Jedem, der das erste mal ein Segel des Sydney Opera House entdeckt, schlägt das Herz bis zum Hals. Langsam kommt es hinter den Gebäuden hervor und zum ersten Mal seht ihr das architektonische Wahrzeichens Australiens mit eigenen Augen. Ein Gebäude zum Verlieben, mit einer Geschichte zum Verzweifeln.

Jeder kennt es – jeder liebt es. In das Sydney Opera House muss man sich einfach verlieben. Zusammen mit der nebenan gelegenen Harbour Bridge und dem Uluru im Zentrum des Landes, gehört es zu Australiens Wahrzeichen. Schon beim Anflug auf die Stadt kann es passieren, dass plötzlich alle aufspringen, weil der Pilot durchsagt, dass ihr gerade drüber fliegt. Schön ist es alle mal – aber kennt ihr auch die Geschichte, die hinter diesem weltweit bekannten Gebäude steckt?

Das Sydney Opera House

Entstehung & FaktenArchitekt Jørn Utzon | Das Opernhaus heute

View of Sydney skyline
Port Jackson in Sydney

Eine Konstruktion, die in die Geschichte eingeht

Die Idee der Erschaffung eines Opernhauses für die Stadt Sydney entstand im Jahre 1940. Als passenden Ort wählte man den Bennelong Point, die in den Hafen ragende Halbinsel, welche man heute als den Standort des Hauses kennt. Sage und schreibe 160.000 Tonnen Gewicht verteilen sich auf das 184 Meter lange und 118 Meter breite Gebäude. Der höchste Punkt ragt stolze 67 Meter in die Luft. Fälschlicherweise wird die Dachkonstruktion immer mit einem Segel verwechselt. Der Architekt ließ sich eigentlich von einer abgeschälten Orangenschale inspirieren. Also ehrlich gesagt – da bleibe ich lieber bei der romantischen Vorstellung eines Segels.

Sydney Opera House

Im Inneren des Opernhauses findet man fünf Säle, die Platz für über 5.500 Gäste bieten. Über eine Million weiße Fliesen zieren das außergewöhnliche Dach und wurden aus Schweden importiert. Schweden? Ja richtig gelesen – was das kostet kann man sich vorstellen. Deshalb geht diese Geschichte noch weiter…

Der Architekt

Als die Stadt Sydney beschloss, ein Opernhaus zu bauen, hatten sie einen Wettbewerb ausgeschrieben, welchen der Däne Jørn Utzon für sich entscheiden konnte. Damals war der junge Architekt international unbekannt, konnte aber mit seiner groben Skizze die Jury überzeugen. 1957 begannen die Bauarbeiten – und mit ihnen die Probleme. Das gekrümmte Dach war extrem schwer zu berechnen, ebenso die explodierenden Kosten. 44 Zeichner widmeten sich 1700 Plänen alleine für das Dach, dessen komplexe Struktur so manchen zum Verzweifeln brachte. Außerdem begann man mit den Bauten, bevor man sich überhaupt im Klaren war, was das Ganze kosten soll und vor allem, wie man es überhaupt baulich umsetzen sollte. So wurden die anfangs berechneten Kosten um das Vierzehnfache überstiegen und die Fertigstellung kostete an die 100 Millionen AUS$. Das damit so mancher nicht einverstanden war, ist wenig überraschend.

Sydney Opera House
Foto: istock.com/ Siwawut

Das Ganze ging so weit, dass man Jørn Utzon die Gelder sperrte und dieser daraufhin hoch pokerte und das Land verließ – im Glaube, dass man ihn zurück bitten würde. Falsch gedacht. Man übergab das Projekt an eine Gruppe junger australischer Studenten. Was mit Utzon passierte? Er hat nie wieder einen Fuß auf australischen Boden gesetzt und – man glaubt es kaum – hat sein Meisterwerk niemals mit eigenen Augen gesehen. Im Nachhinein warf er den neuen Architekten vor, dass sie das Innere des Sydney Opera House ruinieren würden, woraufhin er sogar von vielen Kritikern Zustimmung erhielt. Aufgrund der Sparmaßnahmen litten viele der Säle in ihrer Bauweise und auch der Klang soll eher bescheiden sein.

Es gab aber eine versöhnende Wiedergutmachung zwischen der Stadt und dem Architekten. Als Zeichen der Anerkennung gestaltete Jørn Utzon 2004 einen Wandteppich, der heute das Innere ziert. Trotzdem war es ihm im Anschluss aufgrund seines Alters und seiner Gesundheit nie möglich, sein Bauwerk in voller Pracht zu sehen. Dafür macht es heute Millionen von Einheimischen und Touristen glücklich, die einmal in den Genuss kommen, eines der bekanntesten Gebäude der Welt zu bestaunen.

Opera House

Das Sydney Opera House heute

Heute ist es das Ausflugsziel für Sydneysider und Besucher aus aller Welt. Man kann es von der berühmten Harbour Bridge aus betrachten, bei einem Spaziergang drumherum anfassen und sich von seinem Dach faszinieren lassen. Oder aber man schnappt sich eine Picknickdecke und ein Glas Wein, und genießt den Ausblick auf das Wahrzeichen der Stadt vom gegenüberliegenden Botanischen Garten. Ihr könnt aber auch ein Boot im Circular Quay nehmen, wenn ihr auf dem Weg zum Manly Beach (mein persönlicher Favorit) oder Bondi Beach seid und dabei das Opernhaus vom Wasser aus bestaunen. Das Tolle ist, dass sich das Haus aus jedem Blickwinkel ändert und somit immer eine neue Perspektive hervorzaubert.

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Blick vom Botanischen Garten

Ein kleiner Tipp: Wer kein Fan der Oper ist und an keiner der jährlichen 2500 Veranstaltungen teilnehmen möchte, sollte trotzdem unbedingt ins Innere der Oper schauen und dort auf die Toilette gehen. Ein stilles Örtchen mit wunderschönem Design, das euch bestimmt überraschen wird.

Wer sich für die Geschichte des Gebäudes interessiert und einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, kann auch an einer Führung teilnehmen oder eben ganz klassisch auf einem Stuhl im Saal Platz nehmen und sich eine Vorstellung ansehen. Infos zum Veranstaltungskalender gibt es auf der offiziellen Webseite.

Wer nach einem kulinarischen Highlight sucht, der kann unter den Segeln wunderbar dinieren. Im Bennelong Restaurant nehmt ihr im Inneren Platz und genießt ein vorzügliches Essen. Beim Ausblick scheiden sich wie immer die Geister: Will man direkt im Wahrzeichen sitzen oder lieber den Blick darauf genießen? Wer Letzeres bevorzugt, sollte im Quay Restaurant einkehren und bei einem Abendessen das wunderschöne Panorama auf das Sydney Opera House erleben.

Und welches Hotel hat wohl die beste Aussicht auf die Oper? Natürlich das Four Seasons – da werden wirklich alle Hotel-Träume wahr:

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, dieses einzigartige Gebäude zu entdecken, und eines verspreche ich euch: Hat man es einmal mit eigenen Augen gesehen, über die weißen Fliesen gestrichen und unter den gigantischen Segeln gestanden, ist man für immer diesem Bauwerk verfallen. Mit seiner Schönheit fasziniert es, mit seiner Geschichte überrascht es. Einen Besuch ist es auf alle Fälle wert – also, worauf wartet ihr? Das Sydney Opera House gehört auf jede Reise-Liste!

Noch mehr Tipps für eure Australien-Reise findet ihr in meinem Reisemagazin: