Ständen wird Zuckerrohr-Wasser angeboten. Das wird frisch gepresst und schmeckt einfach lecker. Probiert es aus und unterstützt so die Einheimischen mit ein paar Brasilianischen Real.

T photography  Shutterstock.com_mini
T photography / Shutterstock.com

Die Märkte der Stadt sind ein Paradies für Genussmenschen, denn hier in Brasilien gibt es Früchte, die ihr in unseren Supermarktregalen niemals finden werdet. Damit ihr wisst, was ihr vor euch habt und welche Früchte ihr unbedingt probieren müsst, habe ich euch hier eine kleine Info gebastelt:

Pitanga: Die rote, leicht sternförmige Pitanga (oder auch Surinamkirsche) ist kaum zu übersehen. Sie ist wirklich blutrot und etwa so groß wie eine Aprikose. Wegen ihrer geringen Haltbarkeit wird die Pitanga nicht exportiert und ist bei uns deshalb weitestgehend unbekannt. Sie schmeckt fruchtig-sauer und einfach lecker.

Caju: Wisst ihr eigentlich, woher die Cashew-Kerne kommen? Richtig, vom Caju-Baum, den die Portugiesen in Brasilien entdeckt haben. Bis zu uns haben es nur die Kerne geschaft, die eigentliche Frucht des Baumes ist hier unbekannt. Der Caju-Apfel ist sieht aus wie ein Butternuss-Kürbis in klein und schmeckt süß-säuerlich. Der Saft ist besonders gut.

Mangaba: Diese kleine Frucht sieht aus wie eine Aprikose und schmeckt doch ganz anders. Sie kommt nur in Brasilien vor und ist allein deshalb einen Versuch wert. Wenn ihr euch nicht an die Frucht selbst herantraut, dann probiert einfach das Eis, das gerne daraus gemacht wird.

Strandschönheiten

Rund um die Stadt gibt es einige Strände, die ihr guten Gewissens ausprobieren könnt. Direkt an der Avenida de Boa Viagem befindet sich der Stadtstrand, der natürlich sehr touristisch und teilweise sehr voll ist. Wenn ihr nichts gegen ein wenig Trubel habt, werdet ihr eine perfekte Zeit verbringen, denn hier könnt ihr den jungen Ballkünstlern beim Perfektionieren ihrer Fertigkeiten zuschauen und einfach in der Sonne liegen und dem Meeresrauschen zuhören. Außerdem habt ihr es hier nicht weit bis zur nächsten Kokosnuss, denn eine Strandbar ist ganz bestimmt nicht weit entfernt. Wenn ihr mehr Ruhe und Natur um euch herum sucht, bietet sich eine Fahrt Richtung Praia de Calhetas an. Diese geschützte Bucht liegt etwa 40 Minuten entfernt von der Innenstadt von Recife, doch der Weg lohnt sich ab der ersten Minute. Kristallklares Wasser und ein palmengesäumter Strand scheinen wie einer Postkarte entsprungen. Es gibt ein paar Strandbars, in denen ihr Mittagessen könnt. So lässt es sich doch einen Tag aushalten. Abends fahrt ihr dann einfach wieder zurück in die belebte Metropole und lasst den Tag auf der Promenade ausklingen. Ein perfekter Tag in Brasilien.

Olinda

Während Recife an sich keine schöne Altstadt zu bieten hat, gibt es in der Nachbargemeinde dafür umso mehr geschichtsträchtige Gebäude zu sehen. Nur 6 km entfernt liegt Olinda. Der Name ist hier wirklich Programm, denn der leitet sich von portugiesischen Ó linda ab, was soviel heißt wie: „Wie schön“.

Nachdem Olinda lange Jahre die Hauptstadt des Bundestaates Pernambuco war, geriet die Kolonialstadt im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr in Vergessenheit. Das ist heute, im Jahr 2014 unser großes Glück, denn dadurch hat sich die Stadt städtebaulich kaum weiterentwickelt. Wegen ihres besonderen Charmes erklärte die UNESCO Olindas Altstadt zum „Kulturerbe der Menschheit“. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele einzigartige Städte und Orte es auf der Welt ist, die ich noch nicht gesehen habe. Man müsste doch meinen, dass man nach vielen Jahren als Reise-Fan alle wunderschönen Orte schon gesehen hat. Doch kaum besucht man ein neues Land, wird man wieder mit ganz besonderen Eindrücken überrascht.

Marcio Jose Bastos Silva  Shutterstock.com_mini
Marcio Jose Bastos Silva / Shutterstock.com

Wenn ihr so durch Olinda spaziert, werdet ihr merken, dass die Altstadt aus einem Netz schmaler Gassen besteht, die es zu entdecken gilt. Die Häuser sind bunt und die prächtigen Palmen und leicht verfallenen Kirchen machen das Bild perfekt. In der Karnevalszeit kann man die Brasilianer hier in Höchstform erleben. Während Straßenkarneval in Recife ähnlich groß gefeiert wird wie in Salvador de Bahia, geht es in Olinda beschaulicher zu. Die ganze Stadt ist ein einziges buntes Farbenmeer in dem es sich Touristen wie Einheimische gut gehen lassen können.

Traumhafte Landschaften

Egal, ob ihr in Recife oder doch lieber in Olinda euer Lager aufschlagt, einige Ausflüge müsst ihr unbedingt machen.

Die Inselgruppe Fernando de Noronha beispielweise ist ein Muss für Naturliebhaber, die einen Einblick in die Inselwelt bekommen wollen. Außerdem zählen die Tauchgründe zu den besten der Welt. Hier entkommt ihr dem Trubel der großen Städte und könnt euch wahrhaftig fühlen wie im Paradies – und das ist nicht einfach nur so daher gesagt. Aber seht am besten selbst.

Fernando de Noronha Brasilien_mini

Einen ganz anderen Eindruck von Brasiliens Natur bekommt ihr im Vale do Catimbau Nationalpark. Hier findet ihr wunderschöne Canyons, archäologische Ausgrabungsstätten und Höhlen. Die ältesten Höhlen existieren hier schon seit über 6000 Jahren. Das ist doch genau das Richtige für Geschichtsinteressierte und Hobbyforscher.

Mutikulturelle Städte und eine atemberaubende Natur

Manchmal lohnt es sich, einen Blick über den Tellerrand hinaus zu werfen, denn nur dann bekommt man solche Schätze wie Olinda oder auch die abwechslungsreichen Gegenden von Pernambuco zu Gesicht. Brasilien ist ein warmherziges Land mit gastfreundlichen Einwohnern, die vielleicht nicht perfekt Englisch sprechen, aber dennoch versuchen, ihrem Gegenüber alle Wünsche zu erfüllen und Fragen so gut wie möglich zu beantworten. Die Lebensfreude hier ist ansteckend und nach einiger Zeit im Norden Brasiliens werdet ihr immer wider kommen wollen. Nach der Vorstellung der Vorrundenspielorte der deutschen Nationalmannschaft weiß ich eines sicher – Brasilien ist nicht nur Rio de Janeiro und Zuckerhut, sondern eben auch Straßenkarneval und Vielfalt der Kulturen und Naturerlebnisse. Condor bietet Direktflüge nach Recife, Salvador de Bahia und Fortaleza an. Wenn ihr also einen Sommerurlaub plant und noch keine Idee habt, welches Abenteuer ihr am liebsten erleben möchtet, lohnt es sich, Nordbrasilien in die engere Auswahl zu nehmen. Até breve Brasil – Bis bald!