Ihr habt eine Reise über Ab-in-den-Urlaub oder Urlaubstours.de gebucht, seid im Besitz eines Ab-In-Den-Urlaub-Deals-Gutscheins oder habt mit diesem bereits einen kommenden Urlaub gebucht? Ich erkläre euch, was ihr nach der Unister Insolvenz beachten müsst und wo ihr nun eure Forderungen anmelden könnt!

Es ist ein Fall, der täglich mehr und mehr Fragen aufwirft: Der mysteriöse Flugzeugabsturz in Slowenien, bei dem Thomas Wagner, der Gründer von Unister, ums Leben kam, und die darauffolgende Mitteilung dass sein Unternehmen Insolvenz angemeldet habe. Die Verantwortlichen schweigen zunächst, denn die Nachricht, dass der Gründer von bei vielen Urlaubern beliebten Portalen wie „Ab-in-den-Urlaub, „fluege.de“ und „Urlaubstours.de“ verunglückt sei und eine höhere Menge Bargeld bei sich getragen haben soll, lässt viele rat- und sprachlos zurück. Wilde Spekulationen und Verschwörungstheorien überschatten seitdem Wagners Tod. Wollte er sich gar mit dem Geld seines Unternehmens absetzen? Oder ist doch etwas dran, an der Theorie von der Rettung Unisters mithilfe eines italienischen Geschäftsmanns und einem geheimen und illegalen Deal? Sind etwa auch Wagner und seine Gesellschafter betrogen worden? Neben den Theorien, die versuchen, das große Ganze zu verstehen, kursieren aber auch die Ängste der Urlauber, die im Besitz eines Reisegutscheins der Firma Unister sind oder die damit gebuchte Reise bald antreten wollten: Können die Gutscheine nach der Insolvenz überhaupt noch eingelöst werden? Bekommen Reisende die versprochenen Leistungen, oder bleiben sie nun sogar auf den Kosten sitzen? Was ist mit den über Ab-in-den-Urlaub und Urlaubstours.de gebuchten Pauschalreisen? Können diese nach der Insolvenz überhaupt noch angetreten werden? Ich versuche, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und die wichtigsten Fragen zu klären.

Unister Insolvenz – Das müsst ihr jetzt wissen

Was ist Unister überhaupt? | Reisegutscheine ungültig? | Pauschalreisen verfallen? | Was passiert mit den Portalen?Ihr seid betroffen? | Forderungen anmelden

Unister Insolvenz ab in den Urlaub Reisegutschein
Kunden bleiben wohl auf Gutscheinen sitzen.

Was ist Unister?

Die Unister Holding GmbH entwickelte seit seiner Gründung im Jahr 2002 zahlreiche Internetportale, deren Kerngeschäfte unter anderem die Vermittlung von Reisen, Krediten und Versicherungen ist. Die bekanntesten dieser Portale sind „ab-in-den-urlaub.de“, „fluege.de“, „auto.de“ und „versicherungen.de“. Nahm ein Kunde die vorgestellte Leistung in Anspruch, so kassierte Unister eine Provision für das Vermittlungsgeschäft. Gründer und Geschäftsführer war, bis zum Flugzeugabsturz, Thomas Wagner, ein ehemaliger BWL-Student aus Leipzig, wo die Firma auch heute noch ihren Hauptsitz hat. Mehrfach stand Unister aufgrund seiner mangelnden Verbraucherfreundlichkeit und oftmals undurchsichtigen Kostenstrukturen öffentlich in der Kritik, sogar der Bundesgerichtshof und Verbraucherzentralen beschäftigten sich schon mit dem Geschäftsgebaren des Unternehmens. Am 18. Juli 2016 stellte die Unister Holding GmbH einen Insolvenzantrag. Am darauffolgenden Tag wurde der Insolvenzantrag für die Urlaubstours GmbH gestellt.

Wie im Oktober 2016 bekannt wurde soll das Unternehmen laut Insolvenzgutachten mit 58 Millionen Euro in der Kreide stehen, sogar eine mögliche Insolvenzverschleppung steht im Raum. Die Klärung der genauen Verhältnisse könnte also länger dauern als vorerst gedacht.

Sind die Reisegutscheine von Unister noch gültig?

Nach dem Insolvenzantrag von Unister Travel, unter dessen Dach die Reiseportale zusammengefasst sind, geht nun die Angst der Kunden um. Viele fragen sich, ob die Gutscheine, die sie über Portale wie „Ab-in-den-Urlaub-Deals“ gekauft haben, überhaupt noch Gültigkeit besitzen. Diese Ängste sind nicht unberechtigt, denn, wie der Insolvenzverwalter der Unister GmbH bekannt gab, fließt das Geld, das die Kunden für den jeweiligen Gutschein an Unister Travel überwiesen haben, in die Insolvenzmasse ein und wird nicht mehr an die Reiseveranstalter gezahlt.

