Johnny Ward ist gebürtiger Ire, 31 Jahre alt, hat keine reichen Eltern und auch keinen IQ wie Einstein. Das Einzige, was Johnny hat, ist einen Traum. Den Traum vom frei sein, vom um die Welt reisen und endlich das tun, was er wirklich liebt. 2010 verließ er seinen hoch bezahlten Job als Konferenzveranstalter in Australien und reiste nach Afrika. Sein Arbeitsplatz: Der Laptop. Aus einem kleinen Reiseblog wurde innerhalb von drei Jahren eine Medienagentur mit einem Umsatz von 1 Million Dollar. Reisen und ein bisschen arbeiten – maximal 20 Stunden die Woche. „Ich habe mein Leben komplett neu entworfen“, sagt er. Wie der junge Ire jetzt den Traum lebt, um den ihn viele beneiden, welche Länder er schon bereist hat und welche Tipps er für all diejenigen hat, die genau das wollen, hat er mir in einem exklusiven Interview erzählt.

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Johnny Ward reist um die Welt. Hier: Rocking China! Alle Fotos: facebook.com/onestep4ward

Der Weg zum Traum – Johnny Ward reist und arbeitet on the roads seit 2010

„Ich war nicht frei, ich musste um Erlaubnis fragen, um mir freizunehmen – und ich komme nicht gut mit Autoritäten klar.“ Mit einem „C’est la vie“ begnügen sich die meisten Menschen, die die alltägliche Routine ebenfalls als Kampf ansehen. Aber nicht Johnny. Schon nach seinem International Economics Studium 2006 zog es ihn aus dem grauen Irland in die Welt. Als Englischlehrer arbeitete er einige Monate in Asien, bevor er einen Job in Australien ergatterte, um den ihn so manch einer beneidet. Zwischen 15.000$ und 20.000$ verdiente Johnny monatlich für die Organisation von Konferenzen. Traumjob für die einen – Horror für Johnny.

Schon in den Monaten zuvor liebäugelte Johnny mit dem Gedanken, es Nomadic Matt gleichzutun – einem der erfolgreichsten Reiseblogger der Welt. Reisen und damit Geld verdienen. „Durch seinen Blog hat Matt Einnahmen wie bei einem Vollzeitjob“, erzählt Johnny. „Und ich wusste, dass meine Reisen so viel abenteuerlicher und verrückter waren als bei den meisten anderen Bloggern, also dachte ich mir, wenn die das können, kann ich das auch. Also hab ich’s getan.“ Ganz so einfach, wie es aussah, war es dann aber doch nicht. Mit leeren Hosentaschen katapultierte sich der damals 26-Jährige aus Asien in den Job in Down Under. Sein Plan: Arbeiten und so viel sparen, wie möglich, um irgendwann einmal seinen Traum leben zu können.

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On Top of he World in Bolivien

12 Monate arbeitete Johnny bei dem australischen Arbeitgeber. „Die Idee zu onestep4ward.com entstand in unzähligen langweiligen und verlorenen Stunden im Office. Never again!“ Johnny kündigt seinen Job von heute auf morgen und bucht ein Ticket – one-way nach Afrika. „Ich schreibe fortlaufend von meinen Reisen, von überall, wohin ich reise, erzähle ich Geschichten“, sagt Johnny. Er platziert die ersten Texte auf seiner Seite. Arbeitet ein bisschen am Layout. Lädt Fotos hoch. „Ich glaube, damals gab es noch gar keine Facebook Fan Pages“, lacht er. „Ich hatte vielleicht ein paar Hundert Besucher pro Monat auf meiner Seite – eher weniger sogar.“ Dennoch machte Johnny auf sich aufmerksam. Während seiner Reise durch Äthiopien bekam er eine Email, mit der Anfrage, ob man auf seinem Blog Werbung schalten könne. „Na sowas von“, dachte sich Johnny und verkaufte seine erste Anzeige für 85 Dollar. Peanuts, im Vergleich zu dem, was der 31-Jährige heute einnimmt.

Reiseblog, Medienagentur, Motivator, Ratgeber – 1 Mio. Dollar in drei Jahren

„Hey Leute, ich bin Johnny Ward, Generation Y, irischer Typ, der schon immer wusste, dass es mehr da draußen gibt als eine 40+ Stundenwoche, fader Freizeitkalender und zwei Wochen Urlaub in der Sonne pro Jahr. Jetzt arbeite ich 10-20 Stunden pro Woche an meinem Laptop, aus der ganzen Welt.“ Sein Reiseblog lief so gut, dass Johnny auch noch weitere Websites startete, fremde einkaufte und Freunde engagierte, um Texte zu schreiben. „Onestep4ward.com schreibe ich noch komplett selbst. Aber auch wenn Kunden von meiner Agentur darum bitten und dementsprechend zahlen, dann schreibe ich auch solche Texte selbst. Alles andere aber wird mittlerweile von meinem Team gemanagt.“ Mit vier Kollegen startete Johnny vor einiger Zeit nämlich die Medienagentur „Step4Ward Media, wo sie sich auf die Einrichtung von Blogs und Content Marketing spezialisierten.

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Flyboard auf St. Lucia

Innerhalb der letzten drei Jahre konnte Johnny mit seinen Projekten über eine Millionen Dollar einnehmen… während er selbst non-stop um die Welt reist! „Die Leute haben meine Entwicklung miterlebt“, beschreibt Johnny das große Interesse an seinem Blog und seiner Agentur. „Meine Verwandlung vom komplett pleiten Backpacker zum eigenständigen, poshen Flashpacker – dank des Online Business. Ich hoffe, sie sehen, wenn ich es schaffen kann, können sie es auch schaffen.“

9 Monate Weltreise, 3 Monate Thailand – Johnny bereist alle Länder der Erde

Ich quatsche mit Johnny während er gerade auf den Seychellen chillt… im Hilton Seychelles Northolme Resort & Spa – Fünf Sterne Hotel, private Villa auf dem Felsen, Infinity Pool, zwei Butler rund um die Uhr. Seine Freundin hat er hierhin einfliegen lassen. Eine wunderschöne Thailänderin, Flugbegleiterin von Beruf. „Ich fliege sie ein-, zweimal im Jahr zu mir, ansonsten leben wir ja auch noch drei Monate im Jahr zusammen in Thailand.“ Warum sie nicht die ganze Zeit mit ihm reist? „Sie möchte ihre eigene Karriere aufbauen, ich kann nicht von ihr erwarten, dass sie alles stehen und liegen lässt und mir bei dieser verrückten Reise folgt.“

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Johnny mit seiner Freundin auf den Seychellen.

Verrückte Reise? Tja, Johnny hat sich nämlich so einiges vorgenommen: Er will alle Länder der Erde bereisen. 154 insgesamt. „Ich bin absolut besessen davon. Ich bin so aufgeregt, wenn es endlich vorbei ist und ich alle Länder durch habe und endlich wieder frei sein kann“, lacht Johnny. „Ich weiß, das hört sich komisch an, aber es ist halt ziemlich krass, so etwas zu machen.“ Als nächstes geht es für Johnny nach Mauritius, dann nach Lesotho (Königreich im südlichen Afrika), Namibia, Angola, für einige Wochen durch Westafrika, Nordafrika, bis er Weihnachten für einige Zeit wieder in Irland stoppt. „Dann bleiben noch 15 bis 20 Länder für nächstes Jahr übrig. Das wird mich insgesamt wohl noch etwa 18 Monate kosten, je nachdem ob irgendwo Krieg ausbricht, oder Aufstände herrschen und ich womöglich kein Visum bekomme.“

Die Art, wie Johnny durch die Welt reist, hat sich in den letzten fünf Jahren komplett verändert. „Bei meinen ersten Reisen war ich die meiste Zeit komplett pleite und bin von einem Hostel ins nächste geschlurft, und ich war super unorganisiert. Naja, das hat sich so ziemlich um 180 Grad gedreht.“ Mittlerweile hat Johnny nämlich einen Vollzeit-Assistenten, der die Reisen komplett plant und organisiert. „Ich schlafe nur noch in Hostels, wenn ich mich einsam fühle – so kann man perfekt neue Leute kennenlernen. Aber jetzt, wo ich hauptsächlich in ziemlich abgelegene, unbekannte Länder reise, hier gibt es halt keine Hostels.“

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In Juda, Stadt im Südsudan.

Das beste Hotel, in dem du jemals geschlummert hast?
„Puuhh… da gibt es soooo viele. Sri Panwa in Phuket, Per Aquum Niyama auf den Malediven, und wohl das Hilton auf den Seychellen – das war so mega krass. Ich habe in echt vielen außergewöhnlichen Hotels übernachtet. Am teuersten war die Private Villa auf den Seychellen, Infinity Pool, zwei Butler – mehr Luxus geht wohl nicht!“

Das coolste Land, das du bereist hast?
„Das ist echt schwer zu beantworten, Leute fragen mich das immer wieder. Es kommt halt drauf an, was du willst… Geniales Essen, coole Leute, Sehenswürdigkeiten, Luxus, Abenteuer, Party – da gibt es so viele Länder. Aber wenn du jetzt nur in ein oder zwei Länder reisen könntest… wäre ich für Äthiopien, Argentinien, Island.“

„Mein Business ist immer an zweiter Stelle!“ – Max. 2 Stunden Arbeit am Tag

Einen „9 to 5“ Job hatte Johnny für viele Jahre. Doch er schwor sich: „Never again!“ Heute, millionenschwer, ist das natürlich easy zu sagen. Doch selbst als er seine erste Reise nach Afrika antrat, hoffte, mit seinem Blog irgendwann mal genug Geld zum Leben aufbringen zu können, setzte Johnny klare Prioritäten. „Man sollte arbeiten, um zu leben, irgendwie… nicht leben, um zu arbeiten. Für mich steht mein Leben, meine Freizeit, mein Lifestyle immer an oberster Stelle. Danach kommt mein Business.“ Ein Team aus Schreibern, Marketing Managern und Internetspezialisten hilft ihm, seine Geschäfte zu managen und voran zu bringen. „Ich arbeite vielleicht zwei Stunden am Tag“, erzählt mir Johnny. „An manchen Tagen vielleicht mal vier, aber häufig auch mal gar nicht.

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Eingeladen zu kleinem Festmahl in Algerien.

Einmal in der Woche schreibt Johnny einen größeren Eintrag für seinen Blog – „How to Travel in Tibet“, „Thoughts on Traveling Solo vs. Traveling with People“. Die restliche Zeit checkt und beantwortet er Emails, fällt Entscheidungen für sein Business. Auf Twitter und Facebook lässt er seine Follower fast täglich an seinen Abenteuern teilhaben – Fotos, Videos, kurze Beschreibung – zum neidisch werden. Über 12.000 folgen ihm bei Twitter, bei Facebook hat er mittlerweile 55.000 Fans. „Ich hatte schon seit Jahren keinen richtigen ‚Urlaub‘ mehr – das ist einfach mein Leben.“

Zukunftspläne eines Weltreisenden: Mit dem Fahrrad von San Francisco nach NYC?!

Von Rentenversicherung hält Johnny nichts. „Ich habe Immobilien in London gekauft und in Thailand – das ist meine Altersvorsorge, und ich habe einen Vermögensverwalter, der sich um meine Aktien und Anteile kümmert.“

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Johnny zu Hause in Nordirland.

Was ist dein Plan, wenn du alle Länder der Erde bereist hast? What’s next?
„Oh man, ich kann mir das Gefühl noch gar nicht vorstellen, es ist dann fast ein Jahrzehnt rum! Wow! Ich werde es wohl erst einmal etwas langsamer angehen, bisschen Party, nach Irland für ein paar Wochen mit meiner Familie chillen und nach Thailand für einen Monat. Dann habe ich ziemlich Bock, mit dem Fahrrad von San Francisco nach New York zu fahren :-)“

Könntest du dir vorstellen, jemals ansässig zu werden? Mit Kids und Haus und so?
„Klar, ich freue mich mega darauf, Vater zu werden. Ich bin jetzt 31, also vielleicht in fünf Jahren oder so? Ich würde dann definitiv mit meinen Kids in einem Campervan durch Europa cruisen – das wäre soo cool.“

Wenn dein Sohn dich irgendwann mal nach deiner coolsten Erfahrung, dem coolsten Abenteuer auf deiner Weltreise fragt, welche Story wirst du ihm erzählen?
„Haha, das kommt ganz darauf an, wie alt er ist!! Aber gut… wie wäre es damit: Die Perser im Iran sind die freundlichsten Menschen auf diesem Planeten. Sie halten mit ihren Autos an, um dich in ihr Haus einzuladen. Man hat gar keine Chance, mal selbst etwas zu zahlen, man bekommt von allen Seiten Geschenke, man wird so herzlich willkommen geheißen, das ist grandios. Deswegen grinse ich auch auf so vielen Fotos, die ich im Iran gemacht habe – Daumen hoch in jedem Foto. Noch ein Foto mit dem neuen Freund? Noch ein Daumen hoch. Ein Foto fürs Glück? Mehr Daumen hoch. Am letzten Tag, als ich aus dem Iran nach Aserbaidschan reiste, habe ich einen Iraner getroffen, der perfekt Englisch sprach. Auch er wollte ein Foto mit mir. Ich hole, wie gewohnt, meinen Daumen raus, ready für das Foto… da guckt er mich an und lacht drauf los wie ein kleines Kind. Er zieht meinen Finger nach unten. ‚Was machst du da Johnny‘, fragt er mich mit Tränen in den Augen vom ganzen Lachen. Naja… es hat sich dann herausgestellt, nach drei Wochen durch den Iran reisen, dass Daumen hoch ‚fuck off‘ bedeutet – also ‚verpiss dich‘! Wonderful :-D“

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Was für ein Leben! Da sind selbst die Minions neidisch :-)

Johnny will andere ermutigen, ihr Leben zu ändern: „Ihr könnt das auch!“

Neidisch könnte man auf Johnny sein – ziemlich sogar. Er reist durch die Welt, verdient Millionen, arbeitet zwei Stunden am Tag, residiert in Fünf Sterne Villas. Doch irgendwie ist er einfach zu sympathisch, zu bodenständig. „Ich bin nicht so wahnsinnig erfolgreich! Klar, wenn es um Freizeit geht, dann irgendwie schon. Aber die Leute sehen mich eher als Freund, als Kumpel, der coole Abenteuer erlebt.“ Doch Johnny will nicht nur seine Storys erzählen, er will auch andere ermutigen, selbst Abenteuer zu erleben und auszubrechen: „Ich komme nicht aus einer reichen Familie, hatte keine finanziellen Vorteile und ich verkaufe auch nicht meinen Körper von einem Kontinent zum nächsten, um so zu leben. Ich habe mein Leben umgestaltet, habe ein Business vom Laptop aus gestartet und seitdem jeden einzelnen Tag geliebt. Ihr müsst nicht das Leben leben, wie man es uns von klein auf beigebracht hat, es uns aufdrängt. Es geht auch anders. Man kann auch ausbrechen und das Leben komplett neu designen. Ich habe es geschafft und ihr könnt das auch!

Hättet ihr Lust? :-)