Manche schreiben ab. Manche kopieren Marken, fälschen Taschen und Brillen. Und dann gibt’s jene, die kopieren einfach ganze Dörfer, ja sogar ganze Städte samt Bauwerken. Klar, warum denn nicht?! Europa ist schließlich schön, warum soll man es dann nicht auch vor der Tür haben wollen?!

Da glaubt man doch manchmal wirklich, man sieht nicht recht. Da schlendere ich durch manch asiatische Städte und was entdecke ich? Den Eiffelturm – ja sogar halb Paris steht hier. Aber auch die Amerikaner sind anscheinend in unseren europäischen Flair so sehr verliebt, dass sie ihn sogar zu sich nach Hause holen. Ihr werdet nicht glauben, welche Europa Fakes ich so auf meiner Weltreise entdeckt habe.

Europa Fakes deluxe

Malaysia | China | USA | Japan

Colmar im Dschungel

Hier, mitten in Malaysia, wurde wirklich ganze Arbeit geleistet. Das für seine Fachwerkbauten bekannte Colmar in Frankreich wurde eins zu eins nachgebaut. Man spricht Französisch, kleidet sich in der Nationaltracht und sieht den Pelargonien vor den Fensterbänken beim Sterben zu. Die sind nämlich das europäische Klima gewöhnt, also kein Wunder, wenn sie bei einem asiatischen Monsunregen den Kopf hängen lassen. Aber man setzt hier schließlich auf Authentizität, deshalb gehören diese Blumen nun mal dazu. Colmar Tropicale nennt sich dieser Nachbau und heißt seine Gäste mit Unterkünften und komplettem Urlaubsprogramm willkommen, mit dem einem Europa-Urlaub in Asien nichts mehr im Wege steht. Also, auf nach Frankr… – ähm, Malaysia.

Und wer im malaiischen Regenwald auch noch nach einem Ausflugsziel Ausschau hält, dabei aber keine Lust auf Tiere, Dschungel und Co. hat, fährt einfach zur Elsässer Hochkönigsburg – die thront nämlich auch gleich nebenan. Sozusagen der Gipfel der Fälschungen. ;-) In den Mauern der Burg findet ihr ein Luxus Spa Hotel inklusive Poollandschaft.

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Colmar Tropicale sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich

Suzhou und ihre Tower Bridge

„Made in China“ erreicht ein völlig neues Level. Wenn den Chinesen die Anreise nach London zu weit ist, sie das tolle Wahrzeichen der Stadt aber trotzdem sehen wollen, gibt es wohl nur eine Lösung, und die heißt: Nachbauen. Und dabei kopiert man nicht einfach wie ein Anfänger, sondern – na klar – man baut einfach doppelt so viele Türme, als das Original tatsächlich hat. Man will sich schließlich von der Masse abheben. Das haben die Chinesen mit ihrer Stadt Suzhou eindeutig geschafft.

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Die chinesische Version der Tower Bridge

Die Chinesen mögen wohl den britischen Flair. 30 km von Shanghai entfernt ist Thames Town, ein ca. 1 km² großes englisches Viertel, entstanden. Doch, ihr glaubt es kaum, diese kleine Stadt ist fast unbewohnt und wird daher, wenig überraschend, als Foto-Location genutzt.

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Typisch rote Telefonzellen dürfen in Thames Town natürlich nicht fehlen

Wer jetzt schon den Kopf schüttelt, der hat wohl noch nicht von Tianducheng gehört. Der Name ist ja schon mal chinesisch. Das war’s aber auch schon wieder, denn was ihr hier findet, übersteigt jede Vorstellung von „Kopie“. In der Klasse der Europa Fakes hat dieses chinesische Dorf eindeutig einen Spitzenplatz verdient, denn hier angekommen, seid ihr mitten in Paris, samt Eiffelturm und was sonst noch so alles dazugehört. Außer vielleicht den Einwohnern. Denn Tianducheng ist eine Geisterstadt, viel zu teuer sind die Preise, um hier leben zu können. Vielleicht also doch nicht so romantisch wie das Original, was aber die Chinesen nicht davon abhält, die Stadt stattdessen als Fotolocation zu nutzen. Und wenn es euch nicht stört, in einer verlassenen Stadt zu wohnen, könnt ihr in das französische Tianducheng Resort einchecken.

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Romantische Fotos vorm Eiffelturm – und das in China?!

