Die indonesische Insel Sulawesi sagt euch nichts? Indojunkie-Bloggerin Melissa stellt euch im Interview ihren Sulawesi Reiseführer vor. Ihr dürft gespannt sein!

Die Bloggerinnen Petra und Melissa vom Indonesien Blog „Indojunkie – On The Road and Inside Indonesia“ haben mir ihren sehr außergewöhnlichen und ausführlichen Reiseführer über die indonesische Insel Sulawesi vorgestellt. Nicht nur die Schönheit der Insel steht hier im Vordergrund, sondern auch die spannende Kultur der Bewohner und deren besonderen Rituale. Ein ganz spezieller Reisebericht!

Faszination Sulawesi

Verliebt in Indonesien | Das sulawesische Lebensgefühl | Kulturschock | Der Blog

Happy auf Kadidiri
Petra und Melissa auf Sulawesi

Verliebt in Indonesien

Die Liebe zu Indonesien ist bei Melissa schon alt, sagt sie mir. Bereits 2010 war sie das erste Mal für einen Monat in Indonesien. Sie habe direkt versucht, eine Verbindung zu dem Land herzustellen, habe von den wunderschönen Taucherlebnissen vor Ort gehört und wollte sich selbst ein Bild machen. Schließlich habe ihre Freundin Petra sie auf Bali besucht, sie seien zusammen rumgereist und direkt begeistert gewesen. Von der spannenden Kultur, die von verschiedenen Traditionen und Religionen beeinflusst wird, von der Vielfältigkeit des Landes und den imposanten Naturlandschaften.

Wenig Materielles – viel Lebensfreude

„Besonders die Menschen dort und deren Leichtigkeit haben uns einfach nur begeistert. Bei wenig Materiellem – oder gerade deswegen – haben sie doch so viel mehr an Lebensfreude. Die positive Einstellung der Menschen hat uns richtig angesteckt.“, schwärmt Melissa. „Die Menschen in Indonesien leben viel mehr in den Tag hinein und wirken sehr unbeschwert. Hinzu kommt auch noch die faszinierende Natur dieses Landes. Die Vulkane, wunderschöne Reisfelder und die einzigartigen Dschungelgebiete. Und natürlich die Abenteuerlichkeit. An manchen Orten fährt gerade mal eine Fähre in der Woche, aber auch das macht ein Abenteuer aus.“

Sulawesi

Ich frage, was den Ausschlag gegeben hat, diesen Reiseführer zu schreiben:

„Zum einen ist es natürlich eine unbekannte Gegend, die viele Touristen so noch nicht kennen. Was mich zudem an einigen Reiseführern stört, ist die Tatsache, dass man wenig von den Leuten erfährt, die dort leben.“ Melissa und Petra ist also schnell klar: Sie wollen nicht nur die Attraktionen der Insel vorstellen, sondern vielmehr zahlreiche Portraits der Menschen, die dort leben. Sie wollen nicht nur über die schönen Dinge der Insel reden, sondern zum Beispiel auch Themen wie etwa die Umweltproblematik von Sulawesi ansprechen. Denn auf Sulawesi gibt es ein relativ starkes Müll-Problem, was die beiden schließlich auf eine Idee bringt.

Sanfter Tourismus und Nachhaltigkeit

„Wir wollen den Leuten Tipps geben, wie man es schafft, nachhaltig zu reisen und auch, wie man den Locals helfen kann.“  In dem Reiseführer gibt es immer wieder hilfreiche Tipps rund um Nachhaltigkeit und sanften Tourismus, aber auch Themen wie Korruption und Dynamitfischen sind Thema. Außerdem erzählt mir Melissa von einem Institut in Tentena, das Zimmer für Touristen anbietet. Das soll nämlich dafür sorgen, dass nicht nur die touristischen Hotels vor Ort finanziert werden, sondern auch kleinere Institutionen. „Außerdem kann man vor Ort auch einfach die Leute fragen, da sich dort meistens viele untereinander kennen und einem in der Regel immer weiterhelfen können.“

Andreas – der Keroncongbauer mit Frau

Das sulawesische Lebensgefühl

Melissa und Petra wollen mehr als nur Tipps zum Sightseeing geben, sie wollen das sulawesische Lebensgefühl vermitteln und zeigen, wo man die Kultur der Einheimischen genauso kennenlernt wie typisches Essen und ihre Rituale.

Was sollte man wo zu essen bestellen, um zwischen Locals anstelle von anderen Touristen zu sitzen? Wo kann man mit Kindern Fußball spielen, während vielleicht die Freundin daneben sitzt und zuguckt. Solche Fragen stellen sich die beiden also bei ihrer Reise.

Besucher sollen vor allem das Lebensgefühl der Einheimischen spüren und Einblicke in das wahre Leben auf der Insel bekommen.

„Es geht nicht um Sightseeing, sondern wir möchten vielmehr, dass die Touristen das Lebensgefühl der Einheimischen verspüren und Einblicke in das wahre Leben auf der Insel bekommen. Außerdem gehen wir auf Tipps und Tricks ein und berichten zum Beispiel, wie man sich auf Sulawesi verhalten sollte. Was man dort machen sollte, und was besser nicht.“ Lauter Kleinigkeiten, die einem ermöglichen, sich wirklich auf die Insel einzulassen. Ein wichtiger Punkt ist natürlich auch die Toleranz gegenüber den Menschen, die auf Sulawesi leben. „Auch deshalb haben wir viele Interviews mit Einheimischen und Auswanderern geführt.“ Definitiv ein wichtiger Aspekt, um Hintergründe über das Land und die Kultur zu erfahren.

Petra in Action

Besonders die vielen Bilder, die einen Großteil des Reiseführers ausmachen, liegen Melissa und Petra sehr am Herzen. Melissa lacht: „Ja, sagen wir mal, der Reiseführer besteht aus etwa 400 Seiten und etwa 200…oder gut vielleicht eher 150 Seiten bestehen aus Bildern von uns sowie von anderen großartigen Fotografen, die auf Sulawesi unterwegs waren.“ Denn Melissa ist sich ganz sicher: „Bilder sagen mehr als Worte.“

Insgesamt war sie 1,5 Jahre in Indonesien unterwegs, 2 Monate davon zuletzt auf Sulawesi. Besonders ihre Vorkenntnisse über Indonesien sowie die grundlegenden Sprachkenntnisse haben ihr geholfen, das Leben und die Menschen auf Sulawesi besser zu verstehen. Denn eigentlich ähneln sich die Kulturen an den verschiedenen Orten sehr, erzählt mir Melissa. Als kleine Verständigungshilfe für alle Touristen haben die beiden sogar eine kleine Vokabelliste in ihren Reiseführer integriert.

Das Volk von Tana Toraja – Ein außergewöhnliches Beerdigungsritual

Als ich mich ein wenig über die Insel informiert habe, bin ich auf einen Artikel gestoßen, der mich dann doch etwas mehr beschäftigt hat. In dem Artikel war die Rede von einem Beerdigungsritual, bei dem Büffel den Toten den Weg weisen sollen und von Verstorbenen, die teils sogar über mehrere Monate noch mit im Haus „wohnen“. Daher möchte ich natürlich von Melissa wissen, ob auf solche oder ähnliche Rituale, die immerhin teils zu berühmten Touristenattraktionen geworden sind, in dem Reiseführer auch näher eingegangen wird?

Tongkonans Torajan Ancestral Houses South Sulawesi Indonesia

„Ja, mit dem Volk von Tana Toraja haben wir uns sogar sehr intensiv beschäftigt.“ Das Volk Tana Toraja verfolgt eine jahrhundertealte Zeremonie. Zum einen findet die Beerdigung nicht einige Tage nach dem Tod statt, wie es bei uns üblich ist, sondern häufig mehrere Monate später. Wenn es dann so weit ist, werden die Büffel geschlachtet. Die Toraja glauben, dass die Büffel ihre Toten schneller ins Jenseits bringen.  „Die gehen einfach ganz anders mit dem Tod eines Menschen um. Natürlich war es krass, bei der Büffelschlachtung zuzusehen.“ Melissa erzählt mir, dass die Büffel anschließend sogar gegessen werden. „Da wird nichts verschwendet. Jeder schneidet sich ein Stückchen Fleisch ab und transportiert es an einem Spieß nach Hause.“ Für Melissa und Petra ist es wichtig, hinter solche Traditionen zu blicken und zu erfahren, was sie genau bedeuten.

Group of people in black at funeral ceremony. Tana Toraja
Foto: istock.com/ElenaMirage

„Tote werden wie Lebende behandelt, bis die Beerdigung stattfindet. Eine Beerdigungszeremonie ist sehr teuer, die Vorbereitung kann schon mal 4 Jahre dauern. Bis dahin werden die Toten mit Essen versorgt und quasi behandelt, als würden sie nur im Krankenbett liegen.“

Bei meiner Recherche habe ich sogar herausgefunden, dass es dort eine Tradition gibt, nach der alle drei Jahre die Leichname wieder herausgeholt, zurecht gemacht und neu eingekleidet werden, um sie anschließend den Bewohnern zu präsentieren. Hierbei handelt es sich um eine Toten-Ehrung, die ebenfalls ein fester Bestandteil dieses Volkes ist.

Kulturschock: Ja oder nein?

Von den Einheimischen ist Melissa einfach nur begeistert. „Sie sind einfach so herzlich, freundlich und offen. Klar, wird man gerne auch mal nach Geld gefragt. Das ist dann zwar etwas unangenehm, doch man muss sich einfach mal in deren Situation versetzen und hinter die Fassade der Menschen blicken.“ Besonders bewundernswert findet Melissa das Volk der Seenomaden. „Ja, Kulturschock kann man es vielleicht nicht explizit nennen. Aber wenn man sieht, wie minimalistisch dieses Volk lebt, wie arm die Menschen dort wirklich sind aber trotz allem so glücklich und unbeschwert.“ Natürlich stehe man als Ausländer in den Dörfern häufig erstmal im Mittelpunkt, das gehöre aber zu einem Urlaub hier einfach mit dazu.

Die Menschen hier sind wirklich arm und dennoch so glücklich und unbeschwert.

Als Melissa im Dorf berichtet, dass sie aus Deutschland kommt, wird sie gefragt, mit welchem Boot man denn dorthin kommt. Außerdem erzählt sie mir, dass die Allgemeinbildung der Seenomaden auf einem relativ niedrigen Level ist, da viele die Schule bereits im Kindesalter verlassen. Das sei auch ein Grund, weshalb viele Seenomaden sesshaft geworden sind, sie möchten ihren Kindern eine bessere Bildung ermöglichen. Elektronik gibt es dort kaum. Wenn ein Einwohner dann doch mal einen Fernseher hat, dann versammeln sich zum Beispiel 20 Leute vor dem Fernseher, da es ein echtes Highlight ist.“

Musiker aus Makassar

Schattenseiten?

„Alle vier Jahre gibt es dort Wahlkampagnen. Zu unserem Reisezeitpunkt war es dann schließlich auch so weit. Ich muss sagen, dass es schon etwas unangenehm war, von einer Seite zur anderen gerissen zu werden.“ Da es sich bei Sulawesi nicht um einen typischen Touristenort handelt, versucht man, die beiden Ausländerinnen auf so gut wie jedes Foto zu bekommen, alles für die kommenden Wahlen.

Doch Melissa hat woanders schon schlechtere Erfahrungen gesammelt – beispielsweise im Jahr 2012 an einem anderen Ort in Indonesien bei einem Rollerunfall. Sie habe verletzt auf der Straße gelegen, doch niemand habe ihr geholfen. Natürlich sei sie im ersten Moment geschockt und zugleich enttäuscht von dem Verhalten der Menschen gewesen. Dass die Indonesier Angst davor haben, die Rechnung bezahlen zu müssen, wenn sie einen Verletzten ins Krankenhaus bringen, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Die Tiere, die es dort auf den Inseln zu kaufen gibt – nicht zum Streicheln, sondern zum Essen, seien auch etwas gewöhnungsbedürftig. Gegrillte Fledermaus oder Katze gehören hier teilweise dazu: „Die gibt es allerdings nicht an jeder Ecke, sondern nur auf bestimmten Märkten. Diejenigen, die sich so etwas angucken oder vielleicht sogar probieren, wissen vorher genau, worauf sie sich einlassen.“

Die Insel Sulawesi „saftig und authentisch“

Ich frage Melissa, mit welchen Worten sich Sulawesi am besten beschreiben lässt: „Abwechslungsreich, abenteuerlich und vielfältig. Und saftig an Natur, wenn man das so sagen kann.“ Melissa schwärmt von der wunderschönen, faszinierenden Unterwasserwelt, von den riesigen Vulkanen und Reisfeldern und besonders von den bezaubernden Stränden von Sulawesi. „Es ist einfach diese imposante Natur – authentisch würde es wohl am besten beschreiben!“

Str+ñnde in Sulawesiu

„Indojunkie – On The Road and Inside Indonesia“

Zum Schluss möchte ich noch kurz etwas über ihren Blog „Indojunkie – On The Road and Inside Indonesia“ erfahren, der übrigens den gleichen Namen wie der Reiseführer trägt. Ich möchte gerne wissen, was genau die Absicht ihres Blogs ist. „Generell gibt es noch nicht so viele Quellen über Indonesien.“ Melissa und Petra ist es in erster Linie wichtig, die Erfahrungen der Leute vor Ort zu teilen, die Orte und deren Einwohner genauer zu verstehen und alles nicht allzu touristisch zu gestalten. „Viele Freunde und Bekannte haben mich nach meinen Indonesien-Reisen häufig nach hilfreichen Insidertipps gefragt, also dachte ich mir, ist es keine schlechte Idee, alles in einen Blog zu packen.“ Dieser eignet sich gut für Backpacker, Auswanderer oder auch einfach für Indonesien-Begeisterte, die sich wie die beiden Bloggerinnen in Land und Leute verliebt haben.

Auf Bangka – Drehpause

Melissa und Petra wollen der indonesischen Insel Sulawesi ein Gesicht geben, und das gelingt ihnen gut. Indonesien ist weit mehr als nur Bali und verdient es, auch von euch entdeckt zu werden. Danke an die Mädels von Indojunkie für das ausführliche Interview.

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