Am 27. September dreht sich alles nur um den boomenden Tourismus. Auch der Urlaubsguru feiert mit, erinnert sich aber auch an all die Probleme, mit dem das Reisen noch behaftet ist. Reisen sollte keine so deutliche Kehrseite haben und – noch wichtiger – für alle zugänglich!

An jedem Tag ist ja mittlerweile irgendein Welttag. Das heutige Datum ist in meinem Kalendar allerdings sehr dick und rot markiert: Heute ist nämlich Welttourismustag! Aus diesem Anlass schließe ich mich dem Hashtag #Tourism4All an und hinterlasse euch einige wenige, aber wichtige Worte zu dem Thema Tourismus, die wir uns alle beim Reisen hinter die Ohren schreiben sollten.

Der Welttourismustag – so wichtig ist der Tourismus für Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft

Reisen ist für uns hier schon lange kein seltenes Privileg mehr. Wie man auf jedem fünften Instagram-Account sieht und in Steckbriefen lesen kann, ist das Erkunden neuer, weit entfernter Orte zum Hobby geworden – wie Tennis spielen oder ins Kino gehen. Wieso auch nicht? Schließlich kann man, anstatt den Regenwald in Australien vor dem Fernseher zu bestaunen, diesen live vor Ort, zum Beispiel mithilfe meiner Deals, kennen lernen. Mit dem Reisen können wir uns ein eigenes Bild von fremden Ländern machen, unsere Sprachskills auffrischen oder auch einfach nur mal an einem weißen Sandstrand die Sonne genießen, die wir in unserem Alltag vermissen. Zurecht ist das Reisen zum Trend geworden und die Tourismus-Branche zum Boom. Im Jahre 1950, als man noch von „Fremdverkehr“ sprach, wandelten nur rund 25 Millionen Menschen als Globetrotter quer über den Planeten. Heute sind es 1.2 Milliarden Menschen – nicht schlecht, oder?

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Die Kehrseite des Tourismus

Auch ich, der Urlaubsguru, bin in ebendieser Branche tätig, die nicht nur zu den wertvollsten Marktzweigen gehört, sondern auch 100 Millionen Menschen weltweit beschäftigt – darunter eine überdurchschnittliche Anzahl an Frauen und jungen Menschen. Dadurch, dass immer mehr, immer weiter weg reisen wollen, wird an unterschiedlichen Reisezielen die Infrastruktur ausgebaut und lokale Geschäfte können mit mehr Kundschaft rechnen. Das bringt auf der einen Seite sicher viele Vorteile für das Urlaubsland mit sich, auf der anderen Seite verursacht es große Probleme, die nicht unter den Teppich zu kehren sind. Die Bauarbeiten, die große Reiseunternehmen an beliebten Destinationen vornehmen, sorgen nicht selten dafür, dass die einheimische Bevölkerung aus ihren Siedlungen verdrängt wird. Der All-Inclusive-Urlaub, bei dem fast ausschließlich im Hotel geschlemmt wird, bringt den kleinen Ladenbetreibern leider gar nichts und zur Belustigung von Touristen werden aus alten, lokalen Traditionen leicht billige Inszenierungen. Davon abgesehen, ist für den Betrieb von Pools und Klimaanlagen, die aus 40°C im Schatten, schnell angenehme 25° C zaubern, viel Energie und Wasser nötig. Viele Touristen brauchen viel Energie. Der Tourismus hat auch seine Kernseite, wenn man ihn nicht richtig plant, angeht und für angemessene Grundsätze und Kontrollen sorgt.

Plastic bottles, garbage and wastes on the beach, Koh Rong
Foto: iStock.com / piccaya

Um die große Verantwortung des Tourismus immer wieder in Erinnerung zu rufen, begeht die Welttourismusorganisation jährlich am 27. September den Welttourismustag. Welttage gibt es ja wie Sand am Meer, doch dieser ist nicht zu unterschätzen – schließlich geht es hier um eine Branche, die Milliarden macht und – je nach Umsetzung – die Welt zum Positiven oder auch zum Negativen wenden kann. Dieser Welttag soll eine Diskussion und eine intensive Beschäftigung mit der Zukunft des Tourismus anregen, die das Ziel verfolgt, nachhaltigen Tourismus zu betreiben.

Was bedeutet nachhaltiger Tourismus?

Unter nachhaltigem Tourismus wird umweltverträglicher und vor allem auch respektvoller Tourismus verstanden. Weniger Emissionen, weniger Müll, mehr Partizipation an dem lokalen Leben und mehr Geld für die Einheimischen vor Ort. In meinem Reisemagazin schreibe ich schließlich nicht umsonst zahlreiche Artikel über viele unterschätzte Destinationen, deren Besuch ebenso lohnenswert ist, und gebe euch Tipps und Tricks für individuelle Backpacking Reisen auf den Weg. Was es bedeutet, umweltbewusst zu reisen, habe ich ebenfalls schon beleuchtet.

Aufgrund der unglaublichen Größe und Komplexität der Tourismus-Branche, pickt sich der Welttourismustag jährlich ein problematisches Thema raus und fokussiert sich darauf. So wurde 2013 der Wasserverbrauch unter die Lupe genommen, der durch Touristen entsteht. 2014 stand das Thema „Gemeinschaftliche Entwicklung“ auf der Agenda, und 2015 sollte die lokale Entwicklung in den Urlaubsländern, also die einheimische Bevölkerung etwas von dem Rampenlicht abbekommen.

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2016: #Tourism4All: Tourismus für alle!

Dieses Jahr fordern die Minister der Welttourismusorganisation dazu auf, mal auf die Menschen Rücksicht zu nehmen, die die fette Sahnetorte namens Reisen noch gar nicht auskosten konnten. Während sich die meisten also als Fernsüchtige und Globetrotter die Welt erkunden, sind beispielsweise Menschen mit Handicap beim Reisen mit so großen Nachteilen konfrontiert, dass sie lieber ganz darauf verzichten. Barrierefreies Reisen ist somit ein großes Thema, welches diesen Herbst angepackt werden soll. Aber auch Menschen mit kleinen Kindern oder alte Leute werden in fremden Ländern oftmals vor diesen ganz menschlichen Hürden stehen gelassen. Die Möglichkeiten, die Welt zu erkunden, wenn man denn Lust dazu hat, sollten gerechter verteilt werden. Jeder, der sich für einen Moment in eine andere Position hineinversetzt, sieht, wie wichtig dieses Thema tatsächlich ist.

Dreams

Was ihr tun könnt?

Dasselbe, was auch ich an dem Welttourismustag tue: Ich rede darüber! Ich liebe das Reisen, aber ich erkenne auch an, dass da noch viele drastische Probleme behoben werden müssen. Unter dem Hashtag #Tourism4All könnt ihr dasselbe tun. Seid euch der Kehrseite des Tourismus bewusst und, falls euch der ethische Handlungsdrang packt, beginnt doch einfach damit, etwas bewusster zu reisen. Denn die Welt zu sehen, gehört zu den schönsten Dingen im Leben und sollte von dem ganzen Leid, welches die falsche Art von Tourismus auslöst, nicht überschattet werden. Ein Hoch auf den nachhaltigen Tourismus und ein Hoch auf alle, die sich dafür einsetzen!