Queen Elizabeth II, London und ihr Volk – das alles gehört zusammen wie der Toast zu Baked Beans, die Clotted Cream zu Scones und der Vinegar zu Fish und Chips. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich während Trooping the Colour tausende Briten, aber auch Touristen aus aller Welt entlang des Buckingham Palace und der Mall versammelten, um, ganz offiziell, den 90. Geburtstag ihrer Queen zu begehen.

Trooping the Colour wird die offizielle Geburtstagsparade der Queen auch genannt und sie geht zurück auf einen uralten Brauch: „Trooping“ bezeichnet das tägliche Vorbeitragen und Vorzeigen der Regimentsfahnen, der sogenannten „Colours“, für die Soldaten; das Sehen und spätere Wiedererkennen der Colours steht hierbei im Vordergrund. Und nur ein einziges Mal dürft ihr raten, wer sich dieses Spektakel als echter Fan natürlich nicht hat entgehen lassen?! Richtig, euer Urlaubsguru!

Trooping the Colour

Daten und Fakten | Beobachtungsposten | Trooping the Colour | Geburtstagsgrüße

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Trooping the Colour im Überblick

  • Die Parade findet nunmehr seit 211 Jahren und immer zu Ehren des aktuellen britischen Monarchen und seines Geburtstages statt
  • Zahlen, Zahlen, Zahlen: 1400 Fußsoldaten, 200 Pferde und 400 Musiker nehmen insgesamt an der Parade teil
  • Startpunkt ist der Buckingham Palace, von dort aus zieht die Militärparade samt Royal Family in Richtung Horse Guards Parade, wo die Queen den Royal Salute entgegen nimmt und die Regimenter die eigentliche Trooping the Colour abhalten
  • 41 Salutschüsse, abgefeuert von der „King’s Troop, Royal Horse Artillery“ im Green Park; der Chemtrail von Flugzeugen der Royal Air Force beendet die Parade

Die Jagd nach einem guten Platz

Für die eigentliche Parade auf dem Horse Guards Parade konnte ich leider kein Ticket mehr ergattern, was aber nicht weiter schlimm war, da ich mich so unter das wartende Volk vor dem Palace mischen musste und wollte. Um euch mit guten Bildern aus der ersten Reihe versorgen und der Queen meinen mitgebrachten Union Jack präsentieren zu können, machte ich mich schon gegen 07:00 auf den Weg in Richtung Buckingham Palace. Es sollte sich auszahlen, dass ich London wie meine Wickelrocktasche kenne, denn viele Straßen und auch Teile des Green Parks waren für die anschließende Parade bereits vorsorglich gesperrt. Entschlossenen Schrittes ging ich entlang der Mall auf den Palace zu und was bereits dort los war, verschlug mir schier die Sprache. Dort saßen beispielsweise schon Mary und ihre „Golden Girls“ Sektchen-schlürfend auf Klappstühlen, eingehüllt in Union Jacks und auf dem Kopf hell funkelnde Partyhütchen. ‚Cheers‘, grüßten sie mich und mit meiner Wasserflasche prostete ich ihnen entgegen. Keine 50 Meter weiter entdeckte ich einen Grenadier Guard, aber halt, was macht dieser denn hinter der Absperrung? Bei näherem Hinsehen entpuppte sich dieser als verkleideter Fan: Henry, ein glühender Anhänger der Krone, hatte seine Bärenfellmütze tief in die Stirn gezogen und übte fleißig die Schritte und Abläufe, die auch die Guards gleich präsentieren werden. Gerne hätte ich noch länger mit ihm gesprochen, aber so langsam bekam ich Panik, dass ich trotz des frühen Aufstehens keinen guten Platz mehr bekommen würde. Gegenüber des Buckingham Palace und unter den wachsamen Augen von Königin Victoria nahm ich dann endlich meine Position ein. Noch eben schnell den Union Jack an der Absperrung angebracht und dann hieß es erst einmal: warten, warten, warten. Denn erst gegen 10:00 sollten sich die ersten Guards und Musiker einfinden.

Lasset die Parade beginnen

Um kurz vor 10:00 drang dann leise Musik an mein Ohr und schon kurze Zeit später kamen die ersten Musiker aus der Spur Road in Richtung Victoria Memorial, um an der Mall entlang zur Horse Guards Parade zu laufen.

Abgelenkt durch die vielen Musiker und Soldaten, die in regelmäßigen Abständen an mir vorbei liefen, verpasste ich auch fast die Ankunft der Royals, die in abgedunkelten Wagen aus Richtung Constitution Hill zum Palace fuhren. Ein gutes Zeichen, dass es nicht mehr lang bis zum Beginn der Parade war, und auch die anrückenden Grenadier Guards sollten Gutes verheißen.

Nur kurze Zeit später kamen die ersten Kutschen samt Royals aus dem Palace gefahren: Camilla und Catherine mit Prinz Harry, Prinz Edward samt Gattin und Kindern, Prinzessin Anne und Prinz William mit Prinz Charles in schneidiger Uniform und zu Pferd. Und dann bekam selbst euer Guru weiche Knie, denn Queen Elizabeth II samt ihres Gatten Prinz Philip folgten sogleich. Spätestens jetzt kannte die Menge kein Halten mehr und tausende von Flaggen aus aller Welt wurden wedelnd gen Himmel gerichtet. Und was tat Elizabeth? Natürlich, verhalten lächeln und winken!

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Unter den wachsamen Augen der Household Cavalry ging es für alle nun in Richtung der Horse Guard Parade, auf der ja, wie bereits erwähnt, die eigentliche Trooping the Colour Parade stattfand. Leider konnte und wollte ich meinen Platz ja nicht verlassen, aber das folgende Video gibt euch einen tollen Einblick in die Abläufe, den Royal Salute und die schier magische Stimmung, die einen jeden Beobachter in ihren Bann gezogen hat.

Video: The British Monarchy

Geburtstagsgrüße an die Queen

Im weitesten Sinne könnt ihr die Parade als besonderen Gruß der Soldaten anlässlich des Geburtstages ihrer Majestät sehen. Über Wochen und Monate hinweg haben die Mitglieder der Garde-Regimenter mit ihren Pferden an ihren Bewegungsabläufen gefeilt, sie ausgebaut und perfektioniert, um ihrer Königin einen unvergesslichen 90. Geburtstag zu bereiten. Dass man dann vor lauter Aufregung schon einmal das Bewusstsein verliert, kann ich nur allzu gut nachvollziehen.

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Noch ehe sich die Royal Family samt ihres Regiments wieder auf den Weg zurück zum Palace machen konnte, fand vor meinen Augen ein weiteres Highlight statt: Die berittene Artillerie ließ die Salutkanonen von ihren Pferden heranziehen und zum Green Park bringen, aus dem kurze Zeit später die 41 Salutschüsse für ihre Majestät abgefeuert wurden. Was der Infanterie samt königlicher Familie den Abzug signalisierte, war für uns und besonders für mich das Signal, um mich wieder mit meiner Kamera auszustatten, denn auf dem Weg zum Palace sollten sämtliche Teilnehmer noch einmal an mir vorbeiziehen.

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Den krönenden Abschluss der Feierlichkeiten bildete der Besuch der gesamten königlichen Familie auf dem Balkon des Buckingham Palace. Auch Charlotte und George, die noch zu klein für die eigentliche Parade sind, ließen sich dort oben blicken und ließen die Menge verzückt jubeln und klatschen.

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Für einen kurzen Augenblick sollte man jedoch den Blick abwenden können, auch, wenn es noch so schwer fiel, denn das Highlight sollte der Chemtrail von Flugzeugen der Royal Air Force darstellen, die ihre Flotte direkt über das Dach des Palace hinweg steuerte und während ihres Manövers blaue, weiße und rote Streifen im Himmel hinterließ; die Farben der Union Flag.

Das Vorbeiziehen der Royal Air Force bildete den großen Abschluss der Parade und signalisierte somit auch das Ende der Feierlichkeiten entlang des Buckingham Palace. Damit war aber nur der offizielle Teil der Party zu Ende, denn in den Straßen rund um den Park und die Residenz ging es bunt und fröhlich weiter, sofern man denn wollte. Ich habe mich noch etwas in die Menge gemischt, mit Kanadiern, Neuseeländern und Briten gefeiert, gelacht und ausgetauscht, was sie denn so an Elizabeth II, ihrer Familie und dem United Kingdom fasziniert. Die Antworten waren fast immer die gleichen: der Zusammenhalt untereinander und zu ihrem Volk, die Verbundenheit zu ihren Traditionen und das frische und herzliche Image der kommenden Generation. Was soll ich sagen, die Menschen haben mir aus dem Herzen gesprochen. Danke für diese wundervolle Geburtstagsfeier, Elizabeth. Ich werde sie und dich für immer in Erinnerung behalten. God save the Queen!

London ist immer eine Reise wert und da der Geburtstag der Queen natürlich jedes Jahr gefeiert wird, könnt ihr im nächsten Jahr auch dabei sein. Plant jetzt schon eure Reise!

Titelbild: istock.com/oversnap