Seinen Müll nicht auf den Boden werfen, die Nachtruhe einhalten und sich nicht auf Hütchenspieler einlassen – für die meisten selbstverständlich. Dennoch wird in Berlin explizit auf diese und zwei weitere Verhaltensregeln hingewiesen. Wie ihr euch also bei einem Besuch der Hauptstadt zu benehmen habt, lest ihr hier.

Unsere Hauptstadt Berlin ist eine der beliebtesten Metropolen der Welt. Gerade viele junge Leute schätzen die Offenheit und Vielfalt, die hier vielleicht mehr als anderswo gelebt werden kann. Hier kann jeder sein Glück versuchen und ein paar tolle Tage erleben. Stadtteile wie Kreuzberg und Friedrichshain sind total hip und ziehen Kreative an und solche, die einfach eine schöne Zeit verbringen möchten. Hier könnt ihr auf Flohmärkten stöbern oder auch entlang der East Side Gallery spazieren gehen.

Berlin ist die Stadt der Hipster und der Startups, aber auch Ausrichtungsort der jährlichen Fashion Week sowie die Stadt der ausgefallenen Restaurants und einer vielfältigen Kulturlandschaft. Die Museumsinsel zieht beispielsweise jährlich mehrere Millionen Besucher an. Checkpoint Charlie und das Jüdische Museum sind ähnlich beliebt. Rund 11,3 Millionen Besucher sind im Jahr 2013 nach Berlin gekommen und die Tendenz ist steigend. Für die Gäste der Hauptstadt gibt es jetzt eine Art Benimm-Broschüre, in der 5 wichtige Regeln für die Metropole aufgestellt werden. Diese sollen dazu dienen, Ausschweifungen der Touristen einzudämmen, um Anwohner und andere Besucher nicht zu sehr zu stören. In den vergangenen Monaten war es gerade in Friedrichshain rund um die Warschauer Straße immer wieder zu Beschwerden gekommen.

a_berlin_schifffahrt_mini

Fünf Verhaltensregeln für Besucher in Berlin

Das kleine Heftchen kann an den Touristen-Informationen erworben werden. Das Heft kostet 1,50€ und enthält außerdem einige andere wichtige Infos zur Stadt. Es ist sehr freundlich gehalten und soll eigentlich viel mehr auf die mehr als 12.000 Dinge hinweisen, die man in Berlin frei und ohne jegliche Einschränkungen tun kann. Da erscheinen fünf Gebote im Vergleich mehr als nett.

Ich habe euch die Verhaltensregeln einmal zusammengefasst:

  • Berlins Besucher sollen ihren Müll nicht einfach in die Gegend werfen. Die Besucher werden direkt angesprochen: „Sie wollen ja auch lieber ein sauberes Berlin besuchen. Und Mülleimer – auch für Zigarettenkippen – gibt es bei uns mehr als genug.“
  • Rücksicht auf die Anwohner in der Nacht sei außerdem angebracht, heißt es in der Broschüre weiterhin. „Denn irgendwann wollen die BerlinerInnen auch mal schlafen – schließlich müssen die allermeisten am nächsten Tag zur Arbeit. Deshalb die Bitte: nach 22 Uhr Rücksicht auf die Anwohner nehmen und leise sein.“

Grund für diese Ermahnung sind insbesondere die Partygäste, die auf dem Nachhauseweg nachts so laut seien, dass die Anwohner nicht mehr mit geöffnetem Fenster schlafen können. Auch Rollkoffer, die frühmorgens über die Straßen gezogen würden, seien störend. Insbesondere Hostelbesucher in Friedrichshain und Umgebung sollen sich hier angesprochen fühlen.

  • Berlin ist in Sachen Alkohol so liberal wie kaum eine andere Hauptstadt auf der Welt. Das Trinken von Alkohol ist beinahe überall in der Öffentlichkeit erlaubt. In der Broschüre wird darauf hingewiesen, dass es eigentlich nur selbstverständlich sein kann, in den wenigen Situationen, in denen der Verzehr von Alkohol verboten ist,  – zum Beispiel in den öffentlichen Verkehrsmitteln – das Verbot auch zu beachten.
  • Gebot Vier weist auf das hin, was in beinahe jeder internationalen Großstadt ständig geraten wird: Es sei ratsam, sich nicht auf Hütchenspieler einzulassen, sondern diesen aus dem Weg zu gehen. Außerdem wird auf die ständige Gefahr durch Taschendiebe hingewiesen. Diese seien nämlich „leider ziemlich geschickt“.
  • Sollten sich Touristen bedrängt fühlen, sei es außerdem angebracht, direkt heraus zu sagen, dass sie mit dem jeweiligen Verhalten des anderen nicht einverstanden sind. Nett, aber deutlich solle man sein. Und die „typische Berliner Schnauze“ bewahren.

Artikelbil_Berlin_Brücke

Mittlerweile gibt es diverse Reaktionen auf diese neuen Verhaltensregeln und eine Kolumne der Berliner Zeitung geht sogar so weit zu sagen, diese Regeln seien peinlich für Berlin. Wenn man sich die 5 Regeln aber durchliest, sieht man hier nur Anstöße zu einem ganz normalen Verhalten, das jeder eigentlich von seinen Mitmenschen erwartet.

Denn wenn man mal ehrlich ist, möchte doch jeder gerne durchschlafen, wenn er am nächsten Tag früh aufstehen muss.  Und eine saubere Stadt erfreut sich doch ebenfalls größter Beliebtheit. Und in einer derart weltoffenen Stadt wie Berlin ist es doch nur angebracht, auch einmal darauf hinzuweisen, dass es nicht zu viel verlangt sein kann, für eine kurze Bahnfahrt auf den Verzehr von Alkohol zu verzichten, wenn man am Bahnsteig dann gleich wieder einen tiefen Schluck aus der Bierdose nehmen darf. In vielen anderen Städten der Welt wird man schließlich für den Verzehr von Alkohol in der Öffentlichkeit bestraft.

Alles in allem geben die Berliner mit dieser Broschüre einen Denkanstoß mit Augenzwinkern und hoffen, dass sich dadurch vielleicht ein paar Besucher etwas rücksichtsvoller benehmen. Und die mediale Aufmerksamkeit, die diese Verhaltensregeln erregt haben, sorgt vielleicht auch dafür, dass die Bewohner der Stadt selbst auch mehr Rücksicht aufeinander nehmen.