So, und jetzt macht euch auf etwas gefasst, denn in Boluo geht nun wirklich nicht mehr alles mit rechten Dingen zu. Jahrelang haben die Chinesen heimlich das österreichische Dorf Hallstatt in Salzburg vermessen, um es dann genau spiegelverkehrt in ihrer Provinz Guangdong nachzubauen. Sachen gibt’s, die gibt’s einfach nicht. Tja, China hat eben immer eine Überraschung parat. Zwar haben die Österreicher zunächst ganz schön verärgert reagiert, stehen dem Ganzen jetzt aber schon mit etwas mehr Humor gegenüber. Der Bürgermeister, also der echte aus Hallstatt, war sogar bei der Eröffnung der Kopie dabei und die Hallstätter lassen es sich nicht nehmen, mit „Herzlich willkommen in Hallstatt! Millionenfach fotografiert – einmal kopiert – nie erreicht!“ auf ihrer Website zu scherzen. Aber seht selbst:

American Dream? Wohl eher European Dream!

Da glaubt man, die Asiaten sind die Könige der Fälschungen, dabei erwarten euch in Nordamerika auch so einige Überraschungen. Wobei, eines muss man den Amerikanern lassen, ihre „Kopien“ beruhen zumindest auf europäischen Einwanderern. Also können wir vielleicht doch nochmal ein Auge zudrücken. ;-)

Wer gerade in Iowa unterwegs ist, aber viel mehr Lust auf Holland hat, der hat echt Glück! Denn hier gibt’s tatsächlich so etwas wie eine Art „Little Netherlands“, um es mal so zu nennen. Von 800 niederländischen Immigranten gegründet, sieht Pella in den USA doch tatsächlich wie eine holländische Kleinstadt aus. Und neben echten Windmühlen gibt die Stadt mit ihrem jährlichen Tulpenfest ihr Bestes, dem Original ähnlich zu sein.

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Foto: iStock.com/ElaineMcDonald

Aber auch Schweizer Schönheit hat sich als erhaltenswert erwiesen. Denn 1845 von nur 150 schweizer Einwanderern gegründet, wird das Dorf New Glauris auch heute noch „Swiss Town“ genannt und ist bei Touristen besonders beliebt. Und was gibt’s hier zu tun? Na klar – Käse und Schokolade verköstigen. Fehlen nur noch die Berge. Und die Banken. ;-)

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Aber auch wir Deutsche haben etwas, das den Amerikanern anscheinend ganz gut gefällt. Bayerische Alpenidylle in Washington. Naja, die Stadt Leavenworth drohte zu einer Geisterstadt zu werden und nachdem man ja schon ein paar große Berge vor der Haustür hatte, dachte man sich, man kreiert einfach ein bayerisches Alpendorf. Ist doch logisch, oder? Zugegeben, es sieht schon wirklich verdammt ähnlich aus, aber seltsam bleibt das Ganze doch allemal. Naja, den Amerikanern gefällt’s, also gehen sie mit Oktoberfest, Christkindlmarkt und Maifest auf’s Ganze. Wer sich das nicht entgehen lassen will, findet hier ausreichend traditionell bayerische Unterkünfte für die Extraportion Heimat in den USA.

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Foto: iStock.com/Jerry Moorman

Korallenriff statt Rhein?

Ja, richtig gelesen. Wobei, ehrlich gesagt, diese Geschichte beruht auf einer netten Geste, so viel sei verraten. 1873 waren deutsche Seefahrer auf der japanischen Insel Miyako gestrandet und so nett wie diese Inselbewohner nun mal sind, haben sie den Schiffsbrüchigen sofort geholfen. Als Dank schickt Kaiser Wilhelm I eine Gedenkstelle als Zeichen der Freundschaft zwischen Deutschland und Japan. Und was macht Japan mehr als hundert Jahre später? Sie bauen ein deutsches Kulturdorf. Leider stimmte aber der Besitzer des originalen Schloss Marksburg bei Braubach dem Verkauf, Abbau, Transport nach Japan und Wiederaufbau seiner Burg nicht zu. Komisch. Nun, kein Problem dachten sich die kreativen Japaner, denn die bauen einfach eine originalgetreue Burg nach. Wer also deutsche Kultur auf einer tropischen Insel samt Korallenriff drumherum erleben will, hat hier die Chance.

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So sieht die Burg Marksburg in Braubach aus

Das waren die krassesten Europa Fakes, die ich auf meinen Reisen für euch entdeckt habe. Was haltet ihr von dieser Idee, Europa zu kopieren? Lustige Geschichte oder dreiste Fälschung? Nun, ich nehme es wie die österreischischen Hallstätter: So viel sie auch duplizieren wollen – das echte Europa samt Lebensgefühl gibt’s nun mal einfach nur bei uns. ;-)