Im Klartext bedeutet das, dass die Kunden den Reisegutschein nicht einlösen können oder sogar den Reisepreis erneut zahlen müssen. Laut Insolvenzberater seien davon über 14.000 Kunden betroffen. Ausnahme: Kunden, die ihren Reisegutschein nach dem 20. Juli 2016 erworben haben, sind nicht betroffen, da ihr Geld nicht in die Insolvenzmasse fließt. Wenn ihr vor dem 20. Juli einen Reisegutschein über „Ab-in-den-Urlaub-Deals“ gebucht habt, ist es am besten, wenn ihr bei dem gebuchten Hotel nachfragt, ob die vermeintlich gezahlte Leistung in Anspruch genommen werden kann oder, ob ihr leider zu den betroffenen Kunden gehört. Pauschal lässt sich diese Frage leider NICHT beantworten! 

Wer regelmäßig meinen Blog verfolgt, dem wird die Diskussion um die Probleme bei der Auszahlung der Ab-in-den-Urlaub-Gutscheine wahrscheinlich nicht entgangen sein. Erst vor einem Monat warb das Portal erneut mit einem dicken Reisegutschein über 300€. Kunden, die diesen Gutschein kauften, können nach der Unister Insolvenz wohl nicht mehr mit einer Auszahlung rechnen – dafür spricht zumindest momentan alles. Ich bleibe natürlich für euch am Ball und versuche täglich neue Informationen rund um die Gutscheine zu bekommen.

Wenn ihr in Zukunft Reisegutscheine über U-Deals bucht, so tritt Unister, ähnlich wie bei den Pauschalreisen, nur noch als Vermittler auf.

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Was passiert mit den Pauschalreisen, die über Unister-Portale gebucht wurden?

Kunden, die eine Pauschalreise über ab-in-den-Urlaub gebucht haben, bleiben höchstwahrscheinlich von den Auswirkungen der Insolvenz verschont. Der Grund dafür ist, dass, anders als bei den Gutscheinen, bei einer Buchung der Vertrag direkt zwischen dem Reiseveranstalter und dem Reisenden zustande kommt. Das gezahlte Geld geht also nicht an den Vermittler Unister und somit in die Insolvenzmasse, sondern direkt an den Veranstalter der Reise. Anders ist es bei Urlaubstours, denn hier tritt die Plattform selbst als Veranstalter auf. Doch auch Reisen, die über Urlaubstours gebucht wurden, sind laut dem Insolvenzverwalter gesichert, die Generali Versicherung AG sichert diese ab und übernimmt offenen Zahlungen an Hotels und Airlines. Wenn ihr eure Reise antretet, solltet ihr aber auf jeden Fall euren ausgestellten Sicherungsschein mitführen, um Unsicherheiten schnell aus dem Weg räumen zu können. Kontaktiert im Zweifelsfall direkt den Veranstalter der Reise. Dieser kann euch offene Fragen zum bereits gebuchten Urlaub immer noch am besten beantworten.

Seit Anfang November 2016 können über die Internetseite von Urlaubstours auch wieder Reisen gebucht werden. Alle gebuchten Reisen sind auch weiterhin über die Generali Versicherung abgesichert.

Wichtiger Hinweis für Restzahlungen, die an Urlaubstours geleistert werden müssen:

Ihr habt eure gebuchte Reise bereits angezahlt und werdet nun aufgefordert die Restzahlung zu tätigen, ihr seid aber in Sorge, dass ihr zahlt ohne die Reise danach antreten zu können? Urlaubstours versichert auf ihrer Internetseite, dass alle gebuchten und bezahlten Reisen durchgeführt werden. Solltet also noch eine Restzahlung fällig sein, so solltet ihr diese auch überweisen, denn der Vertrag besteht natürlich weiterhin. Wenn ihr euch dennoch unsicher seid, könnt ihr bei der nach wie vor bestehende Kundenhotline von Urlaubstours 0341 / 650 50 81260 anrufen. Urlaubstours weist darauf hin, dass die Wartezeiten derzeit sehr lang sein können, alternativ könnt ihr auch eine E-Mail an info@urlaubstours.eu (Betreff „Insolvenzanfragen“) schreiben um offene Fragen zu klären.

Was passiert jetzt mit Portalen wie Ab-in-den-Urlaub & Co?

Insolvenzverwalter Lucas Flöther plant eine Sanierung der Unister Holding GmbH. Höchstwahrscheinlich werden dann Buchungsportale wie Ab-in-den-Urlaub.de und fluege.de von einem oder mehreren Mitbewerbern übernommen und weitergeführt. Sicher ist das allerdings nicht, und an dem Verfall der Gutscheine würde das vermutlich auch nichts ändern. Wenn ihr zukünftig über die Unister-Portale bucht, so handelt es sich dabei nur noch um Vermittlungsgeschäfte, so dass künftige Verträge nur zwischen Reisendem und Veranstalter zustande kommen und Risiken durch die Insolvenz ausgeschlossen sind. Auch die aktuell versendeten Gutscheine für das Portal Ab-in-den-Urlaub sind laut dem Unternehmen sicher und werden ohne Ausnahme erbracht. 

Restrukturierung der Unister-Gruppe

Insolvenzverwalter Prof. Lucas Flöther kündigt eine Restrukturierung der gesamten Unister-Gruppe an. Eine Vereinfachung der Unternehmensstruktur soll die Kernsparten Touristik und Flug stärken – nicht reiserelevante Bereiche sollen weiterhin ausgegliedert werden. Eine Reorganisation der interen Strukturen in Buchhaltung, Abrechnung und vielen weiteren Bereichen soll mehr Leistungsfähigkeit und Transparenz versprechen. Das gab die zuständige Insolvenzverwaltung Flöther & Wissing in einer Pressemitteilung am 21. September bekannt.

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Das Geld war wohl schon lange knapp bei Unister

Ihr seid von der Unister Insolvenz betroffen?

Ihr gehört zu den über 14.000 betroffenen Kunden der Unister Insolvenz oder vermutet es zumindest? Ich habe die wichtigsten Schritte, die ihr nun einleiten solltet, noch einmal für euch zusammengefasst:

  • Pauschalreise: Schaut euch eure Buchungsunterlagen an und kontaktiert bei Unsicherheiten den Veranstalter der Reise. In den meisten Fällen sind die Pauschalreisen von der Insolvenz nicht betroffen.
  • Urlaubstours.de: Wenn ihr eine Reise über das Portal Urlaubstours.de gebucht habt, könnt ihr diese auch wie geplant antreten, da die Generali Versicherung AG diese absichert. Führt aber in jedem Fall euren ausgestellten Sicherungsschein mit euch!
  • Fluege.de: Flüge, die ihr vor dem Insolvenzantrag über das Portal fluege.de gebucht habt, können ebenfalls ohne Probleme angetreten werden, da bei der Buchung der Vertrag direkt zwischen dem Reisenden und der Fluggesellschaft geschlossen wurde.
  • Reisegutscheine: Alle Reisegutscheine, die vor dem 20. Juli 2016 erworben wurden, können höchstwahrscheinlich nicht eingelöst werden. Sprecht aber in jedem Fall mit dem jeweiligen Veranstalter und/oder dem betreffenden Hotel und fragt, ob ihr tatsächlich betroffen seid. Anschließend könnt ihr eure Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden. Gutscheine, die nach dem 20. Juli 2016 gekauft wurden, sind laut Insolvenzverwalter nicht betroffen. 
  • Geld-zurück-Gutscheine: Leider sieht es wohl so aus, dass auch ich euch künftig nicht mehr bei eurer Rückerstattung eurer Gutscheine helfen kann, denn Unister wird sich an das bestehende Insolvenzrecht halten müssen. Alle geleisteten Zahlungen fließen in die Insolvenzmasse. Erfreulicherweise bekomme ich dennoch regelmäßige Rückmeldungen von Betroffenen, denen der Gutschein auch nach der Insolvenz noch ausgezahlt wurde. Bleibt hartnäckig!
  • Forderung anmelden: Seid ihr betroffen, so bekommt ihr ein Schreiben des Insolvenzverwalters in dem genau erläutert wird, wie ihr eure Forderungen anmelden könnt. Ein entsprechendes Formular liegt dem Schreiben bei.

Update November 2016: So meldet ihr eure Forderungen an

Das Insolvenzverfahren gegen Unister ist eröffnet worden. In diesem Zuge werden nun alle Gläubiger angeschrieben und darüber informiert, wo und wie sie ihre Forderungen anmelden können, ein entsprechendes Formular zur Forderungsanmeldung liegt dem Schreiben bei. Wie mir von Seiten des Insolvenzverwalters mitgeteilt wurde, ist die schriftliche Anmeldung über das mitgesendete Formular der einzige Weg Forderungen anzumelden. Alle Forderungen, die in einem festgesetzten Zeitraum gestellt werden, werden dann vom Verwalter in eine sogenannte Insolvenztabelle aufgenommen. Ob und in welcher Höhe Forderungen im Endeffekt ausgezahlt werden wird nach Abschluss des Verfahrens durch eine Quote bestimmt, die sich daran bemisst, wie viel Geld überhaupt vorhanden ist um Forderungen zu begleichen. Aufgrund der undurchsichtigen Lage könnte im Fall Unister noch einige Zeit verstreichen, bevor ihr mit einer Entscheidung rechnen könnt.

Mitgesendete Gutscheine: Einige meiner Leser wundern sich aktuell über Gutscheine, die zusammen mit den Formularen zur Anmeldung der Forderungen versendet werden. Auf Nachfrage wurde mir bestätigt, dass „Alle Gutscheine, die aktuell ausgegeben werden, auch eingelöst werden können. Das gilt für alle Leistungen der Unister-Gruppe, die aktuell angeboten werden. Diese werden ohne Ausnahme erbracht.

Sollte es neue Informationen geben, findet ihr sie natürlich hier.