Endlich ist es wieder soweit. Pünktlich zum morgigen zweiten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft stelle ich euch den nächsten Spielort vor. Vom Campo Bahia, dem Hauptquartier der deutschen Nationalmannschaft, geht es für Poldi, Khedira und Co. ins 1,5 Flugstunden entfernte Fortaleza. Dort warten die Black Stars von Ghana mit ihren Superstars Kevin Prince Boateng und Michael Essien. Nach der Galavorstellung im ersten Gruppenspiel freue ich mich so richtig auf den nächsten Gegner. Damit ihr einen Eindruck der Küstenstadt Fortaleza bekommt, habe ich mich dort einmal ganz genau umgeschaut. Ich zeige euch, wo es die schönsten Strände gibt, welche kulinarischen Highlights ihr unbedingt probieren müsst und ob es hier wirklich so gefährlich ist, wie man in einigen Magazinen lesen kann. Bisher konnte mich noch jede Stadt der Welt davon überzeugen, dass sie schöner und vielfältiger ist als ihr Ruf.

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Fortaleza

Bei der Reise nach Fortaleza geht es nicht nur in eine andere Stadt, sondern gleich in einen anderen der 26 brasilianischen Bundesstaaten. Die Rede ist von Ceará, der im Norden Brasiliens liegt und mit viel Natur und kilometerlangen Stränden überzeugt. Fortaleza ist die Hauptstadt des Bundesstaates und mit insgesamt 2,5 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Metropole Brasiliens. Sie ist im Norden umgeben von 34 Kilometern Strand und daher perfekt für Strandliebhaber und Surfer geeignet. Die Skyline der Stadt ähnelt der von Salvador de Bahia, denn auch hier säumen die Strände jede Menge Hochhäuser, etwas im Hinterland gelegen findet man die Favelas. An die schwierigen klimatischen Bedingungen gewöhnen sich die deutschen Nationalspieler hoffentlich schnell, hier herrschen zurzeit auch nachts noch tropische Temperaturen.

Wenig Superlative und so manche Warnung

Anders als Salvador de Bahia kann Fortaleza nicht mit einer einzigartigen Karnevalskultur oder einer perfekt restaurierten Altstadt dienen. Die gibt es hier schlicht und einfach nicht. Und das, obwohl die Geschichte der Stadt genug Stoff für einige Geschichtsbücher bietet. Immerhin wurde die Stadt schon um 1640 von den Niederländern okkupiert. Lange vorher lebten hier die Ureinwohner Brasiliens. Heute ist die Stadt eine der Touristenhochburgen des Landes und nicht nur die reisefreudigen Europäer kommen gerne hierher. Auch bei Brasilianern ist die Stadt sehr beliebt. Die vielen Strände und natürlich die vielen Sonnenstunden machen die Stadt besonders attraktiv. Nicht umsonst wird Ceará im Volksmund auch als Sonnenstaat Brasiliens bezeichnet. Man merkt schnell, dass es sich um eine typische Touristenstadt für Strandurlauber handelt, denn die Strandpromenade ist gesäumt von vielen Hoteltürmen.

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Es gibt hier keinen Straßenkarneval und auch kein Michael Jackson, der die Straßen und Menschen hier bekannt machen konnte, dafür aber viele Gerüchte über einen boomenden Sextourismus. Die verschaffen der Stadt ein ähnlich schmuddeliges Image, wie man es von Phuket und vor allem von Pattaya in Thailand schon kennt. Diese Berichte sind durchaus ernst zu nehmen und wenn man so durch die Straßen rund um das WM-Stadion Placido Castelo (Castelão) schlendert, kommt man nicht umhin, die unterschiedlichen Facetten dieser Stadt – die schönen wie auch die hässlichen – zu betrachten. Der Lebensfreude der Menschen von Fortaleza tut das aber keinen Abbruch. Auch hier schallen an allen Ecken die heißen Sambarhythmen aus den Bars und wer nicht gänzlich resistent ist, wird hier noch zum echten Tanzexperten.

Strandleben

Am schönsten ist es bei den tropischen Temperaturen an den Stadtstränden. Bei rund 34 km Strand rund um die Stadt könnt ihr euch jederzeit einen anderen zum Sonnenbaden suchen und das Gewusel hier beobachten. Denn hier wird nicht nur gebadet, sondern man macht Sport am Strand und trifft sich zu einem Plausch. Ab 11 Uhr sind die schönsten Plätze schon belegt – und das unabhängig davon, ob man sein Lager am bekannten Stadtstrand Praia do Futuro oder dem derzeit beliebtesten „Cucumbo Beach“ aufschlägt. Eines haben alle belebten Strände gemeinsam, es wimmelt nur so von Strandverkäufern, die nicht nur jede Art von nützlichen Alltagsdingen verkaufen, sondern auch Snacks. Hier ist allerdings Vorsicht geboten und wenn ihr Hunger haben solltet, macht es euch lieber in einem der vielen kleinen Strandrestaurants bequem. Die sogenannten barracas (kleine Restaurants in den Dünen) bieten leckere brasilianische Leckereien und oft sogar Live-Musik. Donnerstags ist in Fortaleza Caranguejo – zu Deutsch Krabbentag. Da bekommt ihr am Praia do Futuro Krabben aus den umliegenden Mangroven. Ein leckeres lokales Essen, das ihr unbedingt probieren solltet.

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Raus aufs Meer

Da die Stadt an sich nicht besonders viele Highlights bietet, lohnt es sich, Ausflüge aufs Meer und ins Umland zu machen. Ganz in der Nähe der Iracema-Statue geht es am Hafen mit dem Katamaran raus aufs wunderschöne Meer. Umgerechnet 30R$ kostet der Ausflug, der jeweils um 10 Uhr und um 16 Uhr beginnt. Um 16 Uhr zu starten macht Sinn, denn so fährt man in den Sonnenuntergang hinein. So bekommt ihr einen Eindruck von der Skyline der Metropole und könnt die Strände mal aus einer anderen Perspektive sehen.

Canoa Quebrada

Etwa zwei Stunden von Fortaleza entfernt befindet sich das ehemalige Hippie-Dorf Canoa Quebrada. Das Dorf ist mittlerweile sehr touristisch, der Strand jedoch ist so schön wie kaum ein anderer in Ceará. Erst dieses Jahr wurde er mit dem „Travellers´ Choice Award“ bei Tripadvisor ausgezeichnet. Hier könnt ihr ein kleines Stück Paradies finden.

Jericoacoara

Wer etwas mehr Action und Abenteuer mag, sollte sich Richtung Jericoacoara aufmachen. Rund 350 km entfernt von Fortaleza liegt ein atemberaubende Landschaft, die ihr so vielleicht nie wieder finden könnt. Inmitten der kilometerlangen Dünen gibt es einige Süßwasserseen und auch der Strand und die Bedingungen für Windsurfer sind einfach perfekt. Die Anreise ab Fortaleza wird beschwerlicher, je näher man dem Naturschutzgebiet kommt und knapp 30 km vor dem Ziel kommt man nur noch mit dem Geländewagen voran. Unbebaute Natur und die vielen Aktivitäten wie Sandboarding, Kite-Surfing, Reiten oder Buggy- und Kajakfahrten machen einen Ausflug hierher zu einer der besten Ideen während eines Urlaubs in Fortaleza. Hier könnt ihr erst den ganzen Tag am Strand liegen und das Paradies genießen und abends bei einem brasilianischen Barbecue entspannen.

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Fortaleza ist im Gegensatz zu Salvador de Bahia mit nicht allzu vielen Highlights gesegnet. An Superlativen fehlt es hier gänzlich. Gerüchte zu einer hohen Kriminalität und Gefahren für Touristen haben auf den ersten Blick eine abschreckende Wirkung. Hält man sich allerdings an die gängigen Warnungen, wird man hier nur Gastfreundschaft und viel Lebensfreude finden. Die Stadtstrände sind zum Teil sehr schön und teilweise nicht besonders sehenswert. Dafür hat mich das Umland überzeugt. Denn gerade das Naturschutzgebiet Jericoacoara hat alles, was es für einen Abenteuerurlaub im Paradies braucht. Actionreiche Fahrten mit dem Geländewagen, pulverweiße Strände und eine unglaubliche Natur machen die Umgebung zu einem Muss für alle, die nach etwas Besonderem abseits der Touristenpfade suchen. Ich bin gespannt, was mich im nächsten Spielort der deutschen Nationalmannschaft – Recife – erwartet. Bis dahin drücke ich Jogis Männern gegen Ghana fest die Daumen.