Reisen ist ein Trend – oder ist es vielleicht noch etwas mehr? Wie viel kann das Reisen wirklich bewirken? Für alle Reise-Erfahrenen unter euch gibt es heute einen Geheimtipp: Meldet euch bei Travel-Engage und macht die Welt mit euren Erlebnissen ein kleines bisschen besser!

Das Reisen wird derzeit heftig zelebriert: Jeden Sommer in die Sonne, jeden Winter in die Berge, während der Schule ins Ausland, nach der Schule ins Ausland, und wenn es dann mit dem 9 to 5 Job doch nicht so aussieht, wie ihr es euch erhofft habt, dann werdet ihr halt Globetrotter. Reiseblogs sprießen aus dem Boden wie Gänseblümchen im Sommer und die Sache mit der Selbstfindung kann man ohne Yoga auf Bali so oder so in die Tonne kloppen. Ich, als Urlaubsguru, habe das Reisen schon sehr früh zu schätzen gelernt: Es macht Spaß, man entwischt dem Alltag für eine Zeit lang und lernt neue Kulturen, Sprachen und Menschen kennen. Was hat das Reisen aber darüber hinaus noch zu bieten? Und auf welcher Ebene? Macht das Reisen, wie einige vermuten, tatsächlich toleranter, weltoffener, wenn nicht sogar weiser?

Travel-Engage – Reiseerfahrene vor!

Reisen und andere Privilegien | Reisen ist nicht gleich Reisen | Projekt Travel-Engage stellt sich vor

So könnt ihr mitmachen!

Reisepass-Ranking

Reisen für jeden? Fehlanzeige!

In einer europäischen Gesellschaft, die täglich die heißesten Debatten darüber führt, was Toleranz tatsächlich bedeutet, und angesichts des Migrationsstroms an Weltoffenheit nicht vorbei kommt, keine abwegige Frage. Trend oder nicht, eins steht fest: Reisen ist ein Privileg. Und wer genießt es? Die „Reichen und Schönen“ (letzteres lasse ich mal unkommentiert) – darunter auch wir Europäer. Ehe wir also „ganz bodenständig“ mit 300€ teurem Fjällräven Backpack auf den Rücken geschnallt zu unserem spirituellen Naturtrip nach Thailand aufbrechen, sollten wir uns bewusst machen, dass die Einheimischen des Ziellandes das Wäldchen außerhalb ihrer Provinz noch nicht gesehen haben. Geld und Reisen sind dabei nur die nebensächlichen Privilegien, die uns als Europäer in die Wiege gelegt wurden.

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Schutz vor Folter gehört weiter nach oben auf diese Liste, eine Kindheit ohne Bomben und freie Meinungsäußerung ebenso. Wir haben Geld in der Tasche, auch wenn wir zu denjenigen zählen, die vergeblich nach Arbeit suchen. „Alles andere wäre doch auch schrecklich!“ Das sagt sich ganz leicht!

Selbstverständlichkeiten, die keine sind

Mag sein, dass diese Privilegien in Europa zu Selbstverständlichkeiten geworden sind, in den meisten Teilen der Welt aber sind sie nicht selbstverständlich. Reisen durch Krisengebiete, darunter auch Syrien, der Irak und zentralamerikanische Ghettos, lassen Gregor Bauer, der eigentlich auch so ein privilegierter Europäer aus Berlin ist, seine Rich-Kid-Naivität für einen Moment ablegen. Der 27-jährige reist seit dem Abitur, hat inzwischen mehr als 70 Länder besucht und berichtete vor Ort über die Maidan-Revolution in Kiew. Auf unzähligen seiner Reisen beobachtete er, wie reduziert der Lebensstandard der Einheimischen ist, während er als weißer Tourist mit deutschem Pass seinen Privilegien gar nicht entkommen kann. Sie sind einfach da – für einen großen Anteil der Weltbevölkerung sind sie aber – ganz direkt gesagt – einfach nicht da. Und das obwohl wir hier über „Selbstverständlichkeiten“ reden.

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Während in Europa empört über die Legitimation der Homo-Ehe gestritten wird, lernt Gregor einen jungen Mann in Kirgistan kennen, der aufgrund seiner sexuellen Orientierung gefoltert wurde. Als er sich an das Rechtssystem wandte, drehte dieses den Spieß um – für Pornografie musste der junge Mann über ein Jahr hinter Gittern verbringen. Der Richter lachte ihm den eigentlichen Grund für seine Verurteilung spöttisch ins Gesicht: „Du bist schuldig, weil du schwul bist!“.

Ziemlich frech das Ganze, aber in vielen Krisen- und Kriegsgebieten nicht ungewöhnlich. Genauso auch Luftangriffe auf Marktplätze, sexuelle Übergriffe an Checkpoints, Ermordung von Regime-Gegnern – das alles steht auf der Tagesordnung. Achtung und Schutz der Menschenrechte dagegen nicht. Diese werden dort kleingeschrieben und durch das Kleingedruckte nochmal komplett außer Kraft gesetzt.

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Foto: Travel Stock/Shutterstock.com

Reisen ist nicht gleich Reisen

Das alles erzählt Gregor mir bei einem Gespräch. Für mich steht fest: Ja! Reisen macht toleranter, weltoffener und weiser! Ich spreche grade mit dem besten Beispiel. Doch Gregor winkt nur ab: „Ich wünschte, Reisen würde toleranter machen, aber ob das wirklich so stimmt? Wenn ich so einige von ihren exotischen Reisen reden höre, dann wird mir klar, dass es oft nur um den Schein, um das Prestige geht – Reisen ist das neue Luxusgut“. Somit muss man differenzieren zwischen Cluburlaub auf Malle und, ja… was eigentlich? Wie tief muss man in das kleine, native Dorf schreiten und die eigenen europäischen Privilegien ablegen, ehe Reisen tolerant, weltoffen und weise macht?

Zusammen mit Philipp Lausberg stellt Gregor derzeit ein Projekt auf die Beine, das ganz nebenbei diese Frage beantwortet. Die Antwort lautet: Gar nicht. Man muss nicht viel Geld auf dem Konto haben, jedes Jahr die Welt umreisen und mit Ureinwohnern am Lagerfeuer gesessen haben, um über Weltoffenheit, Toleranz und Zivilcourage zu verfügen.

Es reicht, einen Schritt zurück zu treten und sich bewusst zu machen, dass dort draußen ein Gleichaltriger von unseren Grundrechten und Selbstverständnissen noch nicht einmal zu träumen wagt. Es reicht, wenn euch jemand von anderen Gesellschaften und anderen Lebensstandards erzählt und ihr ihm dabei zuhört. Erlebnisse teilen und zuhören – das Patentrezept für eine offenere Gesellschaft?

Symbol Of Peace – Black and White Women Holding Hands

Mit einem Sitzkreis zu mehr Zivilcourage?

Die beiden Studenten wollen Berliner Schulen besuchen und den Schülern überhaupt die Chance geben, Teil einer solchen wünschenswerten Gesellschaft zu werden. In vertrauten Runden werden sie von ihren Reisen und Eindrücken in all den Gebieten erzählen, in denen der Standard so von unserem abweicht. Sie erzählen von dem Übertreten ihrer Komfort Zonen, vom Verlassen der rosaroten Seifenblase, die die Industriegesellschaften noch so fest im Griff hat. Von diesem Gefühl sollen die Schüler eine Ahnung bekommen.

Geschichten über abstruse Missstände und dramatische Einzelschicksale zu hören, soll ziviles Engagement bei den Schülern fördern. Dabei malen die beiden Initiatoren keine Schlösser in die Luft. „Wir gehen das Ganze unbürokratisch an. Wir treten nicht auf wie ein pädagogisches Instrument, wir sind auch keine Lehrer. Wir sind nur wenige Jahre älter als diese Schüler und erzählen denen, was wir erlebt haben und wir geben viel Raum für Rückfragen – die Schüler sollen alles beantwortet bekommen, was ihnen im Kopf herumschwirrt.“

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Klingt gut? Ihr könnt ein Teil davon sein!

Dieses grobe Grundprinzip kommt auch bei den Berliner Schulen sehr gut an: Viele Schulleitungen legen diesem Projekt schon unzählige Ideen für die Umsetzung zu Füßen und freuen sich, die Reiseerfahrenen beispielsweise im Politikunterricht zu begrüßen. Somit steht das entspannte und doch so vielversprechende Projekt bereits in den Startlöchern – eine Sache muss jedoch noch abgehakt werden, ehe es im September losgehen kann.

Da kommt ihr ins Spiel…

…denn Travel-Engage sucht noch Verstärkung für ihr Team!

Ihr bringt mit:

  • Reiseerfahrung in 40+ Ländern oder in Kriegs-, Krisen- und Hungernotsgebieten (gerne auf dem afrikanischen Kontinent)
  • Offenheit und Lust, mit neuen Menschen zusammenzuarbeiten
  • Empathie
  • Zivilcourage und den Willen, etwas selbst zu bewegen

Travel-Engage bietet:

  • Austausch mit Gleichgesinnten
  • Arbeit mit einem jungen, innovativen Team
  • Flexibilität und wenig Bürokratie
  • viel Eigeninitiative und Platz für eure Ideen

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Wer auf dieses Profil passt oder das Projekt anderweitig unterstützen will, meldet sich bei  travelengage@gmail.com. Ich finde, solch ein sensationelles Projekt hat Unterstützung verdient! Worauf wartet ihr also noch? Auch, falls ihr nicht mit so einer Reiseerfahrung prahlen könnt, gibt es sicher so eine Person in eurem Umfeld, die nur auf das Projekt aufmerksam gemacht werden muss. Nicht vergessen: Sharing is caring! ;